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Demonstration gegen die Ausbeutung bei den Kieler Nachrichten

Arm trotz Arbeit - Am 30.6. demonstrierten am Mittag ungefähr 100 Menschen in der Kieler Innenstadt gegen Leiharbeit und prekäre Beschäftigung bei den Kieler Nachrichten (KN). Es ging um die Entlassung der Mitarbeiter_innen der Druckerei der KN, welche im Jahr 2000 durch die KN „ausgegliedert“ wurden und die Weiterverarbeitung der Zeitung im Druckzentrum Moorsee an die Leiharbeitsfirma Tabel vergeben wurde. Nachdem die Tabel-Beschäftigten es nun endlich geschafft hatten einen eigenen Betriebsrat zu gründen, wurde den 389 permanenten „Leiharbeiter_innen“ spontan gekündigt.

Eine Passage aus dem Aufruf: „Da die Bezahlung dort [bei Tabel] mehr als die Hälfte unter dem Tarif der Stammbelegschaft liegt, sparten die KN auf Kosten der Beschäftigten. Zudem verschlechterten sich die Arbeitsbedingungen: Dort angestellte 400-Euro-Kräfte bekamen keinen bezahlten Urlaub, die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestpausen wurden ebenso wie Höchtsarbeitszeiten nicht eingehalten, ein Sitzverbot wurde eingeführt.

Nach mehreren erfolglosen Versuchen gelang es im Herbst 2009 endlich, einen Betriebsrat zu gründen, um sich gegen die miesen Arbeitsbedingungen zur Wehr zu setzen. Die Folge war jedoch, dass den 389 MitarbeiterInnen der Tabel-Gruppe zum 30. Juni gekündigt wurde. Drei neue Firmen bekamen den Auftrag, die sich explizit darum bemühen, dass keine oder möglichst wenige ehemalige Tabel-MitarbeiterInnen eingestellt werden.“

Gegen diese unglaublichen Zustände bei den Kieler Nachrichten haben sich einige Tabel-Arbeiter_innen zur Wehr gesetzt und sind an die Öffentlichkeit gegangen. Sie haben auf ihre Situation aufmerksam gemacht und dabei Unterstützung von verschiedenen Seiten bekommen. In einem anderen Indymedia Artikel heißt es: „Man suchte Kontakt zu den Parteien und zeigte sich offen für die sozialen Bewegungen. Von der Linkspartei erfuhr man spürbare Unterstützung und traf sich auch mit Leuten von der FAU und Aktivisten von Chefduzen („Forum der Ausgebeuteten“). Da die KN über ein Meinungsmonopol in der Region verfügen, wurde es zu einem Problem die Öffentlichkeit zu erreichen. Schon ein Artikel in der TAZ war hilfreich. Man schrieb auch für kleine linke Zeitungen und schaffte es den Wikipedia-Eintrag über die Kieler Nachrichten um einen Absatz über die Lohndumpings-Politik des Verlags zu ergänzen.“

Zu der Demonstration hatten neben den Betroffenen aus dem Umfeld des Betriebsrats auch die Gewerkschaft ver.di, die Linkspartei und linke Gruppen aus Kiel aufgerufen. Leider kämpfen aber offensichtlich bei weitem nicht alle gekündigten Tabel-Arbeiter_innen aus Moorsee für ihre Rechte. Von den knapp 400 Gekündigten waren geschätzte 50 Arbeiter_innen anwesend, die andere Hälfte der Demonstration bestand aus Unterstützer_innen verschiedener politischer Spektren, so dass neben Gewerkschafter_innen und Mitgliedern der Parteien (auch die Grünen & SPD waren vor Ort…) auch einige Anarcho-Syndikalist_innen, Autonome, Sozialist_innen und Kommunist_innen auf der Demo waren und auch optisch ihren Eindruck hinterließen. Leider hielt es auch der Betriebsrat der KN-Stammbelegschaft nicht für nötig sich zu positionieren. Die schlechte Beteiligung an der Aktion hinterließ bei einigen solidarischen Unterstützer_innen einen faden Beigeschmack. Trotz guter Öffentlichkeitsarbeit und Kontakten zu Gewerkschaften, Parteien und außerparlamentarischen Linken, trotz der offensichtlichen Schweinereien, die die lokale Monopol-Zeitung KN immer wieder poduziert, waren viele der Betroffenen, aber auch die Gerwerkschaften, nicht in der Lage die notwendigen und richtigen Forderungen der kämpfenden Tabel-Arbeiter_innen zu unterstützen (und hier sollte auch nicht die Uhrzeit als Grund für die Akzeptanz von Beschneidungen von Arbeitnehmer_innenrechten geltend gemacht werden). So blieb es beim kleinen Aufbegehren Einiger, die allerdings verstanden haben, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine darstehen, sondern dass die Ausbeutung der Arbeiter_innen, gerade auch in Zeit- und Leiharbeitsfirmen, Alltag in Deutschland ist.

Weitere Infos:

Hintergründe: http://de.indymedia.org/2010/06/284238.shtml

Diskussion: http://www.chefduzen.de/index.php/topic,21494.0.html


Stellungnahme der FAU-Kiel zum Tabel-Konflikt

In Kiel hat sich der Konflikt um die MitarbeiterInnen der Tabel GmbH, die per Werk-/Dienstvertrag an die Kieler Nachrichten (KN) ausgeliehen werden in den letzten Monaten zugespitzt. Nachdem eine Betriebsratsgründung mit Hilfe der Partei Die Linke der KN und ver.di abgenötigt wurde, entschloss sich die KN, den Vertrag mit der Firma Tabel zu kündigen. Die Arbeit soll künftig von mehreren Leiharbeitsfirmen wie TMI, Mahnsen und der Starkgruppe übernommen werden.
Als Freie Arbeiterinnen und Arbeiter-Union (FAU) Kiel erklären wir uns solidarisch mit allen Beschäftigten im KN-Verbund, die unter prekären Bedingungen arbeiten. Die Situation der Tabel-Mitarbeiter ist dabei besonders prekär und zeigt, dass es sogar zur Leiharbeit noch eine Verschlechterung geben kann.

Der Konflikt zeigt, dass bestehende Gesetze die Arbeiterinnen nur unzureichend schützen. Es zeigt auch, dass die Gründung eines Betriebsrates noch nicht mit einem nachhaltigen Erfolg gleichzusetzen ist. Betriebe werden in virtuelle Unternehmen mit mehreren Subunternehmen umgewandelt , um nach dem Prinzip „Teile und Herrsche“ flexibler gegen unliebsame Forderungen der Arbeiterinnen vorzugehen.

Es kann hierbei aber für Gewerkschaften nicht darum gehen, die verschiedenen Mitarbeiterinnen gegeneinander auszuspielen, sondern darum, die Solidarität zwischen allen Betroffenen herzustellen. In diesem Zusammenhang ist auch der KN-Betriebsrat scharf zu kritisieren, der es bislang nicht geschafft hat, sich mit den outgesourcten Kräften zu solidarisieren.

Die FAU Kiel fordert die Kieler Nachrichten auf, die bestehenden Arbeitsplätze in die bestehende Firmenstruktur einzubeziehen, anstatt weiter auf eine Zersplitterung zu setzen. Darüber hinaus fordern wir von dem Betriebsrat der KN und ver.di, den Arbeitskampf der Tabel-Mitarbeiter zu unterstützen. ArbeitnehmerInneninteressen dürfen kein Spielball von Machtinteressen sein.

Die Freie Arbeiterinnen und Arbeiter-Union (FAU) lehnt eine Stellvertreterpolitik von ArbeiterInneninteressen ab. Im Mittelpunkt gewerkschaftlicher Arbeit müssen die unmittelbaren Interessen der Arbeiterinnen stehen. Die FAU betrachtet Leiharbeit und andere prekäre Beschäftigungsverhältnisse als Hindernis auf dem Weg zur Verwirklichung des Prinzips gleicher Lohn für gleiche Arbeit und tritt daher für eine Abschaffung dieser Beschäftigungsverhältnisse ein.

FAU Kiel

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