Konzert in der Barrikade: Lieder der Märzrevolution 1920 – Die Grenzgänger & Frank Baier
Gegen das Vergessen unserer Geschichte: März 1920: Kapp-Putsch, ein rechtsradikaler Klüngel will die junge Weimarer Republik beseitigen, die sozialdemokratische Regierung flieht, die Arbeiter generalstreiken, der Militärputsch bricht zusammen, die Regierung kehrt zurück und schickt die Reichswehr gegen den andauernden Arbeiteraufstand im Ruhrgebiet. O-Ton eines Freikorpssoldaten: „Pardon gibt es überhaupt nicht. Selbst die Verwundeten erschießen wir noch. Alles, was uns in die Hände kommt, wird mit dem Gewehrkolben zuerst abgefertigt und dann noch eine Kugel. Wir haben auch zehn Rote-Kreuz-Schwestern erschossen. Wie diese geweint und gebetet haben. Gegen die Franzosen waren wir im Felde viel edler.“
| What | Konzert |
|---|---|
| When |
2010-03-25 19:50
2010-03-25 22:55
2010-03-25 from 19:50 to 22:55 |
| Where | Barrikade, Bismarckstr. 41 a, 47443 Moers-Meerbeck (Zugang über Barbarastraße) |
| Attendees | FAUD1 |
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|
In Bottrop gibt es immer noch eine Loewenfeldstraße und einen
Gedenkstein für das gleichnamige Freikorps. Aber auch der
Arbeiteraufstand hat wie viele historischen Ereignisse seine Spuren und
seine (Arbeiter)Lieder hinterlassen. Die Grenzgänger Michael Zachcial
und Jörg Fröse sowie Ruhrpottbarde Frank Baier haben sich auf die
Spurensuche begeben.
Frank Baier: „Außer längst vergriffenen Bänden erzählt davon kein dickes Buch: ein Tabu-Thema, bis heute!“
Michael Zachcial: „Wir kamen wieder auf den Riß in der Geschichte und
daß keiner mehr die alten Lieder singt. Wir fangen wieder an.“

Grenzgänger und Baier verpacken den Agitprop in eingängige Musik mit
Ohrwurm-Qualitäten, mal frech und ironisch, mal sentimental und
melodramatisch. Zumeist unbekannte Volkslieder und
Arbeiterssangeskunst, Texte von Erich Mühsam und Ferdinand Freiligrath
sowie Songs von Rio Reiser und Rap (Hut ab, auch wenn ich diesem Genre
nun überhaupt nichts abgewinnen kann).
Wen geht das etwas an? Alle, meint Michael Zachcial: „Menschen, die das ganz deutliche Gefühl haben, daß ihre Wirklichkeit nicht vorkommt in den Medien, daß ihre Geschichten dort nicht erzählt und ihre Lieder nicht gesungen werden: das ist die Hausfrau, der Punk, der Müllmann, die Kassiererin bei Aldi, Opa Weber und Erika Mustermann, die Kinder der Einwanderer, die wissen wollen, in was für einem Land sie eigentlich leben.“
Tom Keller, in www.folkworld.de , Januar 2007
Das Konzert in der „Barrikade“ findet am Donnerstag, den 25.März, 20 Uhr statt.

(gespiegelt von der Seite des VVN Bochum: vvn-bda-bochum.de)
Die Grenzgänger, mehrfach preisgekrönte Lied-Avantgardisten aus Bremen,
haben sich für ihr aktuelles Programm mit dem Duisburger Ruhrpott
Urgestein Frank Baier zusammen getan. Sie spielen Lieder und Texte aus
der “größten Aufstandsbewegung, die es in Deutschland seit den
Bauernkriegen des 16. Jahrhunderts gegeben hat”, dem nahezu völlig
vergessenen Volksaufstand im Frühjahr 1920 im Anschluß an den
Kapp-Putsch.
Es werden unbekannte Volkslieder, anarchistische Sprachgewitter, Rap, Balladen, aber auch Stücke von Rio Reiser zu hören sein, der schon vor 25 Jahren an diesem Thema gearbeitet hat (Für das Theaterstück “Märzstürme” schrieb er Lieder wie “Jetzt schlägt’s 13″, “Ich will Rot” und “Frühlingssturm”). Zu Wort kommen ebenso Erich Mühsam und Tucholsky und andere Querköpfe, deren Texte auch heute noch den Nagel auf den Kopf treffen. Eine Entdeckung bei den Recherchen sind u.a. die Texte des Berliner Schriftstellers Oskar Kanehl aus seinem Buch “Straße frei”. Es entstanden sofort mehrere Vertonungen und Lieder für diese CD.
Frank Baier, der singt, als hätte man seine Stimmbänder mit Ruhrpottkohle eingerieben, spielt Ukulele, Quetsche, Harfe, Gitarre und Mundharmonika. Nach Anfängen mit Skiffle spielte er in den siebzigern mit seiner Gruppe “Kattong” Konzerte u.a. mit Ton, Steine, Scherben, in Gefängnissen und besetzten Häusern, war maßgeblich beteiligt an der Wiederbelebung von Arbeiterliedern im Ruhrgebiet, sorgte Anfang der achtziger mit einem deutsch-türkischen Duo für Furore, gab Konzerte in Madagaskar und anderen Ländern, nahm etliche CDs mit dem Düsseldorfer Obertonchor auf und feierte vor kurzem bei einem der grössten europäischen Weltmusikfestivals in Rudolstadt zusammen mit den Rappern “Sons of Gastarbeita” ein aufsehenerregendes Comeback.
Die Grenzgänger gehören sicher zu den interessantesten deutschsprachigen Gruppen der letzten Jahre. Gastspiele im ganzen Bundesgebiet (unter anderem als Tourband der Bundeszentrale für Politische Bildung), Einladungen in die Tschechische Republik, Irland, Nordirland sowie Norwegen, die wiederholte Auszeichnung mit dem deutschen Schallplattenpreis, mehrfache Ernennung zur CD des Monats in der renommierten SWR- Liederbestenliste sind Ausdruck für das anhaltend hohe Niveau ihrer Mischung aus Volkslied, Swing, Blues, Reggae, Jazz und Kabarett. “So richtig genial”, meinten die Kieler Nachrichten.
Lieder der Märzrevolution 1920
Auslöser
für das “März 1920″-Projekt war das nahezu unerschöpfliche Ton-Archiv
von Frank Baier, in dem sich auch Original-O-Töne und Live-Mitschnitte
von Liedern und Geschichten alter Zeitzeugen der Märzrevolution 1920
fanden. Der Untertitel des Programms “Keine Bange, Leschinsky” deutet
auf den alten Volkssänger Johannes Leschinsky aus Oberhausen hin.
Johannes L. war während des Kapp-Putsches 17 Jahre alt und schrieb
eigene Texte auf bekannte Melodien der damaligen Zeit. Frank Baier
recherchierte mit seinem Cassettengerät und dem Knopf-Akkordeon Ende
der 70-er Jahre im Ruhrgebiet. So entstanden in stundenlangen
“Küchen-Interviews” bei Johannes Leschinsky Ton-Mitschnitte dieser
Lieder. Die Einmaligkeit und ein Novum: vom alten Johannes L.
(geb.1903) über Frank Baier (geb.1943), den “Grenzgängern” bis zu den
Rappern “Sons of Gastarbeita” sind auf dieser CD “März 1920″ somit vier
Generationen von Volkssängern vertreten.
Zu dem Thema hat das Syndikat-A eine lesenswerte Broschüre der FAU Duisburg veröffentlicht. März-1920--Die-vergessene-Revolution-im-Ruhrgebiet