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Nicaragua: Streik der Müllhalden-Arbeiter

Grund dafuer ist das fahrlaessige und ungerechte Verhalten der staedtischen Muellmaenner. Ob aber die betroffenen Menschen durch die Unterbrechung der Muellbeseitigung etwas erreichen, wird vorerst unklar bleiben.
Nicaragua: Arbeiter und Bewohner der groessten Muellhalde Zentralamerikas streiken

In „La Chureca“ in Managua, der groessten Muellhalde Zentralamerikas, fingen am vergangenen Montag, den 3. Maerz 2008, die Bewohner und andere von dem Muell, den die Lastwagen dort tagelich aus dem ganzen Verwaltungsbereich der Hauptstadt Nicaraguas abladen, lebenden Menschen einen Streik an. Grund dafuer sind die durch die Lastwagenfahrer verursachten verschlechterten Verhaeltnisse fuer die dort lebenden und arbeitenden Menschen. Das bedeutet, dass die Muellwagen nicht auf das Gelaende gelangen koennen, demzufolge auf andere Art und Weise mit dem immensen Muell, der tagtaeglich in der Hauptstadtprovinz produziert wird, klar gekommen werden muss – eine nicht leicht zu loesende Aufgabe.

La Chureca

Die im Nordwesten der Hauptsatd Nicaraguas gelegene 42 ha umfassende Muellhalde (und somit groesste ganz Zaentralamerikas) ist seit Jahrzenten Wohn- und Arbitsgebiet von mehr als 1.700 Menschen, davon sind mindestens 40% Minderjaehrige. Es leben ca. 280 Familien mit im Durchschnitt 6 Familienmitgliedern auf beziehungsweise direkt am Rande der Muellhalde. Sie leben von den abgeladenen Materialien wie Holz, das als Brennstoff dient, Zink, Kupfer, Aluminium, Plastikflaschen und Papier, die zu Kilopreisen verkauft werden koennen, und Essensresten, die gegessen werden.

Die Lebensbedingungen sind nicaraguaueblich, das heisst durch technische Probleme und Korruptionsaffaeren bleibt den Versorgungsfirmen „nichts anderes uebrig“ als Wasser und Strom teilweise den ganzen Tag lang abzustellen. Das heisst von Hygiene kann man nicht wirklich sprechen, abgesehen davon dass in den Sommermonaten (Dezember bis April) die regenfreie Zeit genutzt wird um Unmengen von Muell zu verbrennen, was mit dem Wind kilometerweit Verunreinigungen verursacht.

Uebliche Krankheiten sind : Krebs auf Grund der schlechten Ernaehrung mit verschimmeltem Essen; Blei und Mercurio im Blut, aus gleichem Grunde, zusaetzlich da sich viele Menschen von im Managuasee gefangenen Fisch ernaehren, der auf Grund der starken Verschmutzungen des Wassers gar nicht gesund ist; Rauch in den Lungen, aus dem obig genannten Grund der Muellverbrennung unter freiem Himmel; Tuberkulose durch die schlechten hygienischen Verhaeltnisse.

Hinzukommt die Verbreitung von HIV und AIDS, was auf die Prostitution von jungen Frauen an die Lastwagenfahrer zurueckzufuehren ist.

Abgesehen von den dort lebenden Menschen gibt es Dutzende, wenn nicht Hunderte, die aus dem ganzen Umkreis auf die Muellhalde kommen und von dem taeglich abgeladenen Muell leben.

Der Streik

Die Stadtverwaltung Managuas ist fuer die Muellabfuhr zustaendig, das heisst, dass die von der Provinzregierung eingesetzten Muellwagenfahrer und sonstige Mitarbeiter, die den Muell abladen, dem Buergermeister des Verwaltungsbezirkes Managuas unterstehen. Dieser Verwatlungsbezirk hat mehr als 1,3 Mio. Bewohner, was bedeutet, dass taeglich, von Montag bis Sonntag, morgends um 9 Uhr bis abends um 6 Uhr hunderte von Muellwagen das Gelaende befahren. Hinzukommen die Pick-Ups und andere Lastwagen von Firmen und Personen, die privat ihren Muell abladen.

Es waren aber die grossen zur Stadtverwaltung gehoerigen Lastwagen, die Ausloeser des am 3. Maerz 2008 angefangenen Streikes waren:

1. Es gibt keine festen Regelungen, die besagen, wo genau die Muellwagen den Muell abladen sollen. So geschah es, dass teilweise grosse Mengen direkt vor den Huetten der dort wohnenden Menschen abgeladen wurde und im Fahren der LKWs Muell abgeworfen wurde, wobei es sich mitunter um harte Gegenstaende handelte.

2. Die LKWs fahren mit unverantwortlichen Geschwindigkeiten, was besonders in Bezug auf den grossen Anteil der dort ansaessigen Kinder gefaehrlich erscheint, da kleine Kinder von den Fahrern aus ihren hohen Sitzen bekanntlich nicht sehr gut gesehen werden koennen und einfach schnelles Fahren keinen Vorteil hat, wo auch immer es sein mag.

3. Die fuer die Stadtverwaltung arbeitenden Muellmaenner beanspruchten fuer sich jegliche Materialien, die wiederverkauft werden koennen, wie Kupfer, Zink, Aluminium und Papier, ausser Plastikflaschen. Mit anderen Worten: Die Muellmaenner wollten selber das Material verkaufen, was am meisten Geld bringt, obwohl sie schon einen (wenn auch schlechten) bezahlten Job haben. Plastikflaschen kann man zur Zeit zum Kilopreis von 4 Cordobas verkaufen, das sind etwa 30 Flaschen zum Preis von umgerechnet 0,14 €, was auch im zweitaermsten Land der westlichen Hemisphaere nicht viel ist (Bohnen zum Beispiel, das Haupternaehrungsmittel der Nicaraguaner, kosten zur Zeit 17 Cordobas das Pfund).

Somit haben dann die Arbeiter und Bewohner der Chureca am Montag angefangen die Zufahrt zum ganzen Areal zu blockieren, sodass kein einziger Lastwagen mehr auf das Gebiet kommen konnte. Ein Disaster fuer die Stadt, die taeglich 82 t Muell produziert und von offizieller Seite kein Recycling betreibt.

Die Folgen waren a) das starke Verschmutzen der Strassen, die direkt zur Muellhalde fuehren, da viele LKW-Ladungen einfach vor dem offiziellen Eingang zur Muallhalde illegalerweise ihren Muell gelassen wurden, b) dass offizielle Muellwagen in anderen Gebieten den Muell lassen mussten und somit ein Geldschaden verursacht wurde. Ausserdem wurde natuerlich das Interesse der Medien geweckt...

Drei Tage spaeter – die „Loesung“

Nachdem dann die Presse und das Fernsehen an den darauffolgenden Tagen praesent war, der Streik nicht mehr absolut war, also LKWs ab Mittwoch wieder auf die Muellhalde konnten, wurde dann am Donnerstag, den 7. Maerz 2008, ein Abkommen unterzeichnet. Dieses Abkommen klaert, dass die fuer die Stadt arbeitenden Muellmaenner nicht mehr den „wertvolleren“ Muell fuer sich beanspruchen koennen, sondern ausschliesslich von den Arbeitern in der Chureca genutzt werden darf.

Waehrend die Oeffentlichkeit mit Bildern wie dem Unterschreiben des Vertrages vom Polizeichef des betroffenen Distriktes, dem Vizebuergermeister und vier Churequeros (Leute, die von der Chureca leben) sich beruhigt hat, wird von der Mehrheit der Churequeros die Unterschrift als nicht gueltig genannt.

Nach Aussagen der Bewohner seien die Personen, die die Unterschriften leisteten, nicht Teil der eigentlichen Chureca-Gemeinschaft, da diese auf kleinem Nivel organisiert sei, eine Kommission besitze, die aus 9 gewaehlten Personen bestehe. Da von den Unterschriftleistenden keine einzige Person aus dieser Kommission stamme, wurden somit am Samstag, dem 8.Maerz 2008, die Barrikaden wieder aufgebaut und keinem einzigen LKW mit Muell wurde die Einfahrt gewaehrt.

Aussichten???

Bleibt zu erwarten, was in den naechsten Tagen geschehen wird. Denn es steht fest, dass auf die Dauer eine Loesung gefunden werden muss. Der Schaden, der durch diesen Streik entsteht, wird die Stadt nicht lange aushalten koennen, sowohl von finanzieller Sicht aus als auch von moralischer. Denn wieviel dabei die sansinistische FSLN wirklich bewirken kann in Bezug auf das, was sie immer verspricht, naemlich dass das Volk regieren soll, wird evenetuell an diesem kleinen Beispiel deutlich, wenn noch nicht einmal die Stimme der Tausend Aermsten erhoert wird, die vom Muell leben.
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La Churreca ist besser bekannt, unter dem Namen der westlich davon gelegenen, auch Mülldeponie gewesene,
archaeologischen Fundstätte Acahualinca


googlemaps

 http://maps.google.com/maps?f=q&hl=de&geocode=&q=Managua&ie=UTF8&ll=12.161178,-86.311255&spn=0.038177,0.061798&t=h&z=14&iwloc=addr



Studie zur Grundwassersituation:

 http://lthtg.tg.lth.se/~tda/docs/Forsberg_Nilsson_Flyhammar_Dahlin_2006_EAGE-NS_P017.pdf


PET flakes

Die Schnitzel aus PET Flaschen können als Rohstoff zur Produktion von Polyester verwendet werden. Was den höheren Preis als den für Brennstoff erklärt.

 http://en.wikipedia.org/wiki/Recycling_of_PET_Bottles

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