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Di schwarzi chatz: Streik bei der Unia

„Wenn Unrecht zu Recht wird, ist Widerstand Pflicht“ steht auf dem Transparent im Treppenhaus. Im Treppenhaus ist es ruhig und eher dunkel – ein Widerspruch zu der Szenerie draussen vor der Tür, da hängen ein Dutzend rot-weisse Unia Fahnen, Trams und Autos brausen vorbei und tragen zusammen mit den Gesprächen der PassantInnen, die über das Transparent „Unia Mitarbeiter im Streik“ diskutieren zu einer hektisch-lärmigen Atmosphäre bei.

Ein Treppenabsatz über dem Transparent im Treppenhaus befindet sich der Empfang der Unia Sektion Bern. Es ist ruhig, wie immer. Doch etwas ist  anders: Die Türe auf der linken Seite ist offen. Diese Türe führt vom Empfang in den langen Korridor mit den Büros der Funktionäre und ist normalerweise wie eine Barriere zwischen einfachen Mitgliedern und den bezahlten Funktionären, die einen Schlüssel besitzen.
Im langen Gang ist kaum ein Platz an den Wänden und Türen noch frei, überall hängen Plakate auf denen Parolen stehen:
„Duke ist unser Sektionsleiter“, „Michi du bist verwarnt“, „La clase trabajadora, no se va al paradiso, viva el companero duke“.
Es liegen Schilder und Transparente herum, auf denen dieselbe oder eine ähnliche Botschaft vermittelt wird.

Es ist klar und deutlich: Die Gewerkschaft streikt gegen die Gewerkschaft.

Es sind die unteren Funktionäre der Sektionen Bern und Oberaargau die gegen die Leitung der Region und gegen die landesweite Geschäftsleitung, die Zentrale streiken, und das alles unter dem Slogan „Streik – für eine Unia von unten!!“

Wenn Unrecht zu Recht wird...
Der Streik liegt begründet in der Verwarnung des Co-Präsidenten der regionalen und landesweiten Personalkommission und in der de-facto-Entlassung des Berner Sektionsleiters, Roland „Duke“ Herzog. Es ist also ein Arbeitskampf gegen eine Entlassung eines gewählten und beliebten
Vorgesetzten, es ist aber auch ein Kampf gegen fast-stalinistische Strukturen in der Unia: Vordergründig demokratisch, mit Wahlen für jeden Posten, aber hintergründig autokratisch, mit hohen Funktionären, die fast nach Belieben schalten und walten können. Es ist also auch ein Arbeitskampf gegen Strukturen, die schon in vergangenen Tagen abgrundtief schlecht waren und die, zumindest in diesem Rahmen, immer weniger bereit sind zu schlucken. Es gibt allerdings noch eine weitere Komponente: Ein seit längerem tobender Machtkampf innerhalb der Unia, der verbissen geführt wird und in welchen verschiedene Fraktionen eingreifen.
Zum Beispiel streikt die Sektion Berner Oberland, die dritte Sektion in der Region Bern, nicht mit, da es sich – wie ein Oberländer Funktionär es ausdrückt – „nicht lohnt für Duke zu streiken.“ Mit anderen Worten, die berechtigte Kritik an der Struktur der Unia und am Umgang mit Mitarbeitenden seitens der Regionsleiter und der Zentrale wird nicht geteilt, da Duke einer anderen Fraktion angehört.

...wird ein Umdenken Pflicht
Doch auch wenn der Streik der Sektionen Bern und Oberaargau absolut berechtigt und eine resolutes „Nein!“ zu den Strukturen der Unia schon überfällig war, stellt sich doch die Frage, wohin dieser Streik führen wird. Wenn es eine Demokratisierung der Gewerkschaften nach sich zieht ist dieser Streik sicher nicht für nichts geführt worden. Aber einerseits ist nicht sicher, ob die Streikenden selbst nicht als Spielball der Fraktionen benutzt werden, um zu mehr Einfluss zu gelangen und andererseits wird sich auch durch einen erfolgreichen Streik die grundlegende Struktur der Zentralgewerkschaften nicht verändern: Bezahlte Funktionäre entscheiden über den Köpfen der Basismitglieder hinweg wie, wann und ob ein Arbeitskampf geführt werden soll. Es verändert sich anders gesagt nichts daran, dass Gewerkschaftsmitglieder oft nicht selber kämpfen sondern delegieren. Doch genau hier sollte der Protest ansetzen:

Eine ewerkschaft macht nur Sinn, wenn die Struktur komplett in den Händen der Basismitglieder, der Arbeiterinnen und Arbeiter, bleibt. Ein gewinnorientiertes Unternehmen, das mit den Firmen zusammen arbeitet, um Streiks zu beenden, ist das Gegenteil davon – das ändern auch keine
demokratisch(er)en Strukturen.

smf

di schwarzi chatz Nr.11

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