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Thüringen: Afghanistan-Rückkehrer rast mit Auto in Menschenmenge

Ein Bundeswehr-Soldat, der vor wenigen Monaten von seinem Afghanistan-Einsatz zurückkam, ist in der Werratalkaserne im thüringischen Bad Salzungen mit einem PKW in eine Gruppe von Soldaten gefahren und hat 13 davon verletzt. Sieben davon mussten in Krankenhäuser eingeliefert werden. Aus der Werratalkaserne starten regelmäßig Bataillone in schwierige Auslandsmissionen. Die Kaserne ist bereits im April 2008 bekannt geworden, als sich ein Wehrpflichtiger dort das Leben nahm. Er hinterließ einen Abschiedsbrief. Damals dauerte es mehr als eine Woche, bis dieser Vorfall außerhalb der Kaserne bekannt wurde.
Zahlreiche Fälle von Kriegsheimkehrern, die psychische Schäden davongetragen haben, gibt es inzwischen auch in der Bundesrepublik. Die Werratalkaserne im thüringischen Bad Salzungen ist nur ein Beispiel für den desolaten psychischen Zustand der stationierten Soldaten, die auch an Auslandseinsätzen beteiligt waren.

Der Soldat, der die Wehrdienstleistenden überfahren hat, ist vor sechs Monaten von einem Einsatz in Afghanistan zurückgekehrt. Zwei Zeitsoldaten des in Bad Salzungen stationierten Panzergrenadierbataillons waren am 23. Juni bei einem Anschlag im afghanischen Kundus getötet worden. Das belastet natürlich alle dort stationierten 2000 Soldaten und hat psychische Spätfolgen.

Im Internet berichten Soldaten: "Die Ausbildung war teilweise schon ziemlich hart", schreibt ein Rekrut: "Besonders die Märsche durch die bergige Gegend mit Verwundetentransport, ABC-Übung, Feuerüberfall." Es gebe aber auch "inkompetente und machtgeile Ausbilder, realitätsfremde Zugführer" und dergleichen mehr.

Die Bundeswehr und das Verteidigungsministerium wollen über den Täter und die teils schwer verletzten Soldaten am liebsten nicht sprechen. Ein Oberstleutnant redet lediglich von einem "Unfall". Statt weitere Informationen: nur Schweigen. In der Kaserne wurde die "Rückkehr zur Normalität" angeordnet.

Ausgeflippte Soldaten, die von Kriegseinsätzen zurückkommen, gehören bei der US-Army seit Jahrzehnten zum Alltag. Seit einiger Zeit kommen immer mehr solcher Fälle auch in der Bundesrepublik in die Schlagzeilen. Einige dieser Fälle hat der Schriftsteller Wolfgang Schorlau in seinem 2008 erschienenen Roman "Brennende Kälte - Denglers vierter Fall" bearbeitet.

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