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Antonio Pedrazo Sánchez (+2005)

Im vergangenen Jahr (2005) ist Antonio in seiner Heimat im Alter von 90 Jahren gestorben.

Antonio sprach selten zu uns, und wenn, dann langsam, und wohlüberlegt. Und wir hingen an seinen Lippen, denn was er sagte, traf oft den Nagel auf den Kopf. Wir waren damals junge Anarchos, Anfang zwanzig, aber hier sprach jemand, der über sechzig war – ein »alter Mann«, der lächeln konnte und Weisheit ausstrahlte.

Das war in den Siebzigern, in Deutschland, als sich die Exil-CNT anschickte, ihre Ideen auch unter den »Gastarbeitern« zu verbreiten. Antonio Pedrazo Sánchez war selbstverständlich dabei. Denn er war schon immer dabei. »Von Natur aus ein Ácrata«, wie seine andalusischen Genossen in ihrem Nachruf schrieben, war er, 1915 im südspanischen Manzanares geboren, nach Bürgerkrieg und Gefängnis in den frühen Sechzigern mit seiner Familie auf der Suche nach Arbeit in Deutschland angekommen. Im Rhein-Main Gebiet aß er das bittere Brot der Immigration, aber stolz und kein bißchen resigniert. Wo immer es etwas zu tun gab, fehlte er trotz seines Alters nicht: Gewerkschaftsarbeit, Demonstrationen, Unterstützung des CNT-Magazins »impulso«, ideelle Starthilfe für die junge FAU. Praktische Solidarität eben, Hilfe mit Worten, mit Taten, mit Geld und – mit Poesie… Denn Antonio schrieb Verse, die manchmal besser halfen als alles andere.

Im vergangenen Jahr ist Antonio in seiner Heimat im Alter von 90 Jahren gestorben. An seinem Grab stand Jung und Alt und sang die traditionsreiche CNT-Hymne »Negras Tormentas agitan los Aires...« Möge unser verspäteter Nachruf ihm und den Seinen zeigen, dass »der Genosse Pedrazo« auch in Deutschland nicht vergessen wurde.

 

Horst Stowasser

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