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Palestina-Israel: Wöchentliches Update der AATW-Initiative

(Dies ist eine freie Übersetzung des originalen Artikels auf Anarkismo, welcher am Freitag dem 29. Februar erschienen ist.) Über die ganze Woche waren Aktivisten mit den Flüchtlingswellen aus Afrika und deren erneute Unterdrückung seitens des Staates Israel beschäftigt. Wie immer am letzten Donnerstag des Monats, zog es eine kritische Masse gegen die Besetzung und Greueltaten im Gazastreifen auf die Straßen. Freitag war am meisten los; Morgens nahmen AATW-Aktivisten/innen zusammen mit anderen an der wöchentlichen Nachtwache im besetzen Silwan Bezirk teil. Gegen Mittag nahmen die Aktivisten/innen dann an den Demonstrationen gegen den Trennungszaun in Um Salmuna und Al Khader (Süd Bethlehem) und natürlich der 158ten Freitagsdemo in Bil’in teil. Samstag Mittag reisten wir dann noch einmal nach Beit Umar (Süd Bethlehem) um gegen die wachsende Repression auf die lokale Gemeinde zu protestieren. Die Gemeinde kämpft derzeit gegen die Erweiterung der in der Nähe liegenden Kollonialsiedlung Karmey Tsur. Am Samstag Nachmittag und Abend hatten wir dann ein “organisatorisches Meeting” da Unzufriedenheit mit dem derzeitigen Level innerhalb des letzten Meetings der Aktivisten/Innen in Tel Aviv angesprochen wurde.

2) Die Kritische Masse

Wie schon in den vorangegangenen Monaten, fand wieder die Initiative des letzten Donnerstags im Monat statt. Am Anfang der monatlichen Initiative tollerierte die Polizei unsere Aktion trotz einiger Verkehrsbehinderungen. Die letzten drei Male belästigten Polizisten uns und nahmen ein paar Teilnehmer/innen fest. Diesen Donnerstag versuchte die Polizei erneut uns zu stören doch selbst nachdem sie sechs Teilnehmer/innen festgenommen hatten liefen wir weiter. Als die Sechs am nächsten Morgen zum Gericht gebracht wurden, sollte die Polizei eine herbe Enttäuschung einfahren. Der Richter wieß die Anklage ab und verurteilte die Polizei für falsche Festnahmen. Es scheint, als ob die Demokratie für die Israelischen Juden innerhalb der vor-1967ger-Kriegsgrenzen immernoch in Kraft wäre.

3) Silwan (Jerusalem)

Die Judifizierung von palestinänsischen Dörfern und Nachbarschaften, wie im Israelischen Jerusalem, findet seit neuestem auch in Silwan statt. Als Antwort darauf startete die in Jerusalem ansässige Koalition gegen die Besetzung (in der sich auch unsere Aktivisten/innen befinden) eine wöchentliche Nachtwache an einem kritischen Touristenpunkt um unsere Empörung gegen die wachsenden Greuel zu zeigen.

Hintergrund:

Die Elad-Assoziation arbeitete über eine Dekade daran die Nachbarschaft Wadi Hilwe in Silwan von palestinänsischen Einwohnern und Einwohnerinnen zu säubern. Die Assoziation benutzt verschiedene Hilfsmittel um ihre Ziele zu erreichen. Der Kauf von Häusern, egal ob legal oder durch Betrug und Fälschungen, oder ein Netzwerk von Kollaborateuren zu nutzen um die Gemeinschaft von innen heraus zu zerstören, und vor allem die Nutzung der archäologischen Ausgrabungen und wachsenden Tourismus um die lokalen Anwohner zu vertreiben.

Der Staat Israel übergab die volle Verantwortung und Kontrolle über die Ausgrabungen der achräologischen Stellen an Elad, was die Assoziation im Gegenzug nutzte um Bürger von ihren Grundstücken zu entfernen, öffentliche Räume zu nutzen, diese Gegend mit Zäunen und Wachen einzuengen und Eingänge für Anwohner zu verschließen. Elad überwacht und initiiert agressive achäologische Ausgrabungen, welche geheim und illegal durchgeführt werden, durch die brechung von internationalen Ethik-Kodexen und unter dem Schutz von privaten Sicherheitskräften. Jeder Versuch der Bewohner gegen Elad anzugehen, wird mit schnellen Eingriffen der Israelischen Polizei und Sicherheitskräften (shin-bet) erstickt.

Hunderttausende Besucher im Jahr werden durch die Ausgrabungen in Silwan geleitet und von einer unausgewogengen Geschichte “hirngewaschen”, die Elad ihnen unter dem Charm von Nationalparks und antiken Autoritäten erzählt. Die Verzerrung von Fakten und die Unterdrückung die an den lokalen Bewohnern begangen wird muss an die Öffentlichkeit und speziell an die jenigen, die die Ausgrabungsstätte besichtigen gelangen.

4) Die Freitagsdemo gegen den Trennungszaun und die Besetzung in Süd Bethlehem

Vor ungefähr einem Jahr erreichte der Bau des Trennungszaunes die südlichen Sektionen. Die Dörfer der Region, deren Land durch solche kriegsverbrecherischen Aktivitäten geraubt wurde starteten Demonstrationen und andere direkte Aktionen und luden die Anarchists Against The Wall Iniviative ein um Aktivitäten zu planen und auszuführen. Im Zuge des Jahrestages der anhaltenden Aktivitäten entschied sich ein lokales, populäres Kommitee des Al Khader Dorfes für reguläre Freitagsdemonstrationen. Aktivisten/innen der AAtW-Initiative und andere aus Jerusalem und Tel-Aviv nehmen seither an diesen Demos teil.

An diesem Freitag wurde ein Mini-Bus aus Jerusalem auf dem Weg nach Um Salmuna gestopp. Dies war einer der Gründe, warum die Demo an sich sehr Kurz war.

Dieses Mal unternahm die israelische Staatsmacht spezielle Bestrebungen um die kontinuierlichkeit der Demonstrationen in Al Khader zu verhindern. Zwei Militärfahrzeuge mit Soldaten drangen vor der Zusammenkunft der Dorfbewohner/innen und vor der Demo in das Dorf ein. Die konfiszierten Kommunikationsequipment, welches dazu genutzt wird um Menschen zur Demo auf zu rufen. Außerdem trafen sie den Organisatoren und belasteten ihn mit Anklagen wegen “Aufrufen zur Störung der öffentlichen Sicherheit und der Sozialordnung”. Die AATW-Aktivisten/innen konfrontierten die Staatsmacht wegen der Schikanen und der Konfiszierunge der Kommunikationselektronik, woraus ein Versprechen über die Rückgabe dieser zu folge hatte. Auf dem Weg nach hause von der aufgelösten Demo wurden wir darüber informiert, dass das Equipment wirklich zurückgegeben wurde.

5) Beit Umar

Beit Umar plante die Demo für diesen Samstag wie immer, damit sie sich nicht an den anderen Freitagsdemos in der Region aufhing. Natürlich reisten auch wir an diesem Samstag nach Beit Umar um die frühe Nachmittagsdemo zu erreichen.

Hintergrund:

Als Antwort auf die Intensivierung des Kampfes von Beit Umar gegen den Trennungszaun und die Erweiterung der in der Nähe liegenden Karmei Tsur Kollonialsiedlung, ergriff die israelische Staatsmacht spezielle Maßnahmen um das Dorf zu schikanieren. Was folgt sind Auszüge aus Artikeln, welche sich mit den Aktivitäten und dem Widerstand beschäftigten:

“Heute, ungefähr um 13:00 Uhr, drang die Armee mit mehr als 100 Soldaten in Beit Umar ein. Die Soldaten führten Hausdurchsuchungen durch und mehr als 50 Menschen wurden festgenommen. Im ganzen Dorf herrscht eine Ausgangssperre und die Armee blockiert den Dorfeingang.

Es ist schon die vierte Nacht in Folge, in der israelische Besatzer eines der Häuser tief innerhalb des Dorfes an Sonnenuntergang besetzen. Die Familie wird in einem Raum gezwungen, nachdem ihnen alle Kommunikationsgeräte (Handys) abgenommen wurden. Das Ziel der Hausbesetzung seitens der Armee ist einen Ausblick auf den Ort zu haben und Steinewerfer zu lokalisieren.

Drei israelische Aktivisten machten sich heute Abend auf dem Weg um die in diesem Haus lebende Famlilie zu besuchen. Nach einem kurzen Klopfer an der Haustür öffnete niemand anderes als ein Mitglied der IDF, bewaffnet von Kopf bis Fuß. Die Soldaten, ließen die Aktivisten aufgrund von militärischen Richtlinien dann hinein.

Die Aktivisten wurden im Gästezimmer konzentriert. Der Besitzer des Hauses wurde zusammen mit einer Familie in einem Raum der von zwei Soldaten bewacht wurde festgehalten.

Vier Soldaten standen am Eingang - zweiter Lieutenant Ehud (führende Kraft der Gruppe), Nati, Masi, and Israel (Shrul) gingen zu den Aktivisten in das Gästezimmer um die Mobiltelefone sicher zu stellen. “Warum das?”, fragten die Aktivisten und ihnen wurde erklärt, dass sie ihnen die Handys nahmen, damit sie nicht nach draussen kommunizieren und von den Aktivitäten der Soldaten innerhalb des Hauses berichten können. Ihre Videokamera hörte seit dem Moment in dem sie in das Haus traten nicht mehr auf zu filmen. Dann versuchten die Aktivisten herauszufinden, ob die Soldaten einem Befehl folgen würden, der es ihnen erlaubte in das Haus von den Menschen einzudringen und sie in einen Raum zu konzentrieren. Nach ein paar Minuten bemerkten die Soldaten aber auch die Kamera und versuchten auch diese sicherzustellen. Das Band wurde herausgenommen und die Kamera weitergegeben. Die Soldaten entschieden, dass das Band auch wichtig für sie war, was sie dazu veranlagte auch noch dieses zu nehmen. Geantwortet wurde darauf mit nein. “Das Band kann nicht ohne die Kamera aufnehmen”, antworteten die Aktivisten und steckten das Band in eine Tasche. Natürlich mochten das die Soldaten gar nicht und versuchten weiter, dieses mal agressiver, an das Band zu kommen. Hier kamen sie mit Worten nicht mehr weiter, was sie dann dazu veranlagte z.B. die Hände der Aktivisten zu überdrehen. Wieder und wieder versuchten sie an das Band zu kommen, doch es klappte nicht.

Einer der Aktivisten fing an sich nicht gut zu fühlen. Er hustete schwer und atmete tief. So fragten die Aktivisten die Soldaten, ob sie nicht mal kurz ablassen können um ihn zu Atem kommen zu lassen. Dies kostete einiges, aber als die Soldaten die schwere der Situation erkannten wurden sie plötzlich wieder ganz ruhig. Einer der Soldaten kümmerte sich um die Teddy-Bären- und Herzchensammlung die wärend des Kampfes über die Kassette gefallen war.

Dann fingen die Soldaten an sich von ihrer agressiven Haltung und aus dem Raum zurückzuziehen. Sie ließen immer einen Soldaten als Wache vor der Tür. An beabsichtigter Stunde (ungefähr um 23:00 Uhr) schlossen sie dann die Zimmertüren. Ihre Kollegen kamen vom Dach und verließen das Haus. Nun öffneten sie wieder alle Türen und die anwohnende Familie wurde aus ihrem Gefängnis entlassen.

Gutes Ende. Ein paar Kinder mit Traumata, erschreckte Eltern die nichtmal die Möglichkeit hatten ihren Kindern Sicherheit zu bringen, und Nachbarn die auch nicht wirklich helfen konnten. Und die Soldaten? Mit denen ist nichts. Wahrscheinlich werden sie morgen ein anderes Haus temporär besetzen.”

6) Bil’in

Das Thema der Freitagsdemo war dieses Mal die steigende Repression in Gaza. Wir marschierten von der Mitte des Dorfes aus zum Tor des Trennungszaunes am westlichen Ende des Dorfes. Als addition zu den Liedern trugen wir einen “symbolischen” Babyleichnam in einer sargähnlichen Box und einer riesigen schwarzen Flagge in den Abmessungen 2×20 Metern.

Als wir am Trennungszaun ankamen, öffneten wir das äußere Tor, sodass ein Genosse den symbolischen Sarg zum Elektrozaun bringen konnte. Danach kehrte er fix dahin zurück, wo die anderen Demonstranten standen. Als Vergeltung schoß die israelische Staatsmacht eine Kugel in unsere Richtung und ein Genosse wurde dabei schwer verwundet.

Davor und parallel zur Demo spielte ein ex-israelischer Aktivist, der an unserem Kampf beteiligt ist, sein Instrument mit zum Anlass passender Musik.

Irgendwann explodierte eine Tränengasgranate hinter der Route des Trennungszaunes, da wo die Staatsmacht positioniert war. Sie waren gezwungen sich zurück zu ziehen und um ihre Blamage zu verstecken kamen sie auf unsere Seite der Route und begannen uns den hügel herunter zu schubsen. Wir sollten in das Dorf zurückkehren.

Obwohl die Soldaten zahlenmäßig viele waren, waren nicht alle von ihnen sehr erfreut über das Passierte und wir widerstanden den Anweisungen im üblichen Sinne. Folglich nahmen sie einen Aktivisten fest und schikanierten andere, was allerdings an ihren Kräften zehrte sodas wir uns auf der Hälfte des Weges runter des Hügelt neu gruppieren konnten.

Dann änderten die Soldaten ihre Prioritäten auf die Steineschmeißer/innen die sich zwischen den in der Nähe liegenden Olivenbäumen befangen. Sie schossen und warfen Gasgranaten auf sie.

Nach einer Weile kehrten wir in das Dorf zurück und überließen den Ort den Steinewerfern, die darauf warteten, dass unsere gewaltfreie Demo endete.

Link: Fotos eines amerikanischen Aktivisten, der bei der Jübiläumsdemo der letzten drei Jahre (link zum Video weiter unten) in den Kopf geschossen wurde: http://sabbah.biz/mt/archives/2008/02/25/amer….

Dave Ribbs Aufnamen der dreijährigen Jubiläumsdemo in Bil’in http://www.youtube.com/watch?v=IwVcGmULeog

Und hier noch die Videos der diesmaligen Freitagsdemo in Bil’in http://www.youtube.com/watch?v=Qy8-oxnZQJU http://www.youtube.com/watch?v=Jz7j8TpjPtY

Frei übersetzt vom Shizoblog, orig. Ilan Shalif

http://awalls.org

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