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In Italien brodelt es

Nach dem Sieg der ArbeiterInnen der INNSE geht eine Welle von Arbeitskämpfen durch das Land. Zunehmend wehren sich auch prekär beschäftigte MigrantInnen, die oft am Rande der Legalität oder komplett schwarz arbeiten. Die Ausschreitungen in Rosarno mit der darauf folgenden AusländerInnenhatz

ist nur die bekannteste solcher Auseinandersetzungen. Die in Cerro al Lambro ist eine, die im deutschsprachigen Raum weniger bekannt ist. In Cerro al Lambro ist ein Logistikzentrum der Speditionsfirma GLS. Die ArbeiterInnen arbeiten indirekt über eine Genossenschaft zu miesen Arbeitsbedingungen für GLS. Für 280 Arbeitsstunden monatlich werden ihnen 1’000 Euro bezahlt, die Überstunden sind unbezahlt, und um den Fiskus zu umgehen werden Spesen angegeben, die nicht vorhanden sind und auch nicht ausbezahlt werden.

Mit diesem unversteuerten Geld werden dann Hunderte noch günstigerer Arbeitsstunden bezahlt. Die Arbeit ist anstrengend und wird wegen der ständigen Verarsche durch die Chefs und die vielen Stunden auch nicht einfacher. Die ArbneiterInnen kämpfen sich durch, bis es genug ist:

„Eine Nacht in Cerro al Lambro…
Geschichten von außergewöhnlichen
Kämpfen gegen die Unternehmer, die
wollen, dass die Arbeiter »gratis« arbeiten...
Vor allem wenn es sich um »keine
Italiener« handelt und die Bullen, die sie
verprügeln, die Arbeiter natürlich, nicht
die Unternehmer...“
(In einer Mail an die Redaktion von „labournet.de“)

Die Schlagstöcke machen ihnen keine Angst mehr.

Die ArbeiterInnen haben, um ihnen zustehendes Geld einzufordern, das Logistikzentrum versperrt. Die Streikposten stehen fast sinnlos da, denn es gibt keine Streikbrecher, die die Arbeit fortführen wollen. Und dann kommt die Polizei und knüppelt auf die ArbeiterInnen ein.

„Wir haben nur unser Streikrecht ausgeübt, ein Grundrecht.“ erklärt Fulvio Di Giorgio von der Basisgewerkschaft SlaiCobas, „Vielmehr frage ich mich warum die Polizei, die mit Steuergeldern bezahlt wird, nur das Eigentumsrecht und das Recht der BesitzerInnen die LKWs
hineinfahren zu lassen, verteidigt und nicht das Recht der Arbeiter auf einen gesetzeskonformen Arbeitsvertrag.“ Für die Polizei hingegen ist das Ganze eine „unbewilligte Demonstration“. Deshalb haben die Polizisten auch zwei Arbeiter ins Spital geknüppelt und drohen den Anderen mit Strafanzeigen.

Die ArbeiterInnen bleiben kämpferisch.

Durch wiederholte Angriffe hat die Polizei die ArbeiterInnen und UnterstützerInnen (u.a. von der Basisgewerkschaft Slai Cobas)
in eine Ecke getrieben und verschiedene von ihnen verletzt, um so den LKWs die Einfahrt ins Logistikzentrum zu erlauben. Hinzugekommen sind die Entlassungsdrohungen an die streikenden ArbeiterInnen, denen die Chefs der Genossenschaft aufs
Handy angerufen haben, um sie zu zwingen, hineinzugehen und die LKWs zu entladen. Doch der Arroganz des Unternehmens ist
es nicht gelungen, den Widerstand und die Entschlossenheit der ArbeiterInnen und der anwesenden GenossInnen zu schwächen,
die angesichts des erfolgreichen Streiks – nach Abhaltung einer Versammlung – zu vorgerückter Nachtstunde beschlossen haben, die Blockade zu beenden und neue Kampfmassnahmen zu organisieren.
Leider eine Besonderheit des Kampfes in Cerro al Lambro ist, dass bei diesem Kampf im Gegensatz zu dem in Rosarno, „MigrantIn“ und „ItalienerIn“ gemeinsam den mit Schildern und Knüppeln bewaffneten PolizistInnen gegenüber standen.

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