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Kritik an der christlichen Inititative "Für Saubere Kleidung"

Der folgende Text ist ein Gastbeitrag (AutorIn ist uns bekannt) in dem Kritik geübt wird an die oben genannte christliche Initiative.
Die christliche Vereinigung "Für Sauber Kleidung" weist nicht nur das
offenkundige grammtikalische Defizit auf, ihren eigenen Namen nicht korrekt
zu schreiben. Sicher steht es der Initiative frei sich dieser Lächerlichkeit
auszusetzen, was jedoch zwangsläufig dazu führt, dass sich auch geneigte
Leser mit der Frage befassen, in wie weit die Publikation als solche ernst zu
nehmen ist.

Die Organisation kritisiert, dass die Metro Group einen Lieferanten, der auf
Grund eklatanter Verstösse gegen die Gesetze seines Landes - Bangladesh -
öffentlich gerügt worden ist, einfach ausrangiert und gegen den nächst besten
anderen - ebenso billigen und Arbeiterrechte ignorierenden - Lieferanten
ersetzt. In "logischer Konsequenz" fordert die Organisation den Konzern auf,
dort für die Arbeiterrechte einzutreten und dem Lieferanten humanere
Bedingungen aufzuzwingen. Ich frage hier nur rhetorisch, welches Denken einer
solchen Folgerung zu Grunde liegt. Seit wann sind Konzerne an Arbeiterrechten
interessiert? Ist das die christliche Realität von morgen? Ich mag das nicht
beantworten, meine Kristallkugel ist in der Spülmaschine.

Sei es drum, betrachten wir die kapitalistische Realität von heute, die ist
wenigstens belegbar.

Die Lebenshaltungskosten steigen beständig, insbesondere die Energiepreise
schlagen sich vielfältig in der Teuerungsrate nieder. Die Löhne hingegen
halten da nicht mit. Immer mehr Menschen leben von ALG II welches nur in
Abständen um einen willkürlich festgesetztzen Kleckerbetrag erhöht wird,
weshalb die darauf Angewiesenen häufig kaum in der Lage sind ihre Heiz- und
Stromkosten zu decken. Kleidergeld gibt es nicht mehr. Alle Anschaffungen
müssen vom Regelsatz angespart werden. Geringsverdiener haben oft nicht mehr
als das Existenzminimum. Alle diese Menschen sind gezwungen sich Kleidung
anzuschaffen. Was sollen sie also kaufen? Was sie sich leisten können.
Discountkleidung wird in der sogenannten "Dritten Welt" hergestellt, was
impliziert dass diese "Welt" sehr weit entfernt liegt. Fakt ist aber, dass
hierzulande Arbeitgeber davon profitieren, uns gegen die dortigen Arbeiter
auszuspielen indem wir gezwungen sind den billigen Ramsch zu erwerben und
damit unmenschliche Arbeitsbedingungen in "Entwicklungsländern" zu
zementieren. Der Zusammenhang ist unübersehbar. Wir kaufen ja auch beim
Lebensmitteldiscounter weil wir es müssen und sehen dort schlecht bezahlte
Angestellte ihren Job tun. Diese kaufen dann auch beim... eben. Mehr muss man
ja nicht verdienen, es gibt ja beim Billigheimer Frass für ein paar Cent.

Die christliche "Sauber Kleidung" sammelt Geld für ferne "Welten", fängt unser
Fernweh in Kollekten ein, gibt uns die Möglichkeit einmal dahin etwas zu
zahlen, wo wir nie arbeiten möchten und wohin wir uns in diesem Leben keine
Reise leisten können - kleine Sentimentalitäten mit einem Tränchen im
Augenwinkel - hach! Ablasshandel, moderner Ablasshandel. Mehr ist das nicht.
Was geschehen muss, ist eine klare Forderung von humanen Arbeitsbedigungen
und angemessener Bezahlung hier wo wir sind, hier wo wir uns direkt und
unmittelbar vor Ort engagieren und für menschliche Lebensbedingungen kämpfen
können! Was wir brauchen ist eine solide finanzielle Basis dafür, uns gute
Klamotten aus menschenwürdiger Produktion leisten zu können. Dann müssen die
Lieferanten in anderen Ländern genau darauf reagieren.

Wir wollen nicht durch aufgezwungenen Geiz miese Arbeitsbedigungen in anderen
Ländern perpetuieren und damit den Arbeitgebern ermöglichen uns auch knapp zu
halten. Wir brauchen auch keinen Ablassbrief von der Kirche weil in
Bangladesh jemand gestorben ist. Hier vor unserer Tür sterben auch Menschen,
nämlich die selben, die unsere Ablasshändler und deren Sponsoren immer
vergessen. Mittellose, Obdachlose, Drogenabhängige und andere von der
Gesellschaft "ausgespuckte" Menschen, auf die niemand Wert legt weil ihre
Kaufkraft genau wie die Anpassungsbereitschaft gegen Null tendiert. Wie viele
Menschen haben am Monatsende kein Geld für lebensnotwendige
Arztkonsultationen? Wie viele Leiharbeiter verlieren nach einer Kündigung
ihre Wohnung? Wer macht sich eigentlich bewusst, wie tief die Spaltung
zwischen Menschen mit Arbeit, Menschen ohne Arbeit, Menschen hier und
Menschen in Billiglohnländern wirklich ist? Setzen sich diese Sauber Kleidung
Christen mal mit jemandem an ihren Tisch der seit Monaten kein freundliches
Wort mehr gehört, geschweige denn etwas wirklich Gutes zu essen bekommen hat?
Finden würden sie einen solchen Gast an jeder Strassenecke. Die Frage ist
nur, wann kehren wir mal endlich vor der eigenen Tür.

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