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Slovenien: Streik der ArbeiterInnen im Hafen Koper

Am Freitag, 29. Juli, gingen ArbeiterInnen des Hafens Koper in den Streik, da alle vorangegangenen Verhandlungen über die Arbeitsbedingungen zwischen ihnen und dem Management des Hafens keinen Erfolg brachten. Die Geschäftsführung des Hafens hat statt dessen eine irreführende öffentliche Kampagne durchgeführt, die behauptet, dass der Streik illegitim und sogar illegal sei. Falsche Informationen über den Streik wurden auch von Seiten der Union der Hafenarbeiter (Sindikat pristaniških delavcev) verbreitet, derer Vertreter argumentierten, dass der Streik nur das Interesse eines Teils der Beschäftigten, nämlich der Kranführer und ihrer selbständigen und unabhängigen Gewerkschaft der Kranführer (Sindikat žerjavistov) vertrete, welche nach ihrer Meinung die privilegiertesten ArbeiterInnen des Hafens seien. Aber das Gegenteil ist die Wahrheit! Die Forderungen der streikenden ArbeiterInnen sind mehr als gerechtfertigt, denn sie beziehen sich sowohl auf die Arbeits- und Sicherheitsbedingungen, wie auf die Länge des Arbeitstages. Leben und Gesundheit der Arbeiter müssen wichtiger sein als der Profit einer Minderheit.Nicht nur die KranführerInnen, alle ArbeiterInnen im Hafen befinden sich im Streik! ArbeiterInnen, die direkt am Hafen beschäftigt sind und ArbeiterInnen der SubunternehmerInnen, die durch den Hafen beauftragt sind, kämpfen Seite an Seite. Die Letzteren, in der prekärsten und unsichersten Position, sind völlig unsichtbar. Sie sind diskriminiert durch ihre Löhne, da ihre Bezahlung wesentlich geringer ist, oft ohne gesetzlich vorgeschriebene Beiträge zur Kranken-, Renten- und Sozialversicherung, sie arbeiten mehr und haben die gefährlicheren Arbeiten. Da sie mehrheitlich MigrantInnen aus sogenannten Drittländern sind, meist aus Bosnien und Herzegowina, sind sie regelmäßig Opfer von Erpressung im Hinblick auf ihre Visa-Verlängerung und andere repressive-administrative Bestimmungen.

Der Streik findet an den Arbeitsplätzen im Hafen statt. Die Arbeiter kommen zu ihren Schichten, aber sie arbeiten nicht, mit Ausnahme der Güter, die in einer Abmachung definiert sind, sie entladen kein Gefahrgut und andere dringende Stoffe. Die Reaktion des Managements des Hafens ist eine Mischung aus Ablehnung, negativer Propaganda und spekulieren mit dem Druck durch Aussitzen des Streiks und der Erschöpfung der Streikenden. Einige der Subcontract-ArbeiterInnen haben herausgefunden, dass ihre Einfahrtserlaubnis in den Hafen für ungültig erklärt wurde. Drohungen mit einseitigen Arbeitsvertragskündigungen sind häufig. Andere Arbeiter, die die Streikenden ersetzen sollen, werden von der Geschäftsführung über die Nebeneingänge eingeschmuggelt. Sie sind ohne Qualifikation, Vertrag und nicht angemeldet. Doch die streikenden ArbeiterInnen sind entschlossen, bis zum Ende durchzuhalten: sie streiken, bis alle ihre Forderungen verwirklicht sind.

Die streikenden Arbeiter brauchen die breiteste Unterstützung. Und da wir überzeugt sind, dass Ihre Forderungen auch unsere Forderungen sind, unterstützen wir, die Invisible Workers of the World, den Kampf der HafenarbeiterInnen und identifizieren uns ganz mit ihm. Während weder der Staat mit seinem Arbeitsrecht, noch die ArbeitgeberInnen sich um unsere Sicherheit und Gesundheit kümmern, arbeiten wir regelmäßig mit Überstunden und unter gefährlichen Bedingungen. Auch die amtliche Statistik zeigt auf, das WanderarbeiterInnen am höchsten gefährdet sind, bei Arbeitsunfällen verletzt oder getötet zu werden, unter den stärksten Verstößen gegen das Arbeitsrecht leiden und weitere diskriminierenden gesetzliche Bestimmungen. Deshalb haben die streikenden HafenarbeiterInnen unsere volle Unterstützung.

Die bei Subunternehmern angestellt sind, haben keinerlei offiziell anerkannte Rechte als ArbeiterInnen. Sie sind, ähnlich wie alle unsichtbaren ArbeiterInnen, einer systematischen Abhängigkeit unterworfen, die ihre zusätzliche Ausbeutung ermöglicht, durch sehr niedrige Löhne, gefährliche Arbeitsbedingungen und hohe Unsicherheit. Die Zahl dieser Arbeiter nimmt in allen Bereichen der Produktion zu. Das ist ein weiterer Grund, warum die Basis- Gewerkschaftsbewegung, wie sie in Koper ausgeübt und entwickelt wird, unterstützt und sollte als Modell für die Organisation von prekären ArbeiterInnen dienen.

Die Invisible Workers of the World weist strikt die Behauptungen der Verwaltung des Hafens zurück, dass der Streik illegal sei. Die berechtigten Forderungen der Arbeiter nach Sicherheit und Gleichstellung können nicht illegal sein! Das Streikrecht ist das wichtigste und grundlegendste Recht der ArbeiterInnen, es ist ein Mittel des Kampfes, wenn alle anderen Instrumente versagen. Wir sind überzeugt, dass die Antwort des Managements auf den Streik dieser Tatsache entsprechen und die Form eines nachdenklichen Dialogs annehmen muß – und nicht wie im Fall der Luka Koper Verwaltung – mit Undercover-Aktionen und irreführenden Maßnahmen.

Die Invisible Workers of the World unterstützt den Streik in Luka Koper und schließen sich dem Aufruf zu breiter Solidarität an.

Einzelpersonen, Kollektive, Netzwerke, sendet Eure Unterstützung für die streikenden ArbeiterInnen und verbreitet korrekte Informationen über die Ereignisse! Unterstützt den Streik, sendet ein klares Signal an die ArbeiterInnen, dass ihr Kampf gerecht und wichtig ist, helft ihnen Druck auf das Management auszuüben, damit ihre Forderungen erfüllt werden.”

Weitere Links:

http://www.njetwork.org/

http://www.nachrichten.at/nachrichten/wirtschaft/art84417,681050

http://www.balkans.com/open-news.php?uniquenumber=114408

http://volksgruppen.orf.at/slowenen/aktuell/stories/151773/

http://www.itfglobal.org/news-online/index.cfm/newsdetail/6269?frmSessionLanguage=DEU

*Die Invisible Workers of the World sind eine Organisation in Slovenien, welche welche ihren Namen an die “Industrial Workers of the World” angelehnt haben und arbeiten mit Schwerpunkten auf Arbeits- und Lebensbedingungen von MigrantInnen?

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