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Dokumentation: Bericht der Konföderation der Anarcho-Syndikalisten an den IAA-Kongress 2009

Wir geben hier den vollständigen Sektionsbericht der russischen Sektion der Internationalen ArbeiterInnen-Assoziation (IAA) an den letztjährigen Kongress in Brasilien wieder. Er veranschaulicht mit welchen Schwierigkeiten revolutionäre ArbeiterInnen und AnarchosyndikalistInnen im autoritären Russland konfrontiert sind, wie die GenossInnen die gesellschaftliche Situation bewerten und welche Aktivitäten sie unternommen haben. Der Bericht reicht bis zum Oktober 2009. Anfang Dezember fand der IAA-Kongress statt.

Allgemeine Situation

Ausgabe Nr.30 der „Direkte Aktion“, Zeitschrift der KRAS.

Die allgemeine Lage in Russland ist, dass das Land von einer tiefen Wirtschaftskrise betroffen ist. Der Produktionsumfang in Russland ist in den ersten neun Monaten des Jahres 2009 um 16 % gefallen. Die offizielle Arbeitslosenrate beträgt über 2 Millionen, aber gemessen an den Kriterien der ILO (Internationale Arbeitsorganisation) sind es 6-7 Millionen. Es wird erwartet, dass die Zahl der Arbeitslosen bis zum Jahresende 10 Millionen erreicht.

Nach Angaben des Ministeruims für Gesundheit und soziale Entwicklung wurden seit Beginn der Krise mehr als 700.000 Leute entlassen. Viele hunderttausend Arbeiter/innen mussten ihre Arbeitszeit verringern, was entsprechende Lohnkürzungen nach sich zog.

Hinter diesen schlichten Zahlen verbergen jedoch reale Menschen, wirkliche Schicksale. Für sie bedeutet es Depression, Hoffnungslosigkeit, mangelnder Unterhalt, Sinnlosigkeit und Verzweiflung. Krankheit, Alkoholismus, Selbstmord… viele haben kein Geld für Medizin – der Verbrauch an Medikamenten in Russland ist auf einen Tiefstand von 9% gesunken.

Die Chefs nutzen diese Krise zu weiteren Angriffen auf die Arbeiter/innen mit Lohnkürzung und verschlechterten Arbeitsbedingungen. Krise ist Geschäft.

Unglücklicherweise verhält sich die Bevölkerung – wie in anderen Ländern – angesichts der Krise meist passiv. Es gibt fast keine Streiks und keine radikalen Aktionen mehr, wie Fabrikbesetzungen und Solidaritätsstreiks. Natürlich ist die offizielle Zahl eine Lüge, nach der es in der ersten Jahreshälfte nur einen einzigen Streik gegeben habe, an dem sich 10 Leute beteiligt hätten. Aber selbst die Statistiken der grundsätzlich arbeiterfreundlichen Organisationen sind von Entäuschung geprägt: nur wenige kleine “Arbeitsplatzkonflikte” wurden aufgelistet.

Behörden, Opposition und Gewerkschaftsbürokratie versuchen gemeinsam jeden sozialen Protest zu verhindern. Die offiziellen und die “alternativen” Gewerkschaften predigen den “sozialen Frieden” und ein Klassenbündnis. Sie beschränken sich darauf, dass der Staat eingreift und “umstrukturiert”. Alle Versuche von Selbstorganisation der Arbeitskämpfe sind extrem klein und werden rücksichtslos unterdrückt.

Wir haben Informationen über verschiedene Fabriken und Firmen erhalten, in denen Arbeiter/innen entlassen wurden, die unabhängige Gewerkschaften gründen wollten. Es gab wiederholt Fälle von direkten körperlichen Angriffen auf Gewerkschaftsaktivist/innen. Einer ist jetzt im Knast, weil bei ihm angeblich Drogen gefunden wurden.

Das allgemeine politische Klima hat sich auch im Zuge des politischen “Kampf gegen Extremismus” verschlechtert. Demonstrationen und Straßenkundgebungen, auch legale, werden oft aufgelöst. Die Behörden überziehen Antfaschist/innen und Opfer von Polizeibrutalität mit Gerichtsprozessen und klagen sie an wegen “Widerstand”. Es gibt Fälle von politischen Morden, die Opfer sind Antifaschist/innen und Vertreter/innen der oppositionellen Öffentlichkeit.

Die KRAS-IAA

Die KRAS-IAA ist momentan in einer Phase der Reorganisierung. Wir haben drei syndikalistische Initiativen in Moskau (Bildung, Forschung und Technik [FRONT] – Information und Kultur – branchenübergreifend [MOST]) und auch Mitglieder in einigen anderen Städten (Rostov am Don und Tula). Wir geben die Zeitung “Direkte Aktion” [Pryamoye Deystviye] heraus und das Magazin “Libertärer Gedanke” [Libertarnaya Mysl].

Aktivitäten der KRAS-IAA (von 2007 bis Oktober 2009)

Sommer 2007 – Anfang 2008:

Mitglieder der KRAS beteiligen sich an Protestaktionen von moskauer Mieter/innen, die sich gegen den Bau von Nobelhäusern richten. Versuch den Einfluss der politischen Parteien und reaktionären Ideen in dieser Bewegung zurückzudrängen. Die Bemühungen, den Kampf auszuweiten und ein anarchistisches Magazin für diese Bewegung herauszugeben, scheitern dank der Unterstützung anderer Libertärer, die in der Bewegung aktiv sind.

November 2007:

Aktivist/innen der KRAS unterstützen den Streik in der Ford-Autofabrik in Vsevolozhsk (nähe St. Peterburg): Teilnahme an Streikposten, Flugblätter für Selbstverwaltung verteilt, Hilfsmaterial für die Streikenden gesammelt.
Frühjahr 2008:Mitglieder und Unterstützer/innen der KRAS nehmen an den Demonstrationen und Treffen gegen Polizeiwillkür in Moskau teil.

April/Mai 2008:

Mitglieder und Unterstützer/innen der KRAS zeigen ihre Solidarität mit dem Arbeitskampf der Lokomotivfahrer/innen in der Region Moskau (Agitation, Teilnahme an Streikposten, Solidaritätsbekundungen bei Gerichtsverfahren).

Erster Mai 2008:

Teilnahme an der Moskauer Mai-Demonstration.

Juni 2008:

Gründung der “Föderation der Arbeiter/innen in Bildung, Forschung und Technik” (FRONT) im Rahmen der KRAS Moskau.

5. Juni 2008:

Teilnahme am Internationalen Protesttag gegen Starbucks.

August 2008:

Erklärung der FRONT gegen den neuen Krieg in Transkaukasien, die in viele Sprachen übersetzt und auf der ganzen Welt verbreitet wurde.

25. August 2008:

Teilnahme am Anti-Kriegs-Treffen in Moskau

29. August 2008:

Flugblattverteilung vor der Niederlassung des Internationalen Roten Kreuzes in Moskau im Rahmen der internationalen Proteste gegen die Entlassung des Genossen F. Piu in Argentinien.

Herbst 2008:

Nach einem Referendum wurde die moskauer Organisation der KRAS neuorganisiert (Ausschluss von drei Mitgliedern wegen Ethno-Nationalismus und Gewerkschaftsfeindlichkeit) als branchenübergreifende Gewerkschaft und nennt sich nun MOST [Межотраслевой союз трудящихся]. Die moskauer Organisation der KRAS besteht aus FRONT und MOST.

19. September 2008:

Teilnahme an Protestaktion für den antifaschistischen Gefangenen Alexey Bychin.

7. Oktober 2008:

Teilnahme an Streikposten gegen Leiharbeitsagenturen in Moskau und Verteilung des revolutionären, anarchosyndikalistischen Flugblatts “Welche Gewerkschaft brauchen wir?” auf einem Treffen, das von den offiziellen Gewerkschaften unter dem Motto “Gewerkschafts-Protesttag” organisiert wurde.

7. November 2008:

anarchistischer Block auf der traditionellen Demonstration am Revolutionstag von 1917.

18. November:

Agitation auf einem Treffen gegen die Krise und gegen Angriffe auf Arbeiterrechte.

Dezember 2008:

Aktivist/innen der KRAS nehmen teil an Solidaritätsaktionen für den griechischen Aufstand. KRAS-Flugblätter über Griechenland werden am 26.12. auch in einer Hochschule in Moskau verteilt.

Dezember 2008:

Mitglieder von MOST nehmen teil an Aktionen gegen den Bau einer Verbrennungsanlage in Moskau.

31. Dezember 2008 – März 2009:

KRAS-Mitglieder organisieren eine Kampagne gegen die Anhebung der Fahrpreise in Moskau, für kostenlosen Nahverkehr (Graffiti, Flugblätter,…)

17. Januar 2009:

Teilnahme an einer ökologischen Protestversammlung

Januar / Februar 2009:

Nach dem Mord an dem linken Anwalt S. Markelov und der anarchistischen Journalistin N. Baburova durch Todesschwadronen nehmen Aktivist/innen der KRAS an einigen Protestaktionen gegen Polizeimorde in Moskau teil. Auch in anderen Ländern gibt es Proteste nachdem die KRAS einen Aufruf veröffentlicht (Frankreich, CNT-IAA,…)

1. März 2009:

Teilnahme an einem Treffen zur Unterstützung für unterdrückte und verfolgte Arbeiter/innen und Gewerkschaftsaktivist/innen.

April 2009:

Die KRAS hat Einzelmitglieder und Unterstützer/innen in der Region Tula. Im folgenden Monat verteilen die Genoss/innen Flugblätter und Zeitungen der KRAS in einigen Hochschulen und auf Plätzen in Tula.

22. April 2009:

Teilnahme an einer anarchistischen und antifaschistischen Solidaritätsdemonstration für den inhaftierten Antifaschisten Olesinov in Moskau

Erster Mai 2009:

Teilnahme an Mai-Aktionen, Flugblattverteilung und Zeitungsverkauf

Erster Mai 2009:

Solidaritätsaktion für die streikenden Arbeiter/innen bei Visteon in Britannien (ein Protesttransparent wird gegenüber der Niederlassung der Firma “Ford” in Moskau angebracht).

Frühjahr 2009:

Sammeln und Senden von Unterstützungsgeldern für die Arbeiter/innen von “Disco de Oro” in Argentinien.

Mai – Juni 2009:

Die KRAS hilft den streikenden Arbeiter/innen im Geschäft “World of Children” in Khimki bei Moskau (Beratungen, Flugblätter, Protestbriefe,…)

Juni 2009:

erstes Treffen der libertären Lehrer/innen in Moskau.

Sommer 2009:

Kontakt zu Unterstützer/innen der KRAS in Rostov am Don wird hergestellt. Nun hat die KRAS ein Einzelmitglied in der Stadt. Im Sommer und Herbst werden Veröffentlichungen der KRAS in drei Fabriken in der Stadt verteilt.

Sommer 2009:

Protestbrief für die Kinoarbeiter/innen bei “Babylon”, Berlin.

August 2009:

Protestbrief der KRAS an die Verwaltung der Firma “Sealed Air” in Argentinien gegen die Entlassung von Arbeiter/innen.

22. August 2009:

Schwarz-rote Fahnen werden demonstrativ auf einigen Gebäuden in Moskau gehisst aus Protest gegen den offiziellen “Tag der russischen Flagge”.

14. September 2009:

Die KRAS organisiert eine Kundgebung vor der Ukrainischen Botschaft anlässlich des Gerichtsverfahrens gegen soziale Aktivist/innen in Kiev.

15. September 2009:

Die KRAS organisiert eine Kundgebung vor der Serbischen Botschaft in Moskau aus Protest gegen die Verhaftung von Anarchosyndikalist/innen in Belgrad / Serbien.

Herbst 2009:

Diskussion über die Möglichkeit eine syndikalistische Gewerkschaft in Moskau legal anzumelden.

3.-4- Oktober 2009:

Kongress der KRAS in Moskau

Oktober 2009:

neue Gewerkschaftsinitiative der KRAS in Moskau gegründet: die Gewerkschaft der Informations- und Kulturarbeiter/innen


Links zur KRAS

www.kras.fatal.ru

www.aitrus.info

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