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Budapest: Bibliothek "Ervin Szabo" soll umbenannt werden

Wie die Junge Welt heute berichtet, soll auf Druck nationalistischer und konservativer Kräfte die Zentralbibliothek in Budapest umbenannt werden. Sie trägt den Namen Ervin Szabo, einem der aktivsten Anarchisten und Anarchosyndikalisten Ungarns. Ervin Szabo brach 1909 mit der reformistischen sozialdemokratischen Partei. Nach Angaben des englischen Anarchisten und Historikers Martyn Everett in seiner englischsprachigen Broschüre „War and Revolution: The Hungarian Anarchist Movement in World War 1 and the Budapest Commune (1919)“ war Szabo aktiv an der Organisation einer „syndikalistischen Progaganda-Gruppe“ (mit 200 Mitgliedern) involviert und unterhielt rege Korrespondenz mit französischen Anarcho-Syndikalisten. Auch organisierte er ein internationales Treffen von Anarcho-Syndikalisten in Budapest. Es überrascht nicht, das die Kommunistische Partei Ungarns eine Bibliothek nach diesem Genossen benannt hat, war er doch einer der rührigsten Genossen seiner Zeit und weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Zudem wurde sein anarchistischer und syndikalistischer Hintergrund verschwiegen. Nun wollen die Nationalisten und Konservativen seinen Namen ganz aus der Öffentlichkeit verbannen.

Homepage der Ervin Szabo Bibliothek (englischsprachiger Bereich)

Kurz-Biographie über Ervin Szabo auf der Bibliotheks-Webseite (Englisch)

Wir dokumentieren den Artikel aus der Jungen Welt vom 04.11.2010

Gespenst in Ungarn

In Budapest soll die Zentralbibliothek nicht mehr nach Ervin Szabó benannt sein. Das fordert Staatssekretär Géza Szöcs, der sich damit willfährig zum Sprachrohr nationalkonservativer, aber nicht sonderlioch prominenter Historiker macht, die mit einer solchen Forderung mehr Aufmerksamkeit erheischen wollten. Szabó war noch nicht einmal Kommunist – die ungarischen KP gründete sich 1918 zwei Monate nach seinem Tod. Szabó war linker Sozialdemokrat und stand anarchosyndikalistischen Ideen nahe. Darüber hinaus hat er Konzeptionen für Biobliotheken entwickelt. Aber er hat das Vorwort zu einer ungarischen Ausgabe des »Kommunistischen Manifests« geschrieben.

In der Neuen Zürcher Zeitung vom Mittwoch scheibt György Dalos: »Ein Gespenst geht um in Ungarn – das Gespenst des nachträglichen und deshalb risikofreien Antikommunismus. Offensichtlich ist dies ein gesamtosteuropäisches Phänomen, wenn man die sarkastische Bemerkung des rumäniendeutschen Schriftstellers Richard Wagner in Betracht zieht, der zufolge entsprechend es in Rumänien inzwischen fast ebenso viele Antikommunisten gibt, wie es unter Ceausescu Genossen gab.« (jW)

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