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VS Bericht Thüringen 2007

„Freie Arbeiterinnen- und Arbeiterunion“ (FAU) mit Anbindung an die „Internationale Arbeiter Assoziation“ (IAA)[12]

Bei der FAU handelt es sich um eine anarcho-syndikalistische Gruppierung.[13] Ihr Anliegen ist die Schaffung einer herrschaftsfreien, direkt-demokratischen Gesellschaft, die sie durch „direkte Aktionen“ wie Selbstorganisation, Besetzungen, Boykotts, Streiks, Sabotage zu erreichen glaubt. Die FAU sieht sich als Gewerkschaft und ist bestrebt, sich vorrangig in der Betriebsarbeit zu engagieren.

In den Vorjahren traten anarchistische Gruppierungen in Thüringen nicht öffentlich in Erscheinung. Auch von der einzelnen Hinweisen zufolge in Altenburg angesiedelten Ortsgruppe der FAU wurden Aktivitäten bislang nicht bekannt.

Im März 2007 hatte sich eine Ortsgruppe der FAU in der Region um Meiningen gebildet. Ihr sollen einzelne Personen aus Meiningen und Suhl sowie weitere Sympathisanten angehören. Die Ortsgruppe, die sich „Freie ArbeiterInnen Union Südthüringen“ (FAUST) nennt, organisierte am 22. September eine erste Kundgebung in Meiningen.

Exkurs: Beispiel anarchistischer Selbstverwaltung oder Weiterführung kapitalistischer Konkurrenz? – Unterschiedliche Bewertung eines „Thüringer Experiments“ durch Linksextremisten

Innerhalb des linksextremistischen Spektrums wurde die vom 10. Juli bis 31. Oktober andauernde „Betriebsversammlung“ der Belegschaft des Nordhäuser Fahrradwerkes „Bike Systems“, welche aus Anlass der bevorstehenden Betriebsschließung durchgeführt wurde, mit Interesse verfolgt, um die Aktion schließlich für eigene Zwecke zu instrumentalisieren. Insbesondere die FAU engagierte sich frühzeitig. Ein „Solidaritätskreis Strike-Bike der FAU“ wurde gebildet, eine Fahne der FAU auf dem Betriebsgelände gehisst. Diversen Pressemeldungen zufolge sollen die während der ununterbrochenen „Betriebsversammlung“ gefertigten Fahrräder mit dem Logo der struppigen schwarzen Katze, einem typischen anarcho-syndikalistischen Symbol[14], versehen sein. Auf der Homepage der FAU berichtet ein unter dem Namen „Mephisto“ schreibender Angehöriger der Ortsgruppe Meiningen von seinem Besuch in der Fabrik in Nordhausen. In dem Beitrag nennt er die Belegschaft „die heimlichen HeldInnen der ArbeiterInnenklasse und die Avantgarde der hoffentlich bald kommenden proletarischen Revolution“. Ihre Aktion könne nur zur Nachahmung empfohlen werden, „auf das der Kapitalismus Schritt für Schritt zu Boden fällt“.

Unterstützung bekundeten auch Teile des autonomen Spektrums in Thüringen. So rief die „Antifaschistische Gruppe Südthüringen“ (AGST) dazu auf, sich „mit den Besetzer_innen zu solidarisieren und ein Zeichen gegen die systematische Ausbeutung und für ein selbstgestaltetes Leben zu setzten“.


[12] Die offizielle Abkürzung lautet FAU-IAA, jedoch ist auch in Veröffentlichungen der Gruppierung die Abkürzung FAU gebräuchlicher. Diese wird in der Folge verwandt.

[13] Der Begriff setzt sich aus dem griechischen Wort ànarcho (führerlos) und dem französischen Wort Syndikat (Vereinigung, Gewerkschaft) zusammen. Er bezeichnet anarchistische Organisationen mit gewerkschaftlichem Anspruch.

[14] Die schwarze Katze, auch „Sab Cat“, wird insbesondere mit dem Anarchosyndikalismus verbunden, auch die FAU verwendet sie. Darüber hinaus wird sie jedoch auch allgemein als anarchistisches Symbol angesehen.

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