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"Zug der Erinnerung" startet im Frankfurter Hauptbahnhof

Am 8. November (Donnerstag) um 11.00 Uhr wird die Ausstellung über die NS-Deportationen mit der Reichsbahn auf Gleis 1a der Öffentlichkeit übergeben.

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Zug der Erinnerung:

Nach dem Empfang des Zuges und Presseführungen steht der Zug ab 15.00 Uhr auf dem zentralen Frankfurter Mainkai in der Nähe des Eisernen Steges für Gruppen und Einzelbesucher bereit.

Der Beginn des deutschlandweiten Gedenkens an die von den Nazis deportierten Kinder und Jugendlichen findet am Vorabend des 9. November statt. In der Nacht vom 9. auf den 10.11.1938 organisierte die Nazi-Partei ein antisemitisches Pogrom, dem mindestens 91 Menschen zum Opfer fielen. Etwa 30.000 Personen wurden in Konzentrationslager verschleppt, Geschäfte jüdischer Eigentümer verwüstet. In Frankfurt und in anderen deutschen Großstädten setzte ein Exodus der Verfolgten ein: Wer Deutschland verlassen konnte und sein Leben in Gefahr sah, floh. Von den 30.000 Frankfurter Juden hatten bis 1941 zwei Drittel die Stadt verlassen oder waren untergetaucht.

Im Oktober und November 1941 begannen in Frankfurt Massendeportationen in die Vernichtung. Wenigstens 773 Kinder und Jugendliche aus Frankfurt kehrten nicht zurück. Auch an diese Opfer erinnert die Ausstellung im "Zug der Erinnerung", die am Freitag 9.11. zwischen 8:00 und 13:00 Uhr insbesondere Schulklassen zur Verfügung steht.

Die Ausstellung in mehreren Waggons beschränkt sich nicht auf die deutschen Ereignisse, sondern erzählt von der europäischen Dimension eines Großverbrechens, das auch Kindern und Jugendlichen in den vormals okkupierten Ländern galt. Unter ihnen befinden sich Sinit und Roma, Kinder von Nazi-Gegnern und Jugendliche aus den osteuropäischen Staaten, die ermordet oder verschleppt wurden. Ihnen sind Biografien aus Polen, der früheren UdSSR, Norwegen, Belgien, den Niederlanden, Frankreich, Italien und Griechenland gewidmet.

Internationale Deportationsstrecken nach Auschwitz

Die Strecke

 Fast sämtliche deutschen Bahngleise waren in das Deportationsgeschehen einbezogen. Die europaweite Logistik der Verschleppung und Vernichtung hätte ohne die Dienste der Reichsbahn nicht funktionieren können. Über tausende Kilometer wurden Deportationszüge in die Lager geschleust. Selbst unter Kriegsbedingungen setzten die NS-Behörden die Transporte fort – aus Griechenland oder Jugoslawien ebenso wie aus Norwegen und Frankreich.

Die Durchgangsstrecken dieser Transporte kreuzten große deutsche Städte: Hamburg, Köln, Frankfurt a.M. oder Dresden. Auf den Bahnhöfen schienen sich die Wartenden an den Anblick der Todeszüge gewöhnt zu haben. Denn bereits lange vor Durchfahrt der europaweiten Reichsbahn-Transporte wurden auf den Bahnhöfen tausende Waggons für die deutschen Opfer bereitgestellt. Wie Fotodokumente aus mehreren deutschen Städten beweisen, fanden die Deportationen oft am helllichten Tag und auf den Nachbargleisen des alltäglichen Zugverkehrs statt: in Berlin, München, Düsseldorf, Hannover oder Erfurt. Aus dem Ruhrgebiet ist bekannt, dass einzelne Waggons an übliche Reisezüge gekoppelt wurden, um die deportierten Menschen zu Knotenpunkten des Bahnverkehrs zu bringen und dort mit anderen Verschleppten zusammenzuführen – auf dem Weg in die Vernichtung.

Auf den deutschen Gleisen wurden die letzten Botschaften der Opfer gefunden: verzweifelte Hilferufe, Brieffetzen und Postkarten. Diese Zeugnisse sind verweht. Kaum ein Bahngleis, das an die Schicksale der Verschleppten erinnert; wenige Bahnhöfe, in denen ein Ort des Gedenkens besteht.

Der Zug der Erinnerung wird auf seinem Weg durch Deutschland über einen Teil der Deportationsstrecken fahren – an sämtlichen Bahnhöfen zu halten, über die Millionen Deportierte geschleust wurden, würde Jahre dauern. Welche Städte der Zug anfahren kann, um dort der Kinder zu gedenken und die Spurensuche anzuregen, hängt von Ihnen, den Bürgerinnen und Bürgern dieser Orte ab: Initiativgruppen, Organisationen, aber auch Netzwerke einzelner Interessierter können den Zug der Erinnerung anfordern. Bitte setzen Sie sich mit uns in Verbindung:info@zugde.eu

Hier erfahren Sie, welche Stationen bisher vorgesehen sind. Diese Liste wird ständig aktualisiert:

Baden-Württemberg

Stuttgart (22.-24.11), Mannheim (14.-17.11)

Hessen

Darmstadt (9-13.11), Frankfurt a.M., Wiesbaden, Hanau, Fulda, Kassel

Nordrhein-Westfalen

Aachen, Köln, Düsseldorf, Dortmund, Bochum, Duisburg

Niedersachsen

Göttingen, Hannover, Braunschweig

Thüringen

Eisenach, Gotha, Erfurt, Weimar

Sachsen-Anhalt

Halle

Sachsen

Leipzig, Dresden, Görlitz

Wenn Sie an diesen Orten mithelfen wollen, dass der Zug der Erinnerung das öffentliche Gedenken fördert, stellen wir einen Kontakt her: info@zugde.eu

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