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Interview RAWA: Für eine demokratische Volksfront in Afghanistan

1977 gegründet ist die Revolutionäre Vereinigung der Frauen Afghanistans (RAWA) die älteste in Afghanistan aktive politische Organisation. Ihre Priorität ist die Aufstellung einer demokratischen und sekulären Regierungsform, basierend auf der Selbstbestimmung der Afghaner und der Anerkennung von Frauenrechten [1]. RAWA (Revolutionary Association of the Women of Afghanistan) führt im Geheimen Bildungsaktivitäten durch. Die Aktivisten befinden sich in ständiger Gefahr und gehen deshalb unter dem Deckmantel humanitärer Aktionen vor. Dennoch ist RAWA 'keine humanitäre Organisation' und ihr sozialer Aktivismus ist politisch motiviert. Als Teil einer Lesungstour im Februar hatte Alternative Libertaire die Gelegenheit, mit einer ihrer Aktivistinnen, Zoya, zu sprechen.

Alternative Libertaire: Gibt es eine radikale Linke in Afghanistan?

Zoya: Die lokale Bevölkerung hat große Angst aus mehreren Gründen: der Krieg und die Besatzung haben ökonomisches, soziales und kulturelles Elend verstärkt. Für Organisationen der radikalen Linken wie RAWA ist der Kampf sehr schwer, da sie gegen eine Allianz von vier Gegnern kämpfen: die Besatzungstruppen einer Koalition von 41 Ländern, die Karzai-Regierung die mit den Besatzern zusammenarbeitet, die Drogenbarone und die fundamentalistischen Taliban und Mudschahidin. Die Widerstandsorganisationen befinden sich unter Druck von allen Seiten, aber wir, als RAWA, werden niemals zustimmen, uns mit auch nur einem dieser vier Gegner der Menschen von Afghanistan zu einigen.

AL: Was denkt ihr über die Karzai-Regierung?

Zoya: Die Karzai-Regierung ist eine politische Allianz zwischen den Besatzungsarmeen und den lokalen Fundamentalisten und Drogenbaronen (welche oftmals dieselben Personen sind). Vom ersten Tag an hat diese Regierung die afghanischen Menschen im Stich gelassen und sichert nun stattdessen die Interessen der Besatzer, bewirbt Waffen- und Drogenhandel, während sich Korruption im Herzen des politischen und legalen Systems einnistet. Darüber hinaus setzt die Regierung Frauen systematisch Gewalt aus [1]. Wir könnten ähnliche Dinge über das Parlament und die Gerichte sagen.

AL: Wie seht ihr eure Bemühen in diesem Kontext?

Zoya: Unsere Bemühen gelten zuerst und vor allem dem radikalen politischen Widerstand gegen diese Allianz. Wir verurteilen den von der Karzai-Regierung vorgeschlagenen Kompromiss, der die Taliban in die Regierung zulassen würde: er würde keinen Frieden bringen. Wir befürworten eine Form der politischen Selbstorganisation, die fähig ist, den Willen des afghanischen Volkes auf eine gewaltlose Art und Weise zu verkörpern. Wir kämpfen für die Errichtung einer demokratischen Volksfront, welche demokratisch-antifundamentalistische Menschen und Organisationen sowohl in Afghanistan als auch im Westen zusammenbringen würde, um das afghanische Volk zu unterstützen. Es ist sehr schwierig, aber gewiss nicht unmöglich!

AL: Erzähle uns über eure Taktiken und Aktionen...

Zoya: Direktes politisches Handeln ist in Afghanistan sehr schwer zu verwirklichen, da große Unterdrückung vorherrscht: die Gründerin von RAWA, Meena, wurde 1987 ermordet. Das hält uns jedoch nicht davon ab, unsere Botschaft in Flüchtlingslagern in Pakistan zu verbreiten, weil Demonstrationen in Afghanistan verboten sind. Des Weiteren arbeiten wir auf soziale Gerechtigkeit hin und haben Lese- und Schreibkurse, da wir ebenso gegen Analphabetismus kämpfen - und wir betreiben Waisenhäuser. Wir kämpfen für Demokratie durch Bildung und eben dies hilft auch, die Menschen von Stigmata und Fatalismus zu befreien. Es sollte angemerkt sein, dass die RAWA, anders als die meisten anderen humanitären und politischen Organisationen, hauptsächlich in ländlichen Gebieten arbeitet, wo der Einfluss von Fundamentalisten weitaus stärker ist als in Kabul.

Das Interview wurde durchgeführt von David (AL Alsace) im Februar 2009

RAWA: RAWA

[1] In der Zwischenzeit hatte die afghanische Regierung ein Gesetz gebilligt, das es erlaubt, Frauen zu vergewaltigen, bevor es nach internationalen Protesten wieder entfernt wurde.

Interview im Original (französisch):  http://www.anarkismo.net/article/13694

Übersetzt auf Basis der englischen Übersetzung:  http://www.anarkismo.net/article/13731

 http://www.alternativelibertaire.org

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