M31 - Europäischer Aktionstag gegen den Kapitalismus
Termindetails
Wann
von 14:00 bis 23:00
Wo
Die Krise hat System
Die kapitalistische Globalisierung der vergangenen Jahrzehnte hat die
Konkurrenz der Unternehmen und Standorte intensiviert. Alle führenden
Industriestaaten haben ihre Märkte umfassend dereguliert. Sie haben
soziale Sicherheiten gestrichen, öffentliche Güter privatisiert, die
Rechte von Lohnabhängigen beschnitten und soziale Kontrollen
verschärft, im Interesse eines möglichst ungehinderten kapitalistischen
Wachstums. Doch selbst in Europa, auf der Sonnenseite dieses weltweiten
Systems, wird unser Leben von Jahr zu Jahr unsicherer, und die soziale
Spaltung nimmt zu. Diese Entwicklung belastet alles: wie wir lernen,
wie wir arbeiten, wie wir mit einander umgehen. In den sogenannten
„aufstrebenden Märkten“ herrscht ohnehin eine permanente soziale Krise:
Enteignung und skrupellose Ausbeutung mit staatlicher Rückendeckung,
für ein nationales Wachstum das nur Privilegierten zu Gute kommt. Die
neoliberale Transformation hat auch die Finanzmärkte überkochen lassen.
Ob DotCom-Boom, Immobilienfonds oder Derivatehandel – seit Jahren
platzen die Spekulationsblasen, auf jeden Boom folgt ein Einbruch.
Schuld daran sind nicht „Gier“ und „Korruption“ einer kleinen Elite,
wie viele glauben. Schuld ist die alltägliche Profitlogik, der wir alle
unterworfen sind, ob wir wollen oder nicht. Doch diese Verhältnisse
sind von Menschen gemacht und können daher auch von uns verändert
werden.
Das EU-Regime knacken
2011 ist die europäische Schulden- und Währungskrise eskaliert. Einige
Staaten stehen vor dem Bankrott, und gefährden damit den Euro.
Vordergründig haben diese Staaten „über ihre Verhältnisse gelebt“, und
gelten jetzt als „Schuldensünder“. Mit dem Versuch über Schulden
kapitalistisches Wachstum anzustoßen, taten sie was alle tun, nur
weniger erfolgreich. Ihre Unterstützung durch die Europäische
Zentralbank (EZB) und den milliardenschweren „Rettungsfonds“ ESM ist an
rücksichtslose Auflagen gebunden. Eine europäische „Schuldenbremse“
soll „die Märkte beruhigen“, natürlich zu Lasten der Lohnabhängigen und
Erwerbslosen. Private Profite werden dagegen nicht angetastet. Ähnlich
ergeht es den ost- und südosteuropäischen Beitrittskandidaten, die von
EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) zu umfassenden Kürzungen und
Privatisierungsprogrammen genötigt werden. All das soll das
krisenträchtige Wettbewerbsregime der EU schützen, und natürlich die
Ansprüche der dominanten Ökonomien Kerneuropas: Die Regierungen
Deutschlands und Frankreichs konnten ihre Interessen fast ungehindert
durchsetzen. Kein Zweifel, in vielen Ländern gab es heftigen Protest.
Allerdings traten dabei die großen nationalen Gewerkschaften als
Schützer ihrer Standortinteressen auf, und forderten allenfalls soziale
Trostpflaster. Gleichzeitig sind jedoch überall Basisinitiativen
entstanden, um die eigene politische Ohnmacht zu überwinden – hieran
gilt es anzuschließen. Denn wenn sich etwas ändern soll, müssen wir
selbst dafür sorgen.
Unser Leben in unsere Hände
Die europäische Krisenpolitik ist so spekulativ wie es der Kapitalismus
immer war. Denn schärferes Sparen gefährdet die ökonomische Stabilität
genau so wie Wachstum auf Pump. Es gibt im Kapitalismus keinen sicheren
Weg, nur permanentes Krisenmanagement. Sollen wir unser Leben dafür
verschwenden? Besser wir kämpfen gemeinsam gegen das Diktat des
Kapitalismus, und organisieren uns endlich europaweit. Der Europäische
Aktionstag am 31. März 2012 ist dafür ein erster Schritt. Unsere
Demonstrationen in Griechenland, Spanien, Deutschland anderen
europäischen Staaten sind mehr als ein Zeichen antikapitalistischer
Solidarität. Sie sind schon jetzt Teil einer europaweiten Diskussion
und Vernetzung. Wir laden alle emanzipatorischen Initiativen ein,
diesen Prozess mit zu gestalten. Wir müssen uns außerhalb der
staatstragenden Institutionen organisieren, und einen langen Atem
haben. Obwohl die Krise in den europäischen Ländern oft sehr
unterschiedlich verläuft, haben wir ein gemeinsames Ziel: Wir wollen
den Kapitalismus nicht retten, sondern überwinden. Wir widersetzen uns
nationaler Interessenpolitik und nationalistischer Krisenideologie. Die
Verteidigung bestehender sozialer Rechte ist wichtig, aber unsere
Perspektive muss weiter sein. Wir müssen die fatalen Zwänge des
Kapitalismus brechen. "Echte Demokratie", wie sie in vielen Protesten
gefordert wird, das geht nur ohne Kapitalismus, ohne Staat und ohne
Nationalismus!
sozialrevolutionäres Krisenbündnis Frankfurt a.M.
Weitere Informationen gibt es in den nächsten zwei Monaten in verschiedenen Sprachen unter www.march31.net

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