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Paris: Passagiere verhindern Abschiebeflug - Polizei prügelt auf Reisende ein

Paris, 18. Oktober 2008, 16 Uhr: Den Abflug aus dem neu designten Terminal E des Flughafens Paris Charles de Gaulle hatte ich mir anders vorgestellt. Während die regulären Passagiere des Flugs Air France 718 nach Senegal direkt aus der eleganten Halle vorne ins Flugzeug steigen, sind am Heck des Fliegers Vorkehrungen getroffen worden, um einen unfreiwilligen Gast an Bord zu befördern: eine extra Gangway steht auf dem Flugfeld, der Zugang eng umstellt von drei Polizeifahrzeugen. Beim Betreten der Kabine kommen mir protestierende Passagiere auf dem Weg zum Cockpit entgegen, tumultartiges Getöse dringt aus dem hinteren Teil des Flugzeugs nach vorne. Ich drängle mich durch zu meinem Platz im hinteren Teil des Flugzeugs - mindestens sechs Polizisten drücken einen gefesselten, jungen Afrikaner auf die Sitzflächen der letzten Bankreihe.

Eine Polizistin mit Lederhandschuhen macht sich am Kopf des
Abschiebehäftlings zu schaffen oder hält ihm den Mund zu. Trotzdem gelangen immer
wieder Klagen und Schreie des unfreiwilligen Passagiers an unsere Ohren. Abgeschirmt
wird die Szene von etwa drei Zivilbeamten, im Hintergrund Richtung Ausgang stehen
zusätzliche uniformierte Polizisten, die groteske Szene umringt von
unterschiedlichsten Passagieren, die protestieren, auf Polizei und Crew einreden,
argumentieren, ihrer Fassungslosigkeit über die Vorgänge in der Kabine Ausdruck
verleihen. Ein Gutteil der Fluggäste ist in eine Art Stehstreik getreten - das
Flugzeug ist voll, man weigert sich, unter diesen Umständen Loszufliegen. Ein
Passagier bringt die Polizeiaktion mit der Kolonialgeschichte in Verbindung, ein
älteres Paar hält Crew und Polizei lautstark die Passagierrechte vor. In
unterschiedlichsten Sprachen wird gefragt, warum Air France solche Vorgänge an Bord
zulässt, Forderungen, der Kapitän solle die groteske Szene beenden, werden laut. Der
taucht auch auf, doch obwohl die Situation langsam tumultartigen Charakter bekommt,
bricht er die Sache offenbar nicht ab, verzeiht sich unverrichteter Dinge in die
Pilotenkanzel.Die Situation eskaliert, als CRS-Spezialeinheiten, martialisch
ausgestattet mit Helmen, Schildern und Gummiknüppeln, in der Kabine auftauchen:
Passagiere werden eingeschüchtert, Leute die Fotos machen oder filmen, werden
bedroht, Rentner werden angeherrscht, die Stimmung im Flieger wird dadurch erst
richtig aufgeheizt. Plötzlich stürmt das sechs- bis zehnköpfige Rollkommando durch
das halbe Flugzeug, knüppelt wahllos auf Passagiere ein, greift sich schließlich
einen großen afrikanischen Mann. Andere Fluggäste gehen empört dazwischen, ein Frau
versucht den Passagier festzuhalten, andere stellen sich in den Weg, das
Rollkommando prügelt sich seinen Weg zurück zur Gangway und zerrt den Passagier aus
dem Flieger. Eine alte Dame steht wegen der Aktion unter Schock und bricht fast
zusammen, Sanitäter rufen den Flughafenarzt herbei. Kurz darauf bricht die Polizei
die Abschiebeaktion ab, die Zivilpolizisten packen ihre Sachen zusammen. Es dauert
ewig, bis der junge Afrikaner von seinen Fesseln befreit ist. Endlich verlässt die
gesamte Kompanie unter Applaus der Zuschauer das Flugzeug. Ein amerikanischer
Fluggast vergleicht die Aktion mit Nazi-Germany. Fazit: Sanitäter und Ärzte sind
noch eine halbe Stunde mit der Ohnmächtigen beschäftigt, das Flugzeug startet mit
einer Stunde Verspätung, ein kritischer Passagier wird zunächst provoziert, dann
verhaftet, und am Mitflug gehindert.

Eine Polizistin mit Lederhandschuhen macht sich am Kopf des
Abschiebehäftlings zu schaffen oder hält ihm den Mund zu. Trotzdem gelangen immer
wieder Klagen und Schreie des unfreiwilligen Passagiers an unsere Ohren. Abgeschirmt
wird die Szene von etwa drei Zivilbeamten, im Hintergrund Richtung Ausgang stehen
zusätzliche uniformierte Polizisten, die groteske Szene umringt von
unterschiedlichsten Passagieren, die protestieren, auf Polizei und Crew einreden,
argumentieren, ihrer Fassungslosigkeit über die Vorgänge in der Kabine Ausdruck
verleihen. Ein Gutteil der Fluggäste ist in eine Art Stehstreik getreten - das
Flugzeug ist voll, man weigert sich, unter diesen Umständen Loszufliegen. Ein
Passagier bringt die Polizeiaktion mit der Kolonialgeschichte in Verbindung, ein
älteres Paar hält Crew und Polizei lautstark die Passagierrechte vor. In
unterschiedlichsten Sprachen wird gefragt, warum Air France solche Vorgänge an Bord
zulässt, Forderungen, der Kapitän solle die groteske Szene beenden, werden laut. Der
taucht auch auf, doch obwohl die Situation langsam tumultartigen Charakter bekommt,
bricht er die Sache offenbar nicht ab, verzeiht sich unverrichteter Dinge in die
Pilotenkanzel.Die Situation eskaliert, als CRS-Spezialeinheiten, martialisch
ausgestattet mit Helmen, Schildern und Gummiknüppeln, in der Kabine auftauchen:
Passagiere werden eingeschüchtert, Leute die Fotos machen oder filmen, werden
bedroht, Rentner werden angeherrscht, die Stimmung im Flieger wird dadurch erst
richtig aufgeheizt. Plötzlich stürmt das sechs- bis zehnköpfige Rollkommando durch
das halbe Flugzeug, knüppelt wahllos auf Passagiere ein, greift sich schließlich
einen großen afrikanischen Mann. Andere Fluggäste gehen empört dazwischen, ein Frau
versucht den Passagier festzuhalten, andere stellen sich in den Weg, das
Rollkommando prügelt sich seinen Weg zurück zur Gangway und zerrt den Passagier aus
dem Flieger. Eine alte Dame steht wegen der Aktion unter Schock und bricht fast
zusammen, Sanitäter rufen den Flughafenarzt herbei. Kurz darauf bricht die Polizei
die Abschiebeaktion ab, die Zivilpolizisten packen ihre Sachen zusammen. Es dauert
ewig, bis der junge Afrikaner von seinen Fesseln befreit ist. Endlich verlässt die
gesamte Kompanie unter Applaus der Zuschauer das Flugzeug. Ein amerikanischer
Fluggast vergleicht die Aktion mit Nazi-Germany. Fazit: Sanitäter und Ärzte sind
noch eine halbe Stunde mit der Ohnmächtigen beschäftigt, das Flugzeug startet mit
einer Stunde Verspätung, ein kritischer Passagier wird zunächst provoziert, dann
verhaftet, und am Mitflug gehindert.

Dieser Augenzeugenbericht wurde am gestrigen Donnerstag von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V. (ISD-Bund)
weitergeleitet.

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