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Sibirische SyndikalistInnen in Gefahr

In der sibirischen Stadt Omsk wurde mit einer aktiven Repression gegen Mitglieder der Sibirischen Konföderation der Arbeit (SKT) begonnen. Die SKT ist eine überregionale Vereinigung von Gewerkschaften, welche bereits 1995 von Mitgliedern der damaligen KAS (Konföderation der Anarcho-Syndikalisten) ins Leben gerufen wurde.

Mittlerweile besitzt die SKT zahlreiche Anhänger und beschäftigt sich aktiv mit der Verteidigung ihrer Arbeits- und sozialen Rechte. Der SKT ist eine Jugendorganisation angeschlossen – die „Union Autonomer Jugend“ (SAM). Ebenfalls im Rahmen der SKT wirkt ein Komitee zum Schutz der Rechte von Waisenhauskindern. Aktivitäten der SKT haben nun das Augenmerk von Sicherheitsorganen auf sich gezogen, die nun damit beginnen Aktivisten der Organisation zu verfolgen.

Sibirische SyndikalistInnen in Gefahr

(Auf dem Bild: Der kurzsichtige Oberst Winogradow beim lesen eines Spruchbandes auf der SKT-Kundgebung gegen Polizeiwillkür am 31. August 2009.)

Angefangen hat es mit einer Kundgebung am 31. August, zu welcher die SKT aufgerufen hatte. Anlaß war ein Mord, welcher durch zwei Polizisten in der Stadt verübt wurde. An der Kundgebung beteiligte sich eine große Anzahl Jugendlicher, und es gab eine breite Resonanz in den Massenmedien. Provokateure in Zivil und Angehörige der sgn. „Jungen Garde“ versuchten damals die Kundgebung zu stören.

Als in der Stadt erneut ein Doppelmord durch einen Polizisten verübt wurde, beteiligte sich die SKT wiederum an einer Kundgebung. Über 100 Angehörige des Innenministeriums in Zivil überfielen die Kundgebung, wobei sie russische Fahnen als Waffen benutzten.

Um Mitglieder der SKT offiziell verhören zu können, wurde durch die Verwaltung der Inneren Angelegenheiten ein Strafverfahren gegen ein Mitglied einer anderen Organisation eingeleitet – der „Linken Front“ – die sich nach Meinung der Ordnungshüter unter dem Einfluß der SKT befindet. Anlaß für die Einleitung des Verfahrens waren nazistische Flugblätter, die angeblich beim Aktivisten entdeckt wurden. Dabei nehmen Mitglieder der SKT immer konsequent internationalistische und antifaschistische Positionen ein.

Dennoch verbreiteten Provokateure aus dem Innenministerium auf weiteren Kundgebungen ein Flugblatt, in welchem Jelena und Wasili Starostin, Gründungsmitglieder der SKT, beschuldigt wurden Verbindungen zur nazistischen Bewegung zu besitzen. Dabei wurde in diesem Schreiben angedeutet, dass die SKT angeblich ehemalige Waisenhauskinder instrumentalisiere, indem sie ihnen die Lösung ihrer Probleme verspreche. Tatsächlich sind auf Initiative der Konföderation über 120 Gerichtsverfahren gewonnen worden, und ungefähr 50 Jungs leben nun aufgrund der Gerichtsurteile in eigenen Wohnungen.

Nun begannen bei der Verwaltung für Innere Angelegenheiten die Verhöre von jenen Aktivisten, die von Polizisten auf Kundgebungen identifiziert worden waren. Auch die Starostins wurden vorgeladen. Ihnen wurde nahegelegt, dass sie einen schlechten Einfluß auf die Jugend ausüben würden und daher ihre Tätigkeit einstellen müssten. Am Arbeitsplatz von Jelena wurde mit verschiedenen Überprüfungen versucht, Druck auf den Arbeitgeber auszuüben, um diesen zur Kündigung von Jelena zu bewegen.

Auf viele Jugendliche, die an Aktionen der SKT teilnahmen, wurde Druck über die Universität ausgeübt. Sie wurden zum Rektor vorgeladen, es wurden Versammlungen aufgrund ihrer „extremistischen“ Betätigung einberufen, und es wurde mit Exmatrikulation gedroht. Zudem wurde auch Druck auf ihre Eltern ausgeübt – sie wurden zur Polizei vorgeladen, und bei einem Aktivisten soll die Mutter deswegen gekündigt werden. Andere Eltern kann Ähnliches erwarten.

Im Gespräch mit den Starostins wurde durch Vertreter der Verwaltung offen kundgetan, dass jene Jugendliche, die sich an Aktionen der SKT beteiligen würden, nirgendwo eine Anstellung finden würden. Es begannen auch direkte physische Drohungen: „fürchtet Ihr nicht irgendwelche Skinheads, die Euch Arme und Beine brechen werden?“

Es ist klar, dass das Hauptziel dieser Aktivitäten darin besteht die Aktivisten einzuschüchtern, und ihnen jede Möglichkeit neue Proteste zu organisieren zu nehmen.

Die Leitung der Verwaltung für Innere Angelegenheiten hat kein Interesse daran, dass das Geschehen außerhalb von Omsk bekannt wird. Daher bitten Aktivisten der SKT diese Information so breit wie möglich zu streuen.

Der Text wurde nach Meldungen der SKT zusammengestellt.

Originalfassung (auf russisch):
http://skt.ucoz.org/news/v_omske_nachalis_presledovanija_levoj_oppozicii/2009-11-07-51

(Quelle: http://syndikalismus.wordpress.com/2009/11/12/sibirische-syndikalisten-in-gefahr)

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