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Leben nach dem Kapitalismus

Die nachfolgende Rede hielt Michael Albert in Rimini bei der Konferenz des Pio Manzu Instituts zum Anlaß der Verleihung der Medaille des Präsidenten der Rebublik Italien für seine Arbeit an Parecon.

Ihm wurde die Medaille mit folgenden Worten überreicht:

Medaille des Präsidenten der Republik Italien

Verliehen an Michael Albert durch das Internationale Wissenschaftliche Komittee des Pio Manzu Zentrums

Der höchst produktive amerikanische Ökonom Michael Albert ist der Autor einer kühnen, innovativen Wirtschaftstheorie welche es sich als Ziel setzt den egoistischen Wettbewerg in der Wirtschaft durch egalitäre Kooperation zu ersetzen.

Zusammen mit seinem Koautor Robin Hahnel, Wirtschafsprofessor an der American University in Washington D.C., hat er ein radikales Wirtschaftsmodell entwickelt und an die Öffentlichkeit gebracht, welches als partizipative Wirtschaft bekannt ist, und welches sowohl eine Alternative zum Kapitalismus bietet, als auch zum sowjetischen Modell des Realen Sozialismus.

In einer partizipativen Wirtschaft übernimmt Solidarität den Platz der Konkurrenz und Bezahlung für Arbeitszeit, Anstrengung und Unangenehmheit der Arbeit ersetzt Bezahlung für Besitz, Macht oder Produktionszahlen. Ebenso ersetzen Methoden der Selbstverwaltung autoritäre Entscheidungsstrukturen und eine neue Methode der Allokation genannt partizipative Planung ersetzt Märkte.

Um dieses Projekt der radikalen Veränderung [des derzeitigen] Produktionssystems von Privatunternehmen, welches höchst ineffizient ist, zu verwirklichen, setzt Michael Albert darauf, daß ArbeiterInnen und KonsumentInnen in Versammlungen gemäß den Prinzipien der partizipativen Selbstverwaltung agieren.

Das Pio Manzu Zentrum erkennt es an, daß diese radikale neue Theorie dieses amerikanischen Ökonoms die kraftvollste und am vollständigsten ausformulierteste Herausforderung für das derzeitige Modell des sozioökonomischen Denkens darstellt, und daß Alberts hervorragendste Bedeutung in der Tatsache liegt, daß er einen neuen Weg der wirtschaftlichen Organisation als umsetzbaren Vorschlag bietet.

Mikhail Gorbachev, Präsident des wissenschaftlichen Komitees

17. Oktober 2004

Leben nach dem Kapitalismus

Warum habe ich viel Zeit und Kraft der Beschreibung eines Wirtschaftsmodells gewidmet, das den Kapitalismus ersetzen soll?

Was hat dieses Modell für Eigenschaften, wie unterscheidet es sich von anderen Modellen, und was für Konsequenzen ergeben sich daraus.

Der Grund weswegen ich mich mit wirtschaftlichen Visionen befasse erklärt sich in den Worten des großen Ökonomen John Maynard Keynes so:

„[Der Kapitalismus] ist kein Erfolg. Er ist nicht intelligent, er ist nicht schön, er ist weder gerecht noch tugendhaft – und er liefert nicht die Güter [die wir brauchen]. Um es kurz zu fassen: Wir mögen ihn nicht, und wir beginnen ihn zu hassen. Aber wenn wir uns fragen durch was wir ihn ersetzen können, wissen wir nichts darauf zu antworten.“

Ich befasse mich mit wirtschaftlichen Visionen, um diese Ratlosigkeit überwinden zu helfen.

Kapitalismus ist Diebstahl.

Die harte und untergeordnete Arbeit des Großteils der BürgerInnen bereichert, in unglaublicher Weise, einige Wenige, die überhaupt nicht arbeiten müssen. In der Regel bekommen diejenigen weniger, die länger und härter arbeiten müssen. Wer kürzer und weniger hart arbeitet bekommt mehr.

Auf der Upper West Side von New York City trennt kaum eine Meile zwei Nachbarschaften, in der armen liegt das durchschnittlich verfügbare Einkommen bei 5.000 Dollar im Jahr, in der reichen bei ungefähr 500.000 Dollar im Jahr.

Die reichsten Menschen in den USA sind mehr wert als die Bevölkerungen ganzer Länder. Die ärmsten Menschen in den USA schlafen unter Brücken, von schäbigem Pappkarton geschützt, oder sie hören überhaupt auf zu leben.

Diese Kluft hat nichts mit Eifrigkeit oder Talent zu tun. Sie stammt aus sozialen Beziehungen welche die Vielen zwingt die Wenigen zu bereichern.

Kapitalismus ist Entfremdung, Kapitalismus ist asozial.

Im Kapitalismus sind es finanzielle Motive, die unsere Hanldungen bestimme, egoistische Motive, und keine sozialen Motive. Wir suchen nach Glück für uns allein, zum Schaden von anderen.

Es ist daher kaum überraschend, daß so eine asoziale Welt entstand, in welcher nette Menschen die Überreste bekommen.

In Spitälern in den USA sterben im Jahr etwa eine halbe Million Menschen an Krankheiten, die sie nicht hatten, als sie ins Krankenhaus gekommen waren. Das hat hauptsächlich mit Hygiene, und anderen Dingen die man verbessern könnte, zu tun.

Aber es gibt keine massive Kampagne um diese Leben zu retten. Das wäre nicht profitabel.

Hungertote in der Dritten Welt gibt es aus dem selben Grund: die Armen zu ernähren ist nicht so profitable wie die Reichen zu mästen.

Wie gesund wir sind, was für Nahrung wir zu uns nehmen, was für Stätten wir bewohnen, ergibt sich nicht daraus, daß versucht wird allen Gesundheit, ausreichend Nahrung und eine Wohnstätte zugänglich zu machen, sondern aus individuellem Profitstreben.

Die Logik der Wirtschaft sucht den Profit, nicht die soziale Gerechtigkeit. Etwaige Nischen für Schwache ergeben sich lediglich als unbeabsichtigtes Nebenprodukt, nicht weil das gewollt wäre, und sie entstehen nur selten.

Wie Keynes es ausgedrückt hat: „Kapitalismus ist die verblüffende Überzeugung, daß die schlechtesten Menschen die schlechtesten Dinge zum größten Nutzen aller tun“.

Kapitalismus ist autoritär.

In kapitalistischen Produktionsstätten haben diejenigen, die langweilige und abstumpfende Tätigkeiten durchführen, so gut wie gar keinen Einfluß auf ihre Arbeitsbedingungen, darauf, was produziert wird, und auf die Entscheidung, welchem Zweck ihre Anstrengungen dienen sollen.

Diejenigen, die Besitz haben, oder sich in machtvollen Positionen befinden, können beinahe ganz allein entscheiden.

Nicht einmal Stalin kontrollierte, wann es Menschen erlaubt ist Pausen zu machen, etwas essen können, oder das WC aufsuchen dürfen. Besitzer von Korporationen sind es heute gewohnt selbst diese Dinge zu regulieren.

Korporationen vernichten die Demokratie.

Kapitalismus ist ineffizient.

Im Kapitalismus werden die produktiven Fähigkeiten von etwa 80% der Bevölkerung verschwendet, indem sie dafür ausgebildet werden, sich an Langeweile zu gewöhnen, und Befehle auszuführen. Es wird nicht versucht ihre größten Talente zu entwickeln.

Es werden unzählbare Ressourcen dafür verschwendet, Verkaufsmaterial zu produzieren, das niemandem nützt. Es wird unglaublich viel Zeit dafür aufgewandt, die Durchführung der Arbeiten zu erzwingen, deren Einteilung aufgezwungen wird, und welcher daher Widerstand entgegengesetzt wird.

Kapitalismus ist rassistisch und sexistisch.

Rassismus und Sexismus sind zwar keine prinzipiellen Bestandteile dieser Wirtschaftsordnung, werden aber in der Folge von Konkurrenz auf Märkten von den Besitzenden verstärkt, wenn sie bestehende Rassen- und Geschlechtshierarchien ausnutzen.

Wenn die Durchsetzungskraft mancher durch außerwirtschaftliche Bedenken geschwächt wird, gibt das den Kapitalisten die Möglichkeit, ihre Ungerechtigkeiten noch zu verstärken.

Kapitalismus ist gewalttätig.

Das kapitalistische Streben nach Marktbeherrschung macht Länder zu Feinden.

Wer genug Waffen hat nutzt die Ressourcen und Bevölkerungen jener aus, welche sich nicht wehren können, und das führt oft genug zum Krieg.

Kapitalismus kennt keine Zukunft.

Märkte drängen auf kurzfristige Berechnungen, und Müll anderen aufzubürden, um Kosten zu vermeiden, ist in ihrer Welt ein unumgänglicher und einfacher Weg zu höherem Gewinn.

Deswegen können die Geldgierigen sich unaufhörlich bereichern, und ignorieren und verzerren nicht nur die Konsequenzen für die Arbeitenden und die Konsumierenden, sondern auch die Effekte auf die Umwelt und die Ressourcen von Morgen.

Wir sehen was so der Luft, dem Wasser und dem Boden angetan wird, und diese werden nur durch Umweltbewegungen geschützt, wenn sie ein vernünftigeres Verhalten erzwingen.

Ich könnte damit fortfahren, den morbiden Charakter des Kapitalismus detailliert vorzuzeigen, aber ich glaube nicht, daß das notwendig ist.

Im Jahr 2004 sind nur relativ wenige Menschen, durch ihre bevorzugte Stellung, so unmoralisch gemacht worden, oder durch ihre ausgeklügelte Erziehung so ignorant gemacht worden, oder von den Medien so erfolgreich verwirrt worden, daß sie nicht sehen, daß der Kapitalismus heute ein gigantisches Massaker durch die Kräfte der Ungerechtigkeit ist, unmenschlich in jeder Hinsicht.

Wie John Stuart Mill es formulierte: „Ich gebe zu, daß mich das Lebensideal jener, welche glauben, daß der gewöhnliche Zustand menschlicher Wesen der des Kampfes ist, nicht entzückt; [das Ideal jener, welche finden,] daß das gegenseite Niedertrampeln und Wegstoßen welches das momentane soziale System prägt, das wünschenswerteste Schicksal für die Menschheit darstellt.“

Aber was wollen wir sonst?

Partizipative Wirtschaft, oder Parecon [für participatary economics], baut auf vier institutionellen Prinzipien auf.

Erstens werden die Menschen in Parecon am wirtschaftlichen Leben durch inenandergeschachtelte Versammlungen teilnehmen, als Produzierende und Konsumierende, [Versammlungen von jener Art] wie sie immer wieder entstanden sind, wenn Menschen versucht haben ihre Wirtschaft selbst zu organisieren, was kürzlich in Argentinien geschah.

Was Parecon hier neues bringt, ist, daß die Versammlungen sich selbst verwalten.

Menschen sollten Entscheidungen in dem Maße beeinflussen, in welchem sie von ihnen betroffen sind.

Manchmal ist die geeignetste Variante von Selbstverwaltung, Wahlen durchzuführen, in welchen jede Person eine Stimme hat, und manchmal wird vielleicht eine andere Abstimmungsart verwendet, und manchmal wird die Entscheidung im Konsens getroffen werden, und manchmal wird vielleicht nur ein Teil der Bevölkerung über etwas abstimmen.

In Parecon hängt die Art, in welcher ein Beschluß gefasst wird, davon ab, wie die Selbstbestimmung aller Beteiligten am ehesten ermöglicht wird.

Solche selbstverwalteten Produzenten- und Konsumentenversammlungen haben natürlich wenig mit den hierarchischen Firmen zu tun welche wir heute ertragen müssen.

Zweitens wird die Entlohnung in Parecon von der Anstrengung abhängig gemacht, und nicht davon wieviel produziert wird oder wie mächtig man ist.

In einem Parecon verdienen wir mehr, wenn wir länger arbeiten, wenn wir härter arbeiten, oder wenn wir unter unangenehmeren oder gefährlicheren Bedingungen arbeiten.

Parecon lehnt es ab, daß jemand dafür bezahlt wird ein Privileg in der Tasche zu haben. Dafür gäbe es keine moralische Rechtfertigung, und wirtschaftlichen Anreiz böte dies auch nicht.

Parecon lehnt auch eine Rüpelwirtschaft ab, in welcher Menschen bekommen, was sie im Stande sind sich zu nehmen, wie in einer Marktwirtschaft.

Etwas kontroversieller, lehnt es Parecon auch ab, daß Menschen aus einer Wirtschaft soviel nehmen können sollten, wie sie selbst in Form persönlicher Arbeit beigetragen haben.

Wieviel wir produzieren hängt von vielen Faktoren ab, die wir nicht kontrollieren können: daß wir besseres Werkzeug haben, daß wir in einem produktiverem Umfeld arbeiten, oder daß wir etwas produzieren, was höher bewertet wird, oder daß wir angeborene Eigenschaften haben, welche unsere Produktivität erhöhen.

Wirtschaftliche Anreize müssen zur produktiven Arbeit verleiten wenn diese unangenehm ist. Bezahlung für Anstrengung macht moralisch und ökonomisch Sinn. Das Glück zu jene zu belohnen, die besseres Werkzeug oder bessere Gene haben, macht [moralisch, und auch wirtschaftlich] keinen [Sinn].

Drittens braucht die partitzipative Wirtschaft eine neue Art von Arbeitsteilung.

Wenn eine neue Wirtschaftsordnung den privaten Gewinn beseitigen würde und selbstverwaltende Versammlungen und Entlohnung für Anstrengung nutzen würde, aber zugleich die momentane Arbeitsaufteilung wie sie in Firmen und Korporationen geschieht beibehalten würde, wäre sie wenig weit gegangen.

Wenn 20% der arbeitenden Bevölkerung ein Monopol an Machtpositionen und angenehmer Arbeit haben, und 80% untergeordnete Funktionen zu erfüllen haben, die langweilig, verblödend und anstrengend sind, garantiert dies, daß erstere Gruppe – welche ich die KoordinatorInnenklasse nenne - über die zweite arbeitende Klasse herrschen wird.

Auch wenn Selbstverwaltung formell als Grundprinzip akzeptiert würde, würden die KoordinatorInnen aufgrund der Arbeit welche sie machen in jeder Diskussion bereits die Themen festgelegt haben, in Besitz der relevanten Informationen sein, geübte RednerInnen sein, und das Selbstvertrauen und die Energie verkörpern, welche notwendig sind um sich an der Entscheidungsfindung stark zu beteiligen.

Im Kontrast dazu würden die Arbeitenden aus der zweiten Klasse, ermüdet durch die Art von Tätigkeit welche sie auszuführen haben, zu den Versammlungen nur erschöpft und mit einem Gefühl der Machtlosigkeit kommen.

KoordinatorInnen würden die Entscheidungen treffen, und sich auch dafür entscheiden, sich selbst mehr zu bezahlen, die Versammlungen automatisierter ablaufen zu lassen, schließlich auch dafür die zweite Klasse auszuschließen, und die Wirtschaft ihrem Interesse gemäß zu orientieren.

Es geht schließlich um Klassen.

Im Kapitalismus bestimmen die EigentümerInnen über die Produktionsmittel. Sie stellen LohnsklavInnen an und entlassen sie wieder. Aber durch die Beendigung dieser Beziehung wird noch keine klassenlose Gesellschaft geschaffen.

Eine andere Gruppe als die BesitzerInnen, die auch durch ihre Positon in der Wirtschaft definiert ist, kann fast uneingeschrängkte Macht ausüben und sich selbst zu Lasten des Großteils der Arbeitenden stärken.

Um die Herrschaft einer Koordinierenden über die Arbeitenden zu vermeiden, ist es notwendig, die Aufteilung der Tätigkeiten, wie sie heute in Firmen und Korporationen stattfindet, mit neuen Ideen für die zur Festlegung von Arbeitsrollen zu ersetzen.

Parecon nennt dieses dritte institutionelle Prinzip ausgeglichene Arbeitsfelder.

Jeder in einer Gesellschaft wird unausweichlich irgendwelche Aufgaben erfüllen, ihre oder seine Arbeit.

Wenn die Wirtschaft eine hierarchische Arbeitsaufteilung einsetzt, werden unsere Aufgaben entweder mit sehr viel Macht verbunden sein, oder nicht einmal, oder kaum, Mitspracherechte bieten.

Im Kontrast dazu kombiniert eine partizipative Wirtschaft Tätigkeiten so zu Jobs, daß die mit einem Job verbundene Macht und Verantwortung genausoviel ist wie jene die mit irgendeinem anderen Job verbunden ist.

Wir kennen keine Aufteilung ManagerInnen und Untergebene mehr, keine Aufteilungen in MagazinherausgeberInnen und SekretärInnen, keine Aufteilungen in ChirurgInnen und KrankenpflegerInnen. Die Aufgaben welche diese Personen heute erfüllen werden in Parecon weiterhin erfüllt werden, aber die Arbeit wird anders aufgeteilt.

Natürlich werden manche Personen andere Menschen operieren und die meisten werden das nicht tun, aber jene welche ihr Skalpel schwingen werden auch Betten reinigen und den Boden aufwischen, oder bei anderen Spitalsaufgaben mithelfen.

Die im ganzen mit den neuen Aufgaben der Chirurgin verbundene Verantwortung, und das Gefallen welches man an diesen Tätigkeiten finden kann, wird durch ihre Ausgewogenheit im gesellschaftlichen Durchschnitt liegen. Sie hat jetzt ein ausgeglichenes Arbeitsfeld welches ihr die gleiche Verantwortung und Macht bietet und genauso interessant ist wie die neuen Aufgaben jener Person welche zuvor nur sauber gemacht hat.

Die Vorherrschaft von jenen welche ich die Koordinierenden nenne über alle anderen Arbeitenden wird nicht dadurch überwunden werden, daß die verantwortungsvollen Aufgaben eliminiert werden, oder dadurch, daß jeder nur noch das gleiche macht. Beide Optionen wären nicht nur irrational sondern auch unmöglich.

Auch wird die Herrschaft der Koordinierenden nicht dadurch gebrochen, daß langweilige und monotone Aufgaben einfach als äußerst wichtig bezeichnet und hoch angesehen werden, was möglich ist und versucht wurde, was aber strukturell nichts ändert.

Was die Herrschaft der Koordinierenden beendet ist die Durchmischung von verantwortungsvollen und langweiligen Aufgaben, so daß alle in der Wirtschaft involvierten Personen sich auch an den Entscheidungsfindungen beteiligen können, ohne durch eine besondere Rolle in der Wirtschaft irgendeinen Vorteil zu erlangen.

Und schließlich, viertens, was wäre wenn wir zwar viele Arbeitsstätten und Gemeinschaften hätten welche durch Produzenten- und Konsumentenversammlungen organisiert wären, welche selbstverwaltende Entscheidungsprozesse nutzen würden, welche alle ausgeglichene Arbeitsfelder hätten und welche nach Anstrengung bezahlen würden, wenn aber die gesamtwirtschaftliche Planung gleichzeitig durch Märkte geregelt werden würde?

Würde das eine beachtenswerte neue Vision sein?

Mit zentraler Planung würden sich die PlanerInnen durch die konzeptuelle und einteilende Art ihrer Arbeit auszeichnen, und sicherlich auch durch akedemische oder andere Titel.

Sie würden versuchen in jeder Arbeitsstätte einen Beauftragten zu haben mit welchem sie kommunizieren könnten und welcher für die Durchsetzung des zentral hergestellten Planes zuständig wäre, das wären Menschen welche ähnliche Sonderpositionen in der Gesellschaft einnehmen würden wie die PlanerInnen und mit ähnlichen Rechten zur Führung anderer ausgestattet wären.

Die Dynamik zentraler Planung ist so, daß die Befehle von oben nach unten kommen, dann die Informationen über die Aussicht diese Befolgen zu können von unten nach oben, darauf die abgeänderten Instruktionen nach unten, dann noch mehr Information hinauf, und schließlich schießen die endgültigen Befehle herab, und von unten kommt Gehorsam.

Es gibt eine Befehlskette, die Struktur ist autoritär, und wie wir in der Sowjetunion gesehen haben, tauchen als Konsequenz die Klassenunterschiede zwischen Koordinierenden und Arbeitenden wieder auf, in jeder Arbeitsstätte und in der gesamten Wirtschaft. Zentrale Plaung macht alle unsere bisherigen Erneuerungen zunichte und so müssen wir sie als ungeignetes Mittel für die Entscheidung der gesamtwirtschaftlichen Fragen betrachten.

Märkte sind ähnlich unzureichend, und es ist noch wichtiger deren Poblematik zu betrachten, da Märkte überall auf der Welt solche Befürwortung bekommen, oft sogar von Linken.

Erstens würden Märkte eine gerechte Belohnung zerstören, weil sie dafür bezahlen wieviel produziert wird oder wie mächtig man ist, und nicht dafür wie anstrengend eine Tätigkeit ist.

Zweitens würden Märkte Käufer und Verkäufer zwingen billig zu kaufen und teuer zu verkaufen, mit dem Ziel eines jeden einen jeden anderen möglichst auszunehmen, im Namen des privaten Glücks und sogar des privaten wirtschaftlichen Überlebens. Märkte untergraben die Solidarität.

Drittens hätten Märkte sogar ein Interesse daran Unzufriedenheit zu schaffen, da nur die Unzufriedenen kaufen, und wieder kaufen, und wieder. Wie der Generaldirektor der Forschungslabors von General Motors, Charles Kettering, es ausdrückte, müssen die Korporationen „unzufriedene KonsumentInnen“ kreieren; ihre Aufgabe ist die „organisierte Schaffung von Unzufriedenheit“. Seinen eigenen Rat befolgend führte Kettering jährliche Modelländerungen für Autos von General Motors ein – so geplant, daß die Autos schnell veraltet sind, und die Käufer mit ihrem Modell rasch unzufrieden werden.

Viertens legen Märkte falsche Preise für Transaktionen fest, welche nur ihre sofortige Wirkung für Käufer und Verkäufer in betracht ziehen, nicht aber jene berücksichtigt welche durch Verschmutzung durch das Produkt betroffen sind, aber andersherum auch keine etwaigen positiven Effekte auf die Umwelt miteinberechnen. Das bedeutet, daß Märkte andauernd dem ökologischen Gleichgewicht und der Nachhaltigkeit zuwiderhandleln.

Fünftens schaffen Märkte eine Umgebung in welcher jeder mit jedem konkurriert, in welcher Produktionszentren Kosten senken und ihre Marktbeherrschung ausweiten müssen – egal was das für Konsequenzen für andere hat.

Um zu tun was der Markt sie zu tun zwingt, hätten selbst neu organisierte Produktionsorte, mit selbstverwalteten Versammlungen welche gerechte Entlohnung und ausgeglichene Arbeitsfelder umsetzen wollen, keine andere Wahl, als ihre Einkünfte zu maximieren um mit ihren Konkurrenten gleichzuziehen oder sie zu überholen.

Wir müßten unsere Kosten auf andere abwälzen, wir müßten profitieren indem wir exzessiven Konsum anregen und wir wären gezwungen unsere Produktionskosten zum Schaden der Arbeitenden reduzieren.

Und weil für die Umsetzung solcher Dinge sowohl ein Manager-Denken in Begriffen wie Gewinn und Profit notwendig ist, und es für die Erzwingung solcher Entscheidungen auch notwendig ist, daß man selbst nicht von ihnen betroffen ist, müßten wir Leute anstellen welche gefühllos genug sind und nur die Geld im Kopf haben, Leute wie sie Businessschulen produzieren, und wir würden diesen ManagerInnen Büros mit Klimaanlagen und netten Umgebungen zur Verfügung stellen, und ihnen sagen, daß sie unsere Kosten senken sollen.

Ironischerweise würden wir auf Druck des Marktes uns selbst eine KoordinatorInnenklasse schaffen, nicht aus einem Naturgesetz heraus, und nicht weil wir uns unterwerfen wollen, sondern weil die Märkte uns zwingen Marktanteile zu gewinnen und es primär der Kostendruck ist der unsere Handlungen bestimmt.

Ich sollte vielleicht bemerken, daß alle diese speziellen Übel umso schlimmer werden, je ungehemmter der Markt agieren darf, oder wenn wir die heute bevorzugte Sprechweise benutzen, je freier Märkte sind.

Es hat selten, wenn überhaupt [zu einer anderen Zeit], Märkte gegeben welche so frei waren wie jene von Großbritannien im frühen neunzehnten Jahrhundert. Unter der Herrschaft dieses beinahe vollkommen freien Marktes jedoch, schrieb der Ökonom Robert Solow, „arbeiteten sich Kleinkinder bis zu ihrem frühen Tod in den Minen und Fabriken des Black Country ab“.

Solow fügt hinzu, daß „gut funktionierende Märkte keine Tendenz zeigen hervorragendes [Verhalten] in irgendeiner Form zu fördern. Sie bieten keinen Widerstand gegen Kräfte welche zu moralischem Verfall und einem Abstieg in die kulturelle Barbarei führen“.

Märkte können wir daher bei unserer Suche nach einer wünschenswerten Organisation der Wirtschafts aussschließen.

Was ersetzt also Märkte und zentrale Planung um die fundamentalen Eigenschaften der partizipativen Wirtschaft abzurunden?

Parecons Antwort heißt partizipative Planung.

Was wir anstelle von zentraler Planung und Konkurrenz innerhalb von Märkten brauchen, ist, daß informierte, sich selbst verwaltende, ArbeiterInnen und KonsumentInnen mit geeigneter Ausbildung und genug Selbstvertrauen, und mit sozialen Motivationen, miteinander diskutieren und verhandeln wieviel produziert und wieviel konsumiert wird, wobei jeder und jedem gleicher Zugang zu allen Informationen zusteht, und jede Person in jenem Ausmaß mitbestimmen kann, in welchem sie von der Entscheidung betroffen wird.

Was für ein System für die Planung einer Wirtschaft kann diese Forderungen erfüllen?

ArbeiterInnen- und KonsumentInnenversammlungen schlagen vor wieviel sie herstellen bzw. wieviel sie verbrauchen wollen; das machen sie mit den besten Informationen die sich ermitteln lassen, und stellen in diesem Prozeß Bewertungen der vollen sozialen Vorteile und Kosten der verschiedenen Möglichkeiten für alle zur Verfügung.

Die Versammlungen tauschen immer wieder ihre Meinungen aus.

Sie nutzen eine Vielzahl von einfachen Kommunikationshilfsmitteln, wie Preise, Planungsversammlungen, und anderen Mitteln welche es den Beteiligten erlaubt ihre Präferenzen auszudrücken, sie in Einklang zu bringen, und sie im Wissen der neuen Information über die Wünsche der anderen TeilnehmerInnen abzuändern.

Arbeitende und Konsumierende geben sowohl ihre persönlichen Präferenzen, als auch jene der Versammlungen denen sie angehören bekannt. Sie erfahren, was andere vorgeschlagen haben. Sie verändern dementsprechend ihre Präferenzen, in einem Versuch sowohl für sich eine erfüllende Arbeit zu finden, als auch zu einem gangbaren Plan für die ganze Gesellschaft zu kommen.

In jedem Verhandlungsschritt versuchen die Beteiligten ihr eigenes Wohl und ihre persönliche Entwicklung zu fördern, können ihren Komfort aber nur in Übereinkunft mit einem allgemeineren sozialen Fortschritt verbessern, und nicht indem sie andere ausnutzen.

Wie in jeder Wirtschaft berücksichtigen die Konsumierenden was für ein Einkommen sie haben, und wieviel das was sie beanspruchen wollen kostet, und wählen dann aus was sie wollen. Die Arbeitenden geben auf ähnliche Art bekannt, wieviel sie arbeiten wollen, in dem Wissen nach wieviel Arbeit von den Konsumierenden verlangt wird, und unter Berücksichtigung ihrer eigenen Wünsche was die Arbeitszeit betrifft.

Im Kapitalismus „müssen wir“, wie der berühmte Werbemanager Ernest Dichter sagt „moderne Ergebnisse der Motivationsforschung und der Sozialwissenschaften nutzen um Menschen erfolgreich unzufrieden zu machen [...]. Wenn du mit deinem Leben glücklich bist, wenn du dich darüber freust Zeit mit deinen Kindern zu verbringen, mit ihnen zu spielen und mit ihnen zu reden; wenn du die Natur magst [...] wenn du einfach gern mit Menschen sprichst [...] wenn du gerne ein unkompliziertes Leben führst, wenn du kein Bedürfnis danach verspürst mit deinen Freunden und Nachbarn zu konkurrieren – was für einen wirtschaftlichen Nutzen hast du dann?“

Aber in einem Parecon hat nicht nur niemand ein Interesse daran etwas zu einem zu hohen Preis zu verkaufen, es hat auch niemand ein Interesse daran im Interesse des Einkommens mehr zu verkaufen – denn für das Einkommen ist es egal wieviel verkauft wird. Und es gibt keine Konkurrenz um Marktanteile.

Die Motivation ist einfach genug zu machen und die Möglichkeiten zu entfalten ohne etwas zu verschwenden. Wir versuchen herzustellen was von der Gesellschaft akzeptiert wird und nützlich ist und dabei sowohl unsere eigenen Präferenzen als auch jene des Rests der Gesellschaft zu berücksichtigen, da der einzige Weg zu höherem persönlichen Komfort jener über allgemeinen höheren Komfort ist.

Verhandlungen geschehen in einer Folge von Planungsrunden. Alle Beteiligten haben ein Interesse daran die produktiven Potentiale effektiv zu nutzen um den Bedarf zu decken, denn jede und jeder bekommt einen gerechten Anteil des Produzierten und bekommt mehr, wenn insgesamt mehr produziert wird.

Alle Beteiligten haben auch ein Interesse an Investitionen, welche die unangenehmen Arbeiten reduzieren und die Qualität des durchschnittlichen ausgewogenen Arbeitsfeldes erhöhen, denn das ist die Qualität der Arbeit welche eine jede und ein jeder erlebt.

Ich kann bei einer zusammenfassenden Rede wie hier nicht alle Details von Parecon beschreiben, und nicht alle vielseitigen Mechanismen, und nicht zeigen, daß es ein Modell ist welches nicht nur wünschenswert ist sondern auch in die Realität umgesetzt werden kann.

Aber ich behaupte, daß Parecon nicht nur klassenlos ist und nicht nur Solidarität, Vielfältigkeit und Gerechtigkeit fördert, sondern daß Parecon auch alle Arbeitenden und Konsumierenden – sogut dies möglich ist – bei jeder wirtschaftlichen Entscheidung mitbestimmen läßt.

Paecon reduziert nicht die Produktivität sondern bietet angemessene und richtige Anreize soviel zu arbeiten wie die Menschen verbrauchen wollen.

Es bevorzugt nicht längere Arbeitszeiten, sondern läßt die Menschen selbst die Entscheidung treffen, ob sie mehr oder weniger arbeiten wollen.

Es macht nicht das was gerade am profitabelsten ist, was heute dazu führt, daß die Arbeitenden, die Ökologie, und sogar die Verbrauchenden irrelelevant sind, sondern orientiert die Produktion daran, was wirklich Vorteilhaft ist, wenn die vollen sozialen Kosten und der Einfluß auf die Umwelt berücksichtigt werden.

Parecon verzichtet nicht auf die menschlichen Talente jener welche heute ChirurgInnen sind, Musikstücke komponieren, oder auf andere Art komplizierte Tätigkeiten durchführen, wenn es fordert, daß sie zum Ausgleich auch weniger verantwortungsvolle oder weniger angenehme Tätigkeiten ausüben; sondern diese Bedingung bringt ein unbeschreiblich großes Reservoir an bisher ignorierten Talenten an die Oberfläche, während interessante und langweilige Tätigkeiten nicht nur gerecht aufgeteilt werden, sondern dies auch noch in Übereinstimmung mit den Prinzipien der Selbstverwaltung und der Klassenlosigkeit geschieht.

Parecon setzt keine sozialen und schon gar keine gottgleichen BürgerInnen voraus. Es ist eher so, daß es einen institutionellen Rahmen schafft, in welchem sogar Menschen welche bisher vollkommen egoistisch und antisozial gelebt haben das allgemeine soziale Wohl fördern müssen, um persönlich voranzukommen.

Im Kapitlismus versuchen Käufer und Verkäufer sich gegenseitig zu betrügen. Der Kapitalismus lernt Menschen asozial zu sein. Um vorwärts zu kommen muß jeder diese Lektion lernen.

Im Kontrast dazu wird durch das wirtschaftliche System genauso Solidarität unter den Menschen gefördert, wie Fahrzeuge, Häuser, Kledigung und Musikinstrumente produziert werden. Aufgrund der Logik der Bezahlung und der Planung stammt mein Vorteil von deinem Vorteil und vom sozialen Vorteil ab, anstatt daß diese Interessen sich gegenseitig Ausschließen.

Und schließlich, was macht die Befürwortung von Parecon für einen Unterschied für unser heutiges verhalten?

Als Margaret Thatcher sagte „Es gibt keine Alternative“ hat sie treffend das zentrale Hindernis des Großteils der Menschen welche eine bessere Welt suchen aufgezeigt.

Wenn eine Person wirklich glaubt, daß es keine bessere Zukunft gibt, dann wird sie verständlicherweise auf Rufe nach einem Kampf gegen Armut, Entfremdung und sogar gegen Krieg antworten, daß man sich ein Leben zulegen soll, aufwachsen soll und die Realität akzeptieren soll.

Jemand könnte sagen, daß man Krieg und Armut nicht bekämpfen kann, daß das eine sinnlose Aufgabe ist. Es ist so als würde man gegen den Wind blasen. Es ist so als wollte man die Schwerkraft abschaffen.

In diesem Kontext ist Parecon eine Vision mit dem Ziel Zynismus durch Hoffnung und Vernunft zu ersetzen. Es versucht klarzumachen, daß Kapitalismus nicht wie die Schwerkraft ist – wir können ihn ersetzen.

Bei der Verleihung der Medaille des Präsidenten der Republik Italien, welche ich gestern die Ehre hatte zu empfangen, wurde bemerkt, daß Parecon „die kraftvollste und am vollständigsten ausformulierte Herausforderungen für die derzeitigen Modelle des sozioökonomischen Denkens“ ist, und „einen neuen Weg der wirtschaftlichen Organisation als umsetzbaren Vorschlag“ bietet.

Es scheint mir klar zu sein, daß jeder der diese Meinung über Parecon gewonnen hat, wie verrückt kämpfen sollte, nicht um die derzeitigen Übel des Kapitalismus abzuschwächen, sondern um die Vorteile dieser neuen Art von Wirtschaft klarzumachen.

Wenn wir uns Filme ansehen und mutige Menschen aus der Vergangenheit auf der Leinwand sehen, wie sie gegen Sklaverei, oder gegen die Unterdrückung von Frauen, oder gegen Kolonialismus, oder für Frieden und Gerechtigkeit und gege Diktaturen kämpfen, fühlen wir ganz richtig Sympathie und Bewunderung für diese Taten.

Die BekämpferInnen der Sklaverei, die Menschen welche sich für das Wahlrecht für Frauen einsetzten, die GewerkschaftsorganisatorInnen, die AntiapartheitsaktivistInnen, all jene welche Freiheit und Würde anstreben sind Helden für uns.

Es scheint mir so, als sollten wir nicht etwas bewundern, und dann selbst vermeiden das gleiche zu tun.

Wenn wir es bewundern gegen Ungerechtigkeit zu kämpfen, sollten wir selbst gegen Ungerechtigkeit kämpfen.

Wenn wir es bewundern wenn Menschen eine bessere Welt anstreben, sollten wir selbst eine bessere Welt anstreben.

Wenn wir es bewundern wenn Ausbeutung, Entfremdung, Beherrschung und deren gewalttätige Aufrechterhaltung abgelehnt werden, sollten wir selbst für ein Wirtschaftsmodell und eine gesellschaftliche Struktur eintreten und für diese kämpfen, welche diese Übel abschaffen wird.

Ich glaube, daß die partizipative Wirtschaft eine solche Wirtschaftsordnung ist, und ein Teil einer neuen Gesellschaft sein sollte.

Danke für ihre Aufmerksamkeit.

Übersetzt von: Matthias

'Poland Watch' interviewt Michael Albert zu Parecon

von Michael Albert und Mariusz Doszyn

Die Folgen der sogenannten ‘Globalisierung’ - die wohl eher ein ‘Übereinkommen für Investorenrechte’ ist -, sind in Polen überdeutlich sichtbar. So traf Hundai vor einigen Tagen die Entscheidung, mehrere neue Werke in der Slowakei zu bauen - und nicht in Polen - aus dem einfachen Grund, weil die Löhne in der Slowakei niedriger sind und die Gewerkschaften weniger zu sagen haben. Was würden Sie den Menschen in Polen raten, die etwas gegen diese Art des “Globalisierungs”-Prozesses tun wollen, Menschen, die nicht die Möglichkeit haben, an WSFs oder ähnlichen Events teilzunehmen? Gibt es überhaupt eine Chance auf Wandel, wenn in anderen Ländern der Region die neoliberalen Reformen so schnell umgesetzt werden?

Wenn ich ehrlich bin, kann ich keinen Rat geben, wie die Leute in Polen sich am besten organisieren. Der Kontext, mit dem ich mich auskenne, unterscheidet sich sehr stark vom Kontext hier. Was ist strategisch am sinnvollsten? Immer eine sehr kontextabhängige Frage. Andererseits gibt es Dinge, die praktisch universell sind. Ganz entscheidend ist jedenfalls, dass man sich auf möglichst breiter Basis auf Themen verständigt, für die die Bewegung eintreten soll. Und anschließend ist sehr entscheidend, dass die gemeinsame Linie möglichst Verbreitung findet. Gemeinsames Engagement ist wichtig, die Leute müssen bereit sein, Organisationsarbeit zu leisten, zu agitieren und natürlich zu demonstrieren, um die sozialen Kosten für die Eliten hochzutreiben, damit sie sich den Forderungen beugen. Ansonsten bin ich überfragt - etwa in der Frage, welche Forderungen Sinn machen, sobald die Bewegung steht und in der Lage ist, auf Wandel zu drängen, oder wie man Verbindungen zwischen polnischen Bewegungen und Bewegungen in anderen Ländern der Region herstellt, wie man das am besten bewerkstelligt.

Sie und Robin Hahnel haben ein partizipatives Wirtschaftssystem (Parecon) entworfen, ein ökonomische System, basierend auf Werten wie Gerechtigkeit, Solidarität, Selbstverwaltung, Entlohnung für Einsatz und Opferbereitschaft (sacrifice). Können Sie uns die Grundideen von Parecon erläutern? Wie hat man sich den Übergang zu Parecon vorzustellen? Wie könnte das für Polen aussehen?

Also in Kürze - das Wirtschaftssystem, das wir vorschlagen, Parecon, basiert auf mehreren definierenden Schlüsselinstitutionen: (1) Es gibt Arbeiter- und Konsumentenräte sowie Räte-Föderationen. Innerhalb der Räte bzw. der Räte-Föderationen finden Entscheidungsprozesse statt. Diese und ihre Methodik zielen darauf ab, jedem/jeder Beteiligten den Entscheidungseinfluss zu geben, der seiner/ihrer Betroffenheit von der Entscheidung proportional entspricht. (2) In entsprechender Weise ersetzt Parecon die Konzern-Arbeitsteilung. Rund 20% der Bevölkerung monopolisieren Jobs und (Arbeits-)Bedingungen, die empowern bzw. eher angenehm sind, während für die restlichen 80% nur langweilige, häufig gefährliche, mechanische Arbeit übrigbleibt, also Aufgaben, die sicher eher weniger Befriedigung und Macht mit sich bringen. Das wird bei Parecon durch sogenannte ‘ausgeglichene Job-Komplexe’ ersetzt. Für alle Arbeitenden sieht Parecon einen Mix aus Aufgaben und Pflichten vor, aus dem sich der Job insgesamt zusammensetzt. Die Arbeit bietet Tätigkeiten, die empowern und solche, die nicht empowern. Angenehme und weniger angenehme Tätigkeiten wechseln fair ab. Unterm Strich lässt sich bei Parecon, was die empowernde Wirkung angeht, also jeder Job mit jedem andern vergleichen. Auf diese Weise wird eine Spaltung in eine Koordinatoren-Klasse (siehe die herrschende Klasse im alten (kommunistischen) Polen) und eine Arbeiterklasse vermieden. Die Klassenhierarchie wird beseitigt - indem man die unterschiedlichen Arbeiten gleich und gerecht verteilt.

(3) Hinzu kommt - es wird Lohn für Leistung und Lohn für Opferbereitschaft (sacrifice) geben. Unser Einkommen wird sich danach richten, wie hart wir arbeiten bzw. wie unangenehm unsere Aufgaben sind (was in einem ausgeglichenem Verhältnis stehen sollte). Wir werden nicht als Besitzende bezahlt werden, auch nicht für unsere Macht, ja noch nicht mal für unsern Erfolg. (4) Letzter Punkt: Marktwirtschaft und/oder zentrale Planwirtschaft würden die Räte-Selbstverwaltung zwangsläufig unterminieren, sie würden ausgeglichene Job-Komplexe und eine Vergütung nach Anstrengung und Opferbereitschaft abschaffen. Beides (der Markt und/oder zentrale Planwirtschaft) verzerrt zudem die Preisgestaltung, fördert Klassenunterschiede und eine antisoziale Haltung - von anderen Mankos ganz zu schweigen. Parecon ersetzt Markt- bzw. zentrale Planwirtschaft daher in der Frage der Verteilung durch sogenannte ‘partizipative Planung’. Das heißt, Arbeiter- und Konsumentenräte handeln die ökonomische Verteilung kooperativ aus. Allen Beteiligten wird ein angemessenes, eigenverantwortliches Mitspracherecht eingeräumt. Die Preise entsprechen den tatsächlichen sozialen Kosten bzw. dem tatsächlichen sozialen Nutzen. Sehen Sie, ich behaupte, Parecon wird nicht nur primär dazu dienen, auf effiziente Weise Bedürfnisse zu befriedigen und Potenziale zu entwickeln - indem dies geschieht, fördert Parecon nämlich gleichzeitig Solidarität, Gerechtigkeit, Selbstverwaltung und Diversität. Was für ein dramatischer Kontrast zu bestehenden Ökonomien - die ein paar Wenige auf Kosten der Mehrheit reich machen, die unsoziale Verhaltensweisen produzieren und krasse Ungleichheit; Entscheidungen werden homogenisierend vorweggenommen, die erzwungenen Entscheidungsprozesse sind stark autoritär.

Aber wie erreicht man eine derartige neue Wirtschaft - Parecon? Ich glaube, das funktioniert mit möglichst großen, engagierten Bewegungen, in deren Mittelpunkt Arbeiter- und Konsumentenräte stehen - sie sind der entscheidende Schlüssel zur Selbstorganisierung - dann natürlich durch möglichst viele Parecon-Projekte und Firmen, in denen Parecon weiterentwickelt wird, in denen man mit der Idee experimentiert. Dies wird eine Reihe von Veränderungen bewirken - Veränderungen, von denen jede das Los unserer unterdrückten Klientel verbessert -, was wiederum den beteiligten Bewegungen Macht und weiteres Engagement einbringt. Zum Schluss wird man gemeinsam die Wirtschaft übernehmen. Denken wir nur an Argentinien, was dort in letzter Zeit geschehen ist - wären die einzelnen Bewegungen stärker und die Zielvorstellungen klarer gewesen, viele wichtige Elemente eines solchen Prozesses wären dort deutlich und im großen Bild zum Vorschein gekommen.

Sie sind ein Markt-Abolitionist. Nach unseren Erfahrungen mit zentraler Planwirtschaft werden solche Vorstellungen heutzutage in Polen als Ketzerei betrachtet. Können Sie Ihren Standpunkt etwas erläutern?

Die Tatsache, dass die zentrale Planwirtschaft ein Desaster war, ist noch lange kein Markt-Argument. Es ist lediglich ein Argument gegen zentrale Planwirtschaft. Wenn ein Fläschchen auf dem Regal Gift enthält, greifen Sie ja auch nicht sofort zu dem daneben und denken, was für eine tolle Nährlösung. Sie werden erst mal testen, welche Eigenschaften die neue Substanz besitzt - unabhängig von den schädlichen Eigenschaften der alten, die sie nicht mehr wollen. Schließlich könnte ja in beiden Fläschchen Gift sein. Genauso verhält es sich mit Marktwirtschaft und zentraler Planwirtschaft. Beide Verteilungs-Ansätze sind “Gift” für die Menschen, für ihr Wohlergehen und ihre Entwicklung. Denn, beide Ansätze erzwingen eine Gesellschaft, die in eine Koordinatoren-Klasse und eine Arbeiterklasse gespalten ist - wobei Erstere über Letztere herrscht. In Polen gab es zentrale Planwirtschaft, die Wirtschaft funktionierte extrem schlecht, okay. Aber in Jugoslawien, zum Beispiel, gab es einen Markt und keine zentrale Planwirtschaft, und die Wirtschaft lief trotzdem extrem schlecht. Märkte sind immer schlecht - aus einer Vielzahl von Gründen heraus. Und selbst wenn sie nicht im Privatbesitz wären - was ja ihr Manko verstärkt und zu zusätzlichen Problemen führt -, Märkte zwingen Käufer und Verkäufer zu antisozialem Verhalten, zu einer antisozialen Haltung. Der Markt garantiert Produktion im Sinne des Surplus - und nicht im Sinne eines zufriedenstellenden Nutzens. Marktwirtschaft erzeugt extreme Preisverzerrung bei Produkten, deren Effekt nicht nur unmittelbar Käufer und Verkäufer angeht (am deutlichsten sichtbar bei Waren, die die Umwelt verschmutzen oder andere offensichtliche ‘Nebenwirkungen’ haben). Märkte sorgen dafür, dass Geschmäcker und Vorlieben pervertiert werden - sodass das Private den Vorzug über das Öffentliche gewinnt und neue Bedürfnisbefriedigung entsteht, wo das alte vielleicht viel, viel besser war. Der Markt verstößt gegen das Prinzip der ökologischen Nachhaltigkeit - indem Problematisches billig verkauft wird bzw. durch kurze Haltbarkeitsfristen. Märkte oktroyieren uns Klassenunterschiede und Klassenherrschaft auf.

Aber - es gibt keinen Grund, diese Probleme einfach in Kauf zu nehmen. Nur, weil wir zentrale Planwirtschaft hassen, brauchen wir uns noch lange nicht für Marktwirtschaft zu entscheiden. Wir würden ja auch kein Arsen in den Tee oder Kaffee schütten, nur, weil uns Süßstoff extrem schlecht bekommt. Den Vergleich meine ich wörtlich. So übel zentrale Planwirtschaft auch gewesen sein mag, der Markt ist das weit größere Übel (auf dem Hintergrund Ihrer Erfahrungen mag sich das vielleicht seltsam anhören, aber man darf nicht vergessen, Polen hatte neben zentraler Planwirtschaft auch noch ein äußerst autoritäres Politsystem. Der Horror des alten Systems hängt größtenteils mit Letzterem zusammen und nicht mit Ersterem). Der Grund, weshalb wir uns nicht zwischen zentraler Planwirtschaft und dem Markt entscheiden müssen, es gibt Alternativen - andere Möglichkeiten der Verteilung. In einer guten Ökonomie hieße die Verteilungsvariante der Wahl ‘partizipative Planung’.

In Polen sagen viele Leute, die Märkte sind zwar oft schlecht, aber eben wenigstens effizient. Was würden Sie den Leuten antworten, die glauben, ein anderes Wirtschaftssystem (zum Beispiel Parecon) könne nicht effizient funktionieren?

Nun, der erste Punkt, Märkte sind in Wirklichkeit gar nicht effizient - außer, man glaubt, Profitmaximierung für einige Wenige sei der primäre, vielleicht sogar einzige Wert, der zählt. Nein, es ist nicht effizient, die Möglichkeiten von rund 80% der Bevölkerung total verkümmern zu lassen. Es ist nicht effizient, Gesundheit und Unversehrtheit eines Großteils der Bevölkerung auf dem Altar der Profitmaximierung zu opfern. Es ist nicht effizient, gegen ökologische Belange zu verstoßen, usw.. Effizienz würde bedeuten, man verfolgt eine Zielsetzung, ohne dass dabei Wertvolles auf der Strecke bleibt - oder wir einen anderen schmerzlichen Preis zahlen müssen. Der Markt erzeugt Profite für Besitzer und opfert dafür das öffentliche Wohl, er opfert die Gesundheit der Arbeitenden, das Wohlergehen aller, usw.. Und die Besitzer scheren sich einen Dreck um diese Verluste. Gut, also, legen wir das Wertesystem der Besitzer zugrunde - dann wäre der Markt tatsächlich effizient. Auch die Sklaverei war ja effizient - in der Logik und der berechnenden Moral der Sklavenhalter, denen die Folgen für die Sklaven völlig egal waren. Für den großen Rest von uns gilt: Der Markt ist nicht nur nicht effizient sondern absolut ineffizient. Die Ziele des Markts lassen sich mit unseren elementarsten Interessen nicht in Einklang bringen. Sie schädigen unsere Interessen in horrender Weise. Der Markt geht verschwenderisch mit Werten um, die uns am Herzen liegen, mit unserer Umwelt zum Beispiel, der Markt vergeudet unsere Fähigkeiten, usw..

Die Kritik an der Effizienz (des Markts) wäre noch weiter fortzuführen - aber was ich oben gesagt habe, ist das Wichtigste, was wir erkennen sollten. Besitzer scheren sich zudem nicht direkt um die Ratio Output/Kosten oder um ökologische Nachhaltigkeit. Nehmen wir einmal an, eine Firma hat die Möglichkeit, ein besseres Input-Output-Verhältnis zu erzielen, mit einem Ansatz, der die Belegschaft massiv empowert und ihr so - durch mehr Einkommen - einen größeren Anteil am Surplus verschafft, wodurch natürlich weniger für den Besitzer abfällt: der Besitzer wäre gegen diesen Ansatz. Er würde die günstigere Input-Output-Ratio der Maximierung des eigenen Profits opfern. So etwas passiert ja ständig. Ebenso verzerrt der Markt die Preise für Autobenzin - im Faktor 1 zu 9 etwa (das heißt, wenn Benzin $1 kostet, würde man bei einer ehrlichen, sozialen Kosten-Nutzen-Kalkulation $9 berechnen müssen). Aber der Markt schert sich nicht um schädliche Folgen - für die Luftreinheit, für die Gemeinden, usw.. Das gilt übrigens für viele Produkte. Hier wird unglaublicher Schaden angerichtet, die Bevölkerungung leidet - aber weil im Interesse des massiven Profitstrebens, geht alles munter so weiter. Das nennt man Effizienz. Anders gesagt, die ‘unglaublich effizienten Märkte’, wie sie die Proganda feiert, sind in Wirklichkeit Preisverzerrer - und das gilt für so gut wie alle Waren und Dienstleistungen. Die Märkte verfolgen ihre Ziele mit moralischen Scheuklappen. Die institutionellen (immanenten) Folgen ihres Tuns: Sie zerstören Werte, die uns teuer sind - zum Beispiel unsere Gesundheit, ja selbst unser Überleben. Dass viele den Eindruck bekommen, der Markt sei zumindest effizient, zeigt nur, wie massiv unser Schulsystem bzw. die Medien unsere Wahrnehmung bezüglich des eigenen Lebens verzerren.

Aber zurück zu Parecon. Man müsste das alles natürlich viel ausführlicher darlegen*, damit es einleuchtet. Im Hinblick auf Produktion (und Konsum) ist Parecon-Motivation: Die Bedürfnisse aller müssen befriedigt werden, deren Potenziale realisiert - im Gegensatz zu Profit für relativ Wenige. Die Preise werden den eigentlichen sozialen Kosten / dem sozialen Nutzen angepasst. Auf diese Weise beziehen die Verteilungskriterien die eigentlichen Folgekosten mit ein. So gesehen ist Parecon effektiv - im Sinne der Ziele, die die Menschen sich frei wählen und im Sinne eines proportionalen Inputs. Parecon lässt Werte oder Ziele, die für Menschen wichtig sind, nicht vor die Hunde gehen, treibt nicht Schindluder damit. Anders gesagt, Parecon ist wirklich effizient - natürlich nicht von der moralisch kurzsichtigen Warte einer kleinen Elite aus, sondern vom informierten Standpunkt aller Mitglieder der Bevölkerung. Nochmal: Mir ist klar, was ich hier sage, ist nicht umfassend, ist lediglich ein Plädoyer für ein Modell - aber wäre toll, wenn es realisiert würde. Was ich hoffentlich vermittelt habe, ist, dass man sich die Sache genauer anschauen sollte - um selbst herauszufinden, ob das Ganze etwas taugt*.

Derzeit wird in Polen über die Umsetzung einer Politik diskutiert, die hauptsächlich darauf abzielt, bei den sozialen Ausgaben (der größte Brocken) sowie bei Verwaltungskosten einzusparen. Das Ganze nennt sich ‘Hausner-Plan’. Ohne dessen Umsetzung wird es sehr wahrscheinlich zu einer Finanzkrise kommen. Die Gefahr einer Krise ist so massiv, weil das Haushaltsdefizit sehr groß ist und die Investoren “unruhig” werden. Natürlich interessiert keinen aus dem Establishment die Meinung der einfachen Leute - wie nicht anders zu erwarten. Minister Hausner sagt, die Gesellschaft habe ihm ‘kalte Konzession’ erteilt. Also sei doch alles in Ordnung. Was sollte Ihrer Meinung nach geschehen? Sollte der Plan umgesetzt werden?

Wenn der Plan von der Regierung kommt, halte ich es für zweifelhaft, dass er irgendetwas anderes darstellt als den Versuch, die Mechanismen, die ein paar Reiche - auf Kosten der Mehrheit - noch reicher machen, weiter zu verankern. Es sei denn, der Plan besteht aus Forderungen der Arbeitenden und der Konsumenten und ist daher gegen die Tendenzen von Regierung und Eliten gerichtet. Ich kenne die Einzelheiten des Plans nicht und auch nicht en détail die Situation in Polen. Also, tut mir leid, mehr als diese allgemeine Überlegung kann ich kommentierend nicht beisteuern.

Manche sind der Meinung, die Situation in Polen entwickle sich ähnlich wie in Argentinien oder Brasilien. Rund 60% der Polen leben in Armut. In Großstädten (wie Szczecin und Krakau) gibt es jetzt Armenviertel, in denen die Menschen in Alkoven leben. Von der enormen Korruption ganz zu schweigen. Glauben Sie, das Szenario Argentinien könnte sich hier in Polen wiederholen?

Ich denke, überall in Osteuropa - auch in der ehemaligen Sowjetunion - hat die Öffentlichkeit geglaubt, wenn das alte System erst überwunden ist (ich spreche in diesem Zusammenhang immer von Koordinatoren-Ökonomien - zu denen ein autoritäres politisches System gehörte), werde man sich zu so etwas wie Spanien oder Italien entwickeln oder Kanada. Inzwischen geht den meisten Menschen der Region auf, dass für sie wohl eher ein Schicksal wie Brasilien oder Argentinien vorgesehen war - meiner Meinung nach sogar eher das Schicksal Guatemalas, das war von Anfang an der Gradmesser. Zumindest für die meisten ehemaligen Ostblock-Länder trifft das zu. Wenn Sie allerdings darauf anspielen, ob ich glaube, die Menschen Polens könnten in nächster Zeit gegen die Bedingungen rebellieren, die ihnen aufoktoryiert werden - als Aktivisten, wie das in letzter Zeit so charakteristisch für Argentinien war -, beziehungsweise, dass sie sich an der Wahlurne zur Wehr setzen, wie in Brasilien, ich weiß es nicht, hoffe es aber. Und ich hoffe, es wird nicht dabei bleiben sondern weitergehen.

Sie haben ‘Southend Press’, Z Magazine und ZNet mitbegründet. Welchen Rat geben Sie Leuten in Polen, die alternative Medien schaffen wollen? Was sollte man vermeiden, was ist Ihrer Meinung nach das Wichtigste?

Aufgrund des unterschiedlichen Kontextes ist das natürlich wieder so eine schwierige Frage. Aber manche Dinge lassen sich vergleichen. Für ein alternatives Medium ist meiner Meinung nach wichtig, dass man Projekte schafft, die so weit als möglich mit den Werten übereinstimmen, für die man steht, so dass das operierende Projekt nicht in Gegensatz zu den Zielen gerät. Analog sollte man nicht einfach die Mainstream-Institutionen nachahmen sondern versuchen, neue Institutionen aufzubauen, mit neuen Strukturen, die die Werte verkörpern, denen man sich verpflichtet fühlt - in meinem Fall heißt das zum Beispiel, ich baue Projekte auf, die die Strukturen und Normen von Parecon verkörpern. Ich kann daher nur empfehlen: Alternative Instutionen sollten selbstverwaltet sein, sie sollten ausgeglichene Job-Komplexe bieten, eine Vergütung auf der Grundlage von Anstrengung und Opferbereitschaft (sacrifice), usw.. In den Institutionen, die Sie ansprechen, versuchen wir das alles zu realisieren - mit großem Erfolg - auch wenn unsere Ressourcen gering sind. Ich denke, das wäre andernorts auch möglich.

Anmerkung der Übersetzerin

Siehe: ‘Parecon - Life after Capitalism’ - ein neues Buch, in dem Michael Albert seine Vorstellungen ausführlich darlegt.

Übersetzt von: Andrea Noll
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