Sie sind hier: Startseite / Nachrichten / NL: Erklärung der „Anarchistische Groep Nijmegen“ (AGN), Berichterstattung und Proteste vom 21. Januar

NL: Erklärung der „Anarchistische Groep Nijmegen“ (AGN), Berichterstattung und Proteste vom 21. Januar

„How do they expect the students not to be anarchists? What else can the young be? When you are on the bottom, you must organize from the bottom up!” - Ursula le Guin, The Dispossessed

Am Freitag, den 21. Januar gingen nachmittags massenhaft StudentInnen auf die Straße, um gegen die Kürzungen im Bildungssektor zu demonstrieren. Aufgrund der Berichterstattung in den Medien fühlen wir, die „Anarchistische Groep Nijmegen“ (AGN), uns gezwungen darauf eine Reaktion zu publizieren.


Der Tag begann mit einer Demonstration von der „Haagse Hogeschool“ aus. Hier versammelten sich etwa 600 DemonstrantInnen, um zum „Maliefeld“ zu ziehen und sich dort der vom „Landelijke Studenten Vakbond“ (LSVb) organisierten Demonstration anzuschließen. Dabei war bereits ein enormes Polizeiaufgebot anwesend. Die PolizistInnen stellten sich im Verlauf der Demonstration immer wieder provozierend gegenüber den DemonstrantInnen auf. Die TeilnehmerInnen der Demo reagierten allerdings gut, so gelang es beispielsweise, die Polizeipferde, mittels derer versucht werden sollte die Demo zu spalten, aus der Masse rauszuhalten. So entstand allerdings auch eine grimmige und gefährliche Atmosphäre.


Angekommen auf dem „Maliefeld“, das voller sumpfigem Matsch war, trafen die DemonstrantInnen auf eine festliche Stimmung. Als Höhepunkt konnten sie einem zunächst feurigen Protestzuspruch seitens der Staatssekretäre lauschen, um dann hören zu dürfen, wie diese die Kürzungen schön reden, indem sie behaupteten, dass die Kürzungen dazu da sind, die Bildung zu „verbessern“.

Während dieser Rede entwickelte sich eine angespannte Stimmung und die Polizei begann hinten in der Menge, den Druck zu erhöhen. Viele der DemoteilnehmerInnen hatten genug von ihrer machtlosen Rolle und beschlossen, das Heft in die Hand zu nehmen und in Richtung Zentrum zum Bildungsministerium zu ziehen. Ungefähr 1000 Menschen konnten letztendlich diesen Platz auch erreichen und auch dort fanden sie schon hunderte wütende DemonstrantInnen vor. Hier reagierte die Polizei sehr heftig und es kam zu Auseinandersetzungen an verschiedenen Orten in der Stadt.


„Ihr wart ein fantastisches Publikum!“ – LSVb


Am Tag vor der Demonstration wurde in wilden Medienberichten verbreitet, dass „Radikale“ den Plan hegen würden, sich unter die DemonstrantInnen zu mischen, um „den Protest zu stören“. Dadurch wurde von vorneherein eine Atmosphäre der Angst kreiert und damit Legitimität für das Polizeiaufgebot geschaffen. Tatsächlich ist die Information, anarchistische und antifaschistische Gruppen wären als potentielle Unruhestifter ausgemacht worden, völlig undurchsichtig und scheint auf nichts zu beruhen. Es wird ein Bild erzeugt, in dem Anarchisten und „Radikale“ den Protest missbrauchen wollen und es wird ausgeschlossen, dass sie auch ein legitimer Teil sein können.

Zuerst wollen wir dazu sagen, dass sich in unserer Gruppe auch StudentInnen befinden. Hinzu kommt, dass Bildung jedeN etwas angeht. Spätestens damit hat auch jedeR das Recht für gute Bildung zu kämpfen. StudentInnen, SchülerInnen, Eltern, Jugendliche etc.

Als zweites wird hier unterstellt, dass Radikale eine Entität außerhalb der „normalen“ StudentInnen seien und sich gegen den Protest kehren würden. Tatsächlich sind wir ein Teil des Ganzen und keine externen Bösewichte, die einzig auf Krawall aus sind. Es wird so getan, als könnten wir nicht auch gegen diese Kürzungen sein. Wir machen uns Sorgen über die Zukunft der Bildung. Und das vor allem im Gegensatz zu den PolitikerInnen, die nur dafür auf die Bühne kamen, um Stimmen für ihre Wahlkampagne zu gewinnen, die in 2 Monaten startet.

Wir fragen uns, wieso DemonstrantInnen auf PolitikerInnen hören müssen. Es müsste eigentlich genau andersherum sein!

StudentInnen, ungeachtet ihrer politischen Einstellung, sind aufgebracht und das ist nichts, was nur für Radikale gilt. Damit kommt die Wut von uns als StudentInnen viel zu kurz. Der LSVb hat hier auch eine wichtige Rolle gespielt.

Mit dem distanzierten Verhalten des LSVb wird die Wut der StudentInnen, SchülerInnen und Eltern in den Wind geschlagen. Und das obwohl wir es sind, die den Kürzungen unterworfen werden, die große finanzielle Auswirkungen auf die haben werden, die sowieso schon wenig Geld haben. So wird die Wirkung des Protests völlig lahmgelegt und er verliert all sein Potential, den Beschluss der Regierung angreifen zu können. Der LSVb ist zu einer Organisation geworden, die sich selbst in Stand halten muss und nicht mehr den Zielen dient, für die sie einst ins Leben gerufen wurde. Die distanzierte Haltung bekräftigt, dass es nur darum geht, die eigene Machtposition beizubehalten. Der LSVb ist keine Organisation, mit der wir als Betroffene den Widerstand und die Konfrontation gegen die aktuellen Pläne der Regierung fortsetzen können. Das wurde allzu deutlich an der Art und Weise, in der sie mit der Polizei und den VertreterInnen der parlamentarischen Politik zusammenarbeiteten.

Es ging während der Demonstration selbst so weit, dass der vom LSVb ins Leben gerufene „Ordnerdienst“ mit Körpereinsatz probiert hat StudentInnen zu trennen. Und zwar um eine Linie zwischen „guten“ und „schlechten“ DemonstrantInnen zu ziehen. Dies führt unteranderem zu einer Atmosphäre der völligen Kontrolle. Auf diese Art und Weise hat der LSVb es für StudentInnen und SympathisantInnen schwer gemacht, sich zu organisieren und trägt damit mit Verantwortung an der Teilung.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft teilte mit, dass unter den Leuten, die im Rahmen des Protests in Gewahrsam genommen wurden, auch „einige Nicht-StudentInnen“ seien. Auch hier sehen wir, wie Solidarität zu einer Art unwirklicher Emotion gemacht wird und benutzt wird, um Menschen zu unterteilen.


Es war gut, dass am 21. Januar so viele Menschen auf den Beinen waren. Überall fangen Gruppen von kritischen StudentInnen an, sich zu organisieren und auch wir sind aktiv mit einbezogen. Die Grenzen wurden gezogen und der LSVb hat gezeigt, auf welcher Seite er steht. Für uns war die Demonstration kein Ende, sondern ein Anfang. Wir hoffen, dass die Ereignisse der letzten Zeit ein Startschuss sind für einen neuen Impuls gegen den freien Markt-Liberalismus und den Bau einer gesunden Bewegung für eine bessere Zukunft.


Anarchistische Groep Nijmegen (AGN)



Artikelaktionen

Navigation
Anmelden


Passwort vergessen?
« August 2017 »
August
MoDiMiDoFrSaSo
123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
28293031