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Dokumentation: Erfolgreiche Betriebsbesetzung in Montenegro

Hunderte Arbeiter haben am vergangenen Donnerstag das Betriebsgelände des Aluminiumwerks KAP (Kombinat Aluminijuma Podgorica) in Montenegro gestürmt, um gegen anstehende Entlassungen zu protestieren. Die Belegschaft besetzte das Verwaltungsgebäude des Kombinats. Neben der Rücknahme der Kündigungen forderten die Beschäftigten eine Verstaatlichung ihres Betriebs. KAP-Firmenchef Wjetscheslaw Krilow mußte durch den Werkschutz des Unternehmens vor den aufgebrachten Arbeitern in Sicherheit gebracht werden. Die Betriebsleitung hatte sich geweigert, das konkrete Ausmaß der geplanten Massenentlassungen bekanntzugeben. Nach Gewerkschaftsangaben hatten in den Tagen vor der Protestaktion an die 200 Arbeiter Kündigungsschreiben erhalten. Medienberichten zufolge versammelte sich die Belegschaft dieses wichtigsten Industriebetriebs der Balkanrepublik dann am Morgen des 29. April vor den Werkstoren, um die Betriebsleitung am Betreten des Firmengeländes zu hindern.

KAP wurde erst 2006 unter direkter Vermittlung des montenegrinischen Ministerpräsidenten Milo Djukanowic an den russischen Oligarchen Oleg Deripaska verkauft, der nun 65 Prozent an dem Unternehmen hält. Mit seinen 2100 Arbeitern ist das ehemalige sozialistische Aluminiumkombinat wichtigstes Exportunternehmen Montenegros. Der Nachfrageeinbruch im Gefolge der Weltwirtschaftskrise ließ den Betrieb tief in die roten Zahlen rutschen. Um das Produktionsniveau zu halten, bot die Regierung Deripaska einen Kredit in Höhe von 20 Millionen Euro an. Dieser lehnte das Angebot ab und bestand auf Lohnkürzungen und Massenentlassungen. Kurz vor der Betriebserstürmung hatte Krilow noch die geplante Stellenvernichtung als rechtmäßig bezeichnet.

Das entschlossene Vorgehen der KAP-Belegschaft führte jedoch zu einem raschen Meinungswechsel bei der Betriebsleitung. Nach einem Krisentreffen mit dem montenegrinischen Wirtschaftsminister Branko Vujovic am 1. Mai erklärte Krilow, daß der »Restrukturierungsplan« der Unternehmensführung und die geplanten Massenentlassungen »vorschoben« würden, um Verhandlungen über neue Tarifverträge mit den Gewerkschaften weiterhin Raum zu lassen.

Tomasz Konicz

Quelle: jw vom 06. Mai 2010

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