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Dresden: Palla-Mitarbeiter demonstrieren

Am 24.03.2009 verkündete Insolvenzverwalter Dr. Niering den 500 Arbeitnehmern der Palla Creative GmbH & Co. KG, das der Freistaat Sachsen seine 4 Millionen Euro, zugesagte Rettungshilfe nicht auszahlen werde und das Werk in St. Egidien geschlossen werden muss. Palla ist einer der modernsten Textilbetriebe Europas, mit Sitz in St. Egidien. Aufgrund der Weltwirtschaftskriese und Finanzprobleme des Haupt-Investors Daun, Inhaber der Daun und Cie AG, ist eine Kredit-Liquidität nicht mehr gegeben.
Aus diesem Anlass sind heute über 400 Mitglieder der Belegschaft nach Dresden zum Wirtschaftsministerium gefahren um Herrn Jurk (Wirtschaftsminister Sachsens) zu zeigen, dass die 4 Millionen Euro, über 500 Schicksale entscheiden.

Auch ein Vertreter der FAU war anwesend, welcher mit acht weiteren Betriebsangehörigen und zwei Vertretern der IG Metall, zu einem persönlichen Gespräch mit Wirtschaftsminister Jurk, über die betriebliche Lage debattierten. Dem Minister reicht jedoch die Liquiditäts-Sicherheiten des Betriebs nicht aus, um die 4 Millionen Euro auszuzahlen die er Mitte Januar eigenhändig bewilligte.

Weiter besitzt ein Teil der Betriebsleitung auch kein Interesse den Betrieb fortzuführen. Nicht nur das Fehlen Herrn Recker's(„Betriebschef“), bei dieser richtungweisenden Demonstration und Gespräch mit dem Minister belegen dies. Auch bemühten sich diese nicht einmal Ansatzweise nach einer effektiven Lösung zu suchen und kamen dem Ministerium kaum entgegen, hier entscheiden Lapalien über Schicksale von Menschen.

Nur Herr Lex(Betriebsleistung) war zugegen. Er ist in der Vergangenheit durch anti-soziales und arrogantes Verhalten aufgefallen, dennoch war er der Einzigste der Chefetage der auch Minister Jurk versuchte von der Produktivität und Wichtigkeit des Betriebes zu überzeugen und diesem auch Rede und Antwort stand. Was bis dato dennoch nichts bewegte.

Im Anschluss an das Gespräch fand ein Gespräch mit „Wirtschaftsexperten“ des Landes Sachsens statt, die Ergebnisse werden morgen, am 26.03.2009 um 14 Uhr in einer Betriebsversammlung bekannt gegeben.

Presse zu Lage:

 http://www.mdr.de/sachsen/chemnitz/6236076.html
 http://www.lvz-online.de/aktuell/content/92221.html
 http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/WIRTSCHAFT/1476460.html
 http://www.dnn-online.de/aktuell/content/92098.html


Weiterhin wurde dieser Flyer auf der Demonstration verteilt.

Vielen Dank Kapitalismus und „soziale“ Bundesrepublik Deutschland!

In Kooperation bringt ihr innerhalb weniger Tage über 500 Menschen in eine existenzbedrohende Situation. Diese für euch als Einzelne„unwichtigen“ Personen haben sich ihr Leben lang für euren Betrieb aufgeopfert. Sie haben ihn getragen und die Gewinnmaximierung, der Firma überhaupt erst möglich gemacht in dem Glauben jeden Tag ihr Bestes zur Herstellung der Produkte beizutragen. Diesen Menschen, die nicht nach dem Reichtum der Welt strebten, die viel über sich ergehen ließen und in den letzten Jahrzehnten hauptsächlich Einbußen hinnehmen mussten (keine Lohnerhöhungen, Streichungen des Urlaubsgeldes und Urlaubstage), auf vieles verzichtet haben, tretet ihr beide, Kapitalismus und Sozialstaat nun so gewaltig in den Arsch, dass es unerträglich und unfassbar ist.

Merkel verkündet bei Anne Will, dass die Belange der Bürger im Vordergrund stehen, Arbeitsplätze erhalten werden müssen und der Staat weitere Verschuldungen auf sich nehmen müsse, um dem Bürger_innen zu helfen.

Was für Lügen!!!

Dass diese „großen“ Worte nur für „systemtragende“ Einrichtungen gelten, müssen nun über 500 Arbeitnehmer_innen mit Familien am eigenen Leib erfahren. Während Hypo Real Estate 92 Milliarden Euro erhält, soll es ein Problem sein Europas modernstem Textilunternehmen 4 Mio. Euro zu bewilligen. Ca. 4,2 Mio € beträgt das Arbeitslosengeld für 1 Jahr der gesamten Belegschaft.

Bei der Verkündung der sehr wahrscheinlichen Schließung der Palla Creativ GmbH von Dr. Niering, dem Insolvenzverwalter, weinten Kolleg_innen, deren ganze Existenz dabei auf dem Spiel steht. Die meisten dieser Menschen haben nämlich nicht nur die eigenen Mieten und Lebenshaltungskosten zu tragen, sondern auch Familien zu versorgen.

Ich mache der Betriebsleitung an diesem Punkt nicht einmal den Vorwurf, ihrem egoistischen, kapitalistischem Treiben nachgegangen zu sein. Was anderes will und akzeptiert diese Gesellschaft ja auch nicht. Sehr wohl jedoch werfen ich ihr die unzureichende Motivation der Belegschaft sowie ein mangelhaftes Demokratieverständnis innerhalb der Betriebspolitik vor. Es wurde kaum eine Gehaltserhöhung bewilligt. Verträge wurden über Jahre verlängert. Keine Betriebsausflüge, keine netten Worte seitens der Betriebsleitung an die Angestellten, nur Schikanen. Der Betriebsrat wurde gekauft und vertrat kaum Arbeitnehmerrechte.

Ich denke nicht, dass ein Herr Recker, Herr Lex oder Herr Königs ansatzweise die Ahnung haben, was es emotional für diese Mitarbeiter bedeutet jahrelang unter dieser Ungewissheit arbeiten zu müssen. Immer mit der Hoffnung, eine solide Finanzierung für sich und ihre Familie zu gewährleisten, um den Alltag zu bestreiten. Ich kann nur hoffen, dass sie aus ihren Fehlern lernen und an ihre eigenen Familien denken, dass sie das Beste für sie wollen. Ihren Kindern etwas bieten, ein Vorbild für sie zu sein, wie es sich alle Eltern wünschen.

Deshalb fordern wir die Einhaltung des Versprechens von 4 Mio. € des Finanz- und des Wirtschaftsministers.

Für den Erhalt der Palla Creativ GmbH
Für gerechte Löhne
Für eine gesicherte Zukunft

Turn Capitalism down

Für eine soziale Welt, in der jede/r ihren/seinen Platz findet.
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Vor dem Wirtschaftsministeriums SN
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