Sie sind hier: Startseite / Nachrichten / Deutschlands Sozialkahlschlag in Zahlen

Deutschlands Sozialkahlschlag in Zahlen

Ein Vergleich der Sozialkürzungen Deutschlands mit der Situation in den anderen Westeuropäischen Länder offenbart die rücksichtslose Durchsetzung von Eliteninteressen (Sonntag 18. Mai 2008 von Joachim Jahnke)

Die Eurostat-Pressemitteilung vom 8. Mai 2008 hat es in sich. Dort wird in nackten Zahlen vorgeführt, wie sich in der EU die Kosten für die soziale Sicherheit verhalten und wie sie sich zwischen 2000 und 2005 entwickelt haben. Deutschland scheint auf das Bruttoinlandsprodukt bezogen mit 36 % in 2005 auf dem 5. Platz unter den 15 Alt-EU-Ländern noch im oberen Mittelfeld zu liegen:

Berücksichtigt man alllerdings, daß Deutschland eine besonders stark alternde Bevölkerung hat und daher relativ mehr für die soziale Sicherheit ausgeben sollte, und stellt dementsprechend auf die Ausgaben pro Kopf der Bevölkerung ab 30 Jahre ab, so fällt Deutschland auf einen sehr enttäuschenden 11. Platz ab und hat nur noch das europäische „Armenhaus" mit Italien, Spanien, Griechenland und Portugal unter sich. Dänemark und Schweden führen nach Luxemburg das Feld an:

Das liegt auch an der relativ geringen Beteiligung öffentlicher Gelder, bei der Deutschland nur auf dem 9. Platz rangiert. Hier findet man, wie zu erwarten, die skandinavischen Länder in der Spitzengruppe:

Besonders bedrohlich für Deutschland: Hier ist der Zuwachs seit 2000 in Ausgaben pro Bruttoinlandsprodukt mit nur 0,2 % pro Jahr der weitaus geringste:

Wieder einmal zeigt Deutschland eine fundamentale Schwäche im Europatest. Man sollte dringend von den skandinavischen Ländern lernen.

Der Zuwachs an Ausgaben für die soziale Sicherheit ist seit 2000 in Ausgaben pro Kopf und zu konstanten Preisen mit nur 0,2 % pro Jahr der weitaus geringste:

Verglichen mit dem Alt-EU-Durchschnitt hat Deutschland besonders an den Kosten für die Beschäftigung und die Gesundheit, aber auch Ehe/Familie und Alter/Hinterbliebene gespart - eine sehr unglückliche und die Zukunft belastende Entwicklung:

Vor allem sind in Deutschland die Arbeitgeberbeiträge zur sozialen Sicherheit vermindert worden, angeblich für mehr Beschäftigung, viel wahrscheinlicher aber, um kurzsichtig die deutsche Konkurrenzfähigkeit im Export weiter zu stärken, und dies offensichtlich mit wenig Rücksicht auf die Zukunft der sozialen Sicherheit. Allein zwischen 2000 und 2005 verminderte sich der Arbeitgeberbeitrag um 7 %, während die Anteitgeberanträge aller anderen, teilweise erheblich, zulegten:

Deutschland ist auf dem besten Weg, seine soziale Sicherheit zu verspielen. Dazu zwingt uns bei hohen Exportüberschüssen sicher nicht die Orientierung an den Exportinteressen und deren Lobby. Ein Land, das in Angst um seine soziale Sicherheit leben muß, verliert auch an Würde und Schaffenskraft seiner Menschen.

Diesen Artikel per email versenden title= Per email versenden...

Artikelaktionen

Navigation
Anmelden


Passwort vergessen?
« April 2017 »
April
MoDiMiDoFrSaSo
12
3456789
10111213141516
17181920212223
24252627282930