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Solidarität dringend erwünscht!

Auf die Vorsitzende des unabhängigen Syndikats der Reinigungskräfte und Haushaltshilfen im Großraum Athen, Constantina Cuneva, wurde am 23.12. ein Säureanschlag verübt. Sie wird seitdem im Krankenhaus behandelt und schwebt mittlerweile nicht mehr in Lebensgefahr. In Absprache mit GenossInnen in Athen hat die FAU Frankfurt ein Solidaritätskonto für Constantina Cuneva eingerichtet:

FAU
FRASPA
BLZ 500 502 01
Kto 107 996 696

Verwendungszweck: Constantina


Hintergrund:

Mordanschlag auf unabhängige Gewerkschafterin in Athen

Am 23.12. wurde die kämpferische Gewerkschafterin Constantina Cuneva das Opfer eines feigen Mordanschlags in Athen. Constantina Cuneva ist die Vorsitzende des unabhängigen Syndikats der Reinigungskräfte und Haushaltshilfen im Großraum Athen. Am Abend des 23.12. lauerten ihr auf dem Nachhauseweg von der Arbeit vor ihrer Haustür im Athener Stadtteil Petrálona Unbekannte auf und verübten einen Säureanschlag mit Vitriol auf sie. In komatösem und lebensbedrohendem Zustand wurde sie ins Krankenhaus Evangelimós eingeliefert und wird seitdem dort auf der Intensivstation behandelt. Die sofort benachrichtigte Polizei brauchte über eine Stunde, um am Tatort zu erscheinen.

Mittlerweile (27.12.) scheint Constantina außer Lebensgefahr zu sein, sie wird jedoch schwere Verletzungen im Gesicht und an den Schultern davontragen. Noch ist unklar, ob sie ihr Augenlicht (vollständig) wiedererlangen wird. Momentan kann sie nur Schatten erkennen und leidet unter schwerer Atemnot.

Obwohl noch unklar ist wer die Täter des Mordanschlages waren, deutet vieles auf eine Auftragstat von Arbeitgeberseite hin, da sich ihr kämpferisches Syndikat seit Jahren in arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen gegen die systematische Verletzung der ArbeitnehmerInnenrechte durch das Reinigungsunternehmen OIKOMET des Unternehmers und bekannten PASOK-Mitglieds Níkos Oikonomáki befindet. Erst vor einer Woche hatte sie die vollständige Auszahlung des Weihnachtsgeldes für sich und ihre KollegInnen eingefordert. Ihre Mutter wurde von OIKOMET entlassen, sie selbst strafversetzt. Aufgrund ihres Widerspruchs war für den 5.1.09 vor dem Arbeitsgericht Athen ein Schiedstermin anberaumt.
Mitverantwortung trifft die beiden staatlichen Betriebe EBO (Griechische Wagonbauindustrie) und ISAP (Elektrische Straßenbahnen Athen-Piräus), für die OIKOMET als Subunternehmen tätig ist und die den wiederholten öffentlichen Beschwerden des Syndikats genauso mit Desinteresse begegneten wie die Verantwortlichen des Transport- und des Arbeitsministeriums. OIKOMET beschäftigt offiziell 800 ArbeiterInnen - fast alle sind Migrantinnen - und ist als Generalunternehmer für die Reinigung der ISAP-Wagons und U-Bahnhöfe zuständig.

Weder von staatlicher Seite noch von der GSEE (Allgemeiner Griechischer Gewerkschaftsbund) gibt es bisher Stellungnahmen zu dem Anschlag.
Die UnterstützerInnen von Constantina betonen, dass sich der Mordanschlag nicht nur gegen eine widerständige Gewerkschafterin richtet. Als ebenso bedeutend wird die rassistische Komponente gewertet, da Constantina Cuneva als bulgarische Migrantin eine von zehntausenden ausländischen Arbeitskräften ist, die unter menschenunwürdigen Bedingungen vor allem in Reinigungsfirmen ausgebeutet werden. Der Anschlag zeige, wie gefährlich die Bosse werden, wenn die von ihnen Ausgebeuteten beginnen, sich unabhängig von bürokratischen Gewerkschaften zu organisieren.

Constantina und ihre MitstreiterInnen des Syndikats hatten sich unter anderem aktiv an den Vollversammlungen der aufständischen ArbeiterInnen während der Besetzung der GSEE-Zentrale in Athen beteiligt.

Am 26.12. versammelten sich um 15 Uhr ca. 200 solidarische Menschen vor dem Krankenhaus Evangelismós. Es handelte sich um AnarchistInnen, Linksradikale, unabhängige GewerkschafterInnen, Mitglieder von SYRIZA (Allianz der radikalen Linken) und ArbeitskollegInnen von Constantina. Eine Kollegin hielt eine kurze Rede und informierte über den Kampf des Syndikats in den letzten Jahren. Ein Transparent mit der Aufschrift: „Constantina du bist nicht alleine - der Terror der Arbeitgeber wird nicht siegen!“, drückte die Solidarität der Versammelten aus. Spontan wurden 1400,- Euro für Constantina, die alleinerziehende Mutter ist, gesammelt.

Heute (am 27.12.) besetzten AktivistInnen und solidarische ArbeiterInnen um 13 Uhr das Zentralgebäude der ISAP in Athen und laden für 20 Uhr zu einer offenen Vollversammlung im besetzten Gebäude ein. Ziel ist die Unterstützung des Kampfes der ArbeiterInnen des Syndikats der Reinigungskräfte und Haushaltshilfen Athens und die persönliche Unterstützung von Constantina Cuneva.

Eine der Hauptforderungen des Syndikats war seit Jahren die Aufnahme des Berufs in der Kategorie der „schweren und gesundheitsschädlichen Berufe“, was u.a. zu höheren Löhnen, früherem Renteneintritt und höheren Renten führt. Als „schwer und gesundheitsschädlich“ wird ihre Arbeit nur bei einer täglichen Arbeitszeit von sechs Stunden (wöchentlich 30 Stunden) anerkannt. Alle ArbeiterInnen bei OIKOMET erhalten jedoch nur Arbeitsverträge über fünfeinhalb Stunden pro Tag, um unterhalb der erforderlichen 30 Wochenstunden zu bleiben.

Am 28.12. beteiligten sich 500 solidarische Menschen an einer Demonstration vom besetzten ISAP-Zentralgebäude zum Krankenhaus Evangelismós in dem Constantina noch immer auf der Intensivstation behandelt wird. Redner machten deutlich, dass die Täter ihr Ziel - nämlich die kämpferischen Frauen des Reinigungssyndikats zur Aufgabe zu zwingen - nicht erreichen werden. Wer eine von uns angreift - bekommt Ärger mit uns allen!
Zur Unterstützung von Constantina werden dringend Spendengelder benötigt!
Für den 30.12. ist eine Kundgebung des Syndikats vor dem ISAP-Gebäude in Piräus angekündigt!

Weitere Informationen folgen in den nächsten Tagen.

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