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Schweiz: „Wir Arbeiter wurden verraten und verkauft“ – Arbeiter kehren unbrauchbarer Gewerkschaft den Rücken

Über den Arbeitskampf der ArbeiterInnen der Kartonfabrik Deisswil in der Schweiz wurde auch in den anarcho-syndikalistischen Medien, wie z.B. der Zeitung der FAU Bern unterstützend informiert.

Die Kartonfabrik sollte geschlossen und 253 ArbeiterInnen in die Erwerbslosigkeit geschickt werden. In öffentlichen Aktionen machten die ArbeiterInnen auf ihre Situation aufmerksam. Die reformistische UNIA, stärkste gewerkschaftliche Kraft im Betrieb, übernahm Verhandlungen mit dem Besitzer über einen Sozialplan und trat in Verhandlungen mit einem schließlich gefundenen neuen Investor, dem Berner Banker Hans-Ulrich Müller. Am 4. Juni 2010 verkündete die UNIA den ArbeiterInnen, das alle 253 KollegInnen Arbeitsverträge zu den bisherigen Bedingungen angeboten bekommen würden. Der Arbeitskampf war beendet, das Ziel einer Neu- bzw. Weiterbeschäftigung unter den gleichen Bedingungen schien erreicht. Nun berichtet „Der Sonntag“ vom 21. November 2010 über massiven Unmut unter den KollegInnen und dutzende Austritte wütender ArbeiterInnen aus der UNIA. Der Gewerkschaft wird Wortbruch, Verhinderung der Selbstorganisation der ArbeiterInnen und mangelnder Widerstandswille (z.B. bei der Blockade des Abtransports von Maschinen) vorgeworfen. Von den 253 KollegInnen haben so gerade einmal 40 einen neuen Arbeitsplatz beim Investor erhalten, welcher dennoch von den kapitalistischen Medien als „Retter von Deisswil“ in den Himmel gehoben und vom Kapitalistenverband, dem „Handels- und Industrieverein Bern“ als „Hoffnungsträger für Arbeiter“ mit dem „Ehrenpreis des Jahres“ ausgezeichnet wurde. Welch widerliches Schauspiel. Doch in solcherart inszenierten Auftritten waren die Kapitalisten ja schon immer Spitzenklasse.

Interessant ist aber, welche Strategie die ArbeiterInnen der Kartonfabrik nun einschlagen werden. Die Erkenntnis über den Betrug der UNIA hat so zum Austritt dutzender KollegInnen aus der Gewerkschaft geführt. Der für den Arbeitskampf zuständige, und dem Kampf nach Ansicht vieler ArbeiterInnen hintertreibende Berufsfunktionär der UNIA, Roland Herzog, bestätigt die Austritte, sagt jedoch „der große Zuwachs an Mitgliedern überwiegt die Austritte bei weitem“. Dann muss ihm also um seinen bezahlten Posten nicht bange sein. Doch das hilft den ArbeiterInnen natürlich nicht weiter. Die UNIA hat sich als Kontroproduktiv und für die Mehrheit der KollegInnen als Nutzlos erwiesen. Positiv hervorzuheben ist, dass diese sich weiterhin regelmäßig treffen und ihr weiteres Vorgehen in diesem Kampf besprechen.

Wir dokumentieren folgend besagten Zeitungsartikel aus „Der Sonntag“. Er ist einer der wenigen Berichte in der bürgerlichen Presse, der auch die Stimmen von ArbeiterInnen deutlich vernehmbar in die Öffentlichkeit bringt und ihrer Kritik und Unzufriedenheit an den Manipulatoren eine Stimme verleiht und nicht nur das gewohnte Kapitalisten- und Gewerkschaftsfunktionärs bla bla wiedergibt.

Klassenkampf von oben ist Realität – Klassenkampf von unten elementare Notwendigkeit!

Für Selbstorganisation – Raus aus der UNIA und den reformistischen Verräter – Gewerkschaften!

Anarcho-Syndikalistische Gewerkschaften aufbauen!

Mit dem Mittel der „Direkten Aktion“ die eigenen Interessen durchsetzen!

Für gut lesbare Großansicht Bild anklicken.

Weitere Informationen über den Arbeitskampf finden sich bei  Chefduzen in der Schweiz

und auch in der Zeitung der FAU Bern „Di Schwarzi Chatz“

http://www.faubern.ch/_texte/Schwarzi%20Chatz_7.pdf

http://www.faubern.ch/_texte/Schwarzi%20Chatz%208.pdf

sowie auf diesen Seiten:

http://www.labournet.de/internationales/ch/gewerkschaft.html

http://www.debatte.ch/Schweiz/Deisswil_D14.htm

Dokumentiert: Bürgerlich-kapitalistische Lobpreisung für einen der ihren

Preis für den Retter von Deisswil

Von Philippe Müller.

Unternehmer Hans-Ulrich Müller erhält den diesjährigen Preis des Handels- und Industrievereins der Stadt Bern. Es überrascht kaum, dass Hans-Ulrich Müller das Rennen machte und am Montagabend im Hotel Bellevue den Preis der Stadtberner Sektion des Handels- und Industrievereins des Kantons Bern (HIV) in Empfang nehmen darf. Der HIV zeichnet jeweils eine Unternehmer-Persönlichkeit aus, die für den Raum Bern eine bemerkenswerte Leistung erbracht hat.

Hoffnungsträger für Arbeiter

Und genau das hat Müller getan, indem er nach dem verkündeten Aus der Kartonfabrik Deisswil diesen Frühling als Investor aufgetreten ist und den zahlreichen betroffenen Mitarbeitern eine neue Perspektive gegeben hat. Müller, der hauptberuflich als Leiter der Region Mittelland der Credit Suisse amtet, will mit dem neu gegründeten Bernapark auf dem Areal der ehemaligen Kartonfabrik längerfristig möglichst viele Arbeitsplätze erhalten.

«Solches Engagement erinnert an die Akteure zur Zeit der HIV-Gründung und ich erachte es als wichtig, dass wir uns im Jahr unseres 150-jährigen Bestehens daran messen lassen», begründete HIV-Sektionspräsident Bernhard Emch die Wahl.

(Berner Zeitung)

Quelle hier

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