Sie sind hier: Startseite / Nachrichten / Zum Mord an Lámbros Foúndas (Gr.)

Zum Mord an Lámbros Foúndas (Gr.)

Nachrufe des Anarchistischen Archivs Athen und eines eingekerkerten Freundes (weiter unten) auf den mit einem Schuss in den Rücken ermordeten Genossen Lámbros Foúndas, aktiv in der anarchistischen Gruppe SCHWARZER DORN, die das Journal STRASSEN DES ZORNS herausgeben hatte, und der in vielen anderen antiautoritären Zusammenhänge aktiv war. Mittlerweile wird der Mord auch aus reformistischen Zusammenhängen skandalisiert und es gibt Hinweise darauf, daß der Minister des königlichen Friedens Chrisochoidis wieder einmal die Öffentlichkeit instruiert.

von taxikipali,
Für alle Interessierten übersetze ich hier ein Kommuniqué des Anarchistischen Archivs, einer der ältesten, volkstümlichsten (verankersten) und bekanntesten anarchistischen Gruppen Griechenlands zu Lambros Foundas. Ich denke, es stellt einen interessanten und höchst kontroversen öffentlichen Nachruf über diesen Menschen dar. Ich identifiziere mich nicht mit dem folgenden Text und werde versuchen, jede öffentliche Resonanz von anderen anarchistischen oder revolutionären Gruppen als Dokumentation über die Auseinandersetzung über diese Angelegenheit zur Verfügung zu stellen:

Der Kampf von uns allen - den wir gegen jede Form von Herrschaft führen - indem wir „bestrebt“ danach sind, nicht einen einzigen Moment zu verpassen und die stur an dem Glauben festhalten, daß wir nicht unfähig dazu sind, eine freie und herrschaftsfreie Welt aufzubauen, ist soweit entfernt von jedweder Form der Mythologie, wie die Erde vom Mond.
Dieser Kampf beinhaltet zahllose Tote und Geiseln, aber auch Leute, die aufgeben, da sie ihre Hoffnungen verlieren oder indem sie sich anpassen, weil die Herrschaft einen „kleinen“ oder „großen“ Preis gestiftet hat, um sie weg zukaufen. Alle diejenigen, die deswegen nach Heiligengeschichtchen suchen, nach Märtyrern oder Erlösern, nach Helden oder „heiligen Monstern“ lechzen, sind keinen Deut besser, als diejenigen, die nicht die geringste Gelegenheit versäumen, mit ihren Fingern auf die „Abenteurer“, die „verirrten Schafe“, die „verdächtigen Abweichler“ und die politisch „für immer Verlorenen“ zu zeigen. Beide, die von den ersteren glorifizierten „übersinnlichen Wesen“ und die „Extremisten“, von denen sich die letzteren distanzieren, sind Wegwerfware. In beiden Fällen ist das Ergebnis Vergesslichkeit, auch wenn jeweils das Gegenteil gepredigt wird. Das „verzückte“ Tratschen der einen über die „Aufopferungsvollen“, während die anderen die Größe des „Schadens“ mit politischer Frömmigkeit demarkieren Es ist gleichermaßen unbedeutend, ob das Ineinanderlaufen beider Fälle durch Fanatismus oder Illusion, Naivität oder Zielbewußtsein erreicht wird oder aus Gründen des politischen Überlebens und Projektion oder aus dogmatischen Wahrnehmungen.
Die sich befehdenden Stimmen krakeelen mit der Absicht zu beweisen, daß sie Feinde sind, aber ihre Schliche hat sich (nur) mit großer Not verborgen.
So sei es. Das „Schauspiel“ ist traurig und tausendmal ein geübt, aber Altbewährtes vermittelt immer „Gewissheit/ Sicherhheit“. Immer? Oder vielleicht nicht? Die Worte unten und alle darüber sind nicht das Produkt von Verpflichtung oder Schuldigkeit. Noch sind sie Bestandteil eines politischen Nachrufs. Sie sind weit entfernt von und feindselig gegenüber jedem Versuch der Mythologisierung, Vereinnahmung, Intervention oder Distanzierung, sie sind gegen den Schmutz und die Entwertung, die die Herrschaft versucht mit der Veröffentlichung des Namens und des Fotos eines toten „Terroristen“, nach einer Auseinandersetzung mit Bullen in Dafni, zu dirigieren.

Lambros Foundas, der in Dafni bei einem Schußwechsel mit der Besatzung eines Streifenwagens gefallen ist, ist bekannt für seine anarchistische Aktivität. Er beteiligte sich als Oberschullehrer in sozialen Praktiken und etwas später in der Anarchistischen Gruppe Schwarzer Dorn, die das Journal Strassen Des Zorns heraus gab. Er war aktiv auf Protestmärschen und Demonstrationen, in sozialen Konflkten, mit Plakatieren, in Gesprächen und Ereignissen. Er war einer der Tausenden von jungen Leuten, die in jener Zeit keiner einzigen Parteijugend beitraten, welche sich an den Besetzungen und in den Kämpfen der Schüler nach der Ermordung des Lehrers Nikos Temboneras in Patras beteiligten und die von den aufständischen Ereignissen des Januars 1991, aber auch von anarchistischen Anschauungen und Praktiken inspiriert waren, die sie mit einer Lebendigkeit füllten, die Worte schlecht beschreiben können. Die Anarchistische Gruppe Schwarzer Dorn beteiligte sich bis zu ihrer Auflösung an der Zusammenarbeit Anarchistischer Gruppen und Individuen Für Soziale Solidarität und Vielgestaltige Aktion. Während der Besetzung des Polytechnikums in Athen 1995, welche am Jahrestag des Aufstands von 1973 stattfand, war Lambros Foundas unter den 504, die durch die repressiven Truppen des Staates festgenommen worden waren, als diese am Morgen des 18. November in das Polytechnikum einmarschierten. Auf diese Art war er unter den jungen Leuten seiner „Generation“, die die politisch „Korrekten“ in aller Hast als „verloren“ charakterisierten. Er war unter denjenigen Genossen, die sich für eine Seite entschieden hatten und die Dekade der 90er Jahre über in leidenschaftlicher Solidarität gegenüber jedem sozialen Sektor, der entschied, sich der Herrschaft zu stellen, von Demonstration zu Demonstration, von Barrikade zu Barrikade „wanderten“. Sie duldeten jeder ihre Fehler und Rechte, ihre Unterschiede und ihre Beharrlichkeit und entlarvten Lügner jeder Macht, die sie als „Mitläufer“ der sozialen Kämpfe hinstellten. Natürlich gab es derartige Leute. Mit Lambros haben wir uns seitdem so viele Male nah beieinander auf Demonstrationen, in Kämpfen und in Barrikaden befunden.

So glauben wir unbeirrbar, daß das, was die kämpfenden Menschen zurücklassen, WIRKLICH ALLES DAS IST, WAS WIRKLICH UND NICHT VORDERGRÜNDIG zum Prozess der Befreiung von den Fesseln der Unterdrückung und der Ausbeutung beiträgt. Dies ist ihr Erbe, das über ihre persönlichen Bedürfnisse, Erkenntnisse und Entscheidungen hinaus bleibt. Weil die Mittel nicht Ziel ihrer selbst Willen sind, vereinzeln sie nicht, die, die kämpfen, sondern eröffnen Möglichkeiten: Sie machen keine Heiligen aus denen, die diese oder jene Form wählen, noch erhöhen sie sie und überhäufen sie mit Orden. Es gibt keine allgemein und abstrakt ungerecht gefallene Genossen.Noch ist es wichtig in diesem Fall nach Betriebsfehlern zu forschen. Gleich wie auch immer die Logik ist, daß Auslegungen das Privileg einer hierarchischen Sitzung der Eingeweihten oder erhabener interner Angelegenheiten sind, sie nicht gut für uns. Noch kann unsere Antwort denjenigen gegenüber, die Szenarien ersinnen, sein, daß „Verluste ein notwendiges Übel“ sind. Unsere Position sollte klar und solide sein.

Wir schliessen, indem wir Lambros einen Abschiedsgruß entbieten, mit dem indischen Wunsch (und der Gewissheit): Das nächste Mal (wenn wir uns treffen) wird es besser sein!

ANARCHIST ARCHIVE OF ATHENS


Zur Zeit führen die bürgerlichen Nachrichten ihren Krieg des Schleims weiter, während Anarchisten eine Kampagne gestartet haben, um den toten Mann mit Plakaten zu ehren, auf denen steht „Lambros Foundas war einer von uns!“; massenhaft in Athen angeklebt. Der Polizei zur Folge ist die im Rucksack gefundene Handgranate von einem Fabrikat, was von keiner einzigen Stadt Guerilla Gruppe in Griechenland benutzt wird. Somit ist kein einziger Beweis erbracht, der nahe legt, daß der Mann Mitglied irgendeiner Stadtguerilla war. Trotzdem stellen bürgerliche Medien ihn „im Herzen des Revolutionären Kampfes“ bei der „Vorbereitung eines unmittelbar bevorstehenden terroristischen Anschlags“ dar.

Ein weiterer Text der online veröffentlicht wurde bzgl. der Erlegung von Lambros Foundas, ist ein kurzer Brief aus dem Kerker von dem Revolutionär Giorgos Voutsis Voyatzis, der Zeit im Gefängnis verbringt, weil er für einen Banküberfall in Athen verurteilt wurde:

Der Genosse Lambros Foundas war für uns alle ein echtes Beispiel des Kampfes. Ein wahrer Revolutionär, ein eingeschworener Feind jede(r)(s) apraxia (fehlender Praxis/ Slackertums). Anspruchslos, nüchtern, bestimmt und entschieden. BIS ZUM ENDE CHEF SEINES EIGENEN LEBENS. Obendrein machte er keine Verträge mit dem Leben, die er hätte verletzen können.
Einen Vertrag mit dem Leben gehen diejenigen ein, die sich von dikaiopraxia (Wahl/ Entscheidung zur Praxis) verabschieden. Betrachtet diese nicht so großspurigen, aber aufrichtigen Worte als ein letzten Abschied an einen Genossen und Freiheitskämpfer.
Lasst Praxis/Aktionen sprechen... 11/03/2010


Original: Taxikipali, translated: iaourti iaourtaki

Quelle:  http://libcom.org/news/anarchist-killed-greek-police-11032010


Creative Commons-Lizenzvertrag Dieser Inhalt ist unter einer
Creative Commons-Lizenz lizenziert.

Artikelaktionen

abgelegt unter:
Navigation
Anmelden


Passwort vergessen?
« August 2017 »
August
MoDiMiDoFrSaSo
123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
28293031