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Junge Welt: Entlassung des Redakteurs Rainer Balcerowiak

Kommentar von Edith Bartelmus-Scholich Am 20. Februar 2012, 10:00 Uhr findet im Saal 216 des Arbeitsgerichts Berlin eine denkwürdige Verhandlung statt. Es geht um die Kündigung und gleichzeitig um die Anerkennung der Arbeitnehmereigenschaft des mehr als 11 Jahre bei der 'Jungen Welt' als Redakteur im Innenressort beschäftigten Journalisten Rainer Balcerowiak. Die Vorgeschichte der Verhandlung zerstört das Bild der stets auf der Seite der Arbeitenden kämpfenden linken Tageszeitung gründlich.

Wie am 2. Februar der Blogger Jochen Hoff berichtete (1) hatte Rainer Balcerowiak sich mit Unterstützung seiner Gewerkschaft bei seinem Arbeitgeber um die Umwandlung des seit mehr als 11 Jahren bestehenden Verhältnisses als freier Mitarbeiter in eine Festanstellung mit armutsfestem Lohn bemüht.

Dabei war ihm durchaus klar, dass die 'Jungen Welt' nicht ein Tarifgehalt von 4.400 Euro brutto, wie von Verdi für Tageszeitungsredakteure ausgehandelt, würde zahlen können. Einem Gehalt von 1.890 Euro brutto (ca. 1295,00 Euro netto) für eine Vollzeitstelle wollte und konnte er jedoch nicht zustimmen. Gegenüber seiner ohnehin nicht üppigen Bezahlung als Freiberufler hätte er sich zudem noch verschlechtert.

Was auf dem Verhandlungswege durchaus hätte geklärt werden können, führte zum Rausschmiss des Redakteurs – ohne offizielle Angabe von Gründen. Die Verlagsleitung handelte lieferte dabei ein Lehrstück für eine 'Herr-im-Haus'-Politik übelsten Zuschnitts. 

Am 8.12. wurde Balcerowiak von einem Hausverbot überrascht, einige Tage später wurde ein Schreibverbot gegen ihn verhängt und am 31. Dezember erhielt er schließlich die Kündigung. Gleichzeitig weiß Jochen Hoff zu berichten, sei in der Redaktion der 'Jungen Welt' eine regelrechte Diffamierungs- und Mobbingkampagne gegen Balcerowiak gelaufen. Balcerowiak wurde am 8.12. eine fünfminütige Frist zum Verlassen der Redaktionsräume gesetzt.

Wenig später „berief der Geschäftsführer eine Belegschaftsversammlung ein, in der B. vorgeworfen wurde, er wolle die Junge Welt „zerstören“. Auch von einem „Komplott“ war die Rede. Kurz darauf zirkulierten bereits interne „Erklärungen“, die sich gegen eine weitere Zusammenarbeit mit B. wandten. Auf Kollegen, die eine Distanzierung von B. ablehnten, wurde erheblicher Druck ausgeübt.“ (1)

Der Vorgang hat nicht nur die Glaubwürdigkeit der 'Jungen Welt' im Hinblick auf den Kampf gegen Niedriglohn und prekäre Arbeitsbedingungen nachhaltig geschädigt.

Er zeigt zudem, dass ein Bruch mit den autoritären Traditionen der Arbeiterbewegung in der Praxis der 'Jungen Welt' nicht erfolgt ist.

Wenn links für genossenschaftlich arbeiten, entscheiden und verteilen steht, wird die 'Junge Welt' diesem Anspruch nicht gerecht.

Edith Bartelmus-Scholich, 4.2.2012

(1) duckhome.de/tb/archives/9826-Junge-Welt-Da-grinst-Stalin-freundlich-aus-seiner-Gruft.html

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