Helge Döhring: Generalstreik
Gerdae im AV Verlag erschienen. H.D. setzt sich mit Streiktheorien zu Beginn des 20. Jahrhunderts und fügt auch noch ein Kapitel mit Bewertung und Ausblick an.
an dieser Stelle Dokumetieren wir ein Interview, das zuerst auf Indiemedia veröffentlicht wurde.
Das Buch gibt es in der edition AV
Helge Döhring hat sich in den letzten Jahren einen
Namen in der wissenschaftlichen Syndikalismusforschung gemacht. In
seinen akribisch recherchierten Artikeln, Broschüren und Büchern geht
es ihm um die Veranschaulichung und Nutzbarmachung von Erkenntnissen
aus der syndikalistischen und anarcho-syndikalistischen Bewegung
Deutschlands. Zu seinen Buchveröffentlichungen zählen Titel zur
Geschichte der Freien Arbeiter Union Deutschlands (FAUD) in
Württemberg, Südbayern und Ostpreußen. Sein neues Buch behandelt nun
eines der wichtigsten Themen in der historischen Arbeiterbewegung, den
Generalstreik. Sein Titel lautet dementsprechend auch „Generalstreik.
Streiktheorien- und Diskussionen innerhalb der deutschen
Sozialdemokratie vor 1914. Grundlagen zum Generalstreik mit Ausblick.“
Wer hinter diesem Titel nun eine trockene Abhandlung vermutet, liegt
völlig falsch. Dem Autor geht es um die Darstellung der verschiedenen
Positionen, die historisch zum diesem Thema eingenommen wurden, und von
denen man heute nahezu nur noch die Auffassungen eines Eduard Bernstein
oder einer Rosa Luxemburg kennt. Dass mit Raphael Friedeberg und Arnold
Roller profunde Befürworter mit Masseneinfluss existierten, ist dagegen
fast vollständig aus dem Bewusstsein der ArbeiterInnen verschwunden.
Mit ihren klaren Darstellungen auf Versammlungen und durch Broschüren
hatten diese beiden Anarchosyndikalisten einen großen Anteil an der
Popularisierung des Generalstreiks in der Arbeiterbewegung Deutschlands
und auch international.
Zum Thema Generalstreik und seinem neuen Buch führten wir ein Interview mit dem Historiker Helge Döhring.
?
In den letzten Jahren erschien eine ganze Reihe von Büchern, die das
Thema Streik als wirksame Waffe in den Klassenauseinandersetzungen
behandelten. Es sei nur auf „Die großen Streiks“ von Matthias Seiffert
oder auf Lucy Redlers „Politischer Streik in Deutschland“ verwiesen.
Tat da ein weiteres Buch zu diesem Thema Not? Was ist der Unterschied
zu den anderen aktuelleren Veröffentlichungen?
H.D.:
Erfreulich finde ich, dass bei der Theoriebildung und in der
historischen Aufarbeitung in Deutschland zunehmend Forscher und Aktive
aus der syndikalistischen Bewegung eine Rolle spielen. Das ist nicht
selbstverständlich. In der jüngeren Vergangenheit verhielt es sich eher
so, dass die Aktiven, nachdem sie ihre Abschlußarbeit an der Uni
gemacht oder ein Buch herausgegeben hatten, der Bewegung den Rücken
kehrten. Ich möchte hier nebenbei aber deutlich betonen, dass Schul-
oder Hochschulabschlüsse in meinen Augen nicht entscheidend sind, um
wertvolle Beiträge zur Forschung zu leisten! Es ist wichtig zu wissen,
wovon man spricht, und dazu ist besonders wichtig die Schule des
aktuellen Engagements. Wer im Leben keine größere Verantwortung für die
Bewegung übernommen hat, wird die historischen inneren Zusammenhänge
schwerlich begreifen und darstellen können. Es ist wichtig, dass die
Bewegung ihre Geschichte selber schreibt, sonst bestimmen die Gegner
oder bestenfalls gutmeinende Nullpraktiker unsere Vergangenheit, setzen
ihre Kategorien, bestimmen die Diskurse und ganz wichtig: besetzen die
Begriffe.
Titulierungen zu unseren Ungunsten, wie
beispielsweise „Freie Gewerkschaften“ und „Wilde Streiks“
veranschaulichen dies. Oder in der Politik: Früher hieß der
„Verteidigungsminister“ noch zutreffend „Kriegsminister“. Sie setzen
das Feld des Politischen hegemonial, sprechen von „links und rechts“ wo
doch der Bereich der Ökonomie mindestens ebenso hoch anzusiedeln ist.
Es wird suggeriert, die politische Ebene sei in den Fokus des
öffentlichen Interesses zu rücken, dabei ist die Politik umgekehrt von
der Wirtschaft abhängig. In der Schule werden bis in die Oberstufe
Mathematik und Sprachen unterrichtet, die Wirtschaftswissenschaften
werden in Nebenfächern wie Sachkunde abgehandelt. Dieses
Ungleichgewicht ist gewollt, es soll uns daran hindern, hinter die
Fassade des Politischen zu schauen, und die Diktatur des Kapitals über
die Menschen zu erkennen. „Wir leben in einer Demokratie“, heißt es. Am
Arbeitsplatz merke ich nicht viel davon, da hab ich zu tun, was mein
moderner Fronvogt mir sagt. Und wenn ich merke, wie viele Bücher die
Regale füllen, welche uns in unserer Erkenntnis im eigenen Interesse
als Lohnabhängige, als moderne Sklaven die Hirne vernebeln sollen, dann
sage ich: Es kann kaum genug Literatur und Aufklärung über die für uns
wirklich bedeutenden Hintergründe geben. Und das müssen wir selber
machen, damit uns die Politfunktionäre von rechts wie links (auch auf
wissenschaftlicher Ebene) nicht übern Tisch ziehen. Der möglichst
fundierte Kampf um die Köpfe ist entscheidend. Bist du im gedanklichen
Fahrwasser des Bürgertums, bist du nicht mehr in der Lage, eigene
Vorstellungen zu entwickeln, eigene Akzente zu setzen. Aber darum
geht’s: Um das Aufknacken festgefahrener Denkmodelle, um für uns, die
lohnabhängige Klasse, Perspektiven zu entwickeln, klar zu denken, uns
nicht beirren zu lassen. Soviel zum allgemeinen.
Nun zum Speziellen:
Die
wesentlichen Ausarbeitungen zum Thema Streik aus der syndikalistischen
Bewegung sind mindestens 80 Jahre alt. Die Nachkriegsbewegung übernahm
lediglich Versatzstücke daraus. Wir stehen als Bewegung noch immer am
Anfang, während die sozio-ökonomischen Verhältnisse hier in einem
großen und rasantem Wandel begriffen sind – Stichwort Zeitarbeit,
Prekarisierung, Erwerbslosigkeit/Hartz IV, Outsourcing, Kürzungen im
Gesundheits- oder Bildungsbereich usw. Das hat Auswirkungen auf unsere
Gegenstrategien, welche zu entwickeln sind. Statt den Entwicklungen
hinterherzulaufen, müssen wir uns auf der Höhe der Zeit befinden, um
möglichst großen Einfluß geltend machen zu können. Dazu sollte die
Bewegung in den Betrieben, auf der Strasse und in der theoretischen
Aufarbeitung organisch zusammenwirken. Unsere Aufgabe ist es, nun zu
schauen, inwieweit u.a. die mächtigste Waffe der Arbeiterklasse heute
funktionieren kann. Das ist nicht in einem Rutsch getan, sondern sollte
möglichst gründlich erfolgen. Zum Thema Streik gibt es daher
verschiedene Annäherungsmöglichkeiten. Aus Syndikalistischer Sicht
erfolgten solche erst in den letzten Jahren.
Den Anfang
machte ab Mai 2008 das Buch „Die großen Streiks. Episoden aus dem
Klassenkampf“, von Holger Marcks und Matthias Seiffert, welches die
Schlaglichter der internationalen Streikgeschichte der letzten 100
Jahre auf globaler Ebene verdeutlicht. Es ist ein Werk, welches einen
guten Überblick bietet und zum Weiterlesen anregt mit vielen nützlichen
Anhängen, beispielsweise kommentierten ausführlichen Bibliographien und
einem fulminanten Glossar – wohlkonzeptioniert. Dabei sind die
einzelnen, chronologisch angelegten Kapitel für jedermann anregend und
zügig lesbar. Ein Schlusswort der Herausgeber fasst die Ergebnisse
zusammen. Sie legten großen Wert darauf, dass die einzelnen Kapitel von
in der syndikalistischen Bewegung aktiven oder ihnen sehr nahe
stehenden Beiträgern verfasst wurden.
Im Herbst 2008 erschien
dann der Band von Torsten Bewernitz „Die neuen Streiks“, ebenfalls im
Unrast-Verlag. Wie der Titel schon sagt, geht es hier nicht um die
Schlaglichter, sondern um die Aktualität. Bewernitz lässt verschiedene
Akteure zu Wort kommen, welche allerdings hauptsächlich der
Gewerkschaftslinken und nur zu einem Teil der syndikalistischen
Bewegung zuzurechnen sind. Diese erzählen und resümieren von ihren ganz
aktuellen Kämpfen in Deutschland, nicht allein von Streiks sondern
darüber hinaus gehend noch von anderen Formen des Kampfes. Theoretisch
beleuchtet wird beispielsweise die Form der Besetzung, der Sabotage
oder die reproduzierende Tätigkeit im „Haushalt“. Was läuft aktuell,
welche Möglichkeiten ergeben sich heute ganz konkret in den
unterschiedlichen Bereichen der Produktion, Reproduktion und an
flankierenden Maßnahmen?
Ich selber unternahm dann die
historisch-theoretische Annäherung an das Thema Streik mit dem
vorliegenden Buch, welches den Titel trägt
„Abwehrstreik…Proteststreik…Massenstreik? Generalstreik!.
Streiktheorien und –diskussionen innerhalb der deutschen
Sozialdemokratie vor 1914. Grundlagen zum Generalstreik mit Ausblick“.
Neben einer Ausarbeitung zur Entwicklung der Streiktheorie auf
Grundlage vieler Quellen und versierter Literatur dokumentiere ich zwei
sehr bedeutende Texte zum Thema Generalstreik von Raphael Friedeberg
und Arnold Roller.
Alle drei Bücher unternehmen aus ihrer
jeweiligen Konzeption der Annäherung an das Thema Streik schließlich
einen Ausblick für die Zukunft. Sie ergänzen sich und ergeben aus
syndikalistischer Perspektive eine beachtliche Bestandsaufnahme,
fundiert durch verschiedene, den Herausgebern eigene, wissenschaftliche
Disziplinen.
? In der Tat ist der Generalstreik in Deutschland
von den DGB-Gewerkschaften und der Sozialdemokratie nie positiv
gewürdigt worden. Du beschreibst das ja sehr anschaulich, was da für
Diskussionen in der Arbeiterbewegung Deutschlands von Anbeginn an
geführt wurden. Im Gegensatz zu den vergangenen Zeiten taucht er
heutzutage in den gesellschaftlichen Diskussionen um Gegenwehr gegen
Regierungs- und Kapitalistenpolitik nahezu überhaupt nicht als
Möglichkeit der Gegenwehr auf. Was sind die Ursachen, dass diese Waffe
vergessen wurde und wie könnte die Idee und Waffe des Generalstreiks
popularisiert werden?
H.D.: „Generalstreik ist
Generalunsinn!“, so lautete die von der Sozialdemokratie schon vor über
100 Jahren ausgegebene Parole. Auch damals tauchte der Generalstreik
als Mittel in der Parteipresse wenig auf, und es benötigte vieler
Mühen, ähnlich wie heute, ihn überhaupt als Thema bekanntzumachen und
Diskussionen dazu durchzusetzen.
Es gibt eine lange Tradition
der Arbeiterbefriedung von Bismarck und der Sozialdemokratie über die
Nazis und der Neukonstruktion der Zentralgewerkschaften nach 1945.
Diese bauten aufeinander auf. Ein geflügeltes Wort heute lautet, dass
die sog. „Einheitsgewerkschaften“ eine Lehre seien, denn die
Zersplitterung der Arbeiterbewegung vor 1933 habe den Faschismus erst
ermöglicht. Verschwiegen wird dabei, dass genau in den Jahren vor 1933
ebenjene „Einheitsgewerkschaften“ die „mächtigsten der Welt“ zu 100 %
versagten. Die Syndikalisten kannten das schon aus der Zeit der
Sozialistengesetzte bis 1890, doch nur wenige haben auf sie gehört. Für
einen entschlossenen Widerstand wie beispielsweise in Spanien 1936
gegen den Faschismus hats nicht gereicht in Deutschland. Die
Arbeiterschaft wartete brav auf die Anweisungen ihrer
Gewerkschaftsführer. Ein heutiges zusätzliches Problem ist die mentale
Verbürgerlichung der Bevölkerung, und diese wurde über Generationen
sauber eingeleitet und durchgeführt, Arbeiterstadtteile und
Arbeiterkultur systematisch bürgerlich unterminiert. Die Arbeiterklasse
sollte sich an den Werten der Mittelschicht orientieren, und das wird
beispielsweise medial vorexerziert. Gezeigt wird in aller Regel die
Welt der Mittelschicht, nicht die der Arbeiter oder Erwerbslosen. Es
gibt Western, etliche Polizeiserien! Warum gibt es kein Genre
„Betriebskampf“? Das fällt auf, wenn man sie Welt um sich herum, wie
sie präsentiert wird mit der eigenen Lebensrealität vergleicht.
Der
allergrößte Teil der Arbeiterschaft in Deutschland war nie
revolutionär. Ihre Geburt als bewußtwerdende Arbeiterklasse war
lassalleanisch geprägt. Es gibt in Deutschland keine Tradition, an
welche man als Klasse anknüpfen kann, welche sich bewußtseins- und
selbstbewußtseinsbildend im Kulturleben etabliert hat. International
galten Deutsche Arbeiter in anderen Ländern als die wahrscheinlichsten
Streikbrecher. Und diese Diskrepanz ist sehr auffällig. Generationen
von revolutionären Arbeitern legten Zeugnis darüber ab. So entsteht ein
gewisser Fatalismus, den wir bei revolutionären Schriftstellern beinahe
jeder Epoche feststellen können, beispielsweise bei Georg Büchner in
seinem „Fatalismusbrief“, bei Heinrich Mann, welcher den Ersten
Weltkrieg und Hitler im „Untertan“ präzise vorwegnahm, und den Lauf der
Geschichte prophezeite. Bezeichnend ist: Manns Werke hatten
Massenauflage, geändert hat sich trotzdem nichts! Die syndikalistische
Bewegung kam zu keinem anderen Schluß, wie das Eingangszitat von Fritz
Kater im Buch veranschaulicht. Es ist eine Bestandsaufnahme. Hier ein
weiteres Beispiel aus dem Jahre 1926, stellvertretend für so viele von
vor über 80 Jahren, geäußert von einem anarcho-syndikalistischen
Aktiven der zweiten Funktionärsebene: „(…) Die Gründe der
Wirtschaftskrisen in Deutschland sind darin zu suchen, dass der
deutsche Prolet, wie auch im gesamten Ausland bekannt ist, sich als
Lohndrücker erweist. Der deutsche Prolet ist vom Kapital gut dressiert.
Wie in einem Zirkus die Tiere ihre Sprünge machen, wenn der Dompteur
mit der Peitsche knallt, so auch der deutsche Prolet, wenn der
Kapitalist die Peitsche schwingt. Auch der Prolet macht seinen Salto,
aber immer tiefer ins Elend hinein. Eine Besserung ist in Deutschland
nur zu erreichen, wenn der Arbeiter denken lernt. Wir
Anarcho-Syndikalisten müssen dafür sorgen, dass sich innerhalb der
Arbeiterschaft eine geistige Umstellung vollzieht. Die zentralistischen
Gewerkschaften helfen dem Arbeiter nicht, denn sonst würden wir 8 Jahre
nach der sogen. Revolution, besser gesagt nach dem Zusammenbruch nicht
in solch grenzenloses Elend hineingeraten sein. Wir Syndikalisten haben
immer den Gedanken des Generalstreiks vertreten, trotzdem die
zentralistischen Gewerkschaftsführer und kommunistischen Parteigrößen
den Generalstreik als Generalunsinn erklärten. Der deutsche Michel ist
immer noch gewohnt, Befehlen zu gehorchen.“
Wir haben es mit einem
historisch gewachsenen, gut gereiften und tief verwurzelten
massenpsychologischen Problem zu tun. Immer wieder gab es regionale
Kräfte des Proletariats, welche den Ausbruch versuchten. Doch blieben
diese isoliert und wurden von der kapitalfreundlichen
Geschichtsschreibung verdrängt, einer großen Industrie des Bürgertums,
mit ihren Universitäten, Instituten, Verlagen, ihren Schulen, das ganze
im Verein mit der Kirche und anderen reaktionären Verbänden. Eine
Vergessens- und Desinformationsindustrie, welche keinerlei finanziellen
Mangel leidet, welche das Recht, die Justiz auf ihrer Seite hat und
damit den Schutz durch die bürgerlichen Wehrverbände. Eine Industrie,
welche gezielt die Protagonisten kritischer Forschung versucht zu
korrumpieren, sie gefügig zu machen, sie mit Karriere, Geld und
Reputation versucht zu locken. Es gibt einen ganzen Haufen von diesen
gekauften Forschern, welche leider auch in der syndikalistischen
Bewegung zu unkritisch betrachtet werden. Bekannt ist auch die Methode,
tatsächlich revolutionäre Zeiträume gezielt reaktionär zu
interpretieren. Oft gönnerhaft und scheinbar mit Sympathie für die
Arbeiterbewegung. Geschickt werden dann jedoch die Weichen gestellt, in
welchen Kategorien die Leser zu betrachten und zu analysieren haben.
Wer hinterfragt schon, wenn ein namhafter Forscher vermeintlich
objektiv schreibt? So kommt es, dass auch in der syndikalistischen
Bewegung von heute irrwitzige Begriffe, Denkschemata und Kategorien
adaptiert und verbreitet werden. Was die oberen Forschungsstellen der
herrschenden Klasse ausarbeiten, gilt als gesetzt. Das übernehmen dann
die Schulen und Universitäten. Es wird nach unten weitergereicht in
hoher Auflage, in unzähligen Veranstaltungen. Wer im bürgerlichen
Wissenschaftsbetrieb keine bürgerlichen Standpunkte und Methoden
vertritt steht unter enormen Rechtfertigungsdruck, den der nach
bürgerlichen Maßgaben forschende nicht erfährt. Die bürgerliche
Wissenschaft ist borniert und exklusiv. Sie braucht keine Bücher mehr
zu verbrennen, sie verbietet einfach bestimmte wichtige Begriffe! Sie
nimmt uns systematisch den Ausdruck, die Sprache. Auch außerhalb der
Wissenschaft gilt: Die Kapitalisten brauchen keine Bücher mehr zu
verbrennen, sie haben des besten Einfluß auf die Auflagenhöhen! Die
Lügen und die Schlampigkeiten haben die größten Auflagen.
Und
das ganze eben beschriebene läuft dann noch ähnlich wie in dieser
Wissensindustrie in der Kulturindustrie! Dekliniere das mal durch, was
da zusammenkommt. Da stößt du mit einer gesunden proletarischen Kultur
schnell überall an deine Grenzen, und es braucht kaum noch
offensichtliche Repression. Oftmals gibt’s keine klaren Frontstellungen
mehr, wie früher in der Arbeiterklasse: Denn es trifft besonders, aber
leider nicht nur bei in der Bewegung aktiven Intellektuellen der Spruch
Erich Kästners zu: „Nie aber dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao,
durch den man euch zieht, auch noch zu trinken!“. Diese Aktiven halten
sich für besonders schlau, fressen aber aus dem Trog der herrschenden
Klasse, ohne es wirklich zu reflektieren. Von ihnen wimmelt es auf
nahezu jedem Bündnis gegen Sozialabbau oder dergleichen bis in die
Organisationen der revolutionären Arbeiter hinein.
Und die
Arbeiterklasse? Sie hat keinen kollektiven Mut. Sie war auch in der
Geschichte stets zu gutmütig gegenüber ihrem Klassenfeind. Es fehlt ihr
an Selbstbewußtsein, an Zusammengehörigkeitsgefühl und das wichtigste:
An Ehrgefühl. Ein Homo Ökonomikus ist leider kein Phänomen allein des
Bürgertums: Der perfekte Typus des Sklaven, weil er es nicht merkt, und
selbst in für ihn schwereren Zeiten nicht merken will, dass bloßer
Materialismus keine würdige Lebenseinstellung sein kann!
Verschärft
wird die Situation der Vereinzelung durch die zunehmende
Prekarisierung. Kaum lernen sich die Kollegen kennen, werden sie wieder
auseinandergerissen, werden woanders eingesetzt, „vermittelt“. Und es
gibt kaum Arbeitermilieus, die dieses „sich aus den Augen verlieren“
angemessen auffangen können, die der so nötigen Kontinuität eine Basis
geben.
Ganz wichtig ist es, generell sein Selbstwertgefühl
nicht über die Mittelschicht vermittelt zu bekommen und stattdessen
Klassenbewusstsein und –stolz aufzubauen. Es müssen erstmal die
Voraussetzungen geschaffen werden, unter denen ein Generalstreik
fruchtbar in Erwägung gezogen werden kann. Darum geht es. Denn die
Gründe liegen sehr tief. Es ist eine Kulturaufgabe in den täglichen
kleinen Kämpfen, die uns umgeben. Eine Chance mag in der
Internationalisierung der Arbeiterklasse liegen, in den Impulsen,
welche ausländische Kollegen zu setzen imstande sind, welche diejenigen
mentalen Fähigkeiten mitbringen, welche deutschstämmigen Arbeitern
größtenteils fehlen. Das ist eine konkrete Erfahrung, die ich selber
gemacht habe. Es ist noch viel mehr zu sagen
Und dann hoffe ich
ganz allgemein gesprochen, dass klassische Fehler durch Früherkennung
vermieden werden, ein Grund, warum ich das Buch gemacht hab. Es sollte
jetzt grundsächlich möglich sein, dennoch möchte ich alle Aktiven zum
gründlichen Quellenstudium ermuntern. Das Buch soll auch dazu eine
Anregung sein.
? Gibt es historische Beispiele dafür, welche
die Kraft und Wirksamkeit des Generalstreiks veranschaulichen können?
Vielleicht sogar in/aus Deutschland?
H.D.: Es gibt unzählige
lokale Beispiele in Deutschland für bemerkenswerte Streiks. Und wer
ähnliche Kämpfe einmal mitgemacht hat, weiss, dass das keine
Kinkerlitzchen sind. Schon ein mehrmonatiger hartnäckiger Streik gegen
den Willen von Kapital und den gelben Zentralgewerkschaften geht an die
Substanz! Es erfordert gehörigen Mut, auch nur in einem Betrieb seine
Würde zu erheben und sich kollektiv zu behaupten. Das sind die Momente,
wo man über sich hinauswächst, wo man sich mit den Kollegen
zusammenschweißt. Gemeinsame Kampferlebnisse sind die beste Schule der
Arbeiterschaft. Wer jedoch nur Bücher liest, wird dies nie begreifen,
sieht nur die Highlights. Mut haben diejenigen, welche persönliche
Risiken in kauf nehmen. Das ist der entscheidende Moment, wer dazu
nicht bereit ist, ist für Klassenkämpfe untauglich. Wächst das
Selbstbewußtsein kollektiv, kann eine neue Bewegung entstehen. Wer
dennoch scharf auf Highlights und speziell Generalstreiks ist, kann
sich für Deutschland die „Märzrevolution“ anschauen, der geographisch
wohl ausgedehnteste Streik in Deutschland aus dem Jahre 1920 im
Ruhrgebiet. Wer es wissenschaftlich mag, lese die Bände von Erhard
Lucas „Märzrevolution“, wer es literarisch-proletarisch mag, lese Hans
Marchwitza: „Sturm auf Essen“ oder künstlerisch: Yaak Karsunkes
„Ruhrkampfrevue“. Im Jahre 1918 gabs einen großen
Munitionsarbeiterstreik, welchem Erich Mühsam im „Judas“ ein äußerst
lehrhaftes literarisches Drama zum Denkmal gesetzt hat. Das gleiche tat
Gerhard Hauptmann mit „Die Weber“ über den Weberaufstand von 1844 in
Schlesien. 1919 entstand im Ruhrgebiet eine Riesenstreikbewegung mit
großen Sozialisierungsmaßnahmen, 6-Stunden Schicht uvm., beschrieben im
oben genannten Buch von Marcks/Seiffert. Dort gibt’s einen spannenden
Überblick über die „großen Streiks“ auf internationaler Ebene. Wer noch
nicht weiss, was in Spanien im Jahre 1936 passierte, sollte sich über
die dortige soziale Revolution informieren, eine der größten der
bekannten Weltgeschichte.
Auch in der Geschichte der BRD gabs
einzelne herausragende Streiks, bei Ford 1973 oder immer wieder mal in
der Druckindustrie, wo die Arbeiterschaft über ein enormes Potenzial
verfügte, beispielsweise bei Tageszeitungen. Es lohnt auch ein Blick zu
den Hafenarbeitern. Da gibt’s für jüngere viel zu entdecken, wenngleich
Literatur dazu schwer zu finden ist. Der Knackpunkt sind fehlende
Solidaritätsstreiks, das liegt besonders in der oben beschriebenen
Mentalität der Arbeiterklasse in Deutschland begründet. Wenn es in
denjenigen Ländern, in welche die Produktion verlagert wird, anders
aussieht, entstehen neue Chancen für die Weltarbeiterklasse.
?
Nach den Informationen, die du in deinem Buch gibst, ist der
Generalstreik in der Strategie der Anarcho-Syndikalisten auch
gleichzeitig der gesellschaftliche Auftakt zur sozialen Revolution.
Also der Abschaffung des Kapitalismus und des Staates und der Übergang
zu einer befreiten, klassenlosen Gesellschaft. Wenn aber alles lahm
gelegt ist, wie kann dann die Versorgung der Bevölkerung mit allen
notwendigen Dingen des täglichen Lebens gewährleistet werden? Woher
beziehen sie, als ein Beispiel, Lebensmittel?
H.D.: Die
soziale Revolution ist im Idealfall ein fließender Übergang. Ihr
Akteure finden sich überall: In der Urerzeugung, in der
Weiterverarbeitung, an den Verteilstellen, im Dienstleistungsbereich
und Reproduktionsbereich. Einem Generalstreik geht ein tiefer
Umwandlungsprozeß voraus, welcher weite Bevölkerungsteile umfasst,
welche sich zunehmend organisieren und sich in den Kämpfen stählen,
voneinander solidarisch lernen. Es geht nicht nur darum, bestimmte
Teile der Industrie lahmzulegen, sondern die lebensnotwendigen Dinge im
Sinne der Streikenden zu verteilen. Die Müllabfuhr bedient die reichen
Stadtteile nicht mehr, in den Krankenhäusern kommen die Klassengenossen
zuerst und am besten an die Reihe, Taxifahrer befördern keine Bonzen
mehr, Rüstungsgüter werden für die Verteidigung der Revolution
hergestellt, kurz gesagt: Die Wohlhabenderen müssen für ihren
Lebensunterhalt mal selber sorgen, statt andere für sich arbeiten zu
lassen. Der Aspekt des möglichen militärischen Schutzes ist eine andere
Frage. Grundsätzlich können die Werktätigen, das, was die Schaffen auch
verteilen und konsumieren. Sie produzieren die Werte, den Reichtum.
Wie
das gehen kann, steht hier im Buch, und nicht nur in diesem. Das
Stichwort im Anarcho-Syndikalismus ist die „Arbeitsbörse“. Ihre
Funktion wird noch ausführlicher Beschrieben im Buch „Das ist
Syndikalismus. Die Arbeiterbörsen des Syndikalismus“, erschienen im
Verlag Edition AV. Diese wie auch die nächste Antwort fällt deshalb
kürzer aus, weil sich diese komplexen Fragen nicht in Kurzform
befriedigend beantworten lassen. In diesen Zeilen kann ich nur
Andeutungen machen, zur weiteren Beschäftigung ermuntern.
?
Dann ist diese „Arbeits- oder Arbeiterbörse“ also quasi ein Herzstück
einer freien Gesellschaft. Wie kann verhindert werden, dass sich dort
Korruption und Bevorzugung breit machen?
H.D.: In einer
selbstverwalteten Gesellschaft existiert eine umfangreiche soziale
Kontrolle. Je mehr sich die Bevölkerung mit der eigenen
Gesellschaftsform identifiziert, desto mehr Verantwortung übernimmt der
einzelne. Wo du wirklich als ernstgenommener und aktiver Teil dran
beteiligt bist, da achtest du auch drauf! Es gibt die Trennung zwischen
„Arbeit“ und Freizeit nicht mehr, die Gesellschaft rückt zusammen. Das
mag vielen ungewohnt sein in einer heutigen kapitalistischen
Ellenbogengesellschaft, welche auf Vereinzelung und Konkurrenz baut.
Die Funktionsweisen einer selbstverwalteten Produktion und Konsumtion
im Einzelnen müssen sukzessive ausgearbeitet werden, ausgehend von den
Trägern der Produktion, den Arbeitern. Diese schließen sich zu sog.
„Studienkommissionen“ zusammen. Neben den ökonomischen und kulturellen
Voraussetzungen gibt es organisatorische Maßnahmen, welche vorbeugend
wirken, nämlich die Prinzipien der Rotation von Mandaten, die
Festlegung imperativer Mandate, eine umfassende Rechenschaftspflicht,
eine möglichst direkte Entscheidungsfindung und generell das Prinzip
der Transparenz. Alles dies wird in vorrevolutionären Basiseinheiten
trainiert. Denn die syndikalistische Gewerkschaft von heute ist die
Selbstverwaltung von morgen. Das bedeutet, dass wir in Zukunft
Korruption mit den Mitteln vorbeugen und zu verhindern suchen, welche
wir schon heute in unseren Strukturen anwenden und entwickeln. Das
wichtigste in einem bedeutenden und gründlichen gesellschaftlichen
Transformationsprozeß ist die gemeinsame Lernfähigkeit. Konflikte wird
es immer geben, aber wir lernen, damit besser umzugehen.
? In
deinem Kapitel „Bewertung und Ausblick“ stellst du drei Thesen als
besonders verhängnisvoll für die Arbeiterbewegung dar, welche ihr den
Erfolg verbaut haben. Du nennst neben der „Trennung von politischer und
ökonomischer Ebene“ auch zwei weitere Punkte, an denen ich nachhaken
möchte. Du sprichst von einem „weitgehend defensiven Charakter der
zentralistischen Gewerkschaften“ sowie von einer „Hysterie aller
Zentralisten vor selbstorganisierten Arbeiteraktionen“. Kannst du das
kurz erläutern, und denkst du nicht, das es Möglich ist, diesen
defensiven Charakter der zentralistischen Gewerkschaften, maßgeblich
also den DGB, in eine offensive Richtung zu lenken? Z.B. durch
besonders kämpferische KollegInnen an der Gewerkschaftsspitze? Denkst
du, dass es möglich ist, aus dem DGB eine revolutionäre Gewerkschaft zu
machen?
Die zentralistischen Gewerkschaften sind
prokapitalistisch und sozialpartnerschaftlich orientiert. Es ist bei
ihnen festes Prinzip. Das legitimiert ihren Funktionärsapparat, deren
Existenz. Aber nur innerhalb des bestehenden kapitalistischen
Wirtschaftssystems, denn sie sind deren integraler Bestandteil. Sie
sind Konstituierend für eine bestimmte Form der Klassenherrschaft in
politisch demokratisch verfassten Staaten. Deshalb sind sie defensiv
und nicht klassenkämpferisch.
Ich habe im Leben die Erfahrung
gemacht, dass etwa neun von zehn Leuten sich trotz bester Vorsätze auf
Dauer korrumpieren lassen, wenn sie in entsprechenden Positionen sind.
Schicke zehn Genossen in Richtung Gewerkschaftsspitzen und lasse sie
dafür durch die Institutionen marschieren. Dann werden neun von ihnen
gute Positionen bekleiden können und korrumpiert, der zehnte wird
ausgeschlossen. Die Zentralgewerkschaften sind zwar blöd, aber sie sind
leider nicht dumm. Sie haben sich nicht nur sehr ausgefeilte
Mechanismen zur Machterhaltung über Generationen zugelegt, ausgebaut
und trainiert, sie wenden diese auch bis zum äußersten an und haben
viele Bündnispartner, deren Gegner sie eigentlich sein sollten. Sie tun
alles für den Machterhalt. Auch hier sind, wenn überhaupt, nur die
größeren Maßnahmen allgemein bekannt. Und einige entscheidende in der
Geschichte behandelt das Buch, wie das Mannheimer Abkommen von 1906.
Was fast niemand mehr kennt, sind die durchgängigen und alltäglichen
terroristischen Aktivitäten der Zentralgewerkschaften gegenüber anders
organisierten Kollegen. Wer das weiß, ist nicht überrascht, dass der
ADGB zum 1. Mai 1933 mit den Nazis offiziell die Feierlichkeiten
beging. Wer einen klassenkämpferischen Kollegen als
Zentralgewerkschafter aus einem Betrieb streikt und damit die ganze
Familie, die Kinder der Verelendung preisgibt, der läuft auch unter
Hakenkreuzfahnen. Das waren alles keine Einzelfälle. Allein der
Bauarbeiterverband mit der Zeitschrift „Der Grundstein“ war reaktionär
bis ins Mark. Wo immer sich noch heute selbstverwaltete Gruppen von
Kollegen zusammentun, werden bei der zuständigen Zentralgewerkschaft
Tagesordnungspunkte dazu angesetzt, werden mit mal
Phantomorganisationen des DGB aufgestellt mit großen Pomp und vielen
Pressemitteilungen. Sie reagieren sehr sensibel auf das Aufkommen von
selbstverwalteten Organisationsstrukturen von Arbeitern.
Da
gibt es einige Beispiele aus der Praxis der Gewerkschaft Freie
Arbeiterinnen- und Arbeiter Union (FAU) in den letzten Jahren. Kaum
gründeten sich in diesem Rahmen beispielsweise „Bildungssyndikate“, so
wartete mit mal sehr schnell die GEW auf mit Beratungsstellen und
Schwarzen Brettern, die es Jahrzehnte vorher nicht gegeben hatte.
Organisierten sich studentische Hilfskräfte selber für besseren Lohn,
trat sofort die GEW auf den Plan, um mit dem „linksradikalen“ Asta
großangelegte Veranstaltungen für mehr Lohn zu organisieren. Spricht
die FAU bei außerbetrieblichen Aktionen medienwirksam von sich als
Gewerkschaft, können heftige Dementis seitens des DGB erfolgen, die FAU
sei keine Gewerkschaft, flankiert von den üblichen Unwahrheiten, welche
die FAU öffentlich diskreditieren sollen.
Hat die FAU Einfluß
auf Betriebsversammlungen, versucht die jeweilige Zentralgewerkschaft
mit allen perfiden Methoden, die Hoheit an sich zu reißen mit gezielter
Desinformation, enger Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung,
Verunsicherung der Kollegenschaft, dem Ansetzen eigener
Pressekonferenzen, dem Unterlaufen von Veranstaltungen durch
Voransetzung eigener Termine mit Bedienung des umfangreichen
Presseverteilers, mit vielerlei Verfahrenstricks und vielem mehr.
Sie
ködern die von Entlassungen bedrohten Kollegen mit Darlehen unter der
Bedingung, dass sie der Zentralgewerkschaft beitreten und für Monate im
Voraus ihre Beiträge zahlen, und halten dann die Darlehen zurück.
Als
neuer Höhepunkt unterläuft Verdi in Berlin den Arbeitskampf der
syndikalistisch organisierten Kollegen im Kino Babylon. Dabei lassen
sie die Justiz diktatorische Maßnahmen gegen die Repräsentanten der FAU
ergreifen, sie sind aktuell von Bußgeldern und Gefängnisstrafen
bedroht.
Wer glaubt, das sei nicht mehr zu überbieten, dem sage
ich, das war erst der Anfang. Es gibt noch vielerlei Mittel im
Repertoir der Zentralgewerkschaften, und sie werden sie eiskalt
anwenden! Allein, um sich nur diese Tatsache vor Augen zu führen, und
nicht naiv in die Kämpfe reinzugehen, alleine deshalb muß man sich mit
der Geschichte befassen, bis ins Detail. Der Gegner tut das nämlich
seinerseits und hat einen enormen Vorsprung an tradierten Erfahrungen!
Man kann sich in hartem Kampfe nicht allzu viele Fehler erlauben. Eine
neue Gewerkschaftsbewegung muß wieder all jene (persönlichen) Risiken
einzugehen bereit sein, wie die Gewerkschafter der ersten Sunde. Das
ist kein Kuchenessen mit Zucker im Tee und Focault im Buchregal.
Beispiele für Persönlichkeiten einer kräftigen Gewerkschaftsbewegung
habe ich im Buch ins letzte Kapitel gepackt, in die Galerie der
„Frühlokalisten“, die historischen Gründungsväter der heutigen FAU. Von
diesem Geist muß eine neue Bewegung beseelt sein, und ich kann nur
empfehlen, sich mit der Geschichte ganz nahe an den Quellen zu
befassen. Die Genossen sprechen zu uns, und wir können sie direkt
hören.
? Zum Abschluss: Arbeitest du an weiteren Projekten?
Was werden deine nächsten Veröffentlichungen sein. Ist da schon etwas
in Aussicht?
H.D.: Ich sehe es als meine Aufgabe an, aktuelle
Entwicklungen historisch zu begleiten. Den Anstoß für dieses Buch gaben
die aktuellen Diskussionen um Streiks und andere Arbeitskampfmaßnahmen.
Wichtig ist hier, Traditionslinien aufzuzeigen, denn das ist elementar
für das Verständnis verschiedener heutiger Anschauungen. Es ist ein
Handbuch zum Grundverständnis des Themas insgesamt.
Zwei weitere
Arbeiten zur historischen Flankierung heutiger Schwerpunkte der
anarcho-syndikalistischen Bewegung habe ich abgeschlossen, ich warte
jetzt nur noch auf die Verlage, hoffe aber, beide Bücher noch 2010
veröffentlichen zu können. Es werden weitere Grundlagenwerke sein mit
hohem aktuellen Bezug, mit strategischen Impulsen und Erwägungen.
Desweiteren wird das Webportal www.syndikalismusforschung.info ständig
erweitert. Jede Schrift mit größerem syndikalistischen Bezug wird dort
besprochen werden, weitere Texte sollen die Sammlung ergänzen.
? Hab vielen Dank für dieses ausführliche Interview.
Siehe auch den Blog:
http://generalstreik.blogsport.de/
