Schmuddeldemo (Gedenkdemo für den von Nazis in der Dortmunder Innenstadt ermordeten Punker)
Am 3.04.2010 findet wieder die jährliche Gedenkdemonstration der Antifaschistischen Union Dortmund für Thomas "Schmuddel" Schulz statt. Die Demonstration erinnertl nicht nur an den Mord durch einen Nazi vor 5 Jahren an den Punk Thomas Schulz, sondern geschieht auch auf dem Hintergrund des extremen Naziproblems in Dortmund. DIe FAU Dortmund ruft daher zur Demonstration "Linke Freiräume erkämpfen" ab 16 Uhr vom Dortmunder Hbf auf.
| What | FAU-Termin |
|---|---|
| When |
2010-04-03 16:00
2010-04-03 19:00
2010-04-03 from 16:00 to 19:00 |
| Where | Dortmund | Hauptbahnhof (Vorplatz/Innenstadt) |
| Add event to calendar |
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Unter "mehr" geht es zum Aufruf.
Aufruf zur antifaschistischen Demonstration in Gedenken an Thomas “Schmuddel” Schulz am 03.04.2010 in Dortmund!
what’s wrong?
Vor nunmehr fünf Jahren wurde der Punk Thomas „Schmuddel“ Schulz mitten
in der belebten Dortmunder Innenstadt von einem jugendlichen Neonazi
brutal niedergestochen. Thomas erlag wenig später seinen Verletzungen.
Auch in diesem Jahr werden wir wieder lautstark und eindringlich darauf
hinweisen, dass es in Dortmund ein massives Problem mit Neonazis gibt
und abermals werden wir die gesellschaftlichen Verhältnisse
fokussieren, die Antisemitismus, Rassismus, Sexismus, Homophobie und
andere Scheußlichkeiten täglich aufs Neue reproduzieren. Wir wollen
Thomas und allen anderen Opfern extrem rechter Gewalt gedenken und
unseren Protest gegen kapitalistische Verwertungslogik, nationales
Zwangskollektiv und gesellschaftliche Gewaltverhältnisse auf die Straße
tragen.
Wie jedes Jahr rufen wir deshalb zur antifaschistischen Thomas-Schulz-Gedenkdemonstration in Dortmund auf!
we can’t relax!
Nicht nur rückblickend auf die vergangenen Jahre lässt sich sagen, dass
Neonazis auch weiterhin eine akute Bedrohung für Linke, MigrantInnen,
Obdachlose und andere gesellschaftlich marginalisierte Gruppen sind.
Angefangen von kleineren Pöbeleien, über handfeste Übergriffe und
Hetzjagden durch die Straßen, bis hin zu Mord. So wurden seit der
„Wiedervereinigung“ rund 140 Menschen von Neonazis allein in
Deutschland ermordet und eine weitaus größere Zahl von ihnen verletzt.
Aber auch in Tschechien und Russland hat die Zahl der Morde mit
rassistischem und neonazistischem Hintergrund erheblich zugenommen.
Offizielle Statistiken darüber werden dort erst gar nicht geführt.
Jüngstes Beispiel für den Nazi-Terror in Dortmund ist eine
antifaschistisch engagierte Familie, die sich nach unzähligen Drohungen
und Angriffen zum Wegzug aus Dortmund genötigt sah. Zudem stach der
Überfall von rund 400 Neonazis auf die Demonstration des Deutschen
Gewerkschaftsbundes am 1. Mai letzten Jahres besonders hervor. Dabei
warfen die Neonazis Steine, Flaschen und Feuerwerkskörper auf die
TeilnehmerInnen der DGB-Demo und schlugen mit Holzlatten auf sie ein.
Die GewerkschafterInnen fingen indes an sich zu bewaffnen und
versuchten die gewalttätigen Neonazis zurückzudrängen. Danach zogen
diese randalierend durch die Innenstadt bis sie von der Polizei
festgesetzt werden konnten. Es ist ferner ein handfester Skandal, dass
es Neonazis in Dorstfeld schafften, eine Gedenkveranstaltung zur
Reichspogromnacht, an der sich auch Mitglieder der jüdischen Gemeinde
beteiligten, zu stören und die anwesende Polizei sich nicht in der Lage
sah, das Treiben der Rechten bereits im Vorfeld zu unterbinden.
Die immer häufigeren Flugblattaktionen, Kundgebungen und Aufmärsche der
Dortmunder Neonazis, die dabei tatkräftig von auswärtigen
NeofaschistInnen unterstützt werden, zeugen von ihrem beständigen
Versuch, öffentlich Raum für sich zu beanspruchen, um Teil der
gesellschaftlichen Normalität zu werden. Doch in der Regel sind ihre
peinlichen Versuche um die Sympathie des Volkes zu buhlen, weniger das
Problem, als die Aktionen, bei denen sich ihre Ideologie in Form
direkter Gewalt Bahn bricht und sie auf AntifaschistInnen,
GewerkschafterInnen und andere Engagierte einschlagen und unsere
Hausprojekte, Buchläden und Cafés angreifen.
about german identity
Von städtischer und zivilgesellschaftlicher Seite passiert wenig
Effektives, um den Nazi-Terror einzuschränken. Meist sind es kurze
öffentlichkeitswirksame „Runde Tische“, bei denen die Stadtoberen sich
medial gut in Szene setzen lassen und beteuern, alles nur Erdenkliche
gegen Rechts zu tun. Deren sonstiger Umgang mit der Thematik
artikuliert sich entweder in Leugnung: „Dortmund hat kein Problem mit
Nazis.“ (Polizeipräsident) oder Relativierung: „Dortmund ist eher eine
Hochburg des Widerstands gegen Rechts.“ (Sonderbeauftragter der Stadt
für „Vielfalt, Toleranz und Demokratie“). Aber in einem Punkt sind sich
– nicht zuletzt zwecks Selbstvergewisserung – alle einig: Dortmund ist
bunt statt braun. Bei einem derart wässrigen und oberflächlichen
Anspruch und Verständnis von Antifaschismus verwundert es nicht, dass
man den Neonazis erstens nichts Inhaltliches entgegenzusetzen hat und
zweitens, städtische Gelder, die für Anti-Nazi-Arbeit vorgesehen waren,
in musikalische Friedensfeste mit Sir Bob Geldof unter dem Motto
„Schluss mit lustich – Es reicht“ (sic!) investiert.
Dabei ist diese spezielle Mobilmachung gegen Rechts, im größeren
Zusammenhang gedacht, als Teil eines neuen Staats- und
Vergemeinschaftungsprozesses zu verstehen, an deren Ziel die
Selbstdarstellung des „geläuterten“ Deutschlands steht. Man habe „aus
der Geschichte gelernt“ und hat sich im Sommer 2000 dem von Gerhard
Schröder ausgerufenen „Aufstand der Anständigen“ angeschlossen. Da
stört das Treiben der Neonazis neben dem guten Image der
„Standortgemeinschaft“ vor allem den eigenen Selbstfindungsprozess, der
sich in dem Wunsch nach Normalität und internationaler
Handlungsfähigkeit artikuliert, nicht trotz der einzigartigen
Verbrechen der deutschen Geschichte, sondern gerade deswegen.
more than just dagegen!
Aber trotz Antisemitismus, Rassismus, Nationalismus und xenophober
Bekenntnisse, die nicht nur bei marodierenden Neonazis anzutreffen
sind, das Vierte Reich und die Machtübernahme traditioneller und neuer
NationalsozialistInnen stehen jedenfalls nicht vor der Tür. Doch auch
ohne Faschismus und Nationalsozialismus liefert der Kapitalismus im
nationalstaatlichen Gefüge unter demokratischer Verwaltung genügend
Gründe für seine Abschaffung: Krieg, Hunger und Lohnarbeit um nur
einige zu nennen. Die einzige Alternative ist die Einrichtung einer
nach der Vernunft organisierten Gesellschaft, jenseits von Staat,
Nation und Kapitalismus.
Und genau dieses Ziel unterscheidet uns von bürgerlichen
AntifaschistInnen, die nur die Demokratie vor ihren Feinden schützen
wollen, nicht aber das ökonomische Prinzip dieser Gesellschaft als
solches kritisieren, ja dieses im Zweifel sogar auch gegen uns
verteidigen würden. Die dazu dringend notwendige Antifa-Debatte wird
indes schon hinreichend an anderer Stelle diskutiert. Es bleibt
festzuhalten, dass wir als AntifaschistInnen nicht nur gegen
reaktionäre Ideologien, Nazis und andere Bösewichte kämpfen – quasi als
bewaffneter Arm der Zivilgesellschaft –, sondern die radikale Umwälzung
des Bestehenden zumindest mitdenken. Dass das Nazis-Boxen und
-Fotografieren dabei keine revolutionäre Praxis an sich, aber in
Dortmund und einigen anderen Städten dringende Notwendigkeit ist, muss
an dieser Stelle dann auch nicht weiter ausgeführt werden. Es muss
gemacht werden, weil es gemacht werden muss. Nicht mehr, aber auch
nicht weniger.
fight for antifascists areas!
Nazis in diesem Zusammenhang zu bekämpfen bedarf neben dem konsequenten
Entgegentreten einer Alternative, einer Gegenkultur die ihnen den Kampf
ansagt und sie in keiner Location und auf keinem Platz akzeptiert, eine
Gegenkultur, welche sich gegen Antisemitismus, Rassismus und
Nationaltaumel ausspricht und antifaschistischen Lifestyle lebt. Eine
Möglichkeit dazu ist die Thomas-Schulz-Demo mit der wir jedes Jahr
nicht nur gegen Nazis demonstrieren, sondern gleichzeitig auch linke
Strukturen in Dortmund unterstützen und stärken wollen. Wir
unterstützen daher die Arbeit des AK Freiraum, der sich für die
Schaffung eines Autonomen Zentrums in Dortmund einsetzt und damit dazu
beiträgt, alternative und antifaschistische Kultur in Dortmund zu
festigen. Aber auch allen anderen Zentren, Läden und Vereine in und um
Dortmund, die politische Organisierung und unkommerzielle Parties
ermöglichen, gebührt unser Dank. Denn die beste Waffe gegen Nazis ist
immer noch eine starke, antifaschistische Linke. Erfreulicherweise
haben sich zudem in und um Dortmund mehrere Jugendantifas gegründet.
Wir begrüßen diesen Schritt und freuen uns auf die politische
Zusammenarbeit.
still lovin‘ antifa!
Denn Antifaschismus bedeutet nämlich mehr, als nur regelmäßig Indymedia
zu lesen und auf Antifademos gegen Naziaufmärsche zu gehen. Recherche-
und Öffentlichkeitsarbeit, die Organisierung von Veranstaltungen,
Flugblattverteilungen und Demonstrationen sowie die inhaltliche
Auseinandersetzung mit faschistischer Ideologie und ihren
gesellschaftlichen Ursachen sind wichtige Felder antifaschistischer
Arbeit. Es liegt auf der Hand, dass viele dieser Aufgaben effektiv nur
durch Leute bewältigt werden können, die sich verbindlich in Gruppen
organisieren und kontinuierlich zusammen arbeiten. Wir wollen den
Aufruf zur Organisierung und Vernetzung explizit im Kontext der
diesjährigen Thomas-Schulz-Demo verstanden wissen. Wir wollen
Jugendlichen den Einstieg in aktive Antifa-Arbeit erleichtern und ihnen
mit dieser Demonstration und vor allem mit der Vorbereitung dazu, einen
ersten Anknüpfungspunkt an linke Politik geben. Wenn ihr also ein paar
FreundInnen oder GennossInnen habt, die Interesse an einer
entsprechenden Organisierung haben, gründet eure eigene Gruppe. Tretet
mit bereits bestehenden Gruppen in Kontakt und vernetzt euch. Werdet
zusammen mit anderen AntifaschistInnen aus NRW aktiv gegen Neonazis und
deutsche Verhältnisse, ob auf der Kirmes, im Stadion oder abends beim
Feiern in der Innenstadt.
Kommt zur antifaschistischen Demonstration:
03.04.2010 | 16:00 h | Dortmund | Hauptbahnhof (Vorplatz)
No-go-areas für Nazis erkämpfen!
Deutschland in den Rücken fallen!
Für eine starke antifaschistische Jugendkultur!