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Kino Babylon macht (vorerst) dicht!

Das wegen seines Arbeitnehmerfeindlichen Kurs umstrittene Berliner Kino Babylon (Mitte) beendet ab Freitag dieser Woche für einen Monat seinen regulären Spielbetrieb. Die Betreiber Hackel und Grossman haben die Arbeiterinnen und Arbeiter zum Teil erst diese Woche darüber in Kenntnis gesetzt, dass es in den kommenden Wochen keine Arbeit und damit kein Geld zu verdienen gibt.

Die in Kino-Kreisen als "Subventions-Abgreif-Laden" verlachte Babylon GmbH wird von Hackel und Grossman gerne als "kommunales Filmtheater" bezeichnet. Allerdings wurde ihnen die Mitgliedschaft im Bundesverband der kommunalen Kinos verweigert, während die Gilde deutscher Filmkunsttheater Hackel und Grossman sogar bescheinigt, dem kulturellen Anspruch von Kino generell Schaden zuzufügen.
Doch Tobias Hackel und Timothy Grossman ficht das nicht an. Grossman werden beste Kontakte zum Ex-Kultursenator Flierl und in entsprechende Kreise der Berliner Regierungspartei "die Linke" nachgesagt. Flierl fiel in seiner Zeit als Wissenschafts- und Kultursenator durch mangelnde Distanz zu Stasi-Kreisen und durch seine Wahl zum schlechtesten Wissenschaftssenator Deutschlands auf. Zuvor war es ihm aber unter anderem gelungen, Grossman gegen großen Widerstand qualifizierter Wettbewerber das Babylon mit entsprechenden Subventionen zukommen zu lassen. 320.000 Euro zuzüglich 30.000 Euro für den während des Arbeitskampfes der Freien ArbeiterInnen Union von ver.di unterzeichneten Tarifvertrag erhält die Babylon Geschäftsführung. Von diesen öffentlichen Geldern gaben Grossman und Hackel im Vergangenen Jahr geschätzt mehrere 10.000 Euro für Rechtsstreitigkeiten gegen FAU und Mitarbeiter aus.
Es darf bezweifelt werden, ob Grossman und Hackel wegen der voraussichtlich einmonatigen Schließung freiwillig 30.000 Euro, ein Zwölftel der Subventionen, zurückzahlen. Einen Vorteil für sie hätte aber auch dies: sollte der Senat die Subventionen auch nur um einen Euro kürzen, können Hackel und Grossman den Haustarifvertrag folgenlos kündigen.
Gegen die für manche drastischen Arbeitszeitkürzungen, die im Zusammenhang mit gewerkschaftlichem Engagement und Betriebsratsarbeit stehen sollen, gehen mehrere Angestellte juristisch, auch mit Unterstützung der FAU vor. In diese Prozesse wird wohl auch die Schließung des Kinos in den kommenden Wochen einfließen. Die FAU begleitete bisher auch Prozesse ehemaliger Angestellter, die erfolgreich Abfindungen erstritten. Die FAU Betriebsgruppe im Babylon gewann vorerst (noch nicht rechtskräftig) den Prozess um die Feststellung, Urlaubs- und Krankengeld seien im Babylon lange Fremdwörter gewesen. Hackel und Grossman hatten diese Äußerung verbieten lassen wollen.

Am morgigen Donnerstag wird in Berlin in 2. Instanz darüber verhandelt, ob die FAU Berlin sich Gewerkschaft oder Basisgewerkschaft nennen darf. Auf Antrag der Babylon Geschäftsführer war ihr das verboten worden, was auch international auf heftige Kritik stößt.


„Babylon System“ – Der Film zum Arbeitskampf (Offizieller DVD-Rip)

Jetzt erschienen: Die 52minütige Dokumentation des Freundeskreis Videoclips.

Bezugsquellen:
o Torrent zum Herunterladen
o DVD (gegen Spende bestellbar)

Inhalt:
Im Kino Babylon Mitte, dem senatsgeförderten Kommunalkino mit dem „Links“-Image, haben sich die Beschäftigten gemeinsam mit der FAU (Freie Arbeiterinnen und Arbeiter-Union) organisiert. „Babylon System“ dokumentiert den Kampf gegen außertarifliche prekäre Arbeit. Dabei stoßen nicht nur Belegschaft und Kinoleitung aneinander, sondern auch verschiedene gewerkschaftliche Strategien. Der Film blickt hinter die Kulissen des Arbeitskampfes und analysiert ein Paradebeispiel zunehmender Prekarisierung im Kulturbetrieb.

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