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Griechenland - Bewegung wird breiter

Nachdem schon gestern in Athen eine Gruppe (General Assembly of Insurgent Workers) die Zentrale des Gewerkschaftsdachverband besetzt hatte, um ein Zeichen dafür zu setzten, dass die Proteste nicht nur von StudentInnen getragen würden, kam es heute zu einer Besetzung eines Gewerkschaftsgebäudes in Patras.
über 600 Schulen und Universitäten besetzt, AnwohnerInnen von Exarchia fordern Abzug der Bullen, GSEE-Zentrale (Allgemeiner Gewerkschaftsbund Griechenlands) besetzt. Arbeiter-Zentrum Patras besetzt, um der Medienpropaganda entgegenzutreten werden immer wieder Radio- und Fernsehsender besetzt und dann live gesendet, Rathäuser besetzt ...

Klar, in den Mainstreammedien steht fast nichts mehr - sie haben Angst, dass die Revolte übergreift! Deshalb eine kurze Zusammenfassung:
  • Heute Mittag war erneut eine Großdemonstration mit 15-20.000 Menschen in Athen, es kam erneut zu Auseinandersetzungen, Tränengaseinsatz, Steinen, Mollies, Verhaftungen ... Demos auch in anderen Städten, aber ruhiger ...
  • 2000 AnwohnerInnen im Athener Stadtteil Exarchia (dort wurde Alexandros ermordet) haben die Polizeiwache belagert und den sofortigen Abzug der Bullen aus dem Stadtteil und die Entwaffnung der griechischen Polizei gefordert.
  • Es sind mittlerweile über 600 Schulen und Hochschulfakultäten besetzt und in Aktionszentren umgewandelt. Gemeinsames Ziel: "Sturz der Mörderregierung" und die Reformierung des maroden Bildungssystems ...
  • Die LehrerInnen- und ProffessorInnen-Gewerkschaften haben sich mit den Aktionen solidarisiert und beginnen sich untereinander zu koordinieren. Schon für nach den Weihnachtsferien rufen sie zu einem gemeinsamen Aktionstag am 9.Januar auf. Am 9.Januar 1991 wurde der linke Lehrer Temponéras in Patras von Faschisten erschlagen. Aus Protest gegen eine damals geplante reaktionäre Bildungsreform hatten SchülerInnen in ganz Griechenland Schulen besetzt. Temponéras war als solidarischer Lehrer mit seinen SchülerInnen in der besetzten Schule als diese von Faschisten angegriffen wurde.
  • Die GSEE-Zentrale in Athen wurde gestern von aufständischen Arbeitern besetzt! Sie fordern alle ArbeiterInnen zum Generalstreik auf und sprechen explizit migrantische ArbeiterInnen an sich an Vollversammlungen und den Kämpfen zu beteiligen. (Alle Erklärungen übersetzt auf www.fau.org) Heute wurde auch das Arbeiterzentrum in Patras besetzt.
  • Die besetzten Rathäuser in Stadtteilen von Athen, Thessaloniki, Iraklion sind nicht wie öfter zu lesen "von Jugendlichen besetzt", sondern von AktivistInnen aus den jeweiligen Städten. In täglichen öffentlichen Vollversammlungen, die unter der Beteiligung von teilweise mehreren Hundert BürgerInnen aus dem Stadtteil stattfinden wird dort über das weitere Vorgehen beraten! Zumindest in Agios Dimitrios haben sich auch die Angestellten mit der Besetzung solidarisiert.
  • Täglich werden für Minuten, teilweise auch Stunden Radio- und (seltener) Fernsehsender in verschiedenen Städten besetzt um der Medienpropaganda und der Verdrehung von Tatsachen entgegen zu treten. Bekannt sind mir Besetzungen aus (Athen, Thessaloniki, Patras, Volos, Xanthi)
  • Zum Abschluss noch was zur Kommunistischen Partei (KKE) - weil ab und an gemeldet wird, dass die Partei an den Protesten beteiligt sei. Dies ist falsch! Die KP führt zwar Demonstrationen gegen die Regierung und gegen die Polizeigewalt durch, versucht jedoch gleichzeitig Unibesetzungen entweder zu verhindern oder putschartig zu bestimmen (die Besetzungen werden ansonsten immer in Vollversammlungen beschlossen). Sie verurteilt jegliche nicht von ihr zu kontrollierende Aktion und ist vor allem damit beschäftigt "Randalierer" zu verleumden und Syrisa (Allianz der radikalen Linken, mit 5 Prozent im Parlament) als parlamentarische Konkurenz anzugreifen, da Syriza im Rahmen ihrer parlamentarischen Denkweise einigermaßen solidarisch mit den Protesten ist und sich auch daran beteiligt. Seit Jahren schlagen Ordner der KKE auf Demonstrationen gemeinsam mit SEK-Bullen auf missliebige DemonstrantInnen ein oder liefern sie an die Bullen aus. Die (im übrigen stalinistische) KKE ist inhaltlich das reaktionärste was es außer der rechtsradikal/monarchistischen Partei Laos im griechischen Parlament gibt. Momentan geben beide Parteien im Übrigen oft wortgleiche Presseerklärungen zu den Ereignissen ab.
Presseerklärung vom 12.12. zitiert nach der linksliberalen Tageszeitung Eleftherotypia vom 13.12. Die Generalsekretärin der KKE, Aléka Paparíga erklärte:"Die staatliche Repression und die Vermummten stehen auf der selben Seite. Sie sind miteinander verbunden, unterstützen sich gegenseitig und verfolgen das Ziel die Werktätigen und die Jugendbewegung zu terrorisieren. Die Molotowcocktails und die Plünderungen der Vermummten, deren Komandozentrale mit den Geheimdiensten und ausländischen Zentren verbunden ist, haben keinerlei Beziehung mit der massenhaft geäußerten Wut der Schüler, Studenten und des werktätigen Volkes."

soweit für heute - was in Griechenland gerade geschieht ist der Versuch der Wiederaneignung des eigenen Lebens, ohne Chefs, Parteibeschluss und Fernsehlügen.

Alle auf die Straße am 20.12. Nehmen wir unser Leben in die eigenen Hände!

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