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England: ArbeiterInnen besetzen Fabrik

Seit dem 20.07.2009 haben Arbeiter bei Vestas, im süden Englands ihre Fabrik besetzt. Ihnen droht die Entlassung und sie fordern den Erhalt ihrer Stellen oder die Verstaatlichung des Betriebs. Der Arbeitskampf findet ohne gewerkschaftliche Vertretung statt und kooperiert mit der Ökölogiebewegung, da Vestas Turbinen für Windräder herstellt.

Hier ein Bericht aus der Fabrik vom Samstag:Samstags Ereignisse, endlich warmes EssenGestern war ein recht ruhiger Tag. Die Stimmung innen war immer noch hoch, nach dem Marsch und der Kundgebung des Vortages und Lieferungen, per Tennisball, von Tabak, Zeitungen und am aller wichtigsten dem Material, um innen eine Internet Verbindung herzustellen. Polizei und Sicherheitskräfte sind jetzt etwas gelassener. Die Tennisbälle, die vor das Gebäude gefallen sind, wurden von einigen Sicherheitsleuten hochgeworfen. Bis jetzt wird noch niemand wegen des unerlaubten Betretens des Ödlandes neben der Fabrik, von dem aus die Tenisbälle geworfen werden, verhaftet.Das Essen ist weiterhin ein Problem. Frühstück ist angekommen und war eine Auswahl aus einem halben Sandwich – mit entweder Erdnussbutter, Käse, und Paste – ein paar Früchte und etwas Milch. Die Milch war am meisten willkomen, da einige Teebeutel es mit der Massenübertretung reingeschafft hatten, also hatten sie in der ganzen Woche ihre erste Tasse Tee. Die Rationen bleiben dennoch kläglich klein und es gibt nur zwei Mal am Tag essen – vorerst gerade genug um sie am Leben zu halten.Ein Freiwilligen-Komitee aus de anwesenden Gruppierungen wurde gebildet und hat sich am Nachmittag getroffen, um das Arbeiter-Komitee zu unterstützen und das Thema Essensversorgung wurde diskutiert. Einige Ideen wurden an das Arbeiter-Komitee zurückgeleitet. Es gibt nun großen Antrieb, sich für die Anhörung am Mittwoch zu organisieren und vor dem Gericht in größerem Ausmaß anwesend zu sein.Die Familien beginnen nun sich zu organisieren und sich gegenseitig zu unterstützen. Wichtige Nachrichten von Innen über dringend notwendige Unterstützun in persönlichen Angelegenheiten, wie die Rente und Rechnungen, die bezahlt werden müssen, sind rausgekommen und werden nun es wird sich drum gekümmert. Die Fonds für diese Besetzung werden, wegen der Natur der Besetzung, dringend gebraucht, da die Arbeiter, obwohl sie bezahlt werden, nicht raus können um an das Geld für den tagtäglichen Unterhalt ihrer Familien und ihrer Häuser ranzukommen. Handy-Rechnungen sind astronomisch, da die Handy für den kontakt nach außen gebraucht werden.Im Laufe des Nachmittags haben sie einen Drachen gebaut und versucht mit diesem eine Schnur von außen nach innen zu leiten, um an dieser Vorräte hochzuwinden, aber der Wind hat nicht mitgespielt. Einige aus der Menge sind ins B&Q, eine Baumarktkette, und haben Abflussrohre geholt, um damit eine Leitung reinzubekommen. Das Arbeiter-Komitee hat sie jedoch gebeten es nicht zu tun, da es unwahrscheinlich war dass es funktioniert und auch noch das Werfen von Tennisbällen gefährdert.Gegen Ende der 18 Uhr Kundgebung ist einer der Protestierenden über den Zaun gestiegen und hat versucht mit einer Tüte Essen reinzukommen. Er hat es aber nicht weiter als ein paar Meter geschafft, bevor er von den Sicherheitskräften niedergerungen wurde. Die Menge reagierte sofort und drängte sich an die Absperrungen, pochte dagegen, und rief danach, dass das Essen reingelassen werde. Das zeigte das Ausmaß an Spannung um das Thema Essen und das Arbeiter-Komitee hat dabei, die Situation wieder unter Kontrolle zu bekommen, gute Arbeit geleistet.Etwa eine halbe Stunde später wurde endlich ein warmes Essen reingelassen – Spaghetti Bolognese und Pittabrot.Sie sind dabei die Bekundungen der Unterstützung durchzugehen. Das und die Menge draußen lässt sie durchhalten und hält ihre Entschlossenheit zum Sieg stark.


http://savevestas.wordpress.com


Zur Bedeutung der Aktion

Entdinglichung 27.07.2009 - 17:25
die Bedeutung des derzeit stattfindenden Kampfes bei Vestas in Newport (Isle of Wight, Gegend die traditionell konservativ wählt, geringer gewerkschaftlicher Organisationsgrad) kann gar nicht hoch genug bewertet werden, ist es hier doch (u.a. durch die langfristige Vorarbeit der GenossInnen der Workers' Climate Action erstmals in der Praxis in Britannien gelungen, einen realen Schulterschluss zwischen einer kämpfenden Belegschaft, AnwohnerInnen, linksgewerkschaftlichen Strukturen und radikaleren Teilen der Umweltbewegung herzustellen, ein Bündnis welches nicht nur hier sondern auch an anderen Orten dringend nötig ist ... die Solidarität scheint um einiges breiter zu sein als bspw. bei der Besetzung der drei Werke des Fordzulieferers Visteon im April in London, Basildon und Belfast oder bei der Verpackungsfirma Prisme Packaging in Dundee ... ansonsten noch eine etwas bizarr anmutende Marginalie: als whrend der letzten Woche der Belagerungsring der Bullen um das Werk fast undurchdringlich war, hatte Bob Crow, Generalsekretär der klassenkämpferischen Gewerkschaft RMT angekündigt, notfalls die BesetzerInnen aus der Luft mit einem Hubschrauber mit Lebensmitteln zu versorgen

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