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Berlin: Schlußakkord im Kino Babylo(h)n

Weniger als eine Woche bleibt den Vertragsparteien des Babylon Haustarifs die für spätestens Oktober 2010 vereinbarten Nachverhandlungen. Es darf bezweifgelt werden, daß derzeit die Geschäftsführer Grossman und Hackel samt Theaterleitung und einem geheimen Verdi-Mitglied hinter dem Rücken der Beschäftigten mit einem stellvertretenden Verdi-Bezirksvorsitzenden Discount-Vereinbarungen treffen, wie beim letzten Mal:

Denn die Belegschaft hat Verdi vollends abgeschrieben, keiner wollte Anfang des Jahres Mitglied der Dienstleistungsgewerkschaft werden, selbst als die Geschäftsleitung angekündigt hatte, nur Verdi-Leuten den Tarif zu zahlen.
Und auch Verdi hat die Babylon-Belegschaft abgeschrieben, um die es dem Verhandlungsführer Andreas Köhn nie ging. Schließlich galt es doch in erster Linie, der überraschend schlagkräftigen Konkurrentin FAU Berlin in ihrem Arbeitskampf Knüppel zwischen die Beine zu werfen.
Was jedoch laut Vertrag noch im Oktober verhandelt werden muss, könnte die Situation der Beschäftigten im Babylon deutlich verbessern:
Nicht nur die Höhe des Schadenersatzes für die Unannehmlichkeit im Babylon Verdi-Mitglied zu sein („Vorteilregelung für Verdi-Mitglieder“) wird im Oktober verhandelt, sondern auch Kleidergeld, Zulagen und, man höre und staune, die bislang ausgesetzte Vergütungstabelle.
Sollte diese wie vorgesehen gelten, könnten Filmvorführer im Babylon wie in allen anderen Flächentarifkinos mehr als 12 Euro, anstatt 9,03 Euro pro Stunde verdienen, Kassierer etwa 8,50 Euro, anstatt 7,74 Euro wie bisher.
Das Problem bei der Sache: Die Gewerkschaft Verdi hat sich im Babylon als weder verhandlungs- noch tariffähig erwiesen. Selbst die Gegnerfreiheit, also die Unabhängigkeit von der Geschäftsführung wird Verdi von bösen Zungen im Babylon abgesprochen; zu eng verbinde beide Parteien das gemeinsame Interesse: gegen die in der FAU Berlin selbstorganisierte Belegschaft vorzugehen.
Womöglich werden beide, Geschäftsführung und Gewerkschasftsapparat vertragsbrüchig und im Oktober überhaupt keine Verhandlungen mehr führen.
Doch auch diese Option könnte interessant werden: Wenn sich keiner an den Tarifvertrag hält, ist er offenbar ungültig. Ohne Tarifvertrag keine Friedenspflicht. Wenn das mal nicht eine andere, durchsetzungsfähige Gewerkschaft auf den Plan ruft…

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