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Gino Lucetti und das Attentat auf Mussolini

11. September 1926, 9.30 Uhr. Ein junger Mann wartet in Rom auf der Piazza Porta Pia im Schutz eines Zeitungskiosks auf das Auto des faschistischen Diktators Mussolini. Eine halbe Stunde später fährt der Fiat 519 auf die Piazza Pia zu. Gino Lucetti springt hervor und schleudert eine Handgranate gegen die gepanzerten Fenster des Autos. Die Granate prallt jedoch ab und explodiert hinter dem Wagen auf der Straße. Mussolini ist unverletzt. Gino Lucetti flieht die Via Nomentana hinauf, wird aber gefangen und in das Regina Coeli-Gefängnis gebracht.

Gino Lucetti ist 1900 in Carrara-Avenza geboren. Sein Vater arbeitet als Steinmetz in der Marmorindustrie und stirbt als Gino 10 Jahre alt ist. Fast noch ein Kind muss Gino in den Marmorsteinbrüchen von Carrara arbeiten: als „Lizzatore“, zuständig für den äußerst gefährlichen Transport der Marmorblöcke hinunter zu den Verladestationen. In dieser Zeit schließt sich Gino der anarchistischen Bewegung an, die in der Region bis heute eine politisch-zentrale Rolle einnimmt.
Nach seinem Pflichtdienst beim italienischen Militär, der mit einer Verurteilung als Deserteur endet, emigriert Gino 1922 nach Frankreich, wo er im anarchistischen Milieu Arbeit, Hilfe und einen politischen Zusammenhang findet. 1925 kehrt er nach Italien zurück, wohnt bei anarchistischen Freunden in verschiedenen Städten. Nach einem Schusswechsel mit Faschisten in Carrara flieht er erneut nach Frankreich, kehrt im Mai 1926 nach Italien zurück und beginnt nun, das Attentat auf Mussolini gezielt vorzubereiten.
Von einem Spezialgericht wird Gino Lucetti am 11. Juni 1927 zu 30 Jahren Haft und Geldstrafen verurteilt. Den Prozess nutzt er als politische Bühne gegen den Faschismus. Seine Haftzeit verbringt er überwiegend im berüchtigten Gefängnis auf der kleinen Insel Santo Stefano im pontinischen Archipel. Am 11. September 1943 befreien ihn die Alliierten bei ihrem Vormarsch Richtung Rom aus dem Gefängnis und bringen ihn nach Ischia. Sechs Tage später wird Gino Lucetti bei einer deutschen Bombardierung der Insel von einem Splitter tödlich getroffen.

Marianne Wienemann

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