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VS-Bericht 2006 der BRD

Verfassungsschutzbericht (BRD) 2006

3. Traditionelle Anarchisten

Anarchistische Konzepte werden in Deutschland insbesondere von Gruppierungen der „Graswurzelbewegung“ und den in der „Freien Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union“ (FAU) organisierten Anarcho-Syndikalisten, deutsche Sektion der „Internationalen Arbeiter Assoziation“ (IAA), verfolgt. Daneben bestehen weitere, kleinere anarchistische Gruppierungen wie Anarcho-Kommunisten oder deutsche Ableger der weltweit organisierten „Red and Anarchist Shinheads“.

Unter Bezug auf die aus dem angelsächsischen Kulturkreis stammende „Graswurzelidee“ (englisch: grass root movement) lehnen die Anhänger der „Graswurzelbewegung“ die bestehende Staatsund Gesellschaftsordnung ab und fordern stattdessen eine herrschaftsfreie, auf Selbstverwaltung gegründete Gesellschaft. Die seit 1972 regelmäßig erscheinende Zeitung „Graswurzelrevolution – für eine gewaltfreie, herrschaftslose Gesellschaft“ dient den Aktionsgruppen und sonstigen Zusammenhängen des Netzwerkes als Plattform. Darin artikulieren sie die Vorstellungen für die angestrebte „tiefgreifende gesellschaftliche Umwälzung, in der durch Macht von unten alle Formen von Gewalt und Herrschaft abgeschafft“ werden sollen. Die anarchistische Publikation verfolgt zudem das Ziel, „Theorie und Praxis der gewaltfreien Revolution zu verbreiten und weiter zu entwickeln“.

Die Bewegung, der etwa 200 Anhänger zuzurechnen sind, propagiert und verfolgt das Konzept des „zivilen Ungehorsams“. Danach ist neben bewussten Regelverletzungen auch „gewaltfreier Widerstand“ legitim, der zwar Sachbeschädigungen, nicht aber Übergriffe auf Personen einschließt. In ihrem „antimilitaristischen Kampf“ engagierten sich Anhänger der „Graswurzelbewegung“ erneut unter anderem gegen Atomwaffenstandorte

und nahmen im Februar 2006 an Protesten gegen die jährlich in München stattfindende Konferenz für Sicherheitspolitik teil.

Die in Syndikaten sowie Branchen- und Ortsgruppen agierende FAU als deutsche Sektion zählt bundesweit circa 300 Anhänger. Nach der im Internet eingestellten Prinzipienerklärung der FAUIAA von 2003 ist „Anarchosyndikalismus eine konkrete Vorgehensweise, aus den gegebenen Verhältnissen heraus zur herrschaftsfreien Gesellschaft zu gelangen“. Neben diesem Ziel der „Herrschaftslosigkeit“ wird die „Übernahme der Wirtschaft in Selbstverwaltung“ der Arbeiter und Arbeiterinnen angestrebt. Demzufolge legten die Mitglieder der FAU-IAA die Schwerpunkte der Agitation wie in den Vorjahren auf den „antikapitalistischen Kampf“ in Betrieben und Gewerkschaften und setzten  auf Formen der „direkten Aktion“ wie zum Beispiel Besetzungen, Boykotts und Streiks. Bundesweit führte die FAU-IAA Aktionen und Aufrufe durch, unter anderem gegen ein internationales Airline-Catering-Unternehmen oder gegen eine deutsche Supermarktkette zur Unterstützung von Streikaktionen der spanischen syndikalistischen Gewerkschaft CNT.

Der „Antimilitarismus“ beziehungsweise der 1. Mai als Arbeiterkampftag gehörten erneut zu den hervorzuhebenden Aktionsfeldern der FAU. So beteiligte sich auch die FAU an der Großdemonstration gegen die 42. Konferenz für Sicherheitspolitik in München.

Traditionelle Anarchisten aller Schattierungen befassten sich im Jahresverlauf auch mit der Mobilisierungsdiskussion für die geplanten Proteste im Zusammenhang mit dem 2007 in Heiligendamm (Mecklenburg-Vorpommern) stattfindenden G8-Gipfel.

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