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Minen-Besetzungen in Südafrika

Der Artikel beschäftigt sich mit zwei vor kurzem stattgefundenen Minenbesetzungen und den Herausforderungen, die die damit befassten ArbeiterInnen zu meistern hatten. Tatsächlich mussten sie während den Besetzungen nicht nur die Konfrontation mit den Bossen bewältigen, sondern auch noch die Auseinandersetzung mit den Bürokraten ihrer eigenen Gewerkschaften. Deshalb wirft der Artikel das Argument auf, dass der Kampf für die Selbstbefreiung der ArbeiterInnen nicht nur die Konfrontation mit der politischen und ökonomischen Elite bedeutet, sondern auch der mit der bürokratischen Klasse innerhalb der Gewerkschaften.

Jeder und jede mit der Geschichte Südafrikas Vertraute weiß, dass die Bergbauindustrie auf der extremen Ausbeutung der schwarzen ArbeiterInnen gegründet ist. Das berüchtigte Pass-System der Apartheid hat seinen Ursprung in den Bergwerken; während die Ghettos, die als Townships bekannt wurden, ihre Vorläufer in den niederträchtigen Verbundsystemen der Bergwerke haben. Sogar heute noch sind rassistische Vorurteile in den Institutionen des Bergbaus verbreitet. Die Tatsache, dass die Minen in Südafrika oft die schlimmsten Arbeitsbedingungen und die schlechtesten Sicherheitsbestimmungen weltweit aufweisen, sollte für sich selbst sprechen. Letztendlich sind es für die Bergwerksbosse nur die unbedeutenden 'Anderen', die da unten sterben.

Natürlich reflektiert der Bergbausektor in Südafrika nur die Einstellungen und Praktiken der breiten Gesellschaft. Die Elite des Landes als Ganzes behandelt die Mehrheit der Menschen mit blanker Verachtung, oder bestenfalls mit einem herablassendem Paternalismus. Für Bosse und Politiker sind die ArbeiterInnen und Armen in Südafrika bloßes Menschenmaterial für die Bergwerke des Landes, die Fabriken und die Wahlmaschinerie. Natürlich hat die Existenz in solch einem entmenschlichendem System berechtigterweise zu einer wachsenden Wut unter den ArbeiterInnen und Armen geführt. Diese Wut ist es auch, die sich oft im Kampf und direkten Aktionen entlädt - entweder im Protest der Gemeinden oder in wilden Streiks.

Mitte Januar entlud sich wieder einmal diese Wut, die die Menschen gegenüber dem System und der ausbeuterischen Elite haben; diesmal in der Form von zwei Arbeitsplatzbesetzungen bei Two Rivers und den Bokoni Platin-Minen. Am 20. Januar begannen ca. 150 Arbeiter in diesen Minen ihre Schicht mit einem wilden Streik [1]. In einem gemeinsamen Entschluss weigerten sie sich, die Minen zu verlassen, und entschlossen sich zu einer Besetzung. Ihre Forderungen waren simpel: sie verlangten die Auszahlung der Überstunden, die für den Dezember noch ausstanden, und sie verlangten dass ein rassistischer Manager gefeuert wurde [2].

Die Arbeiter die die Besetzung durchführten machten diese unabhängig von ihren Gewerkschaften. Die Aktionen der Arbeiter als solche basierten auf Eigeninitiative und Selbstorganisation. Als die Bürokraten von den Arbeitergewerkschaften - namentlich von der National Union of Mineworkers (NUM) und der Association of Mineworkers Union (AMCU) - von der Besetzung Wind bekamen, verdammten sie diese, anstatt sie zu unterstützen. Tatsächlich riefen beide Gewerkschaften dazu auf, die Besetzung sofort einzustellen und die Bürokraten von der NUM gingen sogar so weit, die Besetzer des Kidnappings von Gewerkschaftsmitgliedern zu beschuldigen. Sie riefen außerdem die Polizei dazu auf einzuschreiten, und die Besetzungen zu beenden [3]. Wie sich herausstellte, waren die angeblich gekidnappten NUM-Mitglieder aus eigenem Willen an den Besetzungen beteiligt.

Die Besitzer der zwei Minen - African Rainbow Minerals und Impala Platinum - verfolgten sofort eine Einschüchterungsstrategie und versuchten die Besetzer zur Aufgabe zu bewegen. Traditionelle Anführer wurden von den Unternehmen einberufen, um die Arbeiter zur Beendigung der Besetzung zu bewegen [4]. Als dies fehlschlug, erwirkten die zwei Unternehmen Gerichtsbeschlüsse, um die Arbeiter zu entfernen [5]. Die Arbeiter jedoch ignorierten die Gerichtsbeschlüsse und führten die Besetzungen fort.

Nichtsdestotrotz wurde am 22. Januar ein großes Polizeikontingent in die Bokoni-Mine geschickt mit der Absicht, die Besetzer mit Gewalt aus der Mine zu entfernen. Unter der Androhung von Gewalt beschlossen die Arbeiter schließlich die Besetzung aufzugeben [6]. Als sie vom Schicksal ihrer Genossen erfuhren, beschlossen die Arbeiter der Two Rivers Mine ebenfalls, wieder nach oben zurückzukehren. Während die NUM sagte dass sie sich mit Arbeitern und Management um eine Lösung der Umstände bemühen wolle, die die Arbeiter zur Besetzung veranlasste, sagte ein Sprecher der NUM auch, dass die Gewerkschaft froh wäre dass die Besetzung beendet wäre, und die Produktion bald wieder normal laufen könne [7].

Trotz der Niederlage waren die Aktionen der Arbeiter inspirierend und vielversprechend - besonders die direkte Aktion, Eigeninitiative und Selbstorganisation, die die Besetzungen ausmachte. Was nicht inspirierend war, ist dagegen die Handlungsweise der Gewerkschaftsbürokraten, die nicht nur ihre Mitglieder im Stich liessen, sondern auch noch aktiv gegen diese arbeiteten. So zeigten die zwei Besetzungen wieder einmal, dass die ArbeiterInnen in Südafrika nicht nur Bosse und Politiker gegen sich haben, sondern sich oft auch noch einem Feind in Form der Gewerkschaftsbürokraten gegenübersehen. Wenn die ArbeiterInnen sich selbst befreien wollen, werden sie nicht nur gegen Bosse und PolitikerInnen kämpfen müssen, sondern auch gegen die Gewerkschaftsbürokratie.

In der Tat ist was in Südafrika wirklich nötig ist, dass die ArbeiterInnen ihre Gewerkschaften von einer bürokratischen Klasse zurückerobern müssen, um diese in selbstverwaltete, radikaldemokratische, nicht-hierarchische und dezentralisierte Gewerkschaften umzuwandeln. In anderen Worten, Gewerkschaften die von unten nach oben von den Mitgliedern selbst, und nicht von den Bürokraten kontrolliert werden.

Es ist dieser Kampf, zu dem AnarchistInnen mit ihrem Wissen um anarchosyndikalistische Gewerkschaftsarbeit und Ideen der Selbstverwaltung, Selbstorganisation und Opposition zu Hierarchien erheblich beitragen können. Natürlich sind die Herausforderungen, die es bedeutet die existierenden Gewerkschaften in partizipatorische Organisationen umzuwandeln, immens.

Es ist nicht selten vorgekommen dass Gewerkschaften Offizielle aus ihren Haupbüros geschickt haben um in Versammlungen, wo über die Notwendigkeit von partizipatorischen, von unten nach oben organiserten Gewerkschaften gesprochen wurde, zu intervenieren, und diese in einigen Fällen sogar zu blockieren. Hinzu kommt, dass einige Gewerkschaftsbürokraten zu der Maßnahme gegriffen haben, Mitglieder die unbequeme Fragen über die wachsende Zentralisation innerhalb der Gewerkschaften stellen nicht nur kaltzustellen, sondern teilweise sogar auszuschliessen. Trotzdem ist der Kampf für selbstverwaltete, nicht-hierarchische, revolutionäre und radikaldemokratische Gewerkschaften lebendig - sei es durch die Umwandlung existierender und/oder der Organisierung neuer Gewerkschaften. Der Grund dafür ist, dass es ohne solche Gewerkschaften schwer sein wird erfolgreiche Arbeitsplatzbesetzungen durchzuführen, oder dass sich die ArbeiterInnen in einem Prozess der Selbstbefreiung hin zu einer wirklich freien Gesellschaft bewegen werden.


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*Notes*

[1] www.af.reuters.com/article/inestingNews/idAFJOE60JOBZ20100120 20th January 2010
[2] www.sowetan.co.za 20th January 2010
[3] www.af.reuters.com/article/inestingNews/idAFJOE60JOBZ20100120 22th January 2010
[4] www.news24.com 21st January 2010
[5] Lydenburg Mines Refuse to Surface. South African Press Association 21st January 2010
[6] www.af.reuters.com/article/investingNews/idAFJOE60L07G20100122 22nd January 2010
[7] www.af.reuters.com/article/investingNews/idAFJOE60L07G20100122 22nd January 2010

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