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Solidaritätsaktionen für die OBI-Beschäftigten – nicht nur - in Polen (Update: 13.02.11)

Ausbeutung gibt's überall. Oder bei OBI. Aufgrund eines Hilfeersuchens von polnischen OBI-Beschäftigten fanden am heutigen Samstag die ersten Solidaritätsaktionen der FAU in Wiesbaden und Hamburg-Harburg statt. ArbeiterInnen hatten in einem OBI-Baumarkt in Krakau eine Gewerkschaft gegründet, und das Management war dagegen vorgegangen. Eine ausführliche Darstellung des Konfliktes und der allgemeinen Situation bei OBI in Polen und Deutschland ist im Anhang beschrieben.

Wiesbaden

Mitglieder der FAU aus dem Rhein-Main Gebiet besuchten am Vormittag die OBI-Niederlassung in Wiesbaden.
Zu Beginn wurde Infomaterial im OBI-Gartencenter an die Beschäftigen verteilt, während andere Gewerkschaftsmitglieder mit einem Transparent und Fahnen gut sichtbar, die Kundschaft vor dem Eingang mit Flyern versorgten.

Die Aktion wurde bei dem nebenan gelegenen OBI-Baumarkt so lange fortgesetzt, bis alle FAU AktivistInnen zum Verlassen des Geländes aufgefordert wurden. Inzwischen waren auch schon viele geparkte Autos mit Flyern versehen worden.

Der dritte und beste Ort, das Infomaterial unter die Leute zu bringen, war ein Kreisel, an dem die Zufahrten zu OBI und dem Konkurrenten Hornbach liegen. Hier bildeten sich teilweise kleine Staus, da viele ankommende und abfahrende KundInnen kurz anhielten, um sich Flyer in die Autos reichen zu lassen.

Unser Resümee nach zwei Stunden Diskussionen und dem Verteilen von rund 500 Flyern: es gab sehr positive Resonanz, sowohl von den KundInnen, wie auch von den MitarbeiterInnen, mit denen wir gesprochen haben. Erstaunlich war, dass nicht wenige KundInnen ihren Frust und ihre Wut über die "offiziellen" Gewerkschaften, deren Kumpanei mit der SPD und die Beteiligung an den Hartz IV Schweinereien äußerten.

Der Wiesbadener OBI-Markt gehört übrigens zu den wenigen Niederlassungen, in denen es einen Betriebsrat gibt und wo die Bedingungen nach Aussage der Belegschaft nicht so schlecht sind, wie in anderen Filialen. Auf jeden Fall konnten wir feststellen, dass Themen wie Ausbeutung und schlechte Behandlung von Beschäftigten auch für OBI-KundInnen von Interesse sind. Da lässt sich noch was machen!

Die KollegInnen aus Krakau haben sich bereits bei der FAU für die Aktionen, die heute stattgefunden haben, bedankt.

Vergessen sie den Biber aus der OBI Werbung!


Das Mobbing Monster ist ein besseres Symbol für die Situation der Beschäftigen bei OBI.



OBI: Ausbeutung und Repression als globale Unternehmensphilosophie

Die Baumarktkette OBI hat sich innerhalb nur weniger Jahre einen besonderen Namen gemacht. Sie sind nicht nur Marktführer mit einem Umsatz von 6,2 Milliarden Euro im Jahr 2010, OBI nimmt auch bei der Verletzung von Arbeitsrechten eine führende Stellung ein. Ein Artikel des Spiegel (s.u.) enthüllt die Unternehmensphilosophie und zählt die folgenden Praktiken auf: Mobbing von Gewerkschaftsmitgliedern, die massive Behinderungen von Betriebsratswahlen, die konstruierte Kündigung kritischer ArbeitnehmerInnen, Hausverbote für GewerkschafterInnen, unbezahlte Überstunden und teilweise Löhne zwischen 4 und 5 Euro in Ostdeutschland.

Es gibt Anzeichen dafür, dass OBI seinen Managern gezielt Seminare empfiehlt, wo sie diese arbeitnehmerfeindlichen Techniken trainieren. So bietet beispielsweise die Kanzlei Schreiner in Attendorn (Nordrhein Westfalen) Seminare mit Titeln wie „In Zukunft ohne Betriebsrat“ oder „Die Kündigung störender Mitarbeiter. So gestalten Sie kreativ Kündigungsgründe“ an. Einige OBI Manager besuchen derartige Seminare und setzen ihr erlerntes Wissen dann in ihren Betrieben um.

Gerade Gewerkschaftsmitglieder sind dem Unternehmen OBI ein Dorn im Auge. In dem Spiegel-Bericht werden verschiedene Gewerkschafter dazu zitiert. In einem Fall verteilte ein OBI-Geschäftsführer im bayerischen Stephanskirchen Blankoformulare zum Austritt aus der Gewerkschaft mit der Überschrift "Widerruf meiner Mitgliedschaft".

In einem anderen Fall in Stuttgart-Wangen, setzte OBI laut einem Gewerkschafter eine Reihe von Testkäufern gegen kritische ArbeitnehmerInnen ein. Zufällig bekamen später ausschließlich Gewerkschaftsmitglieder, die zuvor gestreikt hatten, eine Abmahnung wegen angeblicher Unfreundlichkeit.

Die Situation in Polen

Unser heutiger Protest richtet sich aber nicht nur gegen die miserablen Arbeitsbedingungen bei OBI in Deutschland sondern vor allem in Polen. Mit ihren arbeitnehmerfeindlichen Praktiken hat OBI nämlich nicht nur hier, sondern auch in Polen Erfolg. Auch dort wird jede Kritik, jeder Streik und jede Gegenwehr von der Unternehmensleitung rigoros bestraft.

An aktuellen Vorfällen aus den letzten Monaten wird die arbeitnehmerfeindliche Umgang besonders klar. In Krakau entließ OBI eine unliebsame Gewerkschafterin. Nachdem sie später bei einer anderen Baumarktkette eine Anstellung gefunden hatte, informierte OBI den neuen Arbeitgeber der Frau über ihre gewerkschaftlichen Aktivitäten. Daraufhin wurde ihr dort ebenfalls gekündigt.

In Warschau gab es vor einigen Jahren eine gezielte Entlassungswelle gegen GewerkschafterInnen. Im Jahr 2010 führte OBI-Warschau elektronische „Verkäuferinnen“ ein. Das sind einfache Schaufensterpuppen vor denen ein Computer mit Touchpad aufgebaut ist. Daraufhin wurden Arbeitsplätze weg rationalisiert, die Plastikpuppe soll die „Beratung“ der Kunden übernehmen. Aber nicht nur das: den verbleibenden ArbeiterInnen wurde mit Kündigung gedroht, falls sie nicht gefügig sind.

Forderungen der polnischen ArbeiterInnen

Die polnischen OBI-ArbeiterInnen haben darum gebeten, dass ihre Forderungen auch bei den KundInnen und den OBI-Belegschaften in den anderen Ländern bekannt gemacht werden. Sie fordern:
* das Ende der Diskriminierung von Frauen
* Schluss mit der Schikane von GewerkschafterInnen
* Ende mit dem Einsatz von Leiharbeit
* Reguläre Bezahlung von Überstunden
* 125 Euro Gehaltserhöhung
* Austausch unbrauchbarer Arbeitsmittel (z.B. veraltete Gabelstapler)
* Verbesserung der Sicherheits- und Gesundheitsstandards
* Urlaub an Silvester und Weihnachten
* Schluss mit Testkäufen zur Kontrolle der ArbeiterInnen
* Kein Mobbing mehr
* Keine elektronischen Verkäuferinnen für menschliche ArbeiterInnen
* Erhöhung des Kleidungszuschuss um 12,50 Euro

Wir halten diese Forderungen für absolut gerechtfertigt und rufen aus den genannten Gründen zur Solidarität mit den Beschäftigten von OBI auf – in Polen, Deutschland und anderswo.

Es muss Schluss gemacht werden, mit dem Verhalten, dass die OBI-Geschäftsleitung an den Tag legt. Da sie in den letzten Jahren gezeigt hat, dass sie zur Führung eines Unternehmens völlig ungeeignet ist, empfehlen wir den sofortigen Rücktritt. Stattdessen sollten die KollegInnen von OBI überlegen, ob sie den Baumarkt nicht lieber eigenverantwortlich verwalten – ohne Bosse und Manager.

Solidarität mit den OBI-ArbeiterInnen in Polen, Deutschland und anderswo!
Schluß mit der Ausbeutung bei OBI!

Quellen:
Tobias Lill, Baumarktkette OBI: Biebergünstig ohne Betriebsrat, Spiegel-Online www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,632202,00.html, 13.07.2009.
ZSP, First Electronic Saleswomen Appears in Warsaw OBI; Workers Speak about Discrimination of Women in Chain, zspwawa.blogspot.com, 10.01.2011.
ZSP, Picket at OBI, zspwawa.blogspot.com, 14.01.2011

Freie Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union (F.A.U.)

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