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Dokumentation: Athen: Saeure Anschlag an Gewerkschafterin

BesetzerInnen des ISAP-Gebaeudes-Athen 30.12.2008 16:07 Themen: Weltweit Gegen 13 Uhr besetzten rund 100 AnarchistInnen und andere linke und linksradikale Personen die Zentrale der Athener Verkehrsgesellschaft (ISAP), (vergleichbar der BVG in BERLIN) um gegen den Saeure-Angriff auf die Gewerkschafterin Constandina Couneva vom 23.12.08, den miesen Arbeitsbedingungen des Subunternehmens IKOMET, der Couneva beschaeftigt und der ISAP, die Subunternehmen wie IKOMET mit der Reinigung ihrer U-Bahnhoefe beauftragt, zu protestieren. An der Aussenfassade wurde zwei Transparente mit der Aufschrift “Stop dem Terror der Arbeitgeber“ und “Wenn sie sich mit einem von uns anlegen – legen sie sich mit allen von uns an” angebracht waehrend auf der Strasse und ueber Indymedia das Flugblatt der BesetzerInnen, des “ Solidaritaets-Plenums fuer Constandina Couneva” verteilt wurde. Zur Zeit tagt ein Plenum der BesetzerInnen. So berichtete u.a. eine Mitarbeiterin von Couneva von den beschissenen Arbeitsbedingungen fuer die aus Griechenland, Bulgarien und Bangladesch beschaeftigten Arbeiterinnen bei IKOMET. Die Besetzung wird auf jeden Fall ueber Nacht dauern. Am Sonntag, den 28.12.08 wird es um 15.00 UHR eine Demonstration vom besetzten ISAP-Gebauede zum Evagelismos-Krankenhauses, wo Constandina liegt, geben. Ueber weitere Aktivitaeten wird zur Zeit beraten. Die Bullen sind bisher nicht aufgetaucht. Es folgt das heute verteilte Flugblatt der BesetzerInnen, das den Fall Couneva und vorherrschenden Arbeitsverhaeltnisse der Firma IKOMET genau erklaert.:
Solidaritaet mit Constandina Couneva

“Wenn sie sich mit einem von uns anlegen – legen sie sich mit allen von uns an”


Wir haben heute am 27.12.2008 die Zentrale der Athener Verkehrsgesellschaft ISAP besetzt. Wir verstehen dies als erste Antwort auf den nahezu moerderischen Schwefelsaeure-Anschlag auf Constandina Couneva vom 23.12.2008, als sie sich nach Arbeitsende auf dem Heimweg befand.
(Bei dem Angriff auf offener Strasse wurde der Bulgarin Constandina Couneva Schwefelsaeure ins Gesicht und den Koerper von Unbekannten gesprueht.)

Constandina befindet sich zur Zeit auf der Intensivstation des Evagelismos-Krankenhauses in Athen. Ihre Seh- und Atmungsorgane sind schwer beschaedigt. (Die Wahrscheinlichkeit, dass sie auf einem Auge nicht mehr sehen wird, ist sehr gross und ihr Gesicht zeigt deutliche Spuren der Veraetzung)


Wer ist Constandina und warum wurde sie attackiert ?

Constandina ist eine von vielen Hunderten von MigrantInnen und ArbeiterInnen, die seit Jahren als Reinigungskraefte ueber Subunternehmen fuer die ISAP beschaeftigt sind. Sie ist Generalsekretaerin der Pan-Athenischen Gewerkschaft fuer RaumpflegerInnen in oeffentlichen und privaten Haushalten. Und sie hat sich sehr intensiv fuer die Rechte der ArbeiterInnen engagiert.

Erst vorherige Woche gab es einen erneuten Arbeitskonflikt mit der Firma IKOMET im Zusammenhang mit der Forderung nach dem 13.Monatsgehalt fuer sich und andere Arbeiterinnen.

Ihre Mutter, die ebenfalls in der Firma beschaeftigt war, wurde gekuendigt und sie selbst wurde an einem anderem Arbeitsort, nach Maroussi in Athen, strafversetzt.

Nachdem sie gegen die Kuendigung ihrer Mutter und ihrer eigenen Strafversetzung Klage eingereicht hat, wurde fuer den 5.Januar 2009 eine Treffen der Schiedskommision zwischen der Gewerkschaft und der Firma IKOMET anberaumt, um in diesem Arbeitskonflikt zu schlichten.



All dies ist nichts neues und uns wohlbekannt, was die Arbeitsbedingungen von MigrantInnen und Reinigungskraeften anbelangt. ( dazu gehoeren: gebrochene und gefaelschte Vertraege, Zu spaet – oder Nichtbezahlung der Loehne oder der Ueberstunden, fehlende Krankenversicherung und Beschaeftigung von MigrantInnen mit prekaerem Aufenthalsstatus).

Diese allseits bekannten Praktiken, vom griechischen Staat geduldet und unterstuetzt etablieren mittelalterliche Arbeitsverhaeltnisse.

IKOMET ist eine grosse Zeitarbeitsfirma, die Griechenlandweit operiert und Reinigungspersonal auch an andere Firmen weiterverleiht. Der Chef des Subunternehmens IKOMET, Nikitas Ikonomakis, der zugleich ein hohes PASOK-Mitglied ist, gibt an, offiziell 800 Arbeitnehmerinnen zu beschaeftigen, waehrend die Arbeiterinnen nach eigener Schaetzung von bis zu 3000 Beschaeftigten ausgehen. Allein im letzten Jahr haette sich die Zahl mehr als verdoppelt. Die Arbeiterinnen werden bei IKOMET gezwungen Blanko-Vertraege zu unterzeichnen, die sie nie zu Gesicht bekommen. Sie arbeiten bis zu 6 Stunden , bekommen aber nur 4, 5 Stunden bezahlt, damit sie in der Gesamtrechnung des Unternehmens unter dem steuerfreien Betrag liegen. (Aehnlich den Jobs auf 400 Euro/Basis). Sie werden am Arbeitsplatz terrorisiert, (sexuell belaestigt, wie eine Arbeiterin heute auf dem Plenum der BesetzerInnen erklaerte), gefeuert, strafversetzt und genoetigt und gezwungen, Kuendigungen zu unterschreiben. So wurde zum Beispiel eine Arbeiterin bei IKOMET fuer 4 Stunden von den Arbeitgebern in den Firmen-eigenen Raeumen als Geisel festgehalten, bis sie ihre eigene Kuendigung unterschrieb.

Der Chef des Unternehmens gruendete eine eigene von der Firma kontrollierte Gewerkschaft um die Arbeitnehmerinnen zu manipulieren und je nach Belieben anzustellen und zu feuern, um damit die Kommunikation und Organiserung der Arbeiterinnen zu unterbinden. (Die vom Unternehmen selbst gegruendete Gewerkschaft fungiert hier somit als “willfaehriges Instrument des Unternehmens”)


Wie ist die Beziehung zwischen ISAP und IKOMET ?

IKOMET hat Auftraege von ISAP und anderen oeffentlichen Institutionen erhalten, weil sie als Unternehmen ein billigeres Gesamtpaket als andere anbieten konnten, das heist eine hoehere Ausbeutung der Arbeiterinnen garantieren.

IZAP weiss um die miserabelen Arbeitsbedingungen und ist dafuer verantwortlich.

In der Vergangenheit wurde ISAP schon mehrmals von der Pan-Athenischen Gewerkschaft fuer RaumpflegerInnen in oeffentlichen und privaten Haushalten eben wegen genau dieser Arbeitsbedingungen verklagt.


Dieser moerderische Angriff auf Constandina laesst sich als Rache- und Abschreckungsmassnahme charaktersieren. Das Ziel ist nicht zufaellig. Sie ist Frau, Migrantin, alleinerziehende Mutter eines minderjaehrigen Sohnes und engagierte Gewerkschafterin- deshalb schien sie fuer die Arbeitgeber angreifbar und verletzbar.

Die Art und Weise des Angriffes war nicht zufaellig. Sie zeugt von Praktiken mittelalterlicher Rache und Bestrafung.

Der Zeitpunkt war nicht zufaellig. Waehrend die Medien, die Kirche, die Unternehmen und Gewerkschaftsbosse versuchen die Ermordung des 15 jaehrigen Alexis als Querschlaeger zu rekonstruieren und die darauffolgende “soziale Explosion” unterminieren und herunterspielen, schien der Angriff auf Constandina unterzugehen und nicht von so grosser Bedeutung zu sein.

Der moerderische Angriff auf Constandina war sorgfaeltig geplant. Constandina ist eien von uns. Ihr Kampf fuer Wuerde und Solidaritaet ist auch unser Kampf.

Der Angriff auf Constandina hat uns alle getroffen.


Wir erinnern an rassistische Pogrome, Abschiebegefaegnisse und Fluechtlingsknaeste, an Buergerwehren und parastaatliche Einheiten, an Arbeitsunfaelle an Arbeitsplaetzen, an Kuendigungen, an miese Arbeitsbedingungen, an staatliche Morde, an Anklagen und an die Kriminalisierung des Widerstandes und der Terrorisierung im Alltag.

All dieses zeigt den langen Weg des sozialen Kampfes und des Klassenkampfes.

In unserem Herzen flutet Trauer und Wut

Und es kommt uns nur eines ueber die Lippen :



Die Moerder werden bezahlen

Der Arbeitgeber-Terror wird ein Ende haben
Wir rufen zu einer oeffentlichenh Versammlung im ISAP- Gebaeude um 20.00 Uhr auf
Solidaritaets-Plenum Constandina Couneva 27.12.2008 Athen

Die in Klammern hinzugefuegten Erlaueterungen erfolgten von dem UebersetzerIn-Team zum besseren Verstaendnis des Gesamtzusammenhangs oder der aus Gruenden der Aktualisierung.

Fuer mehr Infos : siehe die Webseite der BesetzerInnen des ISAP-Gebaeudes-Athen
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