Wir trauern um Stanislav Markelow und Anastasia Barburova
Am 19. Januar 2009 wurden der bekannte russische Anwalt Stanislav Markelow und die Journalistin Anastasia Barburova in Moskau von einem Killer auf offener Straße erschossen. Beide waren bzw. sind aktive Mitglied der libertären Bewegung in Russland. Motive für den Mord gibt es viele, besonders Stanislav hat sich als engagierter Anwalt der Verfolgten und von AntifaschistInnen viele Feinde gemacht und u.a. einen berüchtigten Militär und "Held der russischen Föderation" sowie etliche russische Nazis hinter Gitter gebracht. Nach Bekanntwerden der Morde fanden u.a. in Moskau, Petersburg und Grozny Demonstrationen statt, die von der Polizei angegriffen wurden und bei denen mehrere Dutzend DemonstrantInnen verletzt oder verhaftet wurden.
Stanislav ("Stas") Markelow
war Anfang der 90er Jahre in der jungen anarchistischen Bewegung
Russlands aktiv, unter anderem als Mitglied in der "Anarchist Medical
Brigade". Er engangierte sich in verschiedenen Diskussionsgruppen und
bei vielen Aktionen und Veranstaltungen. Später wurde er Rechtsanwalt,
gleich in seinem ersten Verfahren verteidigte er GenossInnen, denen
langjährige Haftsstrafen für ihre oppositionelle Einstellungen drohten.
Im Laufe der Zeit wurde er zu einem der engangiertesten Anwälte in
Russland und zog sich dabei den Hass des mafiotisch-geheimdienstlichen
Komplexes zu. So vertrat er u.a. als Nebenkläger die Familie Kungaeva,
deren Tochter in Tschetschenien von einem russischen Offizier, Yuri
Budanov, vergewaltigt und ermordet worden war. Der Mörder wurde nach
nur acht Jahren Gefängnis vor einigen Tagen begnadigt. Auf dem Rückweg
von einer Pressekonferenz in der es um die Begnadigung Budanovs ging,
wurde Stas auf offener Straße erschossen. Stas hat in den letzten
Jahren häufig Antifas verteidigt und in anderen Verfahren dazu
beigetragen, dass einige russische Nazi-Schläger im Knast verschwanden.
Anastasia ("Skat") Barburova
wurde durch einen Kopfschuß getötet, entweder, weil sie versuchte dem
verletzten Stas zu helfen oder weil der Killer sich der Zeugin
entledigen wollte. Nastya - wie Anastasia bei ihren GenossInnen hieß -
war studierte Journalistin und arbeitete als Freelancer in den letzten
Monaten für die Zeitung "Novaya Gazeta". Ihr Spezialgebiet war die
russische Ultrarechte. Nastya war aktive Anarchistin. Sie hatte im
letzten Jahr beispielsweise dabei geholfen, eine Schlafstätte von
kaukasischen Flüchtlingen gegen die Übernahme durch die staatliche
Gefängnisveraltung zu verteidigen und war dabei verhaftet worden. Sie
beteiligte sich aktiv an verschiedenen Protestcamps gegen
Umweltzerstörung. Im September 2008 nahm sie am Europäischen
Sozialforum in Malmö, Schweden, teil. Zeitweilig half sie bei der
Erstellung der libertären Zeitschrift "Avtonom" mit. Nastya war mit
ihrer Energie und ihrer offenen Art in der kleinen libertären Bewegung
Russlands und der Ukraine sehr beliebt. Sie wird eine große Lücke
hinterlassen.
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Protestkundgebung in Berlin |
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