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weitere 10» NadA - 18.10.07 Protest gegen Leiharbeitsmesse in Münster

Münster – ca. 30 Personen demonstrierten am Vormittag des 18. Oktober in Münster gegen eine Leiharbeitsmesse in der Halle Münsterland. Die ARGE Münster (Arbeitsgemeinschaft Arbeitsagentur und Sozialamt der Stadt Münster) hatte die Messe ausgerichtet und ca. 2.500 Erwerbslose unter Androhung von Sanktionen dazu eingeladen. (Abb.: Sicherheitsdienst geleitet uneingeladenen Sklavenhändler samt seiner Ware nach draußen.)

Die Protestierenden machten per Megaphon auf die Missstände in der Leiharbeitsbranche auf sich aufmerksam und führten ein spontanes Theaterstück auf, in dem die Veranstaltung als Sklavenmarkt karikiert wurde: Arbeitslose wurden an einem Strick durch die Halle geführt und versteigert. Der WDR filmte diese Aktion, bis die Veranstalter die AktivistInnen des Raumes verwies. Vor der Halle Münsterland wurden Flugblätter verteilt, die Niedriglöhne in der Leiharbeitsbranche und die Kooperation der Arbeitsagenturen mit der Leiharbeitsbranche kritisierten. AktivistInnen des Internetforums www.chefduzen.de und der FAU Münster verteilten die so eben erschienene 1. Ausgabe der Zeitschrift „Leihkeule“. Abgerundet wurde die Aktion durch einen Auftritt des Berliner Liedermachers Geigerzähler mit Texten zum Thema.

Von Arbeitsagenturen durchgeführte Leiharbeitsmessen mit Zwangseinladungen für Erwerbslose gab es bereits in diversen anderen Städten. Die Arbeitsagenturen präsentieren dies als Service sowohl gegenüber Arbeitgebern wie auch den Arbeitslosen. Die Zeitarbeit gilt als „Wachstumsbranche“, die vermeintlich Arbeitsplätze schaffe. Oft werden hier Arbeitslose, deren Chancen auf einem ersten Arbeitsmarkt gering sind, nur zeitweilig zu Niedriglöhnen zwischengeparkt, bevor sie wieder in die Arbeitslosigkeit zurückfallen. Durch die viel geringeren Lohnkosten in der Leiharbeitsbranche wird ebenso Lohndruck auf den ersten Arbeitsmarkt ausgeübt. Die Branche trägt damit wesentlich zu einem ständig wachsenden Niedriglohnsektor bei, in dem die Lohnarbeit kaum zur Sicherung des Lebensunterhalts ausreicht.

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Dokumentation des Aufrufs:

Niedriglohn, Zwangarbeit –
Dafür haben wir keine Zeit!
Schluß machen mit Arbeitszwang zu Dumpinglöhnen!

Wir treffen uns am 18.10. um 10.30 Uhr am Münsteraner Hauptbahnhof, Ausgang Ost (Bremer Platz), um dagegen zu protestieren, dass die ARGE Münster 2.500 Münsteraner Arbeitslose dazu zwingt, sich bei Menschenhändlern – Leiharbeits und Zeitarbeitsfirmen – zu bewerben sowie in CallCentern, wo die Arbeitsbedingungen oftmals ebenso schlecht sind. Die ARGE hat hier in der Halle Münsterland eine „Messe“ organisiert und die Arbeitslosen verpflichtet, diese zu besuchen und sich bei den anwesenden Firmen zu bewerben. Das entlarvt mal wieder das Zwangssystem Hartz IV. Wir sind hier, weil wir der Meinung sind, dass die Methoden der Arbeitsagenturen und der Leihartbeitsfirmen menschenunwürdig sind.

Niedriglohn
Vier Zeitarbeitsverbände haben Tarifverträge abgeschlossen, zwei mit dem DGB (7,15 € West, 6,22 € Ost brutto als Einstiegsgehalt) und zwei mit christlichen Gewerkschaften (6,34 € West, 5,22 €). Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche Einzelklitschen, die keinen Tarifvertrag haben und diese Bezahlungen noch unterbieten. Von diesen Löhnen kann man nicht leben, die Arbeitslosen, die sich heute hier bewerben, sind morgen arbeitende Arme. Selbst einen geforderten Mindestlohn von 7,50 € - mit dem man auch noch arbeitend arm wäre – wird hier massiv und bewusst unterboten.

Zwangsarbeit
Mit Hartz IV hat der Staat den Leih- und Zeitarbeitsfirmen einen großen Gefallen getan. Denn bekanntlich ist jede Arbeit zumutbar, solange sie nicht sittenwidrig ist. „Sittenwidrig“ wäre ein Lohn, der den geltenden Tarifvertrag um ein Drittel unterschreitet. Die Agentur für Arbeit kann Erwerbslose also auch dann noch in die Zeitarbeit zwingen, wenn diese einen Stundenlohn von ca. 4,- Euro auszahlen (wir reden immer noch von Bruttolöhnen!). Nimmt ein Erwerbsloser eine solche Arbeit nicht an, winken Abzüge beim Arbeitslosengeld – in der ersten Stufe eine Kürzung von 30 Prozent.
Die Zeitarbeitsfirmen nutzen das schamlos aus: Wer die angebotene Stelle nicht annimmt, wird bei der Arbeitsagentur verpetzt. Das heißt schlicht und einfach: Die Personalabteilungen der Leiharbeitsfirmen zwingen Erwerbslose, für sie zu arbeiten.

Unsicherheit ist Programm
Daß Arbeitsagenturen und in diesem Fall die ARGE Münster diese Klitschen noch fördern, indem sie ihnen ein Forum bieten, wäre sogar dann kontraproduktiv, wenn man an Hartz IV irgend etwas Gutes finden würde: Leiharbeitsfirmen funktionieren nach dem Motto Anstellen und Rausschmeißen. Den schlecht bezahlten Job hat man genau so lange, wie man gebraucht wird. Offiziell kann man sich zwar durchaus krankschreiben lassen, aber dann wir man eben nicht mehr ausgeliehen. Und solange man nicht arbeitet, steht man eben nur in der Kartei und wird nicht bezahlt – man steht also auch wieder in der Schlange vor der Arbeitsagentur.

Hartz IV abschaffen! Leiharbeit abschaffen!

Kontakt für Interessierte: sklavenhandel2007{ätt]web.de und FAU Münster)

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