Sie sind hier: Startseite / Nachrichten / Rassismus in Reinkultur: Entlassen wegen „falscher“ Herkunft

Rassismus in Reinkultur: Entlassen wegen „falscher“ Herkunft

Stell dir vor du arbeitest seit zehn Jahren im gleichen italienischen Restaurant. Erledigst was gerade anfällt oder wenn du mehr Glück hast, arbeitest du als gelernter Koch oder eventuell sogar als gelernte Köchin. Zehn Jahre lang arbeitest du mit eingezogenem Kopf bringst 120% Leistung, machst Überstunden, die du nicht aufschreibst, denn du bist glücklich als ImmigrantIn überhaupt eine Stelle zu haben. Für deine Kündigung kannst du nichts dafür und es ist auch nicht etwa so, dass die Entlassungen geschehen weil es dem Betrieb schlecht ginge. Denn von deinen italienischstämmigen KollegInnen wird niemand entlassen und die Lücke, die dein Fortgang hinterlässt wird mit frisch aus Italien rekrutierten ArbeiterInnen gefüllt.

In etwa so erging es elf Angestellten des Restaurants Molino in Fribourg. Das Fribourger Molino gehört zu einer Kette mit insgesamt 17 Filialen in der ganzen Schweiz und gehört der Schweizer Investmentgesellschaft Athris Holding AG (ehemalige Jelmoli AG). Die Leitung von Molino AG hat bereits vor etwas über einem Jahr entschieden, nur noch Personal mit italienischer Nationalität anzustellen. Wohl damit die in der Schweiz sich befindenden Restaurants mit italienischem Thema etwas authentischer wirken. Die Auswahl ihrer Angestellten aufgrund der italienischen Nationalität wird von der Molino AG auch öffentlich propagiert. Damit verstösst die Geschäftsleitung, wohl durchaus wissentlich, nicht nur gegen den guten Geschmack, sondern vor allem gegen jegliche Regeln, Überzeugungen und Gesetze die ethnische Diskriminierung verurteilen. Die in einer solch diskriminierenden Weise Entlassenen aus Fribourg haben nun aber nicht einfach nur die Hand im Sack zur Faust geballt, sondern haben sich zu einem Kollektiv zusammengeschlossen, um gemeinsam gegen Molino vorgehen zu können. Diese Selbstorganisation fand übrigens statt, nachdem sich die Fribourger Unia Sektion geweigert hatte, sich diesem Fall anzunehmen. Am 12. Februar fand nun eine erste Aktion dieses Kollektivs statt. Um 12.00 Uhr wurden vor den Molino-Restaurants in Fribourg, Bern, Genf und Zürich von den Entlassenen und zahlreichen UnterstützerInnen Flugblätter verteilt, welche die Politik der Molino AG kritisierten. In Bern holte der entnervte Geschäftsleiter sogar die Polizei, die aber die Aktion nicht unterbinden konnte. Geholfen hat dem Molino die Polizeipräsenz sowieso nichts: Vor dem Erscheinen der Polizei gingen die Leute das Flugblatt lesend immerhin hinein, doch mit drei Uniformierten am Eingang trauten sich die Leute gar nicht mehr rein…

Während der Aktion in Bern wurde in Erfahrung gebracht, dass in Bern auch Leute aufgrund ihrer Herkunft entlassen wurden. Die Zahl der Entlassenen ist allerdings noch unklar. Die Proteste gegen das Molino werden nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe sicher noch weiter gehen – frei nach dem in Fribourg während der Aktion kreierten Spruch „Molino facho, employé(e)s faché(e)s!“.

Artikelaktionen

abgelegt unter: ,
Navigation
Anmelden


Passwort vergessen?
« August 2014 »
August
MoDiMiDoFrSaSo
123
45678910
11121314151617
18192021222324
25262728293031