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BERICHT ÜBER DIE INDUSTRIAL WORKERS OF THE WORLD (IWW)

Oslo, den 4. November 2006 Mit anarchosyndikalistischen Grüßen im Namen des IAA-Sekretariats Generalsekretär

BERICHT ÜBER DIE INDUSTRIAL WORKERS OF THE WORLD (IWW)

 

In der Zeit von 2004 bis 2006 schickte die IWW der IAA einige Informationen und im März 2005 der CNT-E eine Email zum Thema Zusammenarbeit. Das Permanente Sekretariat der CNT-E leitete dann die Email zum IAA-Sekretariat weiter. Vom Text her sah es so aus, als ob die Email für Frankreich (CNT-Vignoles?) bestimmt war, da er von längeren Arbeitszeiten in Frankreich handelte und davon, ob „die CNT eine Widerstandsstrategie gegen diese Maßnahmen in Frankreich und anderswo hat?“

In unserer Antwort an die CNT-E schrieb das Sekretariat, dass die Frage über die IWW eine Angelegenheit für das nächste Plenum oder den nächsten Kongress sein könnte:

„Und angesichts der engen Verbindung der IWWs zu parallelen Organisationen und der festen Beschlüsse gegen diese Organisationen von vergangenen IAA-Kongressen (einschließlich des 22. Kongresses) ist das Sekretariat der Meinung, dass die „IWW-Frage“ innerhalb der IAA diskutiert werden sollte, um einen Konsens in der Sache zu erreichen.“

Darauf erhielten die IAA sowie ihre Sektionen und Freunde im Februar 2006 eine Email von der International Solidarity Commission (ISC), in der diese ihre Hoffnung auf eine Intensivierung des Kontakts ausdrückte. Die IWW wurde auf dem IAA-Plenum in Prag im März 2006 diskutiert und es wurde entschieden, das Sekretariat einen Bericht über die IWW an den 23. IAA-Kongress zu den folgenden Themen erstatten zu lassen:

-IWW Ideologie und Struktur

-Gewerkschaftspraxis und Wahlen unter dem National Labor Relations Act (NLRA) und dem National

  Labor Relations Board (NLRB)

-Internationale Politik und Beziehungen zu parallelen Organisationen

Das Sekretariat hat die WSA und das SAN in den USA darum gebeten, ob sie uns weitere Informationen zu dieser Frage liefern könnten. Das SAN hat sich positiv, die WSA hingegen negativ geäußert. Das SAN hat uns wichtige Auskünfte und den beiliegenden Bericht, „The ‚Alternative Unionism’ of the IWW“—eine Kritik des Syndicalist Action Network, geschickt.

IWW Ideologie und Struktur

 

Der Leitspruch der IWW findet sich in dem Vorwort der Statuten der IWW:

„Die arbeitende Klasse und die ausbeutende Klasse haben nichts gemeinsam. Es kann keinen Frieden geben, solange Hunger und Not unter Millionen der Arbeitenden zu finden ist und die wenigen, aus denen die ausbeutende Klasse besteht, alle guten Dinge des Lebens besitzen.

Zwischen diesen Klassen muss der Kampf weitergehen bis die Arbeiter der Welt sich als eine Klasse organisieren, die Erde und die Produktionsmittel in Besitz nehmen, und das Lohnsystem abgeschafft ist.

Wir meinen, dass die Zentralisierung des Managements der Industrie in immer weniger Händen die Gewerkschaften unfähig machen, mit der immer größeren Macht der ausbeutenden Klasse mitzuhalten. Die Gewerkschaften fördern eine Lage, in der eine Gruppe von Arbeitern gegen eine andere Gruppe Arbeiter in derselben Industrie gegeneinander in Lohnkämpfen ausgespielt werden. Außerdem verleiten die Gewerkschaften die Arbeiter zu glauben, dass die arbeitende Klasse gemeinsame Interessen mit ihren Arbeitgebern haben. Diese Verhältnisse lassen sich ändern. Und das Interesse der arbeitenden Klasse kann nur von einer Organisation verteidigt werden, die so aufgebaut ist, dass alle Beschäftigten einer Industrie, oder wenn nötig, aller Industrien, aufhören zu arbeiten wann immer irgendwo ein Streik oder eine Aussperrung stattfindet. Ein Unrecht an einem ist ein Unrecht an allen.

Statt des konservativen Mottos: ‚Ein fairer Lohn für gute Arbeit’ müssen wir auf unsere Fahne die revolutionäre Losung: ‚Abschaffung des Lohnsystems’  schreiben. Der historische Auftrag der Arbeiterklasse ist die Abschaffung des Kapitalismus. Die Lohnarbeiter müssen sich nicht nur für tägliche Kämpfe mit Kapitalisten organisieren, sondern auch für die Weiterführung der Produktion nachdem der Kapitalismus endlich überwunden ist. Indem wir uns industriell organisieren, formen wir die Strukturen der neuen Gesellschaft in der Schale der alten.“

Die IWW wurde 1905 durch Teile der Socialist Party/Socialist Trades & Labor Alliance, der Socialist Party of America, der Western Federation of Miners und der Survivors of the International Working People`s Association gegründet. Als die Arbeiterklasse begann, Gewerkschaften zu organisieren, geschah dies anfangs in Handwerkervereinen [craft unions- d.Ü.] und in Gewerkschaften [trade unions- d.Ü.]. Die Kapitalisten spalteten oftmals Handwerkervereine und Gewerkschaften entlang der Streitlinie, wie es oben in der Präambel beschrieben wird. Mit der Zentralisation und dem Anwachsen von kapitalistischen Unternehmen und der Staatsbürokratie glaubten viele Arbeiter, dass ihre Einrichtungen ähnlich groß und koordiniert werden sollten.

Aus dieser Notwendigkeit heraus propagierte die IWW das Konzept der „einen großen Union.“ Der von der IWW entwickelte vernünftige Industrielle Unionismus betonte die folgenden grundsätzlichen Regeln:

-Alle Arbeiter derselben Industrie [egal, welchen Berufes–d.Ü.] gehören derselben

 Industriegewerkschaft an;

-Alle Mitglieder dieser Industriegewerkschaften sind gleichzeitig Mitglieder der „einen

 großen Union“ der Arbeiterklasse;

-Einem Arbeiter, der den Job wechselt, steht derselbe unentgeltliche gewerkschaftliche Schutz am neuen Arbeitsplatz zu – einmal ein Gewerkschaftsmitglied, immer ein Gewerkschaftsmitglied“;

-Kein Angehöriger der Arbeiterbewegung sollte sich verpflichten, an von Streikbrechern hergestellten

 Materialien zu arbeiten, Streikbrechern Materialien zu beschaffen, Aufträge auszuführen, die von

 streikenden Arbeitern ausgeführt werden sollten, eine Streikpostenkette zu durchbrechen oder auf

 irgendeine andere Weise dazu beitragen, einen Streik zu brechen.

Das Ziel der IWW ist es, die Arbeiterklasse in Strukturen zu organisieren, die der Wirklichkeit der Industrie entsprechen. Sie nutzt ein Nummernsystem, das genügend Möglichkeiten für künftige Änderungen und Ergänzungen angesichts neuer Technik oder neuer Industrieprozesse bietet. Die Industriegewerkschaften werden in sechs Hauptbereiche eingeteilt:

100: Rohstoffe, die gezüchtet oder angebaut werden können;

200: Rohstoffe des Bergbaus, der Steinbrüche oder Ähnliches;

300: Straßen-, Haus-, Schiff-, Hafen-, Kanalbau, usw.;

400: Herstellung von Lebensmitteln, Kleidung, Werkzeugen, Maschinen, usw.;

500: Verkehr und Kommunikation

600: Die verschiedenen Dienstleistungen von Schulen, Krankenhäusern, Theatern, Läden und

        öffentlichen Versorgungseinrichtungen.

Der Artikel „The IWW-Its first 100 Years” von Harry Siitonen skizziert die Entwicklung der IWW von ihrer Gründung  1905, über ihre Spaltung 1908, als Daniel de Leon von der Socialist Labor Party die „Detroit IWW“ gründete, die von der IWW organisierten Streiks von 1912, als die IWW 50.000 Mitglieder unter Hafen-, Landwirtschafts-, Textil- (Lawrence-Streik), Forst- und Bergbauarbeitern hatte. Dann die staatliche Repression gegen die IWW bis hin zur Ermordung Joe Hills (des Schweden Joel Hägglund) und die Lynchstimmung gegen die IWW während des ersten Weltkriegs mit Gesetzen gegen „Kriminellen Syndikalismus“ und der Inhaftierung von Aktivisten.

Siitonen erzählt auch, dass Tausende von IWW-Mitgliedern der Socialist Party angehörten, und über die große „Flucht“ vieler von ihnen aus der Socialist Party wegen ihrer Unterstützung für die direkte Aktion. Die Anti-IWW-Fraktion der Socialist Party machte diese Methode für die Wahleinbussen verantwortlich. Einer der Ausgeschlossenen war Bill Haywood, der 1908 mit dem Socialist Party- und IWW-Mitglied Eugene Debs im Präsidentschaftswahlkampf herumreiste. Später wurde Haywood Mitglied in der Kommunistischen Partei und Siitonen beschreibt die Kontroversen bezüglich der Roten Gewerkschafts- Internationale.

Moskau wollte die Mitglieder der Zentralkoordination der IWW, des General Executive Board [Generalexekutivrats- d.Ü.] der IWW (GEB), benennen und immer wieder hat es harte Debatten innerhalb der IWW über die „Macht“ des GEB gegeben. Im Gegensatz zu revolutionären syndikalistischen und anarcho-syndikalistischen Organisationen fehlten der IWW mit ihrem zentralistischen „One Big Union“-Konzept die starken horizontalen Strukturen, um die zentrale Koordination kontrollieren zu können. Heute veranstaltet die IWW jährliche Generalversammlungen mit Referenden und der Generalkassensekretär arbeitet Vollzeit und bekommt ein Gehalt von der Organisation.

Die Kontroversen über die Kommunisten und das sogenannte Notprogramm hatten 1924 große Verluste an Mitgliedern und Einfluss für die IWW zur Folge, aber sie war trotzdem Ende der 20er Jahre dazu in der Lage, einen erfolgreichen staatenweiten Bergbaustreik in Colorado zu organisieren. Die IWW nahm auch an den Organisierungskampagnen der CIO [Congress of Industrial Organizations- d.Ü.] in den 30er Jahren teil. In den 30ern kam ein neues Gesetz namens „National Labor Relations Act“ (NLRA) [Gesetz über Arbeitsbeziehungen] heraus. Das National Labor Relations Board (NLRB) [Bundesbehörde für Arbeitsbeziehungen-d.Ü.] sollte das Gesetz, welches auch Wagner Act genannt wird, umsetzen.

Die meisten IWW-Sektionen lehnten die Einmischung von Politikern ab. Nichtsdestoweniger haben wir ein Dokument, das wir vom Syndicalist Action Network (SAN) erhielten, aus dem Jahre 1939 beigelegt, das beschreibt, wie die IU-440 in der Steel Stamping Company (Cleveland) ihren Konzern über die National Labor Relations Board anklagte.

Das NLRA wurde mit dem Taft-Hartly Gesetz von 1947 verschärft, mit dem eine Reihe von verbotenen Aktionen bzw. „unfairen Arbeitspraktiken“ der Gewerkschaften hinzugefügt wurden, das nicht nur von den Unternehmern empfohlen wurde. Fred W. Thompson schreibt in dem Buch, „The IWW-Its first seventy years“(Seite 191):

„Die IWW protestierte gegen das Gesetz, hauptsächlich aus dem Grund, weil es nur ein System von Unionismus zuließ, mit dem garantiert nutzlose und harmlose Gewerkschaften geschaffen würden (wie Entwicklungen in Südafrika zu dieser Zeit gezeigt hatten); es ist die Pflicht der Gewerkschaften, sich von politischem Einfluss freizuhalten, nicht die Aufgabe von Politikern; das Verbot von Solidarität-Streiks und Sekundär-Boykotten bildete praktisch einen Befehl zum Streikbrechen.“

Siitonen erzählt, dass die IWW während der 1930er Jahre etliche Ofenfabriken in Cleveland organisierte, mit denen sie Verträge unterschrieb und [deren Arbeiter-d.Ü.] sie bis in die 1950er vertrat. Laut Fred W. Thompson wurde die Sektion Cleveland 1950 ausgeschlossen, weil sie wollte, dass die IWW-Gewerkschaften die NLRB-Dienste nutzen. In einem IWW-Referendum kam eine 2:1-Mehrheit gegen das Taft-Hartly-Gesetz ohne Cleveland zustande, aber hätte die Cleveland-Sektion noch bestanden und wären ihre Stimmen gezählt worden, wäre eine Mehrheit für die Cleveland-Position erreicht worden.

Die ursprüngliche IWW von 1905 praktizierte laut ihrer Selbstdarstellung „Solidarity Unionism“, der auf eigener Stärke und Solidarität basierte. Die direkten Aktionen sollten ein wirksamer Schlag sein und vielfältige Methoden sollten angewandt werden. Die IWW war entschieden gegen zeitverbindliche* Verträge und (laut Thompson) waren  solche Abkommen nach den IWW-Statuten bis 1938 verboten, als sie geändert wurden, um solche Praktiken zu erlauben (Seite 176).

(Weitere Auskünfte in der Beilage „Appendixes 1“)

Gewerkschaftspraxis und –wahlen gemäß dem National Labor Relations Act (NLRA) und der National Labor Relations Board (NLRB)

Dem beigelegten Bericht, „The ‚Alternative Unionsim’ of the IWW“- einer Kritik des Syndicalist Action Network (SAN), zufolge, scheint 1973 ein Wendepunkt in der IWW-Ausrichtung stattgefunden zu haben. Ausgelöst wurde dieser laut dem SAN-Bericht von Mitgliedern der Socialist Party, die in der IWW organisiert waren.

Wir erwähnen in dem Sekretariatsbericht an den 23.IAA- Kongress folgendes:

„Im Gegensatz zum SAN und zur WSA ist die IWW eine Gewerkschaft. Das SAN schickte uns viele Informationen über die IWW und laut dieser Auskunft hat die IWW ein jährliches Formular namens ‚Labor Management (LM) 3 Form’ beim US  Department of Labor [amerikanisches Arbeitsministerium- d.Ü.] eingereicht. Die IWW meldete damit unter anderem die Einnahme ihrer Mitgliedsbeiträge. 2005 meldete die IWW eine Gesamtmitgliederzahl von 1.298. Es hat in den vergangenen Jahren einen Zuwachs im Vergleich zu den 850 Mitgliedern des Jahres 2000 gegeben.“

Dieses ‚Labor Management Form’ war 1973 eines der umstrittenen Themen. Der SAN-Bericht dazu:

„1973 wies die landesweite Führung der IWW darauf hin, dass die IWW- Generalhauptquartiere in Übereinstimmung mit dem Landrum-Griffin Act beim amerikanischen Arbeitsministerium Berichte [mit dem Formular- d.Ü.]  „Berichte und Auskünfte Sektion“ einreichen mussten. In der 2. Auflage des ‚offiziellen’ historischen Buches über die IWW, THE IWW:  ITS FIRST SEVENTY YEARS (1905-1975), das von Patrick Murfin und Fred Thompson verfasst  wurde, schrieb  Mr. Murfin auf Seite 216:

 

‚Der Generalkassensekretär  Michael Brown legte 1973 den Bericht auf Verlangen routinemäßig vor. Damit begann eine ernste Kontroverse innerhalb der Organisation, die in vielerlei Hinsicht  an die Taft-Hartley- Spaltung 20 Jahre zuvor erinnerte. Manche Mitglieder fürchteten, dass die Abgabe  solcher Berichte einem Einverständnis zur Einhaltung der anderen unausstehlichen Vorschriften des Landrum-Griffen Acts, wie des Verbots von Sekundärboykotten, ‚hot cargo’- Verbote und Beschränkungen darauf, wer  Gewerkschaftsfunktionär sein darf, bedeutet.[1] Diese Mitglieder kamen zur Vollversammlung [der IWW] von 1973,  aber ihr Versuch, die weitere Abgabe dieses Berichts einzustellen, blieb ohne Erfolg.’

 

Patrick Murfin schreibt weiter:Da sie die Angelegenheit für wichtig hielten, sammelten die andersdenkenden Mitglieder genug Unterschriften, um die Frage der gesamten Organisation in Form eines Referendums zu stellen. Eine rege Debatte folgte auf  den Seiten des ‚General Organization Bulletin’  und während der lokalen Branchentreffen. Die Ergebnisse des Referendums bestätigten  die Entscheidung der Vollversammlung, den Bericht weiter jährlich abzugeben.’“ (Seite 12)

Der SAN-Bericht kommentiert:

 „Patrick Murfin’s Beschreibung von diesen Ereignissen ist parteiisch und fehlerhaft. Er hat in seiner Schilderung aber zumindest anerkannt, dass ein Streit über diese Frage in der Organisation stattgefunden hat.

Die Vollversammlung von 1973 traf KEINE Entscheidung über die fortdauernde Abgabe des staatlichen Berichts. The Industrial Worker[2] erwähnte KEINE solche Entscheidung in seiner Berichterstattung über die Vollversammlung 1973, noch ist dort von einem Antrag oder einer Resolution die Rede, die von der Vollversammlung positiv abgestimmt wurde, um die Abgabe solcher Berichte zu unterstützen.

Zudem erwähnte The GOB [General Organizational Bulletin]  KEINE solche Entscheidung von der Vollversammlung von 1973, noch irgendeine Resolution, die die Abgabe solcher Berichte billigte. ‚Eine rege Debatte’ fand auf den Seiten des „GOBs“ NICHT statt; die meisten widersprechenden Aussagen von Anarchisten wurden NIE im „GOB“ veröffentlicht. Auf den lokalen Branchentreffen gab es auch keine ‚rege Debatte’, dank der Mitglieder der Socialist Party...Der Mehrheit der IWW-Mitglieder wurde es zu dieser Zeit NICHT erlaubt, an irgendwelchen grundlegenden Diskussionen oder Debatten über die Übereinstimmung mit der NLRB teilzunehmen“ (Seite 13)

Das Hauptargument des SAN ist, dass die Abgabe des Berichts „Labor Organization Information Report“ begann, bevor die Mitglieder der IWW eine Chance bekommen hatten, diese Frage zu behandeln, und dass die Abgabe des Berichts nicht nur eine technische Frage, sondern „die erste Konformitätshandlung mit der NLRB und ihren Prozessen war.“ (Seite 16) Das Originaldokument von 1973 liegt bei. Es ist sehr wichtig zu bemerken, wie diese Abgabe die IWW offen für die Kontrolle durch das amerikanische Arbeitsministerium macht, da es die Gelegenheit bekommen muss, alle Daten und Information zu überprüfen, auf denen der Bericht basiert.

The Labor Management Reporting and Disclosure Act [Das Gesetz zur Berichterstattung und zur Auskunft der Gewerkschaftsverwaltung – d.Ü.], auch als das Landrum-Griffin bekannt, wurde 1959 herausgebracht und diente als Vorwand zur Kontrolle der Finanzen und der Beziehungen zwischen den Gewerkschaften und ihren Mitgliedern, um das „organisierte Verbrechen“ zu bekämpfen. Beigelegt ist das Dokument „The Basic Labor Laws (United States of America)“, das einen Überblick über die Gesetze und das Arbeitsrecht bietet. Man sollte sich darüber bewusst sein, dass das NLRA ein Gesetz für die Privatwirtschaft ist, und dass der öffentliche Dienst seine eigenen Gesetze, den „Public Employee Relations Act (PERA)“ mit der „Public Employee Relations Board (PERB)“, besitzt.

Wenn wir uns die heutige IWW ansehen sollen, ist es erforderlich, Artikel wie Siitonens „The IWW-It’s First 100 Years“, in dem die Neugestaltungsversuche von den 60er Jahren bis 2005 beschrieben werden, die IWW-Zeitung „Industrial Worker“, die IWW-Webseite und andere Veröffentlichten zu lesen. Offensichtlich nutzen heute viele IWW-Sektionen den legalen Rahmen sowie den NLRA und die NLRB. Das Syndicalist Action Network (SAN) hat offizielle Dokumente geschickt, die dieses beweisen:

Steel Stamping Company (1939), Mid America Machinery Company (78, 79 und 1981), Gerichtsverfahren von Ohio. John Perotti etc. (1989), Midon Restaurant (Juni und August 2000) und Lange and Perkins (2002). (Siehe die gesammelten Anhänge 2B)

Laut dem Artikel „Strategies for Union Recognition“ [Strategien für die Anerkennung einer Gewerkschaft-d.Ü.], der auf der Webseite der IWW zu finden ist, gibt es vier Wege, eine Anerkennung zu bekommen, wobei jede Methode Vor- und Nachteile hat:

Die Erste- Direkte Aktion am Ort der Produktion wird mit den Worten „du musst nicht eine anerkannte Gewerkschaft sein, um als Gewerkschaft zu handeln“ dargelegt und es werden Beispiele von der „historischen“ IWW erwähnt. Diese Strategie kann auch angewandt werden, falls eine Gewerkschaft keine offizielle Anerkennung von den Arbeitgebern erhält. Im Artikel heißt es, „wenn ihr euch für die direkte Aktion am Arbeitsort entscheidet, wird die IWW euch 100-prozentigen Ruckhalt geben, solange die Ziele die gesamte Bewegung vorantreiben und die Bedingungen der Arbeiter und der Arbeiterklasse verbessern.“

Die Zweite- Streiken für Anerkennung heißt, die direkte Aktion am Arbeitsplatz anzuwenden. Dem IWW-Artikel nach muss die Unterstützung für die Gewerkschaft nahezu einstimmig sein und „[wenn] der Arbeitgeber eine freiwillige Mitgliedskartenkontrolle ablehnt, kann ein kurzer Streik den Arbeitgeber dazu zwingen, die Gewerkschaft anzuerkennen, ohne eine langwierige NLRB- oder PERB-Wahl durchlaufen zu müssen.“ In dem Artikel wird erzählt, dass diese Strategie auch benutzt werden kann, um Verzögerungen einer NLRB-Wahl seitens des Arbeitgebers zu beenden.

Die Dritte- die Freiwillige Mitgliedskartenkontrolle - heißt, 50% plus eine Person zum Unterschreiben von „Gewerkschaftsbevollmächtigungskarten“ sowie den Arbeitgeber von der freiwilligen Anerkennung der Gewerkschaft zu überzeugen. Eine „Gewerkschaftsbevollmächtigungskarte“ ist ein offizielles Dokument, um Arbeitnehmer zu erfassen, aber die Arbeitnehmer müssen weder organisiert sein, noch für eine Gewerkschaft bei einer NLRB- oder PERB-Wahl stimmen.

Die Vierte- die NLRB- oder PERB- Wahlen bilden die üblichste und bewährteste Strategie der Gewerkschaften in den USA, um eine Anerkennung als Gewerkschaft zu erhalten, sobald 30% der nicht leitenden Beschäftigten im Betrieb die Gewerkschaft ihrer Wahl darum bitten, an die NLRB oder PERB zu appellieren, eine geheime Wahl zur Gewerkschaftsvertretung abzuhalten. Wenn 50% plus eine Person für eine gewerkschaftliche Organisierung stimmen, darf die Gewerkschaft die Arbeitnehmer rechtmäßig bei Verhandlungen am Arbeitsplatz vertreten, und wenn dieser Prozess nicht aufgehalten wird, was öfters geschieht, ist der Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet, die Gewerkschaft anzuerkennen.

Wir bitten euch auch, das beigelegte Material zu lesen, unter anderem den Artikel aus der Anarcho Syndicalist Review #44-Sommer 2006, der über die Kämpfe der IWW erzählt. Die Starbucks Workers Union gewann in einem NLRB-Verfahren im März, aber es hat danach mehrere Entlassungen von Gewerkschaftsaktivisten gegeben; eine Kampagne für die Wiederanstellung von vier IWW-Mitgliedern dauert noch an.

Sie [die ASR-d.Ü.] berichtet auch von einem Sieg der IWW in einer NLRB-Wahl bei EZ Supply & Co. in New York und dass die Arbeiter der Amersino Marketing Group in Queens [NYC- d.Ü.] an einer NLRB-Wahl teilnahmen, aber ihnen Stimmen aufgrund von Wahlfälschung und Einschüchterung durch den Arbeitgeber verloren gingen. Zwei Arbeiter wurden entlassen, worauf die Arbeiter die Arbeit nieder legten. Dieser Streik hatte laut dem „Industrial Worker“ vom Juni 2006 eine Aussperrung und noch mehr Entlassungen zur Folge.

In Bezug auf die anderen genannten Beispiele forderten die Arbeiter von East-End Food eine Mitgliedskartenkontrolle (siehe Strategie 3 oben) und der Arbeitgeber versuchte die Arbeiter durch die Bildung einer neuen Gewerkschaft zu spalten. Die IWW Shattuck Kinoarbeiter in Berkeley forderten und gewannen eine NLRB-Wahl. Der ASR-Artikel berichtet auch von der Chicago Couriers Union (CCU), die laut dem Artikel weder formelle Anerkennung noch einen Vertrag will. Stattdessen versucht sie den Beschwerden der einzelnen Arbeiter mit Hilfe eines Anwalts nachzugehen.

Die ehemalige Generalkassensekretärin der IWW, Alexis Buss, hat aktiv einen „Minderheitsunionismus“ vorangetrieben. Laut den zwei Artikeln, die beigelegt sind, sagt sie, dass Gewerkschaften die Bewegung wiederbeleben müssen, indem sie aus den herkömmlichen Formen ausbrechen, nach „einem Rezept, das schwer vorzubereiten ist“: „Eine Mehrheit der Arbeiter stimmt für die Gewerkschaft ab und dann wird ein Vertrag ausgehandelt.“ Über „Minderheitsgewerkschaften“ sagt sie:

Nach  diesem exklusiven Verhandlungsmodell versuchen die Gewerkschaften nicht, während der Arbeitszeit  zu funktionieren, bevor sie eine offizielle Anerkennung erhalten. Dieses Verfahren bietet den Bossen nahezu  uneingeschränkte Gelegenheit, die Arbeiter zu bedrohen und einzuschüchtern und kann Jahre dauern. Es ist ein System, das zur Behinderung  der Organisierung der Arbeiter geschaffen wurde—und die IWW wies darauf hin, als der National Labor Relations Act verabschiedet wurde.

Wenn wir die erste Strategie-„Direkte Aktion am Ort der Produktion“- betrachten, scheint sie die der historischen IWW am nächsten stehende zu sein und den Geist von Alexis Buss’ „Minderheitsunionismus“ zu teilen. Aber uns muss auch bei den vielen IWW-Gewerkschaften bewusst sein, dass sie, unabhängig davon, ob sie eine offizielle Anerkennung durch die NLRB (oder PERB) anstreben oder nicht, in der Minderheit sind, und die IWW muss eine Strategie für diese Gewerkschaften entwickeln. Im Artikel Minderheitsunionismus sagt Alexis Buss auch:

Obwohl sich die Arbeitsrechtsordnung am Mehrheitsunionismus ausrichtet, gilt das eigentlich  nicht als Voraussetzung. Solange Arbeiter an einem Strang ziehen, genießen sie dieselben Grundrechte – wie zum Beispiel diese - unabhängig davon, ob sie einer offiziell anerkannten Gewerkschaft angehören. Allerdings genießen sie in bestimmten Fällen  mehr Rechte, da die  Gerichte entschieden haben, dass die meisten Gewerkschaftsverträge das Streikrecht stillschweigend  aufgeben.

Und weiter: „Es ist illegal, die Mitglieder einer Minderheitsgewerkschaft wegen ihrer Gewerkschaftsaktivitäten zu entlassen, sie zu diskriminieren, sie wegen Streikens zu entlassen, die Beteiligung gewerkschaftlicher Vertreter an Anhörungen im Disziplinverfahren abzulehnen, usw. Eine organisierte Gruppe von Arbeitern hat legale Rechte, obwohl es ein Irrtum  wäre zu erwarten, die Arbeitsbehörden würden für sie irgendetwas  energischer erzwingen  als für anerkannte Gewerkschaften.

Vergleicht dies mit dem Artikel „Communal Rights“ von Staughton Lynd. Er verweist auf Abschnitt 7 des NLRA und §157, der ein Recht auf „das Engagement in... abgestimmten Aktivitäten zum Zwecke...der gegenseitigen Hilfe oder zum Schutze“ proklamiert. (Zu handeln in „Abstimmung mit“  bedeutet „zusammen mit“.) Er unterstreicht aber, dass die NLRB und die Gerichte alles dafür getan haben, das Recht, sich in abgestimmten Aktivitäten zu engagieren, zu untergraben, und zwar auf drei Arten:

„Erstens gewähren die  NLRB und die Gerichte den gewerkschaftlich organisierten Arbeitern viel mehr Schutz als den Nichtorganisierten und in einem Betrieb mit einer anerkannten Gewerkschaft schützen die  NLRB und die Gerichte nur abgestimmte Aktivitäten, die von der Gewerkschaft gebilligt wurden. Zweitens haben die  NLRB und die Gerichte die Annahme gefördert, dass das Recht auf  abgestimmte Aktivität ein ‚kollektives’  Recht sei, das zwar der gesamten Gruppe, aber keinem Einzelnen zusteht. Drittens haben die NLRB und ihre treuen Gerichte die Kampfziele eingeschränkt, für die die Arbeiter  gemeinsam legal eintreten dürfen, nämlich nur für eigennützige statt für Klasseninteressen.“

(Siehe Anhänge 2A/B/C)

Internationale Politik und Kontakt zu Parallelorganisationen

 

Die IWW ist eine internationale Organisation und hat deswegen Kontakte zur IWW in Großbritannien, IWW Australien, usw. Der Begriff „parallel“ bezieht sich in diesem Bericht auf den Kontakt zu Organisationen wie SAC, CGT, Vignoles, USI-Rom, usw.

Wir werden in diesem Bericht nicht ins Detail gehen, aber es ist klar, dass die „historische“ IWW mit ihrem Konzept von industriellen Strukturen, direkter Aktion und entschiedener Ablehnung verbindlicher Verträge viele revolutionäre und anarchosyndikalistische Organisationen beeinflusste. Und viele Arbeiter, die in die USA einwanderten, um Arbeit zu suchen, brachten libertäre Ideen mit in die US-Arbeiterbewegung.

Für diejenigen, die sich für die Geschichte der internationalen Politik der IWW interessieren, ist der Artikel „The IWW and the Search for an International Policy, 1905-1935“ von Wayne Thorpe (veröffentlicht in der ASR #42/43- Winter 2006) ein guter Anfang. Wayne Thorpe schreibt (Seite 17), dass „die Gewerkschaften, die den Namen IWW trugen, sich selbst nicht unbedingt als Teil einer internationalen Organisation betrachteten. Die weitaus größte von diesen, die Chilenische IWW, identifizierte sich mit der IWMA (der heutigen IAA) und schloss sich ihr sofort  an.

Und weiter (Seite 18): Die Marine Transport Workers [Seetransportarbeiter- d.Ü.] waren die international aktivste IWW-Gewerkschaft und die Existenz von vielen ausländischen „Verwaltungen“ war das Werk der Seemänner. Diese Gewerkschaft, für die eine internationale Strategie von direkter und dringender Wichtigkeit war, hatte beschlossen, dass das Gründen von IWW-Branchen an anderen Orten eine unzureichende Strategie war. 1931 appellierte die MTW für eine Zusammenarbeit „mit bestehenden syndikalistischen Organisationen der verschiedenen Ländern, die dieselben Prinzipien haben“.

Mit „Syndikalistisch“ sind in diesem Zusammenhang vor allem die revolutionären Organisationen der IAA gemeint und die MTW entschied sich für einen Anschluss an die IAA, nachdem die IWW zwei Abstimmungen Mitte der 30er Jahre durchführte, und lehnte bei der letzten eine Angliederung der IWW an die IAA ab, nachdem sie darauf hingewiesen wurde, dass ein IAA-Beitritt die IWW verpflichten würde, dass sich ihre Mitglieder für ihre religiösen und politischen Haltungen entscheiden, welche sie immer dem Einzelnen überlassen hatte. (Seite 177, Fred Thompson „The IWW-Its First Seventy Years“)

Wenn wir die internationale Politik der IWW und ihre Verbindungen zu Parallelorganisationen in den letzten dreißig Jahren kurz zusammenfassen, gibt es einige bemerkenswerte Ereignisse:

1975-1985

 

Die IWW war während der Spanischen Revolution aktiv an der Solidaritätsarbeit für die CNT beteiligt und unterstützte die CNT-AIT auch Ende der 70er Jahre. Dazu steht in der IWW Chronology (1972-1977) von Mike Hargis, dass 1976:

Das  New York City General Defense Committee [New Yorker Generalverteidigungskomitee- d.Ü.] richtet den internationalen Libertarian Labor Fund [Libertertären Arbeiterfond- d.Ü.]  zur  Spendensammlung  für die CNT in Spanien ein.  Sponsert  eine Tour durch Nordamerika mit dem alten  Anarcho-Syndikalisten  Augustin Souchy. Die Tour bringt mehr als $3000.“ Und: „IWW bringt Solidaritätsbriefmarke zur Unterstützung des Wiederaufbaus der CNT heraus.

Dies war eine Zeit, in der viel Aufmerksamkeit auf Spanien und den Wiederaufbau der CNT-AIT gelenkt wurde. Die CNT-AIT veranstaltete ihren 5.Kongress 1979 und Splittergruppen gründeten die „CNT-Valencia.“ Nach dem 6.CNT-AIT-Kongress 1983 schloss sich eine neue Splittergruppe der „CNT-Valencia“ an und gründete 1984 die sogenannte „Vereinigte CNT“.

Die IWW pflegte während dieser Zeit freundschaftliche Kontakte zur SAC (und hat sie immer noch), außerdem gab es IWW-Gruppen in Schweden. Die SAC unterstützte die CNT-AIT und versuchte eine Achse mit den Reformisten in der CNT-AIT schon vor 1979 zu formieren. Sie unterstützte die Spaltung trotz der heftigen Reaktion der CNT-AIT auf die SAC-Politik in Spanien weiter.

Die „Vereinigte CNT“ legte in ihrem Beschluss „Internationale Beziehungen“ fest, dass sie auch wenn sie kein Mitglied der IAA sei, „einen Prozess der Neuorganisierung einer IAA“ beginnen würde, „in der alle Sektionen eine authentische gewerkschaftliche Realität und soziale Praxis hätten“. Sie würde regelmäßige und enge Verbindungen zur SAC und zur IWW pflegen, den einzigen Organisationen mit „einer anarchosyndikalistischen Wirklichkeit in der Welt.“

Während die IWW Kontakte zur SAC hatte, unterstützte sie laut mehrerer Quellen auch die CNT-AIT gegen die „Renovadas.“ Im Libertarian Labor Review #13 Winter 1992-93 steht: “unsere Mitglieder verteidigten die CNT-AIT und halfen, die Industrial Workers of the World zu beeinflussen, damit sie allein die CNT-AIT anerkennen würde.“

Die IAA erkannte die Libertarian Workers Group 1978 als ihre Mitgliedsorganisation an und die LWG gründete zusammen mit anderen Gruppen die landesweite WSA, die auf dem 17. IAA-Kongress 1984 in Madrid IAA-Sektion der USA wurde. Einige Anarchosyndikalisten in der IWW, z.B. diejenigen, die etwas später die LLR formierten, reagierten darauf , weil sie mit der WSA-Politik nicht einverstanden waren und meinten, dass mehr Anarchosyndikalisten in der IWW wären als in der WSA, usw.

1985-1995

 

In Mai 1986 veranstaltete die IWW die International Labor Solidarity Conference in Chicago, bei der Delegierte aus Polen (Solidarnosc-Exilanten), Schweden (SAC), Frankreich (FA und CFDT), Südafrika (SAAWU), Japan (RSU) anwesend waren, mit Unterstützungserklärungen aus Spanien (Coordinadora) und Venezuela.

Es gab zwei „CNTs“ in den 80er Jahren, die Ansprüche darauf erhoben, die CNT zu sein, und die Frage des CNT-Erbes etc. wurde 1989 per Urteil entschieden. Die „CNT“- Spaltung verlor vor Gericht und änderte ihren Namen in CGT. Dokumente aus der Zeit des Kölner Sekretariats fehlen uns, da sie sich im Besitz der FAL befinden, aber die meisten Auskünfte deuten darauf hin, dass die IWW 1989/90 eine Vollversammlung oder/und ein Referendum abhielt, welches ein Komitee mit einem Mandat zur Prüfung einer Mitgliedschaft in der IAA ausstattete. Soweit wir wissen, wurde auch festgelegt, dass die IWW weiterhin Kontakte zu „anderen unabhängigen, revolutionär-syndikalistischen Organisationen“ pflegen (wie SAC, usw.) sollte.

Die IWW schrieb eine kurze Anfrage an die IAA und sie bekam eine Antwort, die nach Details einer Verbindung mit der IWW-Politik fragte. Sie wurde auch darüber informiert, dass die IAA-Statuten festlegen, dass sie einen Dialog mit der WSA als der US-Sektion der IAA aufnehmen müsste. Soweit wir wissen, bekam die IAA keine Rückmeldung von der IWW. (Wie auch immer, es kann überprüft werden!)

1987 hielt die „CNT-Spaltung“ einen Kongress ab und bat die SAC um Rat zur Gestaltung ihrer internationalen Politik. Anschließend organisierte die SAC 1990 die „International Syndicalist Conference“ in Stockholm, wo Organisationen, einschließlich der CGT-E, anwesend waren. Die IWW wurde von Jeff Ditz vertreten und er schrieb einen Artikel im „Industrial Worker“- Dezember 1990, wo es hieß:

Mehrere Leute drückten ihr Interesse an einer möglichen  Mitgliedschaft der IWW in der AIT aus. Einige hatten in der Zeitung der deutschen Sektion der AIT gelesen, dass die Aufnahme  schon stattgefunden hätte. Diese Unklarheiten wurden aufgeklärt. Ich fand es nötig, mehrmals den Punkt anzusprechen, dass der Aufbau internationaler Solidarität in unseren Bewegungen die Politik der IWW ist. Oder,  um das  internationale Programm der SAC zu frei wiederzugeben: Unser Ziel ist die Entwicklung guter Beziehungen in  einem breiten Netzwerk internationaler Kontakte zum Zwecke des  Informationsaustauschs  und strategischer Diskussionen, in der Hoffnung, dass solche Zusammenarbeit in Handlungsbereitschaft im großen  Maßstab umgesetzt werden kann, wenn das nötig sein sollte.

1992 fand der 19.Kongress der IAA in Köln statt und das Libertarian Labor Review sandte einen Brief an den Kongress, in dem sie behauptete, dass sich die WSA gegen die Aufnahme der IWW in die IAA gewandt hätte etc. Der 19.Kongress unterstützte die WSA gegen diese Angriffe der Libertarian Labor Review und der neugewählte Generalsekretär der IAA-AIT, Jose Jimenez, antwortete darauf wie folgt:

Auf dem  XIX. IAA-Kongress verurteilt  unsere Resolution den ungerechtfertigten Angriff der Libertarian Labor Review auf die U.S.-Sektion und, da diese Angriffe nicht aufgehört haben, erklärt  die IAA einen  Boykott dieser Gruppe und alle Sektionen werden sämtliche formellen  Beziehungen zu ihr einstellen, bis sie von ihren Angriffen auf die W.S.A.  ablässt und diese als U.S.-Sektion der IAA anerkennt. (Valencia, 5.12.1992)

Es ist nötig, die weiteren Ereignisse im Licht der 90er Jahre zu sehen, die eine Zeit der Destabilisierung mit internen Konflikten und Spaltungen in vielen Sektionen der IAA war. Während dies geschah, gab es Druck und irreführende Informationen von Organisationen wie der SAC. Zum Beispiel sagten Mattias Gardell und die SAC auf einer 1992 von der CNT organisierten Konferenz in Barcelona, dass die SAC ein unschuldiges Opfer in dem spanischen Konflikt sei und revolutionär wäre.

Gleichzeitig gab es verstärkt Spannungen in der CNT-F, als Mitglieder bei COMATEC für Gewerkschaftswahlen kandidierten. Das CNT-F-Regionaltreffen CNN in Perpignan bat die Arbeiter, nicht an den Wahlen teilzunehmen, was abgelehnt wurde und die „CNT-Paris“ initiierte einen Kongress, nach dem zwei Organisationen beanspruchten, die CNT-F zu sein.

1994 hielt die SAC ihren 25.Kongress in Ostersund ab und Jeff Ditz von der IWW war anwesend. Die SAC war auch Veranstalter einer Europäischen Syndikalistischen Konferenz, an der unter anderem die KAS (Russland), CGT (Spanien), Unicobas (Italien), A Bathalia (Portugal) teilnahmen.

1995-2006

 

Auf dem 26.SAC-Kongress 1998 waren Alexis Buss im Namen der IWW und Jon Bekken von der Anarcho-Syndicalist Review anwesend und nahmen im Anschluss an einer internationalen Konferenz teil. Deren Teilnehmer beschlossen, eine „Solidaritäts- Webseite“, verbunden mit elektronischen Diensten usw., einzurichten. Diesmal waren nicht nur Organisationen wie die CGT dabei, sondern auch die „CNT-Vignoles.“

Die SAC- Entscheidung über die IAA von 1998 glich mehr oder weniger der früheren Entscheidung der IWW. Der SAC-Kongress entschied, dass ihr Internationales Komitee vor dem nächsten SAC-Kongress (2002) die Möglichkeit eines Wiedereintritts in die IAA untersuchen und aktiv darauf hin arbeiten sollte. Gleichzeitig wollte die SAC weiterhin Kontakte zur Vignoles, CGT, usw. pflegen.

Sie tat dies 1998, nachdem die Ergebnisse des 20.IAA-Kongresses von 1996 schon bekannt waren: Der IAA-Kongress in Madrid 1996 erkannte die CNT-F und die USI (nicht die Vignoles und Rome) an. Er traf klare Beschlüsse gegen die Sozialpartnerschaft, staatliche Subventionierung und bezahlte Gewerkschaftsfunktionäre und entschied sich gegen jeglichen Kontakt zur SAC. (Siehe die verschiedenen Berichte des Sekretariats)

Dann war die IWW auf der I-99- Konferenz in San Francisco vertreten und diese Konferenz wurde vom General Executive Board der IWW unterstützt. Die I-99- Konferenz wurde nach dem 20.Kongress der IAA organisiert. In dessen Folge kam es zu heftigen Debatten und die WSA und die FAU versuchten, ein Referendum zur Änderung der Entscheidungen des 20.Kongresses in der IAA in Gang zu bringen.

Der Bericht des Sekretariats an den 23.Kongress (und vorherige Berichte) zählt viele der vielfältigen Parallelinitiativen von SAC, Vignoles und der CGT auf. Was die IWW betrifft, erwähnen wir nur kurz:

Alexis Buss, die Generalkassensekretärin der IWW, und Eric Chester nahmen an „Pour une autre futur“, die am 1. Mai 2000 von der Vignoles organisiert wurde, teil. Die internationale Konferenz sagte der Solidarity-Network-Webseite, die 1998 ins Leben gerufen wurde, mehr Unterstützung zu, und bot regelmäßigen Informationsaustausch und Treffen in verschiedenen industriellen Bereichen.

Die IWW schickte Grüße an die von der CGT organisierte Konferenz „Anarchismus im 21. Jahrhundert“, die vom 30. März bis zum 1. April 2001 stattfand und zum Ziel hatte, alle libertären Kräfte in einem „International Libertarian Solidarity Network“ (SIL) zu vereinigen. Es sollte auch Beachtung finden, dass die Anarcho-Syndicalist Review (ASR) ein äußerst unterstützendes Grußwort an den Vignoles- Kongress im März 2001 sandte.

Anknüpfend an Paris 2002 [gemeint ist wohl „Pour une autre futur“ in Paris 2000- d.Ü.] war Göteborg 2001. Erich Chester von der IWW war anwesend und er berichtete der IWW- Generalversammlung im August 2001 folgendes:

In anderen Berichten sprach der Vertreter der International Solidarity Commission, Eric Chester,  über eine syndikalistische Konferenz, die er in Göteborg, Schweden, im Zusammenhang mit Protesten gegen ein Treffen der Finanzminister der Europäischen Union besuchte.  Folgetreffen werden nächstes Jahr in Deutschland (ein Treffen anarchistischer und syndikalistischer Gewerkschaften und Gruppen) und in Spanien (industrielle Treffen mit Basisarbeitern von alternativen Gewerkschaften) stattfinden.

 

Er schlug vor, dass die IWW Beobachter zu diesen Treffen senden solle, und ermutigte die Mitglieder, an den industriellen Treffen in Spanien teilzunehmen, die wirklich die Chance zur Organisierung grenzüberschreitender  Solidarität bieten. Beide Vorschläge wurden nach einiger Diskussion angenommen.

Danach kam der 11. September 2001 und die IWW gab zusammen mit der CGT, SAC, Vignoles und SKT (Sibirien) eine gemeinsame Erklärung gegen den Krieg ab. Laut einer Mitteilung, die früher auf der Vignoles- Webseite zu finden war, befürwortete die IWW gegen Ende 2001 den Start des neuen Anarcho-Syndicalist Networks (siehe Sekretariatsbericht). Die von Chester erwähnte Konferenz in Deutschland war die von der FAU organisierte International Solidarity Conference in Essen von 2002, an die die IWW ein Grußwort schickte.

Es sollte beachtet werden, dass die US-Sektion 2002 ausgeschlossen wurde; im Sekretariatsbericht an den 23.IAA-Kongress stand dazu folgendes:

Und hinsichtlich  der USA war, wie ihr wisst,  lange Jahre die Workers  Solidarity Alliance (WSA) die IAA-Sektion in den  USA. Dann hatte die Organisation interne Konflikte und änderte den Namen in  ‚US-Sektion der IAA.’ Die ‚US-Sektion’ beendete ihre Mitgliedschaft am 1. Februar  2002, da sie nicht genug Unterstützung in ihrem Kampf gegen die „parallelistische Aktivitäten“ der ‚WSA-NY spürten.’

2005 und 2006 empfing die IAA die am Anfang des Berichtes erwähnten Emails. Wir bekamen 2005 eine Einladung zum 100.Geburtstag der IWW, wohnten ihm aber nicht bei. Die Grußworte der SAC und der Vignoles sind beigelegt.

Die Email von der IWW International Solidarity Commission 2006 wurde von Paul Bocking und Todd Goodenow unterschrieben. Das dritte Mitglied der Kommission von 2006 ist der bereits erwähnte Eric Chester. Wir legen Material bei, das beweist, dass er eine Hauptfigur in der Socialist Party-USA ist; der SAN-Bericht dazu:

Auf der zweiten Seite der Ausgabe Juli 2000 des The New Unionist [Ausgabe Nummer 272], einer Zeitung, die von der DeLeonistisch-marxistischen Organisation [nach Daniel De Leon- d.Ü.] New Union Party in St. Paul, Minnesota, veröffentlicht wird, schrieb Eric Chester, Mitglied der Socialist Party in den USA:

In vielen westeuropäischen Ländern findet eine neue und spannende Entwicklung statt. Politische Parteien sind aus verschiedenen Vereinigungen diverser Teile der revolutionären Linken hervorgegangen. Diese Parteien sind viel weiter entwickelt worden als die kleinen Gruppen, aus denen sie ursprünglich entstanden. Diese Parteien, einschließlich der Red Green Alliance aus Dänemark und der Scottish Socialist Party, sind nicht-sektiererisch, nach innen  demokratisch und vertreten eine radikale Politik, sowohl im Rahmen ihrer Wahlkämpfe als auch in ihrer Teilnahme an direkter Aktion.

Eric Chester weiter:Im vergangenen Frühling trafen sich vier von diesen neugebildeten radikal-sozialistischen Parteien in Lissabon mit der Absicht, ein europaweites Netzwerk zu gründen. Für Sozialisten in den Vereinigten Staaten  schafft dieses Netzwerk eine wichtige Verbindung zu Gruppen, die unsere Perspektive teilen und sogar innerhalb eines Umfelds wirken, das weitaus aufgeschlossener für sozialistische Ideen ist als es in unserem Land der Fall ist.

 

Herr Chester weiter: ‚Der Anarcho-Syndikalismus ist auch ein ernstzunehmender Faktor in mehreren westeuropäischen Ländern. In Spanien hat die CGT (Generalkonföderation der Arbeiter) 45.000 eingeschriebene Mitglieder, was sie zu Europas stärkster revolutionärer Organisation macht. Andere wichtige syndikalistische Gewerkschaften bestehen in Schweden (SAC) und Frankreich (CNT).

Erik Chester, wütend und aufgebläht, beglückwünscht sich selbst: ‚Neulich habe ich als Delegierter  der IWW glücklicherweise eine Konferenz in Paris besucht. Die Konferenz brachte die größeren syndikalistischen Gewerkschaften mit den kleineren anarchistischen Propagandagruppen zusammen, einige Hundert Militante nahmen daran teil.

Herr Chester weiter:Syndikalisten streben den Aufbau revolutionärer Gewerkschaften an, die unabhängig von den  etablierten reformistischen Gewerkschaftsföderationen sind.  Sie lehnen jegliche Teilnahme am Wahlzirkus ab und sind jeglichen politischen Parteien gegenüber misstrauisch.

Dann schließt Erik Chester:Trotzdem  machten die Vertreter der CGT auf der Pariser Konferenz klar, dass sie gerne mit Gewerkschaftsaktivisten  der nicht-sektiererischen revolutionären sozialistischen Strömung, die sich in Lissabon getroffen hatte, in den Dialog treten würde. Dies eröffnet die Möglichkeit einer Neuorganisierung, die Aktivisten mit unterschiedlichen Hintergründen einigen könnte. ... Die sozialistische Bewegung in den Vereinigten Staaten könnte ein fester Bestandteil dieses internationalen Netzwerks werden. Es ist eine Chance, die wir nicht versäumen sollten.’“

Wir zitieren dies von den Seiten 18-19 des SAN-Berichts, da er wichtige Informationen liefert, um die parallelistischen Aktivitäten zu begreifen, mit denen wir es zu tun haben. Da die Scottish Socialist Party erwähnt wird, haben wir Material über zwei IWW-UK- Mitglieder, die im schottischen Parlament sitzen, beigelegt. Im SAN-Bericht ist auch erwähnt, dass der jetzige Generalkassensekretär der IWW, Mark Damron, Mitglied der Socialist Party ist und am Wahlkampf der Partei teilgenommen hat. (Siehe gesammelter Anhang 3)

Abschließend wollen wir sagen, dass die IAA verschiedene Kämpfe der IWW unterstützt und Informationen darüber verbreitet hat, wie z.B. bei Jeff-boat 2001 auf Initiative der US-Sektion, bezüglich eines IWW-Mitglied und seines Rechts, einen Turban zu tragen, von der IWW 2004 direkt an die Sektionen und Freunde sowie das Sekretariat geschickt, sowie die Unterstützung der entlassenen Amersino-Arbeiter 2006 auf Initiative der WSA.

2004 unterstützte das Sekretariat die Starbucks IWW-Arbeiter auf Initiative der WSA und wir baten die IWW-Gewerkschaft, uns auf dem neuesten Stand über die Entwicklung des Kampfes zu halten. Wir haben kein Material bekommen, aber von ihrer Webseite erfahren, dass ihre Kampagne um die Wiedereinstellung der Arbeiter andauert. Die FAU und die SF haben die Starbucks Arbeiter unterstützt und die IWW hat außerdem in diesem Jahr den CNT-AIT-Streik der Mercadona-Arbeiter unterstützt.

Oslo, den 4. November 2006

 

Mit anarchosyndikalistischen Grüßen

im Namen des IAA-Sekretariats

 

Generalsekretär

Übersetzung: John (SLE Bremen), Korrektur/Überarbeitung: Heiko (IS)



[1] ‚Secondary Boycotts’- Wurden auch schon früher erwähnt; bei diesen handelt es sich um Boykotts der ArbeiterInnen, die keine Materialien oder Bestellungen bearbeiten, die aus einem streikbrechenden Betrieb stammen. ‚Hot Cargo’ weist auf eine heutzutage eher unübliche Streikmethode hin, mit der ArbeiterInnen den Transport von Fracht, die verderblich oder dessen Wert irgendwie zeitbegrenzt war, verweigerten. – Anm. d.Ü.

[2] Zeitung der IWW-  d.Ü

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