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Schweden: PR-Krieg gegen Syndikalisten

Die Sveriges Arbetares Centralorganisation (SAC) wird in dem Buch Syndikalisternas nya ansikte (Das neue Gesicht der Syndikalisten) von Lars-Olof Pettersson und Willy Silberstein als beinahe Gangsterorganisation dargestellt. In einer gemeinsamen Front von Sozialdemokraten, Konservativen, Arbeitgebern und PR-Beratern sieht sieht sich die SAC und die Idee des Syndikalismus wiederholt PR-angriffen ausgesetzt. Dazu ein Artikel von Daniel Wiklander aus: Arbetaren # 28/2011. Übersetzung ins Deutsche durch E.A. für Syndikalismus.tk
Schweden: PR-Krieg gegen Syndikalisten

Das Buch von Pettersson und Silberstein ist im Bilda-Verlag erschienen, dessen Eigentümer der reformistische Gewerkschaftsdachverband LO und der Bildungsverband der Arbeiterbewegung ABF sind.

Seitdem die SAC eine Blockade gegen das Vergnügungs- und Veranstaltungszentrum „Berns Salonger“ in Stockholm verhängt hat, hat das Unternehmen einen schmutzigen Propagandakrieg gegen die gefeuerten Reinigungskräfte, deren Verteter und die SAC bzw. den Syndikalismus insgesamt begonnen. Teils auf den Leitartikelseiten der rechten Presse, teils auch andernorts. Oftmals waren es PR-Agenturen, die die Herstellung der Propaganda übernahmen. Nun hat eine davon ein Buch herausgegeben. Das neue Gesicht der Syndikalisten (Syndikalisternas nya ansikte) wurde von Lars-Olof Pettersson, von der den Sozialdemokraten nahestehenden PR-Agentur Rådhusgruppen, und dem ehemaligen Radio-Reporter Willy Silberstein, mit Verbindungen zur PR-Agentur Kreab, die der konservativen Moderaten Partei (vergleichbar der CDU) nahesteht, geschrieben. Absicht ist offenbar, an der SAC und aktivem gewerkschaftlichem Kampf insgesamt, kein gutes Haar zu lassen.

PR-Berater Pettersson hat einen gewerkschaftlichen Hintergrund in u.a. der Bau-Gewerkschaft und wurde längere Zeit vom Unternehmen Berns engagiert, um im Konflikt mit dem Hotel- und Restaurantsyndikat der SAC behilflich zu sein. Daraus macht Rådhusgruppen gar kein Geheimnis. In ihrem Newsletter vom 3. Oktober vergangenen Jahres heißt es: „Wir arbeiten für Berns, um ein gerechtes Bild der Verantwortung für Arbeitsbedingungen und -verhältnisse des Unternehmens zu schaffen.“ Als Beispiel werden Diskussions-Artikel in der Zeitung des Gewerkschaftsdachverbandes LO genannt.

Blockade-Posten der SAC in Warnwesten vor Berns Salonger. Bildmitte: 1 Polizist.

Der Konflikt um Berns und die gefeuerten Reinigungskräfte, die der SAC angehören, hat wieder und wieder ungute Verbindungen zwischen Sozialdemokratischem Establishment, reformistischen Gewerkschaften und „Arbeitgebern“ zutage gebracht. Die alte Sozi-Eminenz Mats Hulth war bis vor kurzem Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Hotel und Restaurant. Berns beauftragt eine PR-Agentur mit Verknüpfungen zur Sozialdemokratie, die Tür an Tür mit der Parteizentrale residiert. Gleichzeitig erhält man Schützenhilfe von Maria Rankka, ex-Chefin der neoliberalen Denkfabrik Timbro, sowie Leitartiklern der konservativen Presse. Außerdem tauchte letzten Sommer eine Figur wie der skandalumwitterte Sozialdemokrat Harals Ullman auf, um Berns gegen die Syndikalisten in Schutz zu nehmen. Seit an Seit mit Lars-Olof Pettersson.

Das Buch Das neue Gesicht der Syndikalisten betreibt auf reichlich 150 Seiten einen Frontalangriff auf die syndikalistische Bewegung in Schweden. Syndikalisten wollen Anarchie in den Betrieben schaffen, so Lars-Olof Pettersson. Seinerseits meint er, daß die Aufgabe von Gewerkschaften das Abschließen von Tarifverträgen und die Herstellung von Ordnung in den Betrieben. Mit diesem Blickwinkel auf gewerkschaftlichen Kampf ist es nicht besonders verwunderlich, daß er sich hinsetzt und gemeinsam mit einem Konservativen ein Buch schreibt, um eine unbequeme Gewerkschaft anzugreifen.

Die PR-Berater mischen Rufmord an Einzelnen mit diffuser Ablehnung von Zielen und Mitteln des Syndikalismus. Die SAC wird als „Sekte“ gebranntmarkt und Menschen, die die Organisation verlassen haben, kommen zu Wort, jedoch keiner von den Aktiven. Ein wichtiger Punkt, der eingehämmert werden soll, ist, wie sehr sich offenbar „Arbeitgeber“ vor den Syndikalisten fürchten ─ ein Argument, daß als Kritik an einer kämpferischen Arbeiterorganisation nicht wirklich überzeugend klingt.

Aber man schreibt ja auch nicht für jemanden, der Interesse hat, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Es geht um Meinungsmache, die sich an Politiker, Gesetzgeber richtet. Die Kumpanen des Korporativismus sind wieder am Werke. Wir sollten auf die Hetze von bürgerlichen Medien, „Arbeitgebern“ und sozialdemokratischen Tricksern einfach stolz sein. Wir sollten stolz darauf sein, daß sie es der Mühe wert halten, einen Haufen Geld zu verbrennen, indem sie von zwei PR-Beratern eine ─ schlecht redigierte und unsachliche ─ Propagandaschrift zusammenschreiben lassen.

Das zeigt, daß die Syndikalisten einen Unterschied machen und daß die Zeiten vorbei sind, in denen das „Problem“ SAC totgeschwiegen werden konnte.

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