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Kurzmeldungen über Arbeitskämpfe

Frankreich: (11.06.2009) Aus Protest gegen die Schließung einer der ältesten Papiermühlen in Europa haben französische Arbeiter erneut zwei Manager gefangengenommen. Die zum US-Konzern Schweitzer-Mauduit gehörende Fabrik in Malaucène in der Provence sei »blockiert«, sagte Betriebsratschef George Pouilly in der Nacht zum Mittwoch. Die Mitarbeiter hätten vor dem Verwaltungsgebäude eine Barrikade aus Paletten errichtet. Sie hätten der Geschäftsführung kurz vor Mitternacht ihre letzten Vorschläge unterbreitet. »Die wollten sie nicht, da haben wir ihnen gesagt, ›Ihr kommt hier nicht raus‹«, sagte Pouilly. Demnach mußten der Werkschef und der Finanzvorstand für Europa die Nacht in ihrem Büro verbringen. Schweitzer-Mauduit hatte im April mitgeteilt, daß die seit 1545 bestehende Papiermühle geschlossen wird.

Frankreich: (2. Juni 2009) Ein neuer Fall von "Bossnapping" wird aus Frankreich gemeldet. Sieben Manager des Konzerns ABB sollen dabei von aufgebrachten Angestellten über 2 Stunden "zurückgehalten" worden sein, teilten die Gewerkschaften mit. Die Arbeiter hätten gegen die angekündigte Entlassung von 540 Angestellten von ABB France protestiert. Dabei erzwangen sie sich Zugang zu einem Treffen von Führungskräften mit der Personalkommission, hiess es weiter. ABB erklärte auf Anfrage, niemand sei zurückgehalten worden. Die Gewerkschaften verlangen eine Suspendierung der angekündigten Entlassungen.

Luxemburg: Etwa 2000 Stahlarbeiter aus Belgien haben am Dienstagvormittag (12.05.2009) mit Gewalt vor dem Luxemburger ArcelorMittal-Hauptsitz für die Sicherung ihrer Arbeitsplätze demonstriert. Rund 20 Demonstranten schlugen eine gläserne Eingangstür zu dem Gebäude in der Avenue de la Liberté ein und warfen mit Knallkörpern, Steinen und Absperrgittern.


Die Polizei, die sich zum Teil im Gebäude befand, setzte Tränengas, Plastikgeschosse und Pfefferspray ein, während einige Demonstranten nicht davor zurückschreckten, Pflastersteine, Glaskugeln, Schraubenmuttern und stählerne Kugellager auf die Beamten zu werfen. Etwa 50 Polizisten und vier Panzerwagen warteten hinter dem Hauptsitz auf ihren Einsatz. Erst gegen 13.15 Uhr beruhigte sich die Lage wieder einigermaßen. Gewerkschaftsvertreter versuchten, die aufgebrachten Stahlarbeiter zu beruhigen.

http://www.wort.lu/wort/web/letzebuerg/artikel/20974/polizei-setzt-traenengas-und-gummigeschosse-ein.php


Freie Radios: Bossnapping als gewerkschaftliches Mittel

Wenn Arbeiter aus Protest gegen dohenden Stellenabbau ihren Chef als Geisel nehmen, finden das Um­fragen zufolge mittlerweile 45 Prozent der Franzosen in Ordnung. Demnach können auch die Arbeiter der Firma Caterpillar in Grenoble, die vorvergangene Woche aus Wut über Stellenstreichungen fünf Manager in der Fabrik eingesperrt hatten, mit großem Zuspruch der Bevölkerung rechnen. Vertreter der Gewerkschaft CGT erhoffen sich daher »eine starke Reaktion der Politik« und den Erhalt der Jobs.

Wie erhofft meldete sich auch die Politik zu Wort. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy versicherte in einem Interview, er werde sich »mit den Gewerkschaften zusammensetzen« und »die Fabrik retten«, obwohl deren Schließung nie zur Debatte stand. Möglicherweise war Sarkozy ein wenig verwirrt, da binnen drei Wochen schon zum vierten Mal protestierende Arbeiter ihre Vorgesetzten eingesperrt hatten.

Über Bossnapping als neue Politik zur Durchsetzung von gewerkschaftlichen Zielen sprachen Niko und Alex von Radio Corax mit Prof. Klaus Dörre. Dörre veröffentlichte unlängst das Buch "Prekarität, Abstieg, Ausgrenzung-Die soziale Frage am Beginn des 21. Jahrhunderts".

http://www.freie-radios.net/portal/content.php?id=27545

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