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Libertärer Entrismus - wo ist die FAU (CH) geblieben?

VON DER FAU (CH) IST NICHT MEHR VIEL ZU SEHEN, DIE SCHWARZROTEN FAHNEN WERDEN JETZT VON UNIA-AKTIVISTINNEN GESCHWENKT. ein Artikel aus der schweizer Zeitschrift ANTIDOT vom 6.7.07

Remo Hürlimann und Urban Hodel sind Menschen mit libertärem Hintergrund, das wird schnell klar, wenn man mit ihnen redet. Begriffe
wie «Basisdemokratie», «Reformismus », «Hierarchie» und «Anti-Kapitalismus » gehen ihnen nicht über die Lippen. Gleichzeitig gehören die beiden zum harten Kern der Unia-Jugend-AktivistInnen. Urban führt denn auch aus, dass die Unia-Jugend nicht nur klassische Gewerkschaftspolitik mache, «in Luzern beteiligten wir uns zum Beispiel an der Mobilisierung gegen das WEF, führten eine Infoveranstaltung zu Palästina oder etwa einen Literaturabend durch». Für solche Aktivitäten bietet die Unia mit ihren personellen und finanziellen Mitteln einen idealen Hintergrund. Die Unia wiederum kann sich mit ihrer aktiven Jugendgruppe als aktivistische, basisnahe und kämpferische Gewerkschaft präsentieren. So steht Jugendsekretär Jean-Christophe Schwaab (SP-Grossrat im Kanton Waadt) den kämpferischen Jungen vorwiegend positiv gegenüber: «Die Linke braucht interne Debatten über politische Strategien und Inhalte. Diese Leute der Unia-Jugend, die für eine gesellschaftliche Veränderung kämpfen, tun der Organisation gut.»

Basisgewerkschaft

Die Integration von Libertären in die grösste Schweizer Gewerkschaft wird allerdings nicht nur positiv gesehen.
So hält etwa Mathias Stalder von der Freien ArbeiterInnen Union (FAU) die Unia-AktivistInnen für naiv gegenüber dem Apparat: «Früher
oder später wird es zu einem Konflikt kommen. Das ist immer so, wenn Leute aus der radikalen Linken in eine reformistische Organisation eintreten.» Ihm schwebt eher eine starke Basisgewerkschaft ausserhalb der Grossgewerkschaften vor. «Wenn die aktiven Leute aus der Unia-Jugend dabei wären, wäre eine solche Gruppe ziemlich schlagkräftig. Es braucht nicht einen grossen Apparat, um einen kleineren oder mittleren Betrieb lahmzulegen, aber es braucht eine Basis, die auch bereit dazu ist.» In der Unia sei die Basis allerdings zu heterogen, um eine kämpferische Gewerkschaft aufzubauen. Dem stimmt auch Remo zu, hält aber fest, dass der Beitritt zur Unia erst ein Anfang sei. «Mein Ziel ist es, mitzuhelfen, die Unia in die Richtung einer wirklichen Basisgewerkschaft zu bringen.» Eine neue Gruppe aufzubauen, die über annähernd ähnliche Ressourcen und Potential wie die Unia verfüge, sei, wenn überhaupt möglich, eine Lebensaufgabe. Da erscheint es vielversprechender, sich einer bestehenden Gewerkschaft anzuschliessen und durch Aktionen neue Leute für eine Veränderung zu gewinnen, als sich mit jahrelanger struktureller Arbeit abzumühen.

«Unia braucht Veränderungen»

Zur Neugründung der Unia-Jugendgruppen kam es, weil verschiedene politisch aktive Leute einen neuen Ort für ihr Engagement suchten, führt Urban aus: «Für mich war die radikale Linke mit ihren Kleinstgruppierungen, die kaum ernstgenommen werden, keine Alternative. Die Unia bot als Organisation, die zur ausserparlamentarischen Opposition gehört und über ein grosses organisatorisches Potential verfügt, eine Perspektive.» Es sei aber klar, dass die Unia Veränderung brauche: «Der scheidende Präsident Vasco Pedrina hat die Unia als antikapitalistische soziale Bewegung bezeichnet, davon ist sie aber noch weit entfernt. Sie steht viel zu nahe bei der SP», hält Remo fest. Auch an Basisnähe mangle es der Grossgewerkschaft, das erlebe man, wenn man in eine Sprechstunde gehe.
Dies zu verändern ist allerdings für die Unia-Jugend-AktivistInnen nicht einfach. Auch die erfolgreiche Aktionszeitung koopera musste zuerst gegen internen Widerstand erkämpft werden. Eine Veränderung von innen heraus hält Matthias für unmöglich: «Sobald man in einer Organisation eingebunden ist, wird man vom Apparat geschluckt. Bis die Leute, die angetreten sind, die Organisation zu verändern, plötzlich selber im Kader.» Diese Gefahr sehen zwar auch Urban und Remo, allerdings sei die Unia-Jugend eine sehr selbstkritische Gruppe, für die ein solcher Prozess schwer vorzustellen sei. Ironisch an der Geschichte bleibt, dass der Apparat, der von der Unia-Jugend kritisiert wird, zu einem grossen Teil aus ehemaligen SAPlerInnen besteht, die einst selbst in die Gewerkschaft eingetreten sind, um diese von innen heraus zu verändern. 

aus: antidot nr. 11 - www.antidot.ch - WOCHENZEITUNG AUS DER WIDERSTÄNDIGEN LINKEN

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