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Strug.gle 0028

Kurzmeldungen über Arbeitskämpfe

SolFed siegt gegen Office Angels!

Die Solidarity Federation organisierte bis eben eine Kampagne für Dan, einem ehemaligen Arbeiter der Office Angels Leiharbeitskeule, der seinen Lohn nicht vollständig ausbezahlt bekommen hat. SolFeds landesweite Aktionswoche Anfang Mai war ein phänomenaler Erfolg, mit Protestposten in ganz Großbritannien. Dem sollte eine internationale Aktionswoche gegen Adecco und Office Angels folgen, mit weltweiter Beteiligung. Bei einem Protestposten am gestrigen Tag wurden wir dann darüber informiert, dass Office Angels klein bei gab und Dan ausgezahlt hat. Wir haben die Bestätigung von Dan, daher bedanken wir uns bei allen, die sich an diesem Kampf beteiligt haben. Wir bitten darum, alle Proteste solange einzustellen, bis sich wieder ArbeiterInnen in solch einer Situation befinden. In Dans Worten: „ein massives Dankeschön an die London Solidarity Federation im Besonderen und an alle anderen, die protestierten, mailten und angerufen haben. Mich hat die Unterstützung sehr berührt“.

Am Mittwoch war Office Angels gezwungen ein öffentliches Statement abzugeben, bei dem sie verlautbarten, dass sie von Dan keinen Stundenzettel bekommen hätten. Er hatte jedoch ausgeführt, dass ihm die Niederlassung in Wimbledon zugesichert hatte, dass er einen solchen Nachweis nicht brauchen würde und es „kein Problem“ darstellt. Dan geriet in die Hände einer Leiharbeitsfirma, die ihren Verpflichtungen nicht nachgeht. Es ist für ArbeiterInnen zur Norm geworden von Unternehmen eingestellt zu werden, die jede Verantwortung ignorieren. Dann, am gestrigen Tag, änderte das Unternehmen ihr Statement und sie sagten: „neue Informationen kamen ans Tageslicht; wir nehmen dieses Individuum beim Wort und zahlen ihm das ausstehende Geld“. Das gelang nur durch Dans Weigerung auch nur einen Cent weniger ausgezahlt zu bekommen als er verdient hat und die Unterstützung der ArbeiterInnen auf der ganzen Welt. Indem wir unsere Kämpfe selbst kontrollieren, unsere Rechte und bessere Verhältnisse durch direkte Aktionen erkämpfen und durch die internationale Solidarität, schaffen wir das Fundament für eine bessere Welt.

Picket at Office Angels

Eine von vielen Pickets vor Büros der «Office Angels» in mehreren britischen Städten

In einer Epoche globaler Entbehrungen und Angriffe auf die Arbeiterklasse wird das immer wichtiger. Der Versuche der Machthabenden die Kosten der Kürzungen auf die Arbeiterklasse abzuwälzen muss durch Selbstvergewisserung und durch direkte Blockaden dieser Angriffe abgewehrt werden.

Office Angels gab zu, dass „sich viele Menschen in einer Lage wiederfinden, in der sie Leiharbeit infolge von Kündigung oder Arbeitslosigkeit annehmen müssen“ und dass „das zu einem Übermaß von 1 Millionen LeiharbeiterInnen führte“. Die Sorte Praktiken wie sie Office Angels verwendet sind traurigerweise weit verbreitet und mit einer taumelnden Wirtschaft gelangen immer mehr ArbeiterInnen in eine solche Situation. Um das zu beenden müssen wir zusammenhalten und widerstehen. Wir fordern nach wie vor alle ArbeiterInnen hören, die unsere Solidarität benötigen. Während dies Kampagne ein Sieg gewesen ist, arbeiten wir immer noch für ein System, dass uns zur Arbeit für die Reichen und Mächtigen zwingt. Daher muss unser Kampf fortgesetzt werden.

www.solidarityfederation.org.uk

Anmerkung:
Die FAU beglückwünscht unsere GenossInnen der SolFed zu diesem Erfolg. Auch wenn wir natürlich bedauern, dass wir die geplanten Aktionen gegen ADECCO, die Muttergesellschaft der «Office Angels», die wir im Rahmen der internationalen Aktionswoche geplant hatten, nun erst einmal zurückstellen müssen.




Streikende demonstrieren in Würzburg


Beschäftigte des Druckmaschinenherstellers KBA tragen Protest gegen Arbeitsplatzvernichtung zum Unternehmenssitz. Kein Streikbrecher bei bislang zweiwöchigem Ausstand.

Interessiert steht die Reisegruppe vor der Würzburger »Residenz«. Wie täglich 10000 andere Menschen sind die niederländischen Rentner in das fränkische Städtchen gekommen, um das barocke Schloß und andere Sehenswürdigkeiten zu bestaunen und eines der vielen Weingüter der Region zu besuchen. Plötzlich ertönen von der anderen Seite des Platzes Sirenen und lautes Hupen. Die Touristen drehen sich erschreckt um. Mehrere hundert Arbeiter marschieren mit roten Fahnen, Schildern und Transparenten die Straße entlang. Sie sind am Morgen aus dem pfälzischen Frankenthal aufgebrochen, um ihren Protest zum Stammsitz ihres Arbeitgebers zu tragen: dem Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer (KBA). Denn dieser will mindestens 250 Beschäftigte auf die Straße setzen.

Seit zwei Wochen sind die rund 660 Maschinenbauer aus Frankenthal im Streik. »Bei uns gibt es keinen einzigen Streikbrecher«, berichtet ein 49jähriger Arbeiter stolz. »Die Belegschaft hält komplett zusammen – nur so geht’s.« Fast alle sind an diesem Tag nach Würzburg gekommen. Der Rest ist vor den Werkstoren geblieben, um den eventuellen Abtransport fertiggestellter Druckmaschinen zu verhindern. Das hatte das Management schon vor einigen Tagen erfolglos versucht. »Wir haben keine Alternative, als zu kämpfen«, meint ein Konstrukteur. »Ich bin jetzt 51. Da findet man nicht mehr so leicht was Neues.« Daß er selbst nicht direkt von der geplanten Verlagerung der Falzapparatefertigung nach Würzburg betroffen ist, beruhigt den Mann mit dem gelben T-Shirt und der Aufschrift »KBA-Streik 2011: Ich bin dabei« nicht. »Wenn hier noch weiter abgebaut wird, ist klar, daß das Werk keine Überlebenschance hat. Das ist eine Schließung auf Raten.« 2003 haben in der traditionsreichen Fabrik noch 1300 Menschen gearbeitet, zuvor waren es bis zu 2000. Es folgte eine Abbauwelle auf die nächste. Von den verbliebenen 660 Mitarbeitern werden bis Jahresende 60 weitere gehen – und noch 200 mehr, falls die Verlagerungspläne umgesetzt werden.

Einer hält ein selbstgemaltes Schild in der Hand. »150 Jahre gehen zu Ende – wer zahlt unsere Rente?« steht darauf. »Unsere Fabrik ist eine der ältesten im Ort«, erläutert der Maschinenschlosser. Auch er befürchtet, das in diesem Jahr anstehende 150jährige Werksjubiläum könnte das letzte sein. Für den Vater von zwei Kindern wäre das eine Katastrophe. »Eine Arbeit, wie ich sie jetzt habe, finde ich bestimmt nicht mehr«, glaubt er. Wenn überhaupt, werde er wahrscheinlich in Leiharbeit landen, mit deutlich weniger Lohn. Daß der Konzern erneut beim Personal kürzen will, kann der Mann, der seit 34 Jahren bei der Firma angestellt ist, nicht verstehen. »Denen geht es doch nur ums Geld, um die Renditen«, meint er. Der Verweis des KBA-Managements auf die verheerende Absatzkrise überzeugt ihn nicht. »Daß der Absatz zurückgeht, hat man ja schon lange gewußt. Aber das hat die gar nicht interessiert.« Vom Betriebsrat vorgeschlagene Alternativen seien allesamt ignoriert worden.

An seine rote IG-Metall-Schirmmütze hat der Arbeiter einen großen Button mit der Aufschrift »KBA muß leben« gepinnt. Das A ähnelt dem Logo der Arbeitsagentur. In seine Ohren hat er Stöpsel. Fast alle haben Tröten in der Hand, es ist unglaublich laut. Einer trägt sogar eine alte Feuerwehrsirene auf der Schulter. »Es geht ums Überleben«, sagt er ernst. Der 41jährige Facharbeiter hat zwei Kinder zu ernähren und ein Haus abzuzahlen. Eine Abfindung helfe da nicht weiter. »Wir wollen nicht anderes, als unsere Arbeit weitermachen«, meint der Mann, der schon seine Ausbildung bei KBA gemacht hat. Er hat erlebt, wie die Belegschaft immer weiter verkleinert wurde. »Irgendwann hat man die Schnauze voll, da ist einfach Schluß«, sagt er und kurbelt heftig an der aufheulenden Sirene.

Die Demonstration endet auf dem Marktplatz, vor der Marienkapelle aus dem 14. Jahrhundert. In vorderer Reihe halten Arbeiter ein meterlanges Transparent, auf dem »Solidarität mit den Streikenden von KBA Frankenthal« und viele Unterschriften stehen. Solidarisch zeigt sich sogar ein Vertreter der tschechischen Metallarbeitergewerkschaft. Auf der Kundgebung berichtet er, daß am dortigen KBA-Standort ein Drittel der insgesamt 350 Arbeitsplätze abgebaut wurden. Auch das Stammwerk Würzburg sei höchstwahrscheinlich von Stellenstreichungen betroffen, fügt der Frankenthaler Betriebsratschef Michael Gasbarri hinzu. »Das wollen wir nicht zulassen – an keinem der Standorte«, ruft er.

Der Würzburger IG-Metall-Bevollmächtigte Walther Mann greift den KBA-Vorstandsvorsitzenden Helge Hansen scharf an. »Hansen meint es nicht ehrlich mit der Belegschaft, und er lügt die Öffentlichkeit an«, sagt er. Der KBA-Boß hatte bei Vorstellung des Quartalsberichts erklärt, er bemühe sich intensiv um einen »konstruktiven Dialog« mit der Belegschaft und eine »für beide Seiten akzeptable Lösung«. Mann zufolge ist das Gegenteil der Fall. »Der Verantwortliche im Vorstand verhält sich so, als ob ihn die ganze Sache nichts anginge.« Die Arbeiter halten Schilder in die Höhe, auf denen das Bild ihres Chefs mit Aufschriften wie »Totengräber« und »Arbeitsplatzvernichter« abgebildet ist. »Ihn allein trifft die Schuld für die momentanen Streikmaßnahmen und all ihre Auswirkungen«, stellt Mann klar. »Jeden Tag, den wir länger streiken, wird unsere Meßlatte höher«, droht der Frankenthaler IG-Metall-Bevollmächtigte Günter Hoetzl. In bislang 13 Verhandlungsrunden habe die KBA-Spitze kein akzeptables Angebot vorgelegt. Sollte das bei der Fortsetzung der Gespräche in der kommenden Woche so bleiben, könnte Würzburg noch des Öfteren Besucher der anderen Art anziehen.

Daniel Behruzi, Junge Welt, 19.05.2011

Siehe auch die Solidaritätsseite mit dem Streik bei KBA


CFM-Streik eskaliert



Charité-Tochter verweigert Notdienstvereinbarung mit Gewerkschaften.

Die Geschäftsführung der bestreikten Charité-Tochter CFM GmbH weigert sich, eine Notdienstvereinbarung mit den Gewerkschaften ver.di und gkl/dbb abzuschließen. Ver.di bezeichnete die Haltung des Unternehmens, das am Berliner Uniklinikum für Dienstleistungen wie Blut- und Krankentransporte zuständig ist, in einer am Mittwoch verbreiteten Erklärung als »gänzlich unverantwortlich«.


In einer derartigen Vereinbarung wird üblicherweise festgelegt, welche Bereiche der medizinischen Serviceleistungen bei einem Arbeitskampf als Minimalabsicherung weitergeführt werden müssen, um die Gesundheit und das Leben der Patienten nicht zu gefährden. Eine Stellungnahme der CFM war gestern bis Redaktionsschluß nicht zu erhalten. Die 2005 ausgegliederte, teilprivatisierte und seither tariflose Charité Facility Mangement wird seit dem 2. Mai bestreikt. In der ver.di-Erklärung wird gemutmaßt, die CFM-Geschäftsführung weigere sich, eine Vereinbarung mit den Gewerkschaften zu unterzeichnen, um ihre ablehnende Haltung gegenüber den Gewerkschaften zu untermauern und »keinen Tarifvertrag abschließen zu müssen«.

Auch am zehnten Streiktag in Folge gebe es hinsichtlich der Beteiligung der Beschäftigten am Arbeitskampf »Zuwächse«, erklärte ver.di-Sekretär Uwe Ostendorff gegenüber jW. »Es schließen sich nach wie vor immer noch Leute an.« Konkrete Zahlen nannte der Gewerkschafter nicht. Die CFM hätte Schwierigkeiten, ihren Betrieb aufrechtzuerhalten: »Vorgesetzte schieben Kranke durch die Gegend, die Charité muß Krankenschwestern auffordern, Toilettenpapier mitzubringen, LKW-Fahrer werden als Blutboten eingesetzt.« Zudem habe die CFM »jede Menge Leiharbeiter« für Streikbrucharbeiten geordert.

Sein Kollege Aaron Williams, Vorsitzender der Betriebsgruppe der dbb-Gewerkschaft gkl, bestätigte dieses Bild. Durch die Verweigerung der Notdienstvereinbarung werde die Situation »langsam gefährlich«. Die Gewerkschaften würden derzeit in besonders sensiblen Bereichen »noch eine Art freiwilligen Notdienst« absichern, so etwa in der für Energieversorgung und Brandalarme zuständigen Leitwarte. Beide Gewerkschaften kündigten an, den Ausstand noch auszuweiten. Für Freitag ist eine Demonstration der Beschäftigten zum SPD-Landesparteitag geplant. Treffpunkt ist 15.30 Uhr vor dem CFM-Gebäude am Robert-Koch-Platz.

Jörn Boewe, Junge Welt 12.05.2011



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