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USA: Autogewerkschaft verzichtet auf Lohnerhöhungen

Am Vorabend von Tarifverhandlungen zwischen der Gewerkschaft United Auto Workers (UAW) und den drei großen Autokonzernen hat UAW-Führer Bob King die Abschaffung jährlicher Lohnerhöhungen und als Ausgleich ihre direkte Anpassung an die Profitabilität der Konzerne vorgeschlagen.

Die Detroit News vom 18. Juli veröffentlichte ein Interview mit King, worin er sagte, Arbeiter sollten „Lohnerhöhungen gegen Profitbeteiligung eintauschen“. Das Blatt zitiert King mit den Worten „Wollen sie [die Arbeiter] grundlegende Lohnerhöhungen? Natürlich… Aber das ist nicht erste Priorität.“

Kings Äußerung unterstreicht den betrügerischen Charakter der Tarifverhandlungen. Die Gewerkschaft gibt eine elementare Errungenschaft der amerikanischen Arbeiter freiwillig preis, die sie im bittern Kampf der 1930er Jahre zum Aufbau der Industriegewerkschaften erstritten. Das beweist, dass es hier nicht um eine Verhandlung zwischen Vertretern der Konzerne und der Arbeiter geht, sondern um eine Verschwörung zweier arbeiterfeindlicher Organisationen.

Das gemeinsame Ziel besteht darin, die effektivste und effizienteste Methode zu entwickeln, die Konzernprofite zu erhöhen, indem man die Arbeitslöhne drückt, Zusatzleistungen streicht und Arbeitsbedingungen verschlechtert.

King rechtfertigt den Verzicht auf Lohnerhöhungen mit der Behauptung, dies sei für die Rettung von Arbeitsplätzen erforderlich. „Das höchste Gut für unsere Mitglieder ist langfristige Sicherheit“, sagte King in seinem Interview mit den Detroit News.

Die abgedroschene Lüge, Zugeständnisse würden Arbeitsplätze verteidigen, verdient nur Verachtung. Seit mehr als dreißig Jahren, seitdem die UAW bei der Chrysler-Rettung 1979 Fabrikschließungen und Lohnkürzungen zuließ, hat es im Namen des Erhalts von Arbeitsplätzen ein Zugeständnis nach dem anderen gegeben. In dieser Zeit sind bei General Motors, Ford und Chrysler hunderttausende Arbeitsplätze vernichtet worden, und die Mitgliederzahl der UAW ist von fast anderthalb Millionen auf 377.000 geschrumpft.

Der Verzicht auf Lohnerhöhungen dient zwei grundlegenden und miteinander verbundenen Zielen. Das erste besteht darin, die Arbeiter vollständig den Profitinteressen der Firmen zu unterwerfen, indem man ihre Löhne und ihren Lebensstandard direkt an eine Mehrung des Wohlstands von Vorständen, Bankern und Großaktionären koppelt.

So wird jeder Rückgang bei den Profiten umgehend auf die Arbeiter abgewälzt. Die Reallöhne der Autoarbeiter sinken zwangsläufig noch schneller als bisher, wobei die Inflation die Profitbeteiligung, die die Arbeiter möglicherweise erhalten, bei weitem übertrifft.

Zweites Ziel ist es, jegliches noch vorhandenes Klassenbewusstsein unter den Arbeitern zu zerstören, indem man die Vorstellung unterdrückt, dass sie unabhängige und von den Kapitalisten abweichende Interessen haben.

Es gibt in der Geschichte nur ein anderes Beispiel für ein solches Ausmaß an Gleichschaltung zwischen sogenannten “Gewerkschaften” und dem Konzernmanagement: Das sind die Arbeitersyndikate, die unter dem faschistischen Diktator Benito Mussolini eingeführt wurden.

Hinter der Politik der UAW verbergen sich nicht nur die subjektive Feigheit und die Korruptheit der Gewerkschaftsfunktionäre, obwohl beide reichlich vorhanden sind. Vielmehr verfolgen die UAW-Funktionäre eine wohldurchdachte Strategie zur Verteidigung und Ausweitung ihres persönlichen Wohlstands. Sie sichern die Position des UAW-Apparates ab, indem sie einen Vertrag akzeptieren, der beim Zurückschrauben der Löhne und der Arbeitsbedingungen von Autoarbeitern neue Maßstäbe setzt.

Dies wird der erste Vertrag seit den massiven Zugeständnissen sein, die die Obama-Administration den Arbeitern 2009 bei der erzwungenen Insolvenz von Chrysler und General Motors auferlegt hat. Der damalige historische Verrat vernichtete Rentenansprüche und bedeutete für neueingestellte Arbeiter eine fünfzigprozentige Lohnsenkung auf vierzehn Dollar die Stunde.

Dieser Hungerlohn für Neueinstellungen ist seitdem in vielen Fabriken auch auf ältere Arbeiter ausgedehnt worden, und der neue Vertrag wird seine weitere Ausdehnung erleichtern. Das Diktat des Weißen Hauses schloss auch einen Streikverzicht bis 2015 ein und unterstrich damit den zynischen und reaktionären Charakter der anstehenden „Verhandlungen“.

Auf der Grundlage dieser Bedingungen hat man die Lohnkosten amerikanischer Autokonzerne dramatisch gesenkt, was zu immensen Profiten für die Bosse führt. Die Lohnkosten bei General Motors und Ford sind auf das Niveau nicht-gewerkschaftlicher Betriebe in den USA, die sich in japanischem Besitz befinden, gedrückt worden. Die Lohnkosten bei Chrysler – die nach Aussagen des Konzerns um 35 Prozent gesenkt wurden – liegen nun weit unter denen in den japanischen Fabriken.

Die UAW verfolgt die Strategie, sich auf das zu berufen, was bisher bei den „Großen Drei“ (Chrysler, Ford und General Motors) erreicht worden ist, um die nicht gewerkschaftlich organisierten Konzerne zu gewinnen, dass sie die UAW zulassen.

Dies wird für dringend notwendig gehalten, um die Grundlage von Beitragszahlungen zu erhöhen und so die sechsstelligen Gehälter für Gewerkschaftsfunktionäre und die Armee von Karrieristen zu schützen. So wird die Position der UAW als Partner bei der Ausbeutung der Arbeiterklasse weiter gefestigt.

In seinen Pressekommentaren brüstete sich King über die Ersparnisse der „Großen Drei“ aufgrund der Intervention der UAW und versicherte, ausländische Autokonzerne könnten mit denselben Ergebnissen rechnen. „Alle diese [ausländischen] Firmen sind überrascht und beeindruckt gewesen, welche Rolle wir gespielt haben, als die amerikanischen Konzerne herausgerissen wurden, welche Beziehungen wir zu den amerikanischen Konzernen unterhalten und welche Kultur wir schaffen“, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters.

Mit der Annahme von Vierzehn-Dollar-Löhnen für Neueingestellte hat die UAW den Weg für weitere Kostensenkungen der gesamten Autoindustrie geebnet. Volkswagen eröffnete dieses Jahr eine Fabrik in Chattanooga, Tennessee, in der die gesamte Belegschaft 14,50 Dollar pro Stunde verdient. Dies hat die Lohnkosten bei VW-USA auf einen Durchschnitt von dreißig Dollar die Stunde gesenkt, dem niedrigsten unter allen Autoherstellern.

Die Abwärtsspirale der Autolöhne passt nahtlos zu den Plänen der Obama-Administration, US-Exporte zu verdoppeln, indem die US-Autoherstellung in eine Niedriglohn-Plattform für den Export auf den Weltmarkt verwandelt wird. Die UAW unterstützt diese Pläne vollständig.

Der Verzicht auf Lohnerhöhungen entlarvt die UAW nicht nur als rechtsgerichteten, konzernfreundlichen Arm der Autobosse. Er ist auch eine vernichtende Enthüllung des gesamten Milieus kleinbürgerlicher Pseudo-Sozialisten und Linksliberaler, die das Märchen verbreiten, die AUW und der Rest der offiziellen Gewerkschaften seien „Arbeiterorganisationen“, denen gegenüber Arbeiter sich auch weiterhin loyal verhalten müssten.

Sie verbreiten die Lüge, Druck von unten könnte diese Organisationen reformieren und sie dazu bringen, den Kampf für die Interessen der Arbeiterklasse aufzunehmen. Damit helfen diese Verbündeten der Gewerkschaftsfunktionäre, die Arbeiterklasse zu unterdrücken und ihre Bindung an die Demokratische Partei aufrecht zu erhalten.

Die Socialist Equality Party wendet sich an alle Autoarbeiter, von den Alten, die zusehen müssen, wie die Errungenschaften vergangener Generationen ausgelöscht werden, bis zu den ganz Jungen, die für Hungerlöhne arbeiten und die UAW zu Recht als fremde und feindselige Kraft betrachten. Die SEP fordert sie alle auf, sich jetzt gegen eine neue Kürzungsrunde zusammenzuschließen, die von der UAW und den Konzernen vorbereitet wird.

Das erfordert eine Rebellion gegen die UAW; zur Vorbereitung von Streiks und Fabrikbesetzungen müssen gewerkschaftsunabhängige Aktionskomitees organisiert werden. Auch die nicht gewerkschaftlich organisierten Autoarbeiter und die internationalen Autoarbeiter, die vor denselben Problemen stehen, müssen in den Kampf einbezogen werden.

Dies muss mit einer neuen politischen Strategie verbunden werden: Die Arbeiterklasse braucht im Kampf gegen die Obama-Regierung, die Demokratische Partei und das Zwei-Parteien-System eine sozialistische Perspektive. Dazu gehören die Verstaatlichung der Autokonzerne unter Arbeiterkontrolle und die Reorganisation des Wirtschaftslebens auf Grundlage sozialer Bedürfnisse, anstatt für den Profit der Konzerne.

http://www.wsws.org

Anmerkung FAU-D:

zu den erkämpften Errungenschaften, siehe auch den Spielfilm: Made in Dagenham (dt: We Want Sex)

Der Film basiert weitgehend auf Tatsachen und schildert das Lebensgefühl in Dagenham, jenem Londoner Vorort, der seinerzeit von Ford geprägt wurde wie Wolfsburg vom VW-Konzern: eine Stadt, in der sich alles um die Autoproduktion dreht und wo jeder irgendwie mit der Fabrik in Verbindung steht. Es ist die Ära der Swinging Sixties mit schriller Mode, fröhlicher Popmusik und wachsender Liberalität. Aber auch die alten Zeiten sind noch spürbar, die traumatischen Nachwirkungen des Zweiten Weltkriegs etwa oder die Überbleibsel des Frühkapitalismus, unter denen Rita und ihre Kolleginnen zu leiden haben. Sie arbeiten unter miesen Bedingungen und für noch schlechtere Bezahlung als ihre männlichen Kollegen. An diesem Arbeitsplatz sind die Swinging Sixties definitiv noch nicht angekommen. Am Ende verbesserte der Streik nicht nur die Arbeitsbedingungen in der Fabrik, sondern die Stellung der Frauen im ganzen Land

Die Näherin Rita O’Grady führt ein normales, unspektakuläres Leben. Sie ist Ehefrau, Mutter und arbeitet in den Fordwerken von Dagenham. Doch dann steht sie unverhofft an der Spitze einer 187-köpfigen Belegschaft, muss die Frauen gegenüber Gewerkschaftsführern und Firmenbossen repräsentieren, obwohl sie über keinerlei politische Erfahrung verfügt. Einerseits schüchtern und unsicher, andererseits mit gesundem Menschenverstand und ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn ausgestattet, avanciert sie allmählich zur klassischen „Cole-Heldin“: Sie demonstriert ungeahnte Fähigkeiten und Talente, erfindet sich neu und bleibt dabei doch mit beiden Beinen auf dem Boden, bewahrt sich ihre unprätentiöse Natürlichkeit.

Ritas Weg von der unscheinbaren Arbeiterin zur Galionsfigur von Arbeitskampf und Emanzipationsbewegung steht im Zentrum der Ensemble-Geschichte. Wie alle Cole-Filme passt auch We Want Sex in kein Genre, sondern bietet eine Mischung aus leicht und schwer, hell und dunkel, ernst und komisch. Es geht um die Dynamik im Frauenteam – zu dem neben Rita noch die mütterliche Connie, die frivole Brenda und die niedliche Sandra zählen – um Konkurrenz, Solidarität und die frechen Sprüche, die im Minutentakt vom Stapel gelassen werden und deren Ziel nicht selten der Gewerkschaftsobmann Albert ist. Um unwahrscheinliche Allianzen, wenn Rita und Lisa, die Ehefrau des Fordchefs Peter Hopkins, überraschend an einem Strang ziehen. Und am Rande geht es auch um das Verhältnis der Geschlechter: Wenn das Land neue Frauen bekommt, dann braucht es auch neue Männer.

Ritas Gatte Eddie beispielsweise gibt sich durchaus Mühe, seine streikende Frau zu unterstützen. Doch je länger die Auseinandersetzung andauert, desto mehr kratzen Ritas Erfolge an seinem Selbstwertgefühl. Konkret und beiläufig zugleich illustriert Cole hier, wie sich etwas verändert in der Gesellschaft, wie Kräfteverhältnisse sich verschieben und eine neue Balance entsteht. Ein Prozess, der auch auf höchster Ebene gespiegelt wird: Auch Barbara Castle, die „feurige Rote“ im Kabinett Harold Wilsons, muss sich trotz ihrer sprichwörtlichen Resolutheit permanent gegen bornierte und chauvinistische Vertreter männlicher Herrlichkeit durchsetzen.

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