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VS-Bericht Hamburg 2007

"Libertäres Kultur- und Aktionszentrum" (LKA) und "Libertäres Zentrum" (LIZ)

Libertäre gestehen jedem das Recht zu, mit seinem Leben und Besitz so zu verfahren, wie er es für richtig hält, vorausgesetzt, dass die Freiheit anderer dadurch nicht beeinträchtigt wird. Im 19. Jahrhundert gab es eine Gleichsetzung von "libertär" und "anarchistisch" - z.T. geschieht das heute noch. Der Anarchismus wird von der Forderung nach einer Gesellschaft ohne Herrschaft geprägt, da es den Menschen möglich sei, "Freiheit und Gleichheit auch in eigener Zuständigkeit" zu realisieren. Er richtet sich folglich gegen jedwede Form von Autorität. Einheitliche Organisationsstrukturen oder verbindliche Vordenker werden von Anarchisten grundsätzlich nicht akzeptiert.
Die anarchistische Szene in Hamburg verfügt lediglich über ein geringes personelles Potential, das sich in zwei unterschiedliche und weitgehend voneinander unabhängige Strömungen aufteilt: die anarchosyndikalistische
"Freie ArbeiterInnen Union" (FAU) - Ortsgruppe Hamburg - mit Sitz im "Libertären Kultur- und Aktionszentrum (LKA)", und die "klassischen" Anarchisten, die sich im "Libertären Zentrum" (LIZ) treffen

(Arbeitsfeld Linksextremismus / Organisationen und Gruppierungen / Autonome - Antiimperialisten - Anarchisten).

Die FAU ist für eine anarchistische Gruppierung verhältnismäßig gut organisiert.1977 wurde sie als deutsche Sektion der "Internationalen ArbeiterInnen Assoziation" (IAA) gegründet. Basis der Organisation sind die lokalen Orts- und Branchengruppen, die ihre Angelegenheiten und Arbeitsschwerpunkte nahezu autonom regeln. Regelmäßige bundesweite
und regionale Treffen stellen die Koordination der Gesamtorganisation sicher. Wichtige Entscheidungen werden durch Mitglieder-Urabstimmungen getroffen. Alle Mandate in der FAU sind nach dem Rotationsprinzip besetzt, daher gibt es weder bezahlte Funktionäre noch "Funktionärseliten". Die FAU gibt die anarchosyndikalistische Zeitung "Direkte Aktion" (DA) heraus. Sie soll ein Medium "für all diejenigen sein, die für eine selbstverwaltete Gesellschaft ohne Bosse, Staat, Parteien und Funktionäre eintreten."
Im Jahr 2007 nahm die FAU an mehreren Demonstrationen in Hamburg teil. Am 1. Mai schloss sie sich zunächst dem "Euromayday 2007 - Parade für globale Rechte" an und beteiligte sich anschließend an der "sozialrevolutionären Demonstration" unter dem Motto: "Heraus zum revolutionären 1. Mai" mit etwa 860 Teilnehmern.
Am 28.05.07 protestierten Mitglieder der FAU mit insgesamt etwa 3.900 Demonstranten im Rahmen der bundesweiten "ASEM-Demo" gegen das "Asia-Europe-Meeting" in Hamburg. Eine darüber hinausgehende Unterstützung der Anti-G8-Aktivitäten durch die FAU wurde nicht festgestellt. Zuletzt beteiligte sie sich am 15.12.07 in Hamburg an der bundesweiten
Demonstration unter dem Tenor: "Weg mit dem § 129a! Einstellung aller Verfahren! Gegen Sicherheitswahn und Überwachungsstaat!", die unter breiter Beteiligung der linksextremistischen Szene stattfand (? 5.3.1).
Neben Solidaritätserklärungen für die Bevölkerung Oaxacas (Mexiko), die gegen die Herrschaft und "paramilitärische Repression" der Regierung in ihrem Bundesstaat kämpft, zeigte sich die FAU solidarisch mit der Belegschaft der Fahrradfabrik "Bike Systems GmbH" im thüringischen Nordhausen. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen hielten ihren Betrieb vom 10.07. bis zum 31.10.07 besetzt, um eine endgültige Betriebsschließung zu verhindern. Während die Belegschaft in Selbstverwaltung einmalig 1.800 "Strike-Bikes" produzierte - mit dem typischen anarchosyndikalistischen Symbol der fauchenden schwarzen Katze - , bildete die FAU einen "Solidaritätskreis Strike-Bike", half beim Vertrieb und richtete eigens für diese Kampagne eine Homepage ein. Die "Café Libertad Kollektiv eG", die überwiegend von Mitgliedern der FAU betrieben wird, unterstützte die Kampagne.
Neben einem regelmäßigen Zentrumsplenum und einer libertären Bibliothek stand das LKA im Jahr 2007 für zahlreiche Veranstaltungen mit anarchistischem und politischem Hintergrund zur Verfügung.

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