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Killer Cola: der Kampf geht weiter

Die Boykott-Kampagne zur Unterstützung der kolumbianischen Lebensmittelgewerkschaft SINALTRAINAL geht weiter und wächst ständig. Die Gewinne von Coca-Cola sind bis zum September 2004 um 24% gesunken, und während allein das internationale Boykott wahrscheinlich nicht für diese Zahlen verantwortlich ist, wird die Wichtigkeit der Kampagne zu so einem kritischen Zeitpunkt deutlich. Die Anklage, die von der United Steelworkers of America Union (Vereinigte Stahlarbeiter Amerikas) und dem International Labor Fund (Internationalen Arbeiterfond) am 31. März 2003 im Namen von SINALTRAINAL gegen Coca-Cola aufgrund der Beteiligung an Menschenrechtsverletzungen durch paramilitärische Kräfte erhoben wurde, wurde aber von einem amerikanischen Amtsgericht in Miami, USA aufgehoben. Coca-Cola hat immer noch nicht versucht, etwas gegen die Menschenrechtsverletzungen zu unternehmen und verleugnet sie sogar

"Die Beschuldigungen gegen unser Unternehmen in Kolumbien sind falsch. Wir sind seit über 70 Jahren in Kolumbien tätig und ein beispielhaftes Mitglied der Geschäftswelt. Die Beschuldigungen der Kläger spiegeln nicht die Tatsachen vor Ort in Kolumbien wider.“
Pressemitteilung von Coca-Cola (http://www.cokefacts.com/news/g_news_co_media.shtml)
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Im Juli 2004 ist Duvall L. Patrick, der Chefrechtsanwalt von Coca-Cola, zurückgetreten, weil seine Versuche, Coca-Cola zu einer Untersuchung der Fälle zu bewegen, gescheitert waren. Lori Billingsley, die Coca-Cola-Direktorin, die für kontroverse Angelegenheiten verantwortlich ist, leugnet weiter, dass die Coca-Cola-Abfüllanlagen, trotz überwältigender Beweise, Verbindungen mit illegalen bewaffneten Gruppen habe. Coca-Cola behauptet, dass sie bereits eine Untersuchung vorgenommen hätten, und dass keine Nachweise gefunden wurden, die eine Verbindung von Coca-Cola mit paramilitärischen Gruppen bestätigen konnten, Unterlagen konnten allerdings nicht vorgelegt werden, die die Existenz solcher Untersuchungen beweisen würden. Der am besten dokumentierte Fall von Angriffen gegen GewerkschafterInnen seitens Coca-Cola ist der Mord an Gewerkschaftsführer Isidro Segundo Gil, der 1996 von‚ Paramilitärs getötet wurde, Nach dem Mord wurden zahlreiche Gewerkschaftsmitglieder gezwungen, auf ihre Gewerkschaftsmitgliedschaft zu verzichten. Viele hatten keine andere Wahl als zu fliehen. Zwei Wochen vor seinem Tod hatte Isidro Gil einen Brief an den Coca-Cola-Hauptsitz in Atlanta in den USA abgeschickt, um mitzuteilen, dass der Anlagemanager den ArbeiterInnen gedroht hatte, Paramilitärs einzusetzen, um die Gewerkschaft zu zerstören. Er erhielt keine Antwort auf seinen Brief. Anstatt dessen kamen Paramilitärs in die Abfüllanlage, wo sie Isidro Gil ermordeten. Danach gingen sie zum Gewerkschaftsbüro und steckten es in Brand, bevor sie zur Anlage zurückkehrten, wo sie einen weiteren Mitarbeiter umbrachten und die anderen Gewerkschaftsmitglieder unter Waffengewalt dazu zwangen, auf die Gewerkschaft zu verzichten. Das Formular, das die ArbeiterInnen unterschreiben mussten, um auf die Gewerkschaftsmitgliedschaft zu verzichten, wurde vom Management der Abfüllanlage vorbereitet! 36 Gewerkschaftsmitglieder mussten die Gegend verlassen, weil sie um ihr Leben fürchteten. Auch die Frau von Isidro Gil wurde von den Paramilitärs umgebracht, weil sie gegen Coca-Cola aussagen wollte. 1997 musste die Anlage ihre Management ersetzen, weil der derzeitige Chef aufgrund eines Haftbefehls auf der Flucht war, wegen der Bildung und Finanzierung von paramilitärischen Gruppen gegen ihn erteilt wurde. Trotz des Prozesses und der internationalen Kampagne haben die Angriff und Drohungen noch nicht aufgehört. Einige der Angriffe:

    Am 4. August 2004 wurde Nilson Servino Ortega, der Neffe von Rafael Esquivel Ortega dem Rechtsanwalt von SINALTRAINAL, von vier bewaffneten Männern in der Stadt Andalucia Valle entführt. Am selben Tag wurden auch Emilio Prado Trujillo, der Bruder von Carlos Prado Trujillo , der Kassenwart des SINALTRAINAL-Büro in Barranquilla, und Alvaro Prado Trujillo, der Kassenwart des MetallarbeiterInnengewerkschaft SINTRAIME-Büros in Cali Yumbo Valle, entführt.
    Am 23. August 2004 ermächtigte Martha Lucia Castaño, Funktionärin beim Ministerium für Arbeit und Sozialversicherung Coca-Cola, den Gewerkschaftsstatus von SINALTRAINAL abzuerkennen, eine Handlung, die Artikel 39 der Verfassung verletzt.
    Am 17. November 2004 schickten Paramilitärs die folgende Nachricht an das Hauptbüro der regionalen CUT (das Kolumbianische Gegenstück des DGB) in Bucaramanga, Santander:


cola

„Diese Drohung richtet sich gegen die Gewerkschafter, die sich gegen den Gouverneur , den Bürgermeister und die Privatgeschäfte, die die Politik der Regierung von Dr Alvaro Uribe Velez unterstützen, stellen. Wir teilen Ihnen mit, dass wir eine militärische Entscheidung getroffen haben, Sie aus den Gegenden in denen wir Einfluss haben, zu vertreiben, oder Sie umzubringen. Wir zeigen kein Erbarmen für die Gewerkschafter, die Regierungsbeamte und/oder Manager von Privatgeschäften anzeigen. Aus diesem Grund haben wir die folgenden Personen zum militärischen Ziel erklärt: David Florez, Martha Diaz, Teresa Baez, Efrain Guerrero , Carlos Castro, Javier Jiménez, Rafael Ovalle“
Autodefensas Unidas de Colombia (Vereinte Selbstverteidigungsgruppen Kolumbiens), Santander

    Gegen 20.00 am 25. November 2004 wurde Gustavo Lindarte angeschossen, als er auf dem Weg nach Haus vom Gewerkschaftsbüro in der Stadt von Cúcuta war. Er wurde zwar nur leicht verletzt, aber es besteht immer noch die Gefahr weiterer Mordversuche.

Aufgrund des internationalen Druck wurde der kolumbianische Staat gegen seinen Willen zum Handeln gezwungen und am 22. Juni 2004 wurde der ansässigen Paramilitärchef, Saul Rincón, von der Polizei in Barrancabermeja verhaftet und wegen Mordes und der Bildung paramilitärischer Gruppen angeklagt. Er ist derselbe Mann, der beobachtet wurde, wie er sich ab Oktober 2002 mit den Manager der Abfülllage regelmäßig getroffen hatte. Die Großfirma verteidigte Rincón, nachdem SINALTRAINAL sich bei der Geschäftsleitung beschwert hatte, indem sie eine Klage wegen Verleumdung gegen die Gewerkschaft erhoben. Es bleibt abzuwarten, ob Rincón wirklich verurteilt wird , denn die Quote für Straffreiheit in solchen Fällen bei 99% steht, besonders für die, die über Geld und die richtigen Kontakte verfügen.
Zusätzlich zu den Problemen mit dem Management und den Paramilitärs wird SINALTRAINAL von einigen reformistischen Gewerkschaftsorganisationen wie die TUC (Trade Union Congress – britischer DGB) heftig kritisiert. Eine Kampagnengruppe der TUC Justice for Colombia (Gerechtigkeit für Kolumbien) veröffentlichte neulich einen Artikel mit dem Titel „Keine Unterstützung für das Coca-Cola-Boykott“, in dem versucht wurde, SINALTRAINAL zu misskreditieren. Es scheint, dass die TUC sich nur für die britischen Coca-Cola-ArbeiterInnen interessierten, d.h. wenn Coca-Cola Geld verliert, könnte Coca-Cola-MitarbeiterInnen in Großbritannien ihre Arbeit verlieren, dem folglich ein Verlust von Gewerkschaftsmitgliedern folgen könnte. Sie scheinen zu vergessen, dass der Hauptgrund, warum weltweit die MitarbeiterInnen bei Coca-Cola ihre Arbeit verlieren, die neoliberale Politik des Großkonzerns ist, d.h. mehr Arbeitstunden, weniger Lohn und keine festen Verträge. Die TUC missbilligt den Boykott als Taktik des Arbeitkampfes, weil er zu konfrontativ und nicht „europäisch“ sei, aber sie kapieren nicht, dass die Situation in Kolumbien ganz anders ist als in Europa, und dass die Taktiken entsprechend angepasst werden müssen. Der Aufruf, das Boykott zu „boykottieren“ erfolgt durch das irischen Gegenstück zur TUC, die SIPTU, die versuchte SINALTRAINAL zu marginalisieren, indem sie diese als eine kleine, bedeutungslose Gewerkschaft abtut. Wegen der extremen Repression, die in Kolumbien gegen die Gewerkschaftsbewegung ausgeübt wird, sind alle derartigen Gewerkschaften relativ klein im Vergleich zu denen in Europa. Es sind weniger als 450.000 ArbeiterInnen, die Mitglieder von Gewerkschaften sind (Gesamtbevölkerung 44.9 Millionen), und SINALTRAINAL ist eine der wenigen Gewerkschaften, die im privaten Sektor überlebt haben und vertritt mehr als die Hälfte aller Coca-Cola ArbeiterInnen, so wie ArbeiterInnen in anderen Lebensmittelgroßfirmen wie Nestlé und Kraft. Im Artikel wird behauptet, dass SINALTRAINAL keine echte Unterstützung innerhalb Kolumbiens hätte, was nicht stimmt, weil sie sowohl von der CUT (kolumbianische DGB), die 80% aller unionisierten ArbeiterInnen vertritt, unterstützt wird, als auch von der CGTD (Allgemeine Konföderation Demokratischer ArbeiterInnen), die weitere 15% vertritt. Es wird weiterhin behauptet, dass insgesamt 13 Gewerkschaften Coca-Cola-MitarbeiterInnen vertreten, und dass sich diese gegen das Boykott ausgesprochen hätten, aber es wird nicht erwähnt, dass von diesen 13 Gewerkschaften SINALTRAINAL bei Weitem die Größte ist. SINALTRAINAL vertritt 56% aller unionisierten Coca-Cola-MitarbeiterInnen trotz der Tatsache, dass die Mitgliederzahl durch eine brutale Terrorkampagne gegen sie und ihre Familien dezimiert wurde. Es wird auch nicht erwähnt, dass nur zwei der Gewerkschaften Coca-Cola gegen die Beschuldigungen unterstützen. Die Erste ist die SICO, die aus ungefähr 45 Mitgliedern in dem Bundesstaat Carepa besteht, eine Region, wo die Mitgliedschaft von den Paramilitärs aufgerieben worden war. Die Zweite heiß SINALTRAINBEC, deren Mitgliederzahl bei Coca-Cola auf 9 geschätzt wird. Die IUF (internationale Gewerkschaft der Lebensmittel-, Landwirtschaft-, Hotel-, Restaurant-, Gastronomie-, Tabakindustrien) drängt darauf, dass ihre Mitglieder das Boykott nicht unterstützen, weil das Boykott „nichts mit den Angelegenheiten der kolumbianischen Coca-Cola-ArbeiterInnen zu tun hätte und Ansichten der kolumbianischen und internationalen Arbeiterbewegungen nicht wiederspiegeln würde.“ Der Aufruf zum Boykott stütze sich auf „unbegründete Behauptungen und leere politische Parolen. Dieser Aufruf wird die Glaubwürdigkeit derer, die sich für die Gewerkschaftsrecht aller ArbeiterInnen in dem Coca-Cola-System einsetzen eher schädigen als verstärken. Die IUF interessiert sich halt nur für ihren Einfluss auf die nationalen Gewerkschaften weltweit und es gefällt ihr gar nicht, wenn eine Gewerkschaft unabhängig von etablierten Gewerkschaftsstrukturen arbeitet, und Methoden einsetzt, die die IUF missbilligt.

„Die kolumbianische Bewegung wird selbst entscheiden, was für Taktiken sie einsetzt. Die Realität der kolumbianischen GewerkschafterInnen in sehr unterschiedlich zu der der britischen GewerkschafterInnen.“
Lucho Hernandez, Präsident von SINALTRAINAL (eine Gewerkschaft der Dienstleistungsindustrie)

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Trotz der Opposition zum Boykott von diesen großen Gewerkschaftsorganisationen wächst die Unterstützung. Viele anderen Gewerkschaften haben dafür entschieden, dem Beispiel der TUC nicht zu folgen, und haben verkündet den Boykott zu unterstützen, bis Coca-Cola seine Politik ändert. Hier folgen einige Beispiele:

    UNISON, die größte Gewerkschaft in dem UK, mit 1,3 Millionen Mitglieder, hat eine Resolution verabschiedet, in der sie „das Boykottieren von allen Coca-Cola-Produkten“ ausrief.
    NIPSA, die Öffentliche Dienstleistungsgewerkschaftsvereinigung von Nordirland, stimmte für die Unterstützung des Boykotts, bis Coca-Cola den Forderungen von SINALTRAINAL nachgeht.
    SEIU, die Gewerkschaft der Dienstleistungsangestellten, mit 1,7 Millionen Mitglieder in den USA, verabschiedete eine Resolution, in der sie „die Unterstützung des weltweiten Aufrufes, Coca-Cola zu boykottieren, und die Arbeit, um die Unterstützung der AFL-CIO (Amerikanische Arbeiterföderation) für die Kampagne gegen Killer Coke zu gewinnen,“ anfordert.
    CWA, die KommunikationsarbeiterInnen Amerikas, die 700.000 ArbeiterInnen vertritt, hat eine Resolution verabschiedet, um das Boykott zu unterstützen, wenn Coca-Cola die Klage nicht nachgibt.
    APWU, die Amerikanische Postangestelltengewerkschaft mit 227.000 Mitgliedern, hat eine Resolution verabschiedet, in der gefordert wird, „dass die US-Post alle Coca-Cola-Produkte aus Postanlagen entfernt, und dass die staatlichen und die örtlichen Postangestelltengewerkschaften aufhören, Coca-Cola-Produkte zu kaufen, bis der Disput gelöst wird.“
    LCLAA, der Arbeiterrat zu Lateinamerikanischen Beförderung, eine Organisation innerhalb der AFL-CIO, die die Interessen von knapp 1.7 Millionen ArbeiterInnen lateinamerikanischen Ursprungs vertritt, nahm einen Antrag an, der Coca-Cola wegen der Beteiligung an Menschenrechtsverletzungen in Kolumbien rügte.
    AFT, die Amerikanische LehrerInnenföderation mit 1.3 Millionen Mitglieder, nahm einen Antrag an, der ihre Mitglieder ermutigt, Druck auf Coca-Cola auszuüben, Menschenrechte respektiert.
    ILWU, die Internationale Gewerkschaft der Hafen- und LagerarbeiterInnen mit 60.000 Mitgliedern, verabschiedete eine Resolution, „dass die ILWU sich das internationale Boykott anschließt, und alles tut, um den fall bekannt zu machen.
    Verdi, die deutsche DienstleistungsarbeiterInnengewerkschaft, nahm einen Antrag an, in dem ihre Mitglieder dringend gebeten wurden Coca-Cola-Produkte zu vermeiden, und sie nicht auf Gewerkschaftsveranstaltungen zu verkaufen.

Für weitere Nachrichten (auf englisch):

DEATH THREATS AGAINST SINALTRAINAL 2007 - http://www.colombiasolidarity.org.uk/content/view/104/45/

Assassination, Death Threat and Police Raid Against SINALTRAINAL
http://www.colombiasolidarity.org.uk/content/view/29/45/

Für weitere Infos zum Thema Coca-Cola/Kolumbien

http://www.labournet.de/internationales/co/cocacola/ (deutsch)
http://www.colombiasolidarity.org.uk (englisch)
http://www.anncol.org/de/site/index.php (englisch/deutsch/spanisch)
http://killercoke.org (englisch)

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