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Pressemitteilung des Bündnisses gegen die Bundeswehr-Werbeshow in Duisburg

Am 14.09.07 will die Bundeswehr eine Werbeveranstaltung im Bertolt-Brecht Berufskolleg durchführen, um dort die Ausbildung und den Dienst beim Militär als mögliche Berufschance für junge Menschen zu präsentieren.

Es ist eine große Unverschämtheit, jungen Menschen Kriegsdienst und die
daraus folgenden Auslandseinsätze im Rahmen einer beruflichen Karriere
schmackhaft zu machen.

Hier werden die Probleme auf dem Arbeitsmarkt schamlos ausgenutzt, um
die Präsenz und die Aktivitäten der Bundeswehr im In- und Ausland als
selbstverständlich darzustellen.

Deshalb fordert das Duisburger Bündnis gegen die Bundeswehr-Werbeshow,
dass das Bertholt Brecht Berufskolleg seiner eigenen Philosopie und
seinem Namensgeber gerecht wird und die Bundeswehr wieder auslädt.

Stattdessen sollte es den Jugendlichen andere Jobperspektiven aufzeigen.

Folgender offener Brief wurde an die Schulleitung und das Kollegium
versandt:

(Pressekontakt über faudu@fau.org oder 0179 325 86 48)


Bertolt-Brecht-Berufskolleg Duisburg, 16.08.2007


Am Ziegelkamp 28-30
47259 Duisburg



Sehr geehrtes Kollegium,

mit Erstaunen haben wir festgestellt, dass am 14.09.2007 die Bundeswehr bei Ihnen zu Besuch sein wird.

Wie wir auf der Internetseite Ihrer Schule nachlesen konnten, gibt es für die Namensgebung der Schule nach Bertolt Brecht eine, wie wir finden, gute Erklärung:

(aus der "Philosophie"):

"Wenn man etwas einen Namen gibt verbindet man damit eine bestimmte Absicht. So auch bei uns. Die “Hell‘s Angels“ nennen sich nicht umsonst so, und wenn wir hier die Aufgabe hätten, etwas nach „Albert Schweitzer“
zu benennen, dann fiele uns sicher sofort etwas Passendes ein. Einem Kindergarten den Namen eines Generals zu geben, käme uns allen mit Sicherheit nicht in den Sinn."

und weiter:

"Politisch war Bertolt Brecht in dieser Zeit stark umstritten. Seine Botschaften sind für uns aber heute noch wichtig. Er war ein
entschiedener Kriegsgegner - und ist nicht gerade die Kriegstechnologie für uns Techniker zu faszinierend?

Mehr als die Hälfte aller Techniker, Forscher und Ingenieure arbeiten in der Kriegstechnologie!

Vergessen wir über der Lust und die Freude an der Technik nicht dieKonsequenzen, die sich aus ihr ergeben."

(alle Zitate aus:http://www.bbbk.de/profil/philosophie.php)



(aus "So arbeiten wir ..."):

"Die allgemeinen Anforderungen steigen, weil die Vorbereitung auf das Berufsleben zugleich auch Vorbereitung auf Selbstständigkeit, Übernahme von Verantwortung und vieles mehr bedeutet."

und zuletzt:

"Denn das ist sicher: Nicht "Fachidioten" sind gefragt, sondern Menschenmit "Profil"."

(alle Zitate aus: http://www.bbbk.de/profil/soarbeitenwir.php)

Das steht allerdings in deutlichem Widerspruch zum Besuch des Militärs. Da wir es nicht sinnvoll finden, jetzt den Namen der Schule zu ändern, schlagen wir vor, die Bundeswehr wieder auszuladen und damit dem Anspruch der Schule wieder gerecht zu werden. Zeigen sie Ihr Profil!

Mit freundlichen Grüßen
Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen Duisburg
Freie ArbeiterInnen Union Bonn
Freie ArbeiterInnen Union Dortmund
Freie ArbeiterInnen Union Duisburg
Freie ArbeiterInnen Union Münster
Initiative Bundeswehr-Wegtreten


Der Namensgeber des Berufskollegs zum Thema Krieg und Militär:

Ihr, die ihr überlebtet in gestorbenen Städten
Habt doch nun endlich mit euch selbst Erbarmen!
Zieht nun in neue Kriege nicht, ihr Armen
Als ob die alten nicht gelanget hätten:
ich bitt euch, habet mit euch selbst Erbarmen!

Ihr Männer, greift zur Kelle, nicht zum Messer!
Ihr säßet unter Dächern schließlich jetzt
Hättet ihr auf das Messer nicht gesetzt
Und unter Dächern sitzt es sich doch besser.
Ich bitt euch, greift zur Kelle, nicht zum Messer!

Ihr Kinder, dass sie euch mit Krieg verschonen
Müsst ihr um Einsicht eure Eltern bitten.
Sagt laut, ihr wollt nicht in Ruinen wohnen
Und nicht das leiden, was sie selber litten:
Ihr Kinder, dass sie euch mit Krieg verschonen!

Ihr Mütter, da es euch anheimgegeben
Den Krieg zu dulden oder nicht zu dulden
Ich bitt euch, lasset eure Kinder leben!
Dass sie euch die Geburt und nicht den Tod dann schulden:
Ihr Mütter, lasset eure Kinder leben!

Bertolt Brecht


(Aus: Gedichte gegen den Krieg; B. Brecht ,An meine Landsleute)

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